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Timor-Leste

Wirtschaftspolitik

Stand: Oktober 2015

Grundlinien der Wirtschaftspolitik

Timor-Leste ist als Mitglied der Vereinten Nationen, des Internationalen Währungsfonds, der Weltbank sowie der Asian Development Bank (ADB) in die internationale Gemeinschaft integriert; auf regionaler Ebene besteht starkes Interesse an einer Mitgliedschaft bei ASEAN, die im Jahr 2011 offiziell beantragt wurde.

Dank internationaler Entwicklungsgelder, einer bis einschließlich 2012 starken Konsumnachfrage der UNMIT Mitarbeiter, hoher Einnahmen aus dem Ölverkauf und zusätzlicher Staatsausgaben war Timor-Leste von der weltweiten Finanz-und Wirtschaftskrise 2008/2009 und ihren weiteren Folgen nicht stark betroffen. Allerdings sind die Staatseinnahmen und damit das BIP Timor-Lestes stark durch die Volatilität der Ölpreise am Weltmarkt bestimmt. Der starke Preisverfall von Rohöl zum Jahresende 2014 hat daher erneut das Risiko verdeutlicht, dass die bisherige Entwicklungsstrategie Timor-Lestes – aus Öleinnahmen finanzierte Investitionen in Infrastrukturprojekte und massive Transferzahlungen – langfristig nicht finanzierbar bleiben wird.

Die Inflation lag im Mittel der letzten Jahre bei rund 10 % p.a., ging zuletzt aber deutlich zurück. Waren früher die Konsumausgaben der internationalen Präsenz tendenziell preistreibend, so sind es heute eher die steigenden staatlichen Transferzahlungen. Das Gesamt-BIP (inkl. Ölbereich) belief sich 2014 auf rd. 4,5 Mrd. USD  (Schätzung IWF). Dies entspräche einem Pro-Kopf BIP von 3.638 USD. Rechnet man die Öl-/Gaseinnahmen jedoch heraus, gehört Timor-Leste nach wie vor zu den am wenigsten entwickelten Ländern der Welt: der IWF schätzt das BIP Pro-Kopf ohne diese Einkünfte auf 1300 USD. Knapp 40 Prozent der Bevölkerung leben noch von weniger als 1,25 US-Dollar am Tag, bei großen Unterschieden zwischen Stadt und Land und den besser gestellten östlichen gegenüber den unterentwickelten westlichen Provinzen. Nur ein Drittel der Bevölkerung hat Zugang zu Elektrizität. Die Geburtenrate von 2,4 Prozent (IWF) verschärft das Problem zusätzlich.

Der für 2015 geplante Staatshaushalt umfasst Ausgaben von rd. 1,6 Mrd USD. Staatliche Transferzahlungen liegen bei über 300 Mio. USD. Gegenfinanziert werden die Ausgaben größtenteils durch Einkünfte bzw. Entnahme aus dem Petroleum Fonds; lediglich 170 Mio. USD stammen aus laufenden Steuern und Abgaben.

Zur Verbesserung der Infrastruktur und der Entwicklung des Bildungskapitals werden seit 2011 zwei spezielle Fonds eingerichtet. Im Haushaltsplan 2015 sind für den Infrastructure Fund 441 Mio. USD und für den Human Capital Development Fund 41 Mio. USD vorgesehen.



Wirtschaftspolitische Schwerpunkte

Wirtschaftspolitische Schwerpunkte sind stabile Staatsfinanzen und die Förderung des Privatsektors. Wegen einer möglichen Erschöpfung der Ölreserven im kommenden Jahrzehnt und der aktuell niedrigen Weltmarktpreise stellt die Diversifizierung der Wirtschaftsstruktur die wichtigste Herausforderung für die Wirtschaftspolitik Timor-Lestes dar.

Auf der fiskalpolitischen Seite ist man mit der Einrichtung einer Aufsichtsbehörde für das Banken- und Zahlungssystem (Banking and Payments Authority), dem Aufbau eines statistischen Amtes und Bemühungen um eine Verbreiterung der steuerlichen Basis auf dem richtigen Weg; eine zunehmende Tendenz zu steigenden Transferzahlungen gilt es im Blick zu behalten. Die Nutzung des US-Dollar als Währung schränkt Timor-Lestes Möglichkeiten, eine eigenständige Geldpolitik zu betreiben, deutlich ein.

Die Regierung bemüht sich um ausländische Investoren. Um die Privatwirtschaft weiter anzukurbeln, wird man sich um den Abbau von Investitionshemmnissen kümmern müssen. In ihrer Auswertung „Doing Business 2015“ stellt die Weltbank Timor-Leste mit Platz 172 von 189 Ländern ein gegenüber dem Vorjahr unverändert schlechtes Zeugnis aus. In drei der zehn Unterkategorien belegt Timor-Leste sogar den weltweit schlechtesten Platz. Neben einer Verbesserung des Geschäfts-/ Investitionsklimas sind Investitionen in Infrastruktur, Bildung und Maßnahmen der Bevölkerungsentwicklung für eine positive wirtschaftliche Entwicklung Timor-Lestes erforderlich. 

