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Einsatz rund um die Uhr

Ob Entführungen, Bürgerkriege, Flugzeugabstürze oder Naturkatastrophen – sobald sich in einem Winkel der Welt etwas ereignet, wovon Deutsche betroffen sein könnten, stehen im Krisenreaktionszentrum im Keller des Auswärtigen Amts die Leitungen nicht still. Aber auch in den krisenfreien Zeiten kommt keine Langeweile auf.

Geregelte Arbeitszeiten kennt das Krisenreaktionszentrum um Rüdiger König, der 2014 als Krisenbeauftragter die Leitung des Krisenreaktionszentrums übernommen hat, nicht. Krisen sehen meist unterschiedlich aus, aber eines haben sie gemein: Sie kommen häufig plötzlich und unerwartet. Wenn die ersten Anzeichen eingehen, muss schnell und sensibel reagiert werden.

"Wir müssen auf alles vorbereitet sein, um in Krisensituationen deutschen Bürgern rund um die Uhr rasch helfen zu können", so König, der als Deutscher Botschafter in Afghanistan  Erfahrungen im Umgang mit Krisen gesammelt hat. 

Wo heute der Krisenstab tagt, wurden früher Wertpapiere aufbewahrt - deshalb befinden sich im Keller des Auswärtigen Amts noch dicke Tresortüren. Das heutige Gebäude des Auswärtigen Amts wurde 1934 bis 1940 als Erweiterungsbau der Reichsbank errichtet.

Eine Krise kündigt sich an

THW-Team beim Campaufbau in Tome, Japan, nach dem schweren Erdbeben im März 2011

THW-Team beim Campaufbau in Tome, Japan, nach dem schweren Erdbeben im März 2011
© THW

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THW-Team beim Campaufbau in Tome, Japan, nach dem schweren Erdbeben im März 2011

THW-Team beim Campaufbau in Tome, Japan, nach dem schweren Erdbeben im März 2011

THW-Team beim Campaufbau in Tome, Japan, nach dem schweren Erdbeben im März 2011

Da kann es auch vorkommen, dass der Krisenbeauftragte nachts aus dem Schlaf geklingelt wird, wie das bei dem schweren Tsunami in Japan im März 2011 der Fall war. Der Beamte vom Dienst hat im Lagezentrum über eine Agenturmeldung von dem schweren Seebeben erfahren, zeitgleich lieferte die Deutsche Botschaft in Tokyo genauere Informationen zu den Auswirkungen der Naturkatastrophe.

Das Lagezentrum ist mit zwei Personen rund um die Uhr besetzt. Die Nachrichtenlage wird dort besonders aufmerksam verfolgt. Kündigt sich ein Krisenfall an, wird in der Regel zuerst die Botschaft vor Ort kontaktiert und nach ihren Beobachtungen gefragt. Danach können im Krisenreaktionszentrum erste Einschätzunge erfolgen, ob und wenn ja wie viele Deutsche betroffen sein könnten.

Entscheidungen im Krisenstab

Alle wichtigen Entscheidungen werden im Krisenstab der Bundesregierung im Auswärtigen Amt vorbereitet und getroffen. Sei es die schnelle Entsendung von einer Transall der Bundeswehr für eine Evakuierung deutscher Staatsangehöriger aus dem Südsudan, die Entscheidung über die Entsendung von zusätzlichen Konsularbeamten in die Ferienorte am Roten Meer in Ägypten oder zur Koordinierung der Aktivitäten der Bundesregierung nach dem Taifun Haynan auf den Philippinen (Humanitäre und konsularische Hilfe). Der Krisenstab tritt zu jeder Tages- und Nachtzeit zusammen, um die nötigen Entscheidungen für solche Einsätze zu treffen.

Zusammensetzung krisenabhängig

All diese Entscheidungen wurden in kürzester Zeit getroffen. "Über die Zuschaltung der deutschen Auslandsvertretungen in den Krisenstab verfügen wir im Krisenstab über ein aktuelles und authentisches Lagebild aus den Krisengebieten in Echtzeit", erläutert der Krisenbeauftragte, "Dies bildet die Grundlagen für die Entscheidungen im Krisenstab".

Die Zusammensetzung eines Krisenstabs hängt von Art und Ausmaß der Krise ab. In ganz brenzligen Fällen ist auch die Bundeskanzlerin involviert. Ansonsten können der Außenminister, ein Staatssekretär oder der Leiter des Krisenreaktionszentrums den Krisenstab leiten. Vertreten sind neben dem Bundeskanzleramt normalerweise auch andere Ministerien wie das Bundesministerium der Verteidigung und des Inneren und andere Bundesbehörden wie das Bundeskriminalamt und der Bundesnachrichtendienst.

Krise überstanden

Das Lagezentrum im Auswärtigen Amt

Im Lagezentrum
© photothek.net/ Imo

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Das Lagezentrum im Auswärtigen Amt

Lagezentrum

Im Lagezentrum

Sind alle Deutschen evakuiert und in Fällen von Naturkatastrophen die humanitäre Hilfe gut angelaufen, zieht sich das Krisenreaktionszentrum zurück und überlässt die weiter anstehenden Aufgaben den Fachreferaten.

Im Jahr 2013 tagte der Krisenstab über 80 mal zu verschiedenen Krisenszenarien,: Im Fokus standen Afghanistan, Ägypten, die Demokratische Republik Kongo, Jemen, Libanon, Libyen, Mali, Niger, Nordkorea, Südsudan, Syrien, Thailand, Tschad und Tunesien aber auch Ereignisse wie der Anschlag auf den Boston Marathon  oder die Folgen des Taifuns Haiyan auf den Philippinen.

Vorsorge für den Krisenfall

Neben dem Umgang mit akuten Krisenfällen gehört auch die Vorsorge zu den Aufgaben des Krisenreaktionszentrums. Dazu zählen die Reise- und Sicherheitshinweise, die das Auswärtige Amt für nahezu alle Länder der Welt herausgibt und ständig aktualisiert.

Außerdem werden zusammen mit dem Verteidigungsministerium mehrmals pro Jahr sogenannte Krisenunterstützungsteams entsandt. Diese reisen in potenzielle oder tatsächliche Krisenregionen und treffen dort Vorsorgemaßnahmen für den Fall der Fälle. Es werden Krisenpläne aktualisiert, Sammelpunkte identifiziert und Evakuierungsrouten sondiert. Für rund 90 Länder haben die Teams in den vergangenen Jahren umfangreiche Informationen gesammelt.

Tagesgeschäft im Bürgerservice

Hinzu kommt, dass sich seit 2001 auch der Bürgerservice unter dem Dach des Krisenreaktionszentrums befindet. Hier gehen alle Anfragen von Bürgern ein, sei es zu Visa oder politischen Fragen, per E-Mail oder Telefon. Sieben Mitarbeiterinnen sind damit beschäftigt, diese Anfragen zu beantworten. So gibt es auch in krisenfreien Zeiten im Keller des Auswärtigen Amts immer etwas zu tun.


Stand 30.06.2014

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