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Dänemark

Wirtschaft

Stand: Oktober 2014

Wirtschaftsstruktur

Die Wirtschaftsstruktur Dänemarks zeichnet sich durch eine Vielzahl oft mittelständischer Industrie- und Dienstleistungsunternehmen aus, die oft hoch spezialisiert sind und technologisch zur Spitzenklasse gehören. Beispiele hierfür sind Novo Nordisk, Bang & Olufsen, Vestas, Danfoss, Ecco, Lego und Rockwool. Traditionell verfügt Dänemark aber auch in der Schifffahrt (A.P. Møller – Mærsk), im Lebensmittelbereich (Arla) und in der Brauereibranche (Carlsberg) über weltweit agierende Großunternehmen. Daneben spielt der Maschinen- und Anlagenbau, die pharmazeutische Industrie und die Tourismusbranche und die Lebensmittelindustrie eine besondere Rolle. Die dänische Landwirtschaft ist exportorientiert. Der öffentliche Sektor hat aufgrund des umfangreichen Sozialsystems einen sehr hohen Stellenwert und beschäftigt circa 30 Prozent der Erwerbstätigen.

Dänemark praktiziert das Arbeitsmarktmodell der sog. Flexicurity, das vergleichsweise geringen Kündigungsschutz mit einem hohen Niveau sozialer Absicherung verbindet und durch eine aktive Arbeitsmarktpolitik ergänzt wird, die neben strengen Bedingungen und Kontrollen auch Umschulungen, Weiterbildungen und andere Aktivierungsmaßnahmen beinhaltet.


Aktuelle wirtschaftliche Lage

Nach Jahren der Hochkonjunktur hatte sich auch die dänische Wirtschaft in Folge der globalen Finanz- und Wirtschaftskrise spürbar abgekühlt. Das BIP schrumpfte im Jahr 2009 um 5,9 Prozent und 2010 erneut um 1,7 Prozent. Im Zeitraum 2011 bis 2013 stieg das BIP wieder leicht an. Für 2014 sind die Aussichten positiv, es werden ca. 0,8 % BSP-Wachstum erwartet. Nach einem historischen Tiefstand der Arbeitslosigkeit im Herbst 2008 (1,7 Prozent) ist diese wegen der Krise angestiegen und liegt derzeit bei 5,5 Prozent (6,7 Prozent laut OECD).

Dänemark ist jetzt dabei, die Folgen der internationalen Finanz- und Wirtschaftskrise endgültig zu überwinden. Die Erholung der Wirtschaft setzt sich fort. Die Programme zur Schaffung neuer Arbeitsplätze durch die Regierung zeigten bisher aufgrund der schwierigen Rahmenbedingungen nur begrenzt Wirkung. Mit ursächlich dafür ist die anhaltende Stagnation bei der Binnennachfrage und die zurückgegangene internationale Wettbewerbsfähigkeit des Landes. Dennoch wurden zuletzt deutliche Überschüsse im Außenhandel erwirtschaftet.

Nach einem Anstieg der Inflationsrate in der Krise bis auf 4,3 Prozent (2008) sank diese inzwischen wieder auf ca. 0,4 Prozent (2013 im Jahresvergleich). Die Einnahmen aus dem Erdölexport gehen tendenziell zurück.

Problembereiche gibt es weiterhin im Immobiliensektor und bei den Banken.

Bei zurückgehender Beschäftigung in den traditionellen Industriebereichen strebt Dänemark Wachstum in den wissensbasierten und hochtechnologischen Zukunftsbranchen an. (Biotechnologie, Arzneimittel, Informationstechnologie, Umwelttechnologie usw.).