Der große Fachkräftemangel und das hohe Lohnniveau wirken sich negativ auf die wirtschaftliche Entwicklung aus. Ein niedrigeres Lohnniveau würde auch dem Abbau der hohen Arbeitslosigkeit von durchschnittlich ca. 20 Prozent (40 Prozent im ländlichen Bereich, über 40 Prozent Jugendarbeitslosigkeit) dienen; zunehmend werden –gerade im Bau– Gastarbeiter aus Indonesien oder China eingesetzt. Mit Programmen zur Erleichterung des Zugangs zu Krediten für die klein- und mittelständische Industrie sollen weitere Anreize geschaffen werden. Die Regierung hat ein Investitionsgesetz verabschiedet, das Anlegern Rechtssicherheit garantiert. Hiermit soll die Attraktivität Timor-Lestes für Investoren gesteigert werden.

Entscheidend für den wirtschafts- und fiskalpolitischen Spielraum der timoresischen Regierung bleiben die Einnahmen aus dem Petroleum Fund. 2015 lag das Volumen des Fonds bei über 16 Mrd. USD. Noch offen ist der Ausgang von Überlegungen, Timor-Leste könne mittelfristig selbst in die petrochemische Industrie einsteigen.

Die Regierung Timor-Lestes möchte in den kommenden Jahren erhebliche finanzielle Ressourcen in die Entwicklung der Enklave Oecusse zu einer Sonderwirtschaftszone investieren. 2015 sollen hierfür rund 80 Mio. USD aus dem Staatshaushalt bereitgestellt werden.


Wirtschaftssektoren

Die auf Subsistenzwirtschaft ausgerichtete Landwirtschaft, in der etwa 75 Prozent der Beschäftigten tätig ist, trägt mit der Produktion von überwiegend Grundnahrungsmitteln rund 27 Prozent zum Nicht-Öl BIP bei (Industrie 18 Prozent, Dienstleistungen 55 Prozent). Durch den Anbau von Vanille, Kakao und Erdnüssen neben dem bereits als Exportgut bewährten Kaffee (Anteil von rund 80 Prozent am Gesamtexport im Nicht-Öl Bereich) sind hier zukünftig Ertragssteigerungen möglich. Im produzierenden Gewerbe sind die Entwicklungschancen mittelfristig wegen der mangelhaften Infrastruktur und des Fehlens qualifizierter Arbeitskräfte gering. Der Tourismussektor bietet aufgrund der landschaftlichen Schönheit, der kulturellen Vielfalt und der Nähe des Landes zu Australien ein bisher kaum ausgeschöpftes Potential.


Außenhandel

Der Außenhandel, außer beim Rohöl, wird auf Jahre hinaus defizitär bleiben. Timor-Leste führte 2013 Waren (Ölexporte nicht eingeschlossen) im Wert von nur 18 Mio. USD aus  (2012: 33 Mio. USD) (Quelle: IWF, Statistikbehörde Timor-Leste). Die Importe beliefen sich 2013 auf 694 Mio. USD. Die wichtigsten Importgüter sind Fahrzeuge, Raffinerieprodukte und Nahrungsmittel. Dem hohen Importbedarf, vor allem bedingt durch das Fehlen einer eigenen leistungsfähigen industriellen Basis, steht allein Kaffee als nennenswertes Ausfuhrgut gegenüber, dessen Exportpotential aufgrund fehlender Transport- und Veredelungsmöglichkeiten bisher nur teilweise ausgeschöpft wurde. Hauptexportländer (einschl. Ölexporte) sind Singapur, Südkorea und Japan; Hauptimportländer sind Indonesien, Singapur und Italien.

Hinweis:

Dieser Text stellt eine Basisinformation dar. Er wird regelmäßig aktualisiert. Eine Gewähr für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Angaben kann nicht übernommen werden. 


Entwicklungs­zusammenarbeit

Deutschland unterstützt das Land seit 1999 beim Aufbau. In der Anfangsphase stand neben Nahrungsmittel-, Not- und Flüchtlingshilfe die Trinkwasser­versorgung in den östlichen Distrikten im Mittelpunkt der Zusammenarbeit. Danach wurden die Entwicklung des maritimen Transportsektors und die Förderung der ländlichen Entwicklung als mittelfristige Schwerpunkte der Zusammenarbeit festgelegt. Künftig soll sich die Zusammenarbeit auf das Thema Krisenprävention und Konfliktbearbeitung konzentrieren.

Mehr dazu beim Bundesministerium für Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung:

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