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Kosovo

Wirtschaftspolitik

Stand: Dezember 2015

Wirtschaftslage

Das Pro-Kopf-Einkommen lag 2014 nach Angaben der kosovarischen Regierung bei 3.084 Euro, das BIP insgesamt bei etwa 5,5 Mrd. Euro. Damit bleibt Kosovo das ärmste Land auf dem Balkan. Allerdings sind zuverlässige Angaben über die Höhe der Transferleistungen der Diaspora und Informationen über das Ausmaß der Schattenwirtschaft letztlich nur schwer zu erhalten.

Das Wirtschaftswachstum lag im Jahr 2014 aufgrund der langen Untätigkeit öffentlicher Auftraggeber wegen der verzögerten Regierungsbildung bei nur 0,9 %. Für das Jahr 2015 rechnet die Weltbankmit einem Wirtschaftswachstum von ca. 3%, Für den Zeitraum 2007 – 2012 lag das durchschnittliche reale Wachstum des BIP bei etwa 4,5%. Hauptmotor der Wirtschaft sind weiterhin fließende Transferleistungen aus der Diaspora, die vor allem in den privaten Konsum, aber zu wenig in Investitionen gesteckt werden, und Investitionen durch private und öffentliche Baumaßnahmen. Geberunterstützung bleibt nach wie vor hoch, nimmt aber tendenziell ab.

Nach offiziellen Angaben liegt die Arbeitslosigkeit bei über 35%, bei Jugendlichen sogar noch deutlich höher. Möglicherweise liegt die tatsächliche Arbeitslosigkeit niedriger, da die Statistik den informellen Sektor schlecht erfasst.


Wirtschaftsstruktur

Die Wirtschaft von Kosovo war schon zu jugoslawischen Zeiten durch ihre Agrarstruktur und die Rolle als gefragter Rohstofflieferant (v. a. Braunkohle, Nickel, Zink, Blei etc.) gekennzeichnet. In den späten 1970er und während der 1980er Jahre brachte es das Land deshalb zu einer gewissen wirtschaftlichen Blüte, in den 1990er Jahren kam es aufgrund der sich zuspitzenden politischen Verhältnisse zu einem drastischen wirtschaftlichen Niedergang. Die Jahre nach dem Kosovo-Konflikt 1998/99 waren durch allgemeine Wiederaufbauleistungen, rudimentäre Infrastrukturvorhaben und einem damit einhergehenden Bauboom gekennzeichnet. Gleichzeitig wurde schrittweise der Transformationsprozess von einer sozialistisch geprägten Wirtschaft in eine offene Marktwirtschaft eingeleitet. Seit dem Ende des Konflikts im Jahr 1999 betrug das durchschnittliche jährliche Wirtschaftswachstum etwa 4%.

Die kosovarische Wirtschaft ist im Wesentlichen eine Konsumwirtschaft mit geringer Eigenproduktion. Die nur schwach ausgeprägte Verflechtung mit den Auslandsmärkten ist wesentlicher Grund dafür, warum die Wirtschaftsentwicklung in Kosovo von der globalen Wirtschafts- und Finanzkrise nur am Rande betroffen war. Die Wirtschaft ist zu großen Teilen von Transferleistungen der kosovarischen Diaspora, vor allem in Deutschland und der Schweiz, abhängig.

Der wirtschaftspolitische Rahmen ist von Licht und Schatten geprägt. Die steuerlichen Rahmenbedingungen für Investoren sind sehr günstig. Die Körperschaftsteuer liegt bei 10%. Der Arbeitsmarkt ist flexibel; das offene Handelsregime und der leistungsfähige Bankensektor sind Pluspunkte. Das Durchschnittsgehalt von etwa 350 - 400 Euro/Monat ist - auch im regionalen Vergleich - sehr niedrig.

U. a. mit Hilfe der EU-Rechtsstaatlichkeitsmission EULEX sollen weiterhin bestehende Defizite bei den rechtsstaatlichen Strukturen abgebaut werden – z.B. bei der Korruptionsbekämpfung, bei Eigentumsfragen und bei der Effizienz des Rechtssystems Hinzu kommen die unzureichende Energieversorgung sowie ein unterentwickelter Industriesektor, welcher eine massive Exportschwäche und ein hohes Außenhandelsdefizit zur Folge hat.

