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Serbien

Wirtschaft

Stand: April 2017

Die angestrebte Stärkung der serbischen Wirtschaft ist seit Jahren eines der innenpolitischen Hauptthemen. Als EU-Beitrittskandidat strebt Serbien nach Anpassung an die EU-Standards. Die aktuellen Wirtschaftszahlen zeigen Erfolge bei der Haushaltskonsolidierung sowie eine leichte Besserung mit Blick auf die allgemeine Wirtschaftsentwicklung. 2016 wuchs das Bruttoinlandsprodukt (BIP) um 2,7 %.  Das Nettodurchschnittseinkommen liegt bei rund 375 Euro monatlich.

Serbien hat im November 2014 ein sogenanntes Standby-Agreement mit dem Internationalen Währungsfonds (IWF) abgeschlossen, in dessen Rahmen sich das Land zu wirtschaftlichen Strukturreformen und einem Sparkurs verpflichtet hat. Dies beinhaltet unter anderem Gehaltskürzungen für Angestellte des öffentlichen Dienstes,  Privatisierung, Subventionsabbau, Modernisierung des Arbeitsgesetzes sowie effektive Bekämpfung der Schattenwirtschaft und Korruption. Über 500 staatliche Unternehmen sollen privatisiert oder abgewickelt werden.

2016 betrug die Inflation 1,6 Prozent. Die Währung Serbiens ist der Dinar.

Wichtigste Wirtschaftszweige

Mit einem Anteil von knapp 50% am Bruttoinlandsprodukt kommt dem Dienstleistungssektor eine zentrale Rolle in der serbischen Wirtschaft zu. Wichtiger Wirtschaftszweig ist auch die Landwirtschaft (einschließlich Lebensmittelverarbeitung), deren Erträge allerdings aufgrund klimatischer Einflüsse stark schwanken. Zwar ist der Anteil der Landwirtschaft am serbischen Bruttoinlandsprodukt tendenziell im Rückgang begriffen, der Anteil der Beschäftigten ist mit rund 20% aber dennoch beträchtlich. Industrie und Bergbau machen über 20% des serbischen Bruttoinlandsprodukts aus. Die im ehemaligen Jugoslawien gut ausgebaute Industrie ist heute veraltet, in manchen Staatsbetrieben wird nur noch wenig und in kaum wettbewerbsfähiger Qualität produziert. Um Verkaufschancen für Industrieprodukte auf westlichen Märkten zu realisieren, wäre massiver Import von ausländischem Know-how und modernen Maschinen sowie ausreichend Investitionskapital erforderlich. Ausländische Investitionen sind daher willkommen und werden vom Staat subventioniert. Das Subventionssystem wird über die Serbische Entwicklungsagentur (RAS) abgewickelt.

Für ausländische Unternehmen dürften kurz- bis mittelfristig Projekte im Bereich Infrastruktur-Rehabilitierung interessant sein, darunter Pläne der Stadt Belgrad im Abwasserbereich, Bau von Eisenbahnlinien und Autobahnen.

Außenwirtschaft

Im Außenwirtschaftsbereich wurden die größten administrativen Hürden beseitigt, jedoch leiden ausländische Firmen nach wie vor unter oftmals kurzfristig geänderten Vorschriften zu Steuern, Genehmigungen oder Zollabwicklung. Im Rahmen des Stabilisierungs- und Assoziierungsprozesses mit der EU, mit schrittweiser Übernahme des EU-Acquis sowie im Zuge des Aufnahmeverfahrens in die Welthandelsorganisation WTO sind weitere Liberalisierungsschritte zu erwarten. 

Das Handelsbilanzdefizit betrug 2016 4 Mrd. Euro (minus 8,9 Prozent zum Vorjahr), bei Importen im Wert von 17,4 Mrd. Euro (plus 6,1 Prozent zum Vorjahr) und Exporten im Wert von 13,4 Mrd. Euro (plus 11,5 Prozent zum Vorjahr).

Hauptexportprodukte Serbiens sind: Kraftfahrzeuge, Elektrogeräte, Obst und Gemüse, Weizen, und Betriebsmaschinen. Importiert werden vor allem Kraftfahrzeuge, Rohöl und Ölderivate, Elektrogeräte, Industriemaschinen  sowie medizinische und pharmazeutische Produkte.

Bilaterale Wirtschaftsbeziehungen

Deutschland gehört seit Jahren zusammen mit Italien und Russland zu den wichtigsten serbischen Wirtschaftspartnern. Im bilateralen Handel mit Deutschland verzeichnete Serbien 2016 ein um 8,1%  gesunkenes Handelsdefizit von 485 Millionen Euro. Serbiens Exporte nach Deutschland betrugen 1,75 Mrd. Euro (plus 16,4 Prozent zum Vorjahr). Serbien importierte aus Deutschland Waren im Wert von 2,235 Mrd. Euro (plus 10 Prozent zum Vorjahr). Das tatsächliche Ausmaß des deutsch-serbischen Handels dürfte jedoch noch höher liegen, denn viele deutsche Unternehmen nutzen Tochterfirmen vor Ort zur Belieferung von Drittmärkten, was in der Statistik nicht erfasst wird. Bedeutende deutsche Investitionen wurden unter anderem von Firmen wie STADA, METRO, Fresenius, Bosch, Henkel, Siemens und Messer getätigt.

Im Oktober 2003 wurde in Belgrad der deutsch-serbische Kooperationsrat Wirtschaft gegründet. Ziel ist es, durch einen kontinuierlichen Dialog zwischen den Regierungen und den Unternehmen die Wirtschaftsbeziehungen beider Länder zu vertiefen. Kernbereiche sind dabei Energie, Infrastruktur, Landwirtschaft sowie die Förderung von Investitionen. Der Kooperationsrat tagte zuletzt im November 2014 in Belgrad unter Leitung von Bundesminister Sigmar Gabriel (Bundesministerium für Wirtschaft und Energie) und dem serbischen Minister für Handel und Telekommunikation Rasim Ljajić.

Mitgliedschaft in Wirtschaftsgruppierungen

Serbien ist Mitglied der Weltbank, des Internationalen Währungsfonds und der regionalen wirtschaftspolitischen Vereinigungen wie Stabilitätspakt, SEECP (Kooperationsrat für Südosteuropa) und SEECI (South East European Cooperative Initiative), ICAO (Internationale Zivilluftfahrt-Organisation), CEFTA (Mitteleuropäisches Freihandelsabkommen), UNECE (UN-Wirtschaftskommission für Europa) und der Donaukommission. Das Aufnahmeverfahren für die Welthandelsorganisation WTO ist noch nicht abgeschlossen.

Hinweis:

Dieser Text stellt eine Basisinformation dar. Er wird regelmäßig aktualisiert. Eine Gewähr für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Angaben kann nicht übernommen werden. 


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