Währungspolitik

Dänemark gehört nicht zur Gruppe der Euro-Länder. In der Vergangenheit hatte Dänemark die Maastricht-Kriterien und damit die Voraussetzungen für die Einführung des Euro klar erfüllt. Durch die Krise  und die notwendigen staatlichen Konjunkturprogramme , die Finanzierung der Arbeitslosigkeit sowie der Unterstützung für die unter finanziellem Druck stehenden Banken stiegen jedoch die Haushaltsdefizite in den letzten Jahren tendenziell an, besonders im Jahr 2012. Durch die aktuelle Sparpolitik wurde das Haushaltsdefizit 2013 auf unter 1 Prozent des BIP gedrückt. Auch in den kommenden Jahren will man die Maastricht-Kriterien einhalten.

Da die dänische Bevölkerung in einer Volksabstimmung über den Beitritt zur Währungsunion im Jahre 2000 die Teilnahme an der Gemeinschaftswährung mit knapper Mehrheit ablehnte, behält Dänemark seinen nationalen Kurs in der Währungspolitik bei. Die Dänische Krone ist im Rahmen der 2. Stufe der Wirtschafts- und Währungsunion (EWS II) jedoch in einem engen Wechselkursverhältnis an den Euro gebunden (Schwankungsbreite: +/- 2,25 Prozent). Eine erneute Abstimmung über die Einführung des Euro ist derzeit nicht vorgesehen.

Dänemark unterstützt den „Stabilitäts- und Wachstumspakt“ der EU und strebt den Abbau der Haushaltsdefizite an. Es hat auch den Fiskalpakt unterzeichnet. Durch verstärkte Abstimmung, Informationsaustausch und Koordinierung auf europäischer Ebene sollen die öffentlichen Haushalte konsolidiert und nachhaltiges Wachstum gefördert werden. Eine mögliche Teilnahme an der EU-Bankenunion ist zurzeit in der politischen Diskussion.


Staatshaushalt

Der staatliche Gesamthaushalt 2014 beträgt ca. 90 Mrd EUR.

Die internationale Krise und die dadurch notwendige Finanzierung der höheren Arbeitslosigkeit, die staatlichen Konjunkturprogramme, sowie die Hilfen für die unter finanziellem Druck stehenden Banken hatten seit 2009 in Dänemark zu Haushaltsdefiziten geführt.

2012 lag das Haushaltsdefizit mit 4,2 Prozent des BIP über der vorgesehenen 3-Prozent-Schwelle. Die Regierung macht hierfür die Sonderrückzahlungen aus den Fonds zur Finanzierung des Vorruhestands verantwortlich, die erfolgten, weil die Zahl der Berechtigten per Gesetz verringert wurde und daher angesparte Beträge zurückerstattet wurden. Für 2013 konnte das Defizit deutlich unter 1 Prozent zurückgeführt werden.

Die hohen Überschüsse in früheren Jahren wurden zum Schuldenabbau eingesetzt, so dass die Auslandsverschuldung schon 2005 komplett abgebaut werden konnte. Die öffentliche Verschuldung insgesamt, stieg jedoch 2012 wieder auf 44,4  Prozent des BIP  Prozent an. Damit liegt Dänemark im EU-Vergleich immer noch günstig. Mit dem Ziel der Haushaltssanierung werden von der Regierung Arbeitsplätze auch im öffentlichen Sektor abgebaut und verschiedene Einrichtungen zusammengelegt oder geschlossen. Dies geht vom Militär, Schulen und Krankenhäusern bis zur Staatskirche.


Außenhandel

Etwa ein Drittel des dänischen Bruttoinlandsproduktes wird durch Export erwirtschaftet. Exportartikel sind insbesondere Maschinen und Maschinenteile, Nahrungsmittel, Pharmazeutika und Elektronik. Seit 2002 ist das Land auch Nettoexporteur von Erdgas und insbesondere Erdöl. Deutschland ist mit Abstand Dänemarks wichtigster Außenhandelspartner, gefolgt von Schweden, Großbritannien bzw. Niederlande, Norwegen und China.

Dänemark zeigte sich in den letzten Jahren exportstark. Die Zahlungsbilanz ist mit 17,5 Mrd. Euro (2013) oder 7,1 % des BIP deutlich positiv. Dazu tragen auch insbesondere steigende Ausfuhren nach Deutschland bei.