Der landwirtschaftliche Sektor ist vor allem durch die nach wie vor weit verbreitete Subsistenzwirtschaft vieler familiärer Kleinstbetriebe mit geringer Produktivität gekennzeichnet. Ungeklärte Eigentumsfragen werden zunehmend gelöst, erschweren aber nach wie vor den Zugang vieler Betriebe zu kostengünstigen Krediten. Obwohl ein weitaus größeres Potential besteht, deckt Kosovo nur etwa 30% der Nahrungsmittelnachfrage durch Eigenproduktion. Aufgrund der niedrigen Arbeitskosten und des fruchtbaren Landes sowie der weiter wachsenden Binnennachfrage werden insbesondere Wachstumspotentiale bei Obst, Gemüse und Wein gesehen.

Wichtigster Rohstoff des Landes ist die Braunkohle mit geschätzten Vorkommen von 14.700 Mio. t (in Europa nach Deutschland an zweiter Stelle, weltweit an fünfter Stelle); ihr Anteil an der Elektrizitätserzeugung beträgt 97%. Außerdem verfügt Kosovo über Bauxit, Blei, Zink, Nickel, Chrom und Seltene Erden, ggf. auch über Kupfer, Gold und Platin sowie über Natursteine wie Marmor, Kalkstein, Granit.

Der industrielle Sektor bleibt schwach ausgeprägt; nur etwa 10% der Unternehmen sind in diesem Sektor tätig. Einzelne mittelständische Unternehmen aus Deutschland erkennen aber zunehmend die Chancen, in Kosovo in Produktionsstätten zu investieren.

Der Dienstleistungsbereich erwirtschaftet etwa zwei Drittel des BIP. Potentiale bestehen im Tourismus und vor allem im IT-Sektor. Das kosovarische Ministerium für wirtschaftliche Entwicklung hat mit Unterstützung der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) eine IT-Exportförderungsstrategie erstellt. Kosovarische IT-Firmen und der IT-Dachverband STIKK präsentieren sich seit mehreren Jahren erfolgreich auf der CEBIT in Hannover. Aufstrebenden IT-Firmen bietet das Innovation Centre Kosovo (ICK) Unterstützung vor allem in der Anfangsphase an.

Die Regierung ist sich der Schwachstellen durchaus bewusst: Sie unternimmt Anstrengungen, das Investitionsklima zu verbessern. So wurden u.a. eine Reihe von einschlägigen Gesetzen verabschiedet und Verwaltungsvorschriften vereinfacht. Zum Beispiel soll die Registrierung von Unternehmen, auch über sog. „one-stop shops“, erleichtert und beschleunigt werden. In den letzten Jahren ist es gelungen, im „Doing Business Ranking“ der Weltbank sukzessive von Platz 128 (2012) auf Platz 86 (2014) aufzusteigen (zum Vergleich: Serbien Platz 93).

Als Währung wird in Kosovo der Euro verwendet.


Außenhandel

Das hohe Handelsbilanzdefizit, das im Jahr 2014 bei etwa 2067 Mio. Euro lag (37,6% des BIP; 2013: 41%), bleibt eine der strukturellen Schwächen der kosovarischen Wirtschaft (Import: 2.376 Mio. Euro; Export: 309 Mio. Euro). Dagegen ist es erfreulich, dass die Dienstleistungsbilanz seit Jahren positiv ausfällt (2014: ca. + 319 Mio. Euro). 

Nach Angaben der kosovarischen Zentralbank betrug Ende Dezember 2013 der Gesamtbestand der ausländischen Direktinvestitionen (FDI) 2,774 Mrd. Euro. Deutschland (224 Mio. Euro), Slowenien (228 Mio. Euro) und Türkei (234 Mio. Euro) liegen als Hauptinvestoren dicht beieinander. Im Jahr 2013 sind die FDI auf 258 Mio. (nach einem erheblichen Rückgang von 384 Mio. Euro im Jahr 2011 auf 228 Mio. Euro im Jahr 2012) wieder leicht gestiegen. Die FDI konzentrieren sich nach wie vor auf Immobilien und Bau; in den Produktionssektor gehen nur etwa 10%. Hauptimportprodukte (2014): Bearbeitete Waren; Nahrungsmittel; mineralische Brennstoffe u. ä.; Maschinen und Fahrzeuge; chemische Erzeugnisse.

Hauptexportprodukte: Grundmetalle und deren Verarbeitungen; Rohstoffe (insb. Erze); Maschinen und elektrische Geräte; landwirtschaftliche Produkte und Lebensmittel.

