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Mehr als ein Weiterbildungsprogramm

Im Auswärtigen Amt sind zur Zeit Gruppen junger Leute aus vielen Ländern und mit unterschiedlichsten Sprachen unterwegs. Es sind junge Diplomaten, die an Programmen der internationalen Diplomatenausbildung teilnehmen.

David Grant aus Belize hatte am Morgen seine zweite Deutschstunde und freut sich, jetzt Begrüßungsformeln wie „Guten Tag“ zu kennen. „Man muss ja irgendwo anfangen“, fügt er auf englisch hinzu und lacht. Grant ist Teilnehmer am fünften Lehrgang für Diplomaten aus Lateinamerika und der Karibik, der seit dem 30. August läuft. Eigentlich arbeitet der 27-Jährige an der Botschaft von Belize in Brüssel.

Deutsche Politik erfahren

Bis zum 8. Oktober sind er und 14 weitere Teilnehmer in Berlin und erfahren in dem praxisnahen Programm zum Beispiel etwas über Integrationsprozesse in der EU. Auch Marcelo Cid ist in dem Lehrgang. Der 35-jährige Brasilianer wird danach an der Botschaft seines Landes in Berlin arbeiten. „Besonders für die, die hier in Berlin bleiben, kann der Kurs viel bieten“, findet er. Es sei sehr hilