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Kosovo

Wirtschaftspolitik

Stand: September 2014

Wirtschaftslage

Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) je Einwohner lag 2013 nach Schätzung des IWF bei 2.794 Euro, das BIP insgesamt bei etwa 5,149 Mrd. Euro. Damit bleibt Kosovo das ärmste Land auf dem Balkan. Allerdings sind zuverlässige Angaben über die Höhe der Transferleistungen der Diaspora (Angaben gehen bis zu etwa 500 Mio. Euro/Jahr) und Informationen über das Ausmaß der Schattenwirtschaft letztlich nur schwer zu erhalten.

Das Wirtschaftswachstum lag nach Schätzungen des IWF im Jahr 2013 bei etwa 2,5% des BIP. Für das Jahr 2014 rechnet der IWF mit einem Wirtschaftswachstum von knapp 4%, in den Folgejahren sogar mit 4,5% bis 5%. Für den Zeitraum 2007 – 2012 lag das durchschnittliche reale Wachstum des BIP bei etwa 4,5%. Damit verzeichnet Kosovo, vor allem im regionalen Vergleich, ein ungebrochen starkes Wachstum. Hauptmotor der Wirtschaft sind weiterhin fließende Transferleistungen aus der Diaspora, die vor allem in den privaten Konsum, aber zu wenig in Investitionen gesteckt werden, und Investitionen durch private und öffentliche Baumaßnahmen. Geberunterstützung bleibt nach wie vor hoch, nimmt aber tendenziell ab.

Zuverlässige Zahlen über die tatsächliche Höhe der Arbeitslosigkeit liegen nicht vor. Nach offiziellen Angaben liegt sie bei über 30%. Insgesamt ergibt sich ein leicht verbesserter Trend gegenüber den Vorjahren. Möglicherweise liegt die tatsächliche Arbeitslosigkeit niedriger, da die Statistik den informellen Sektor schlecht erfasst.

Die Inflationsrate war in den letzten Jahren großen Schwankungen ausgesetzt und betrug im Jahr 2011 über 7%. Seitdem hat sich die Inflation deutlich abgeschwächt und lag laut Zentralbank in den Jahren 2012 und 2013 bei 2,5% bzw. 1,9%. IWF rechnet damit, dass die Inflationsrate sich auch in den nächsten Jahren auf einem Niveau von etwa 2% halten könnte, sofern der solide Kurs in der Haushaltspolitik beibehalten wird.


Wirtschaftsstruktur

Die Wirtschaft von Kosovo war schon zu jugoslawischen Zeiten durch ihre Agrarstruktur und die Rolle als gefragter Rohstofflieferant (v. a. Braunkohle, Nickel, Zink, Blei etc.) gekennzeichnet. In den späten 70er und während der 80er Jahre brachte es das Land deshalb zu einer gewissen wirtschaftlichen Blüte, in den 90er Jahren kam es aber zu einem drastischen wirtschaftlichen Niedergang. Die Jahre nach dem Kosovo-Krieg 1998/99 waren durch allgemeine Wiederaufbauleistungen, rudimentäre Infrastrukturvorhaben und einem damit einhergehenden Bauboom gekennzeichnet. Gleichzeitig wurde schrittweise der Transformationsprozess von einer sozialistisch geprägten Wirtschaft in eine offene Marktwirtschaft eingeleitet. Seit dem Ende des Konflikts im Jahr 1999 betrug das durchschnittliche jährliche Wirtschaftswachstum etwa 4% (in der Region nur mit Türkei vergleichbar).

Die kosovarische Wirtschaft ist im Wesentlichen eine Konsumwirtschaft mit geringer Eigenproduktion. Die nur schwach ausgeprägte Verflechtung mit den Auslandsmärkten ist wesentlicher Grund dafür, warum die Wirtschaftsentwicklung in Kosovo von der globalen Wirtschafts- und Finanzkrise nur am Rande betroffen war. Die Wirtschaft ist zu großen Teilen von Transferleistungen der kosovarischen Diaspora, vor allem in Deutschland und der Schweiz, abhängig.

Der wirtschaftspolitische Rahmen ist von Licht und Schatten geprägt. Die steuerlichen Rahmenbedingungen für Investoren sind sehr günstig. Die Körperschaftsteuer liegt bei 10%, zudem wurde ein dreistufiges Einkommensteuersystem von 4, 8 und 10% eingeführt. Der Arbeitsmarkt ist flexibel mit motivierten und jungen Arbeitskräften (mit guten Fremdsprachenkenntnissen in deutsch und englisch); das offene Handelsregime und der leistungsfähige Bankensektor sind weitere Pluspunkte. Das Durchschnittsgehalt von etwa 350 - 400 Euro/Monat ist - auch im regionalen Vergleich - sehr wettbewerbsfähig.