Wirtschaftspolitik

Dänemark betreibt eine Wirtschaftspolitik, die zum einen als liberal, innovations- und wirtschaftsfreundlich bezeichnet werden kann, die zum anderen aber auch über eine sehr hohe Staatsquote auf die Bewahrung und Unterhaltung des Wohlfahrtsstaates klassischer skandinavischer Prägung angelegt ist. Durch die Schaffung einer wettbewerbsfähigen „Gesellschaft des Wissens“ will man sich den Herausforderungen der Globalisierung stellen. Forschung und Entwicklung werden groß geschrieben. Dänemark betreibt aktive Förder- und Ansiedlungspolitik für Hochtechnologieunternehmen in den Bereichen Biotechnologie, Pharma und Informationstechnologie. Bislang haben sich in der länderübergreifenden Region Öresund (Raum Kopenhagen und schwedische Provinz Schonen) mehr als 300 derartige Unternehmen niedergelassen, davon circa 100 aus dem Biotech-Sektor. Mit dem Aufbau eines „Hochtechnologiefonds“ in Höhe von 3 Milliarden dänischen Kronen soll die Grundlagen- und Spitzenforschung gestärkt werden. Der Fonds wird aus den Rückflüssen von Erdölkonzessionen und Privatisierungen gespeist und verteilte erstmalig 2005 Fördergelder.

Zur Konsolidierung der öffentlichen Finanzen wurden Einsparungen im Bereich der Altersversorgung (Erhöhung Renteneintrittsalter auf 67 Jahre, Verkürzung des Vorruhestandes) realisiert.

Dänemark gehört allen wichtigen internationalen Wirtschaftsorganisationen (u.a. OECD, WTO, IWF, Weltbank) an.


Umweltpolitik

Die dänische Regierung zeigte großes Engagement während der 15. Klimaschutzkonferenz der VN vom 7. bis 18. Dezember 2009 in Kopenhagen. Trotz hoher Erwartungen konnte dabei keine verbindliche Einigung auf ein weltweites Klimaabkommen erreicht werden. In den Folgekonferenzen wurden viele der Kopenhagener Empfehlungen umgesetzt. Dänemark setzt sich weiterhin engagiert für weltweit verbindliche CO2-Reduzierungen ein.

Da auch Grönland zur dänischen Reichsgemeinschaft gehört, sind den Dänen die Auswirkungen der globalen Erderwärmung sehr bewusst. Die dänische Regierung konzentriert sich im Energiebereich auf eine Verbesserung des Wirkungsgrades und höhere Energieeffizienz. Priorität bei der Energieerzeugung genießt der weitere Ausbau der Windkraftanlagen.

Dänemark hat 1992 als erstes EU-Land eine CO2-Steuer eingeführt.

2012 vereinbarte die dänische Regierung eine überparteiliche Absprache für einen Umwelt- und Energieplan. Dänemark will u.a. bis 2050 von Öl, Gas und Kohle unabhängig werden.

Auf EU-Ebene schlägt Dänemark vor, die CO2-Einsparziele zu verschärfen (minus 30 Prozent bis 2020). Im eigenen Land möchte man bis zu diesem Datum sogar 40 Prozent erreichen und hat hierfür im August 2013 einen ergänzten Klimaplan vorgelegt.

In Dänemark gibt es keine Atomkraftwerke. Die deutsche Energiewende wird aufmerksam verfolgt.

Herausforderungen im Bereich Umweltschutz ergeben sich für Dänemark unter anderem durch den Einsatz von Düngemitteln und Pestiziden in der intensiv betriebenen Landwirtschaft mit Massentierhaltung und den daraus resultierenden Belastungen von Gewässern und Böden.

Um die Feinstaubbelastung einzudämmen, wurden im September 2008 Umweltzonen für Lkws über 3,5 Tonnen in Kopenhagen eingerichtet.

Hinweis:

Dieser Text stellt eine Basisinformation dar. Er wird regelmäßig aktualisiert. Eine Gewähr für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Angaben kann nicht übernommen werden. 


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