Hauptlieferländer (nach Angaben der Statistikagentur von Kosovo): Nach dem Tiefpunkt der Wirtschaftsbeziehungen mit Kosovo im Juli 2011, als der Handel völlig eingestellt wurde, hat sich Serbien sukzessive mit nun 285 Mio. Euro im Jahr 2013 an die erste Stelle bei den Exporten nach Kosovo gesetzt – auch dank der Vereinbarungen im Rahmen des politischen Dialogs zwischen Pristina und Belgrad. Weitere Reihenfolge: Deutschland (253 Mio. Euro, ein Rückgang von 50 Mio. Euro im Vergleich zum Vorjahr – aber lt. Statistischem Bundesamt nur 135 Mio. Euro), Italien (229 Mio. Euro), Türkei (205 Mio. Euro),ejR Mazedonien (185 Mio.), China (180 Mio. Euro) und Griechenland ( 146 Mio. Euro).

Hauptabnehmerländer: Italien (74 Mio. Euro im Jahr 2013), Albanien (44 Mio. Euro), Indien (29 Mio. Euro, erstmals unter den ersten Fünf), ejR Mazedonien (26 Mio. Euro), Montenegro (17 Mio. Euro), Serbien ( 14 Mio. Euro), Deutschland (11 Mio. Euro) und Türkei (7 Mio. Euro).

Deutschland bleibt innerhalb der EU der wichtigste Handelspartner. Laut Statistischem Bundesamt betrug im Jahr 2013 die Ausfuhr von Deutschland nach Kosovo 135,5 Mio. Euro (2011: 150,5 Mio.; 2012: 153,3 Mio.), die Einfuhr aus Kosovo stagniert bei 16,4 Mio. Euro (2011: 16,9 Mio.; 2012: 16,9 Mio.). Die Zahlen der kosovarischen Behörden weichen allerdings zum Teil deutlich davon ab (Deutsche Ausfuhr nach Kosovo: 253 Mio. Euro; Einfuhr aus Kosovo: 11 Mio. Euro).


Finanzpolitik

Den im Jahr 2011 eingeschlagenen soliden Kurs in der Fiskalpolitik setzt Kosovo fort. Im Juli 2015 wurde ein neues Stand-By-Arrangement mit dem IWF unterzeichnet, in dessen Rahmen die Haushaltsplanung und –umsetzung eng mit dem IWF abgestimmt wird.Das Haushaltsdefizit lag seit 2011 stets unter 2 % des BIP. Auch der Haushalt für das Jahr 2015 und der Haushaltsentwurf 2016 sehen ein Einhalten der mit dem IWF ausgehandelten Schuldenbremse vor.


Internationale und regionale Zusammenarbeit

Kosovo ist seit Mitte 2009 Mitglied des IWF und der Weltbank-Gruppe, seit Dezember 2012 der Europäischen Bank für Wiederaufbau und Entwicklung (EBWE; engl. EBRD) sowie seit Juni 2013 der Entwicklungsbank des Europarats (engl. CEB). Ebenfalls im Juni 2013 hat Kosovo ein Rahmenabkommen mit der Europäischen Investitionsbank (EIB) geschlossen.

Regional bestehen die Mitgliedschaften im Mitteleuropäischen Freihandelsabkommen (Central European Free Trade Agreement, CEFTA) und in der Energiegemeinschaft sowie die Teilnahme am Regional Co-operation Council (RCC). Mit der Türkei wurde im Jahre 2013 ein asymmetrisches Freihandelsabkommen abgeschlossen. Die Integration von Kosovo in regionalen Foren und Initiativen hat sich mit dem durch die EU vermittelten technischen und politischen Dialog mit Serbien weiter verbessert.

Kosovo profitiert von den autonomen Handelsmaßnahmen (ATM) der EU, d.h. die zollfreie Wareneinfuhr in den EU-Raum. Ein Stabilisierungs- und Assoziierungsabkommen (SAA), das u. a. die Handelsbeziehungen mit der EU vertiefen und ausbauen wird (z. B. durch schrittweise Einführung einer Freihandelszone) wurde im Oktober 2015 unterzeichnet und soll in den nächsten Monaten in Kraft treten.

Hinweis:

Dieser Text stellt eine Basisinformation dar. Er wird regelmäßig aktualisiert. Eine Gewähr für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Angaben kann nicht übernommen werden. 


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