U. a. mit Hilfe der EU-Rechtsstaatlichkeitsmission EULEX sollen weiterhin bestehende Defizite bei den rechtsstaatlichen Strukturen abgebaut werden – z.B. bei der Korruptionsbekämpfung, bei Eigentumsfragen und bei der Effizienz des Rechtssystems Hinzu kommen die unzureichende Energieversorgung sowie ein unterentwickelter Industriesektor, welcher eine massive Exportschwäche und ein hohes Außenhandelsdefizit zur Folge hat.

Der landwirtschaftliche Sektor ist vor allem durch die nach wie vor weit verbreitete Subsistenzwirtschaft vieler familiärer Kleinstbetriebe mit geringer Produktivität gekennzeichnet. Ungeklärte Eigentumsfragen werden zunehmend gelöst, erschweren aber nach wie vor den Zugang vieler Betriebe zu kostengünstigen Krediten. Obwohl ein weitaus größeres Potential besteht, deckt Kosovo nur etwa 30% der Nahrungsmittelnachfrage durch Eigenproduktion. Aufgrund der niedrigen Arbeitskosten und des fruchtbaren Landes sowie der weiter wachsenden Binnennachfrage werden insbesondere Wachstumspotentiale bei Obst, Gemüse und Wein gesehen.

Wichtigster Rohstoff des Landes ist die Braunkohle mit geschätzten Vorkommen von 14.700 Mio. t (in Europa nach Deutschland an zweiter Stelle, weltweit an fünfter Stelle); ihr Anteil an der Elektrizitätserzeugung beträgt 97%. Außerdem verfügt Kosovo über Bauxit, Blei, Zink, Nickel, Chrom und Seltene Erden, ggf. auch über Kupfer, Gold und Platin sowie über Natursteine wie Marmor, Kalkstein, Granit.

Der industrielle Sektor bleibt nach wie vor schwach ausgeprägt; nur etwa 10% der Unternehmen sind in diesem Sektor tätig. Einzelne mittelständische Unternehmen aus Deutschland erkennen aber zunehmend die Chancen, in Kosovo in Produktionsstätten zu investieren.

Der Dienstleistungsbereich erwirtschaftet etwa zwei Drittel des BIP. Potentiale bestehen im Tourismus und vor allem im IT-Sektor. Das kosovarische Ministerium für wirtschaftliche Entwicklung hat mit Unterstützung der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) eine IT-Exportförderungsstrategie erstellt. Kosovarische IT-Firmen und der IT-Dachverband STIKK haben sich im März 2013 erstmals erfolgreich auf der CEBIT in Hannover präsentiert. Aufstrebenden IT-Firmen bietet das Innovation Centre Kosovo (ICK) Unterstützung vor allem in der Anfangsphase an.

Die Regierung ist sich der Schwachstellen durchaus bewusst: Sie unternimmt Anstrengungen, das Investitionsklima zu verbessern. So wurden u.a. eine Reihe von einschlägigen Gesetzen verabschiedet und Verwaltungsvorschriften vereinfacht. Zum Beispiel soll die Registrierung von Unternehmen, auch über sog. „one-stop shops“, erleichtert und beschleunigt werden. In den letzten Jahren ist es gelungen, im „Doing Business Ranking“ der Weltbank sukzessive von Platz 128 (2012) auf Platz 86 (2014) aufzusteigen (zum Vergleich: Serbien Platz 93)..

Als Währung wird in Kosovo der Euro verwendet.


Außenhandel

Das gegenüber dem Vorjahr leicht gesunkene, gleichwohl hohe Handelsbilanzdefizit, das im Jahr 2013 bei etwa 2.155 Mio. Euro lag (41% des BIP; 2012: 46%), bleibt eine der strukturellen Schwächen der kosovarischen Wirtschaft (Import: 2.449 Mio. Euro; Export: 294 Mio. Euro). Dagegen ist es erfreulich, dass die Dienstleistungsbilanz seit Jahren positiv ausfällt (2013: ca. + 366 Mio. Euro).

Nach Angaben der kosovarischen Zentralbank betrug Ende Dezember 2013 der Gesamtbestand der ausländischen Direktinvestitionen (FDI) 2,774 Mrd. Euro. Deutschland (224 Mio. Euro), Slowenien (228 Mio. Euro) und Türkei (234 Mio. Euro) liegen als Hauptinvestoren dicht beieinander. Im Jahr 2013 sind die FDI auf 258 Mio. (nach einem erheblichen Rückgang von 384 Mio. Euro im Jahr 2011 auf 228 Mio. Euro im Jahr 2012) wieder leicht gestiegen. Die FDI konzentrieren sich nach wie vor auf Immobilien und Bau; in den Produktionssektor gehen nur etwa 10%. Im Dezember 2013 wurde das Gesetz über ausländische Investitionen mit zusätzlichen Anreizen novelliert.

Hauptimportprodukte (2013): Bearbeitete Waren; Nahrungsmittel; mineralische Brennstoffe u. ä.; Maschinen und Fahrzeuge; chemische Erzeugnisse.

Hauptexportprodukte: Grundmetalle und deren Verarbeitungen; Rohstoffe (insb. Erze); Maschinen und elektrische Geräte; landwirtschaftliche Produkte und Lebensmittel.

