Hauptinhalt

Timor-Leste

Beziehungen zu Deutschland

Stand: Oktober 2015

Politische Beziehungen

Die Beziehungen zwischen Timor-Leste und Deutschland sind problemlos und freundschaftlich. Timor-Leste erhält seit der Zeit der VN-Übergangsverwaltung von 1999 umfangreiche Unterstützung aus Deutschland zum Aufbau des Landes. Mit Erreichen der staatlichen Unabhängigkeit am 20. Mai 2002 wurde Timor-Leste von Deutschland völkerrechtlich anerkannt.

Der ehemalige Präsident Dr. Ramos-Horta ist seit November 2002 regelmäßiger Gast in Deutschland. Im April 2012 besuchte der damalige Außenminister da Costa Berlin. 2004 hielt sich der damalige timoresische Staatspräsident und spätere Premierminister Xanana Gusmão erstmals auf Einladung der Bundesregierung zu einem Besuch in Deutschland auf. 2005 war Bundesaußenminister Fischer, als erster EU-Außenminister überhaupt seit der Unabhängigkeit, in Dili.

Timor-Leste unterstützt traditionell deutsche Bemühungen um eine Reform der UN, wie auch deutsche VN-Kandidaturen, teils auch im Rahmen von Gegenseitigkeitsvereinbarungen. Der Bestellung des ersten timoresischen Honorarkonsuls in Berlin wurde im Februar 2011 zugestimmt.


Wirtschaftsbeziehungen

Der bilaterale Handel bewegte sich 2014 mit einem Volumen von nur 10,7 Mio. EUR auf sehr geringem Niveau. Timor-Lestes Exporten nach Deutschland (größtenteils Kaffee) in Höhe von rund 10,6 Mio. EUR standen Einfuhren im Wert von nur 112.000 EUR gegenüber.

Der bilaterale Investitionsförderungs- und -schutzvertrag (IFV) mit Timor-Leste vom 10. August 2005 bedarf vor Inkrafttreten zunächst der Ratifizierung durch beide Vertragsparteien.


Entwicklungspolitische Zusammenarbeit

Die friedlichen Wahlen 2012 und die stabile Sicherheitslage während der Übergabe des Premierministerpostens von Xanana Gusmão an Rui Maria de Araújo im Februar 2015 zeigen, dass sich die politische Lage im Land in den letzten Jahren stabilisiert hat. Soziale Missstände und Armut sowie mittelfristig auch eine Verschlechterung der Wirtschaftslage durch Erschöpfung der Öl- und Gasreserven bergen dennoch Konfliktpotenzial.

Die wichtigsten Konfliktfelder in Timor-Leste sind die Jugend- und Bandengewalt, zunehmend jedoch auch Konflikte um Land sowie ein gleichbleibend hohes Niveau von Gewalt gegen Frauen, Kindern und Menschen mit Behinderungen. Bei der Jugendgewalt wirkt die sehr hohe Arbeitslosigkeit der jungen Bevölkerung als Konflikttreiber.

Die deutsche EZ richtet ihre Vorhaben somit konsequent am Frieden- und Sicherheits-Schwerpunkt aus, z.B. durch die Unterstützung der Schaffung wirtschaftlicher Perspektiven für Jugendliche (Vorhaben zu Unterstützung der friedlichen Entwicklung durch innovative Beschäftigungsförderung) sowie der Befähigung von Jugendlichen zur gewaltfreien Konfliktbearbeitung durch die Qualifizierung von Jugendförderungsinstitutionen (Vorhaben zur Friedensentwicklung, Jugendförderung und Korruptionsbekämpfung – Friedensfonds in Timor-Leste).

Bei den Regierungsgesprächen 2013 in Dili wurden Timor-Leste 7 Millionen Euro in der Technischen Zusammenarbeit - d. h. für Beratungsleistungen - und 7,8 Millionen Euro in der Finanziellen Zusammenarbeit zugesagt. Damit liegt das Volumen der bisherigen deutschen Zusagen bei über 50 Millionen Euro. Die oben genannten Ziele verfolgt die bilaterale staatliche Zusammenarbeit gegenwärtig unter anderem mit folgenden Maßnahmen:

Das gegenwärtig größte Vorhaben, „Friedensentwicklung, Jugendförderung und Korruptionsbekämpfung – „Friedensfonds“ befähigt Jugendliche u.a. durch Mediation, Konflikttransformation und demokratische Partizipation zur gewaltfreien Konfliktbearbeitung. Der Friedensfonds soll nicht nur als Finanzierungsmechanismus dienen, sondern den Aufbau tragfähiger nationaler und lokaler friedenssichernder Strukturen fördern. Hierzu zählt auch die Beratung der Einrichtung eines nationalen Jugendfonds bis zum Ende der laufenden Legislaturperiode 2017.

Das Projekt „Nachhaltige Nutzung der Agro-Biodiversität zur Existenzsicherung“ hat 2012 begonnen und soll den Schutz und die nachhaltige Nutzung der einmaligen und reichhaltigen Agro-Biodiversität Timor-Leste’ s fördern.. An diesem Vorhaben beteiligt sich auch die Europäische Union.

Das Projekt „Förderung der ländlichen Entwicklung“ trägt zur Verbesserung der Ernährungsbasis der ländlichen Bevölkerung durch nachhaltige Steigerung der Agrarproduktion bei. Dies wird durch die Verbesserung der Leistungen des staatlichen landwirtschaftlichen Beratungsdienstes erreicht. Die 2012 begonnene Phase des Projekts (RDP IV) wird maßgeblich aus Mitteln der Europäischen Union gefördert und vom BMZ mitfinanziert. Die GIZ ist zusammen mit einer portugiesischen Institution mit der Durchführung beauftragt.

Der Ausbau der Infrastruktur, die Verkehrsanbindung der ländlichen Regionen an die Hauptstadt und an die Küsten, ist eine der größten Herausforderungen für Timor-Leste und unabdingbare Voraussetzung für die weitere Entwicklung. Die Zusammenarbeit im maritimen Transportsektor begann mit der Einrichtung einer Fährverbindung zwischen der Hauptstadt Dili, der Insel Atauro und der Region Oecusse, einer im Westen der Insel Timor, inmitten von indonesischem Staatsgebiet liegenden Enklave Timor-Lestes. Die mit deutschen Mitteln gebaute Personen- und Frachtfähre BERLIN NAKROMA ist bis heute die wichtigste und erschwinglichste Seeverbindung innerhalb des Landes. Zu diesem Programm gehören auch die Ausbildung von Seefahrern sowie die Schaffung der institutionellen Voraussetzungen für eine maritime Gesetzgebung und die Beachtung internationaler Standards im Seeverkehrswesen. Vorbereitungen für die Einrichtung einer weiteren Fährverbindung an der Nordküste des Landes wurden bereits getroffen.

Zwölf entsandte Fachkräfte der Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) und eine Entwicklungshelferin sind derzeit in den Projekten tätig. Daneben gibt es fünf Integrierte Fachkräfte aus Deutschland, die direkt bei Ministerien und anderen Behörden in Timor-Leste beschäftigt sind sowie 63 nationale Mitarbeiter..

Das staatliche Engagement wird - teilweise auch mit Bundesmitteln unterstützt - durch Beiträge der Kirchen, der Politischen Stiftungen und anderer Nichtregierungsorganisationen zum Schwerpunkt ergänzt.


Kulturelle Zusammenarbeit

Deutschland hat in Zusammenarbeit mit dem timoresischen Kulturministerium und der UNESCO zum Aufbau eines Filmarchivs aus Mitteln des Kulturerhalts beigetragen.

2015 unterstützt Deutschland die UNESCO bei der Konservierung von Felsenkunst im Nino Konis Santana National Park.

Angesichts der schlechten Ausbildungsbedingungen für viele Journalisten in Timor-Leste hat Deutschland seit 2007 mehrere Journalisten aus Timor-Leste zu Fortbildungsseminaren der Deutschen Welle und der GIZ in Deutschland und in Indonesien eingeladen.

Im Rahmen von DAAD-Programmen konnten seit 2002 auch viele timoresische Studenten (die allerdings in Indonesien studierten) zu Stipendienaufenthalten nach Deutschland eingeladen werden. Zuletzt erhielten auch fünf auf den Philippinen studierende Timoresen DAAD-Stipendien.

Seit 2008 findet in Dili alljährlich im Dezember ein EU-Filmfestival statt, an dem neben Deutschland eine Vielzahl der EU-Mitgliedstaaten teilnehmen.

Hinweis:

Dieser Text stellt eine Basisinformation dar. Er wird regelmäßig aktualisiert. Eine Gewähr für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Angaben kann nicht übernommen werden. 


Entwicklungs­zusammenarbeit

Deutschland unterstützt das Land seit 1999 beim Aufbau. In der Anfangsphase stand neben Nahrungsmittel-, Not- und Flüchtlingshilfe die Trinkwasser­versorgung in den östlichen Distrikten im Mittelpunkt der Zusammenarbeit. Danach wurden die Entwicklung des maritimen Transportsektors und die Förderung der ländlichen Entwicklung als mittelfristige Schwerpunkte der Zusammenarbeit festgelegt. Künftig soll sich die Zusammenarbeit auf das Thema Krisenprävention und Konfliktbearbeitung konzentrieren.

Mehr dazu beim Bundesministerium für Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung:

Seite teilen:

Einreise & Aufenthalt

Auswärtiges Amt

Reise und Sicherheit

Außen- und Europapolitik

Ausbildung & Karriere