Hauptlieferländer (nach Angaben der Statistikagentur von Kosovo): Nach dem Tiefpunkt der Wirtschaftsbeziehungen mit Kosovo im Juli 2011, als der Handel völlig eingestellt wurde, hat sich Serbien sukzessive mit nun 285 Mio. Euro im Jahr 2013 an die erste Stelle bei den Exporten nach Kosovo gesetzt – auch dank der Vereinbarungen im Rahmen des politischen Dialogs zwischen Pristina und Belgrad. Weitere Reihenfolge: Deutschland (253 Mio. Euro, ein Rückgang von 50 Mio. Euro im Vergleich zum Vorjahr – aber lt. Statistischem Bundesamt nur 135 Mio. Euro), Italien (229 Mio. Euro), Türkei (205 Mio. Euro), Mazedonien (185 Mio.), China (180 Mio. Euro) und Griechenland ( 146 Mio. Euro).

Hauptabnehmerländer: Italien (74 Mio. Euro im Jahr 2013), Albanien (44 Mio. Euro), Indien (29 Mio. Euro, erstmals unter den ersten Fünf), Mazedonien (26 Mio. Euro), Montenegro (17 Mio. Euro), Serbien ( 14 Mio. Euro), Deutschland (11 Mio. Euro) und Türkei (7 Mio. Euro).

Deutschland bleibt innerhalb der EU der wichtigste Handelspartner. Laut Statistischem Bundesamt betrug im Jahr 2013 die Ausfuhr von Deutschland nach Kosovo 135,5 Mio. Euro (2011: 150,5 Mio.; 2012: 153,3 Mio.), die Einfuhr aus Kosovo stagniert bei 16,4 Mio. Euro (2011: 16,9 Mio.; 2012: 16,9 Mio.). Die Zahlen der kosovarischen Behörden weichen allerdings zum Teil deutlich davon ab (Deutsche Ausfuhr nach Kosovo: 253 Mio. Euro; Einfuhr aus Kosovo: 11 Mio. Euro).


Finanzpolitik

Den im Jahr 2011 eingeschlagenen soliden Kurs in der Fiskalpolitik führt Kosovo weiterhin konsequent und erfolgreich durch – wenn auch unter strenger IWF-Aufsicht. Im Rahmen der regelmäßigen Überprüfungen des im April 2012 gebilligten und im Dezember 2013 ausgelaufenen Stand-By Arrangements (SBA), das Mittel in Höhe von ca. 107 Mio. Euro vorsah, hat der IWF bestätigt, dass Kosovo bis auf wenige kleinere Punkte die Auflagen erfüllt oder übererfüllt hat.

Das Haushaltsdefizit lag mit 1,8% des BIP (2011), 2,6% (2012) und 2,1% (2013) unter der vom IWF geforderten Marke von 2,9%.

Der erstmals im Jahr 2012 erfolgte erfolgreiche Verkauf von Staatsanleihen (T-Bills) an den heimischen Primärmarkt (Banken und Pensionsfonds) mit dreimonatigen bzw. einjährigen Laufzeiten mit äußerst günstigen Zinsbedingungen (unter 2 %) wurde auch im Jahr 2013 fortgesetzt. Für das Jahr 2014 sollen Staatsanleihen im Wert von 120 Mio. Euro ausgegeben werden.


Internationale und regionale Zusammenarbeit

Kosovo ist seit Mitte 2009 Mitglied des IWF und der Weltbank-Gruppe, seit Dezember 2012 der Europäischen Bank für Wiederaufbau und Entwicklung (EBWE; engl. EBRD) sowie seit Juni 2013 der Entwicklungsbank des Europarats (engl. CEB). Ebenfalls im Juni 2013 hat Kosovo ein Rahmenabkommen mit der Europäischen Investitionsbank (EIB) geschlossen.

Regional bestehen die Mitgliedschaften im Mitteleuropäischen Freihandelsabkommen (Central European Free Trade Agreement, CEFTA) und in der Energiegemeinschaft sowie die Teilnahme am Regional Cooperation Council (RCC). Mit der Türkei wurde im Jahre 2013 ein asymmetrisches Freihandelsabkommen abgeschlossen. Die Integration von Kosovo in regionalen Foren und Initiativen hat sich mit dem durch die EU vermittelten technischen und politischen Dialog mit Serbien weiter verbessert.

Kosovo profitiert von den autonomen Handelsmaßnahmen (ATM) der EU, d.h. die zollfreie Wareneinfuhr in den EU-Raum. Ein Stabilisierungs- und Assoziierungsabkommen (SAA), das u. a. die Handelsbeziehungen mit der EU vertiefen und ausbauen wird (z. B. durch schrittweise Einführung einer Freihandelszone) ist fertig ausgehandelt und wurde im Juli 2014 paraphiert.

Hinweis:

Dieser Text stellt eine Basisinformation dar. Er wird regelmäßig aktualisiert. Eine Gewähr für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Angaben kann nicht übernommen werden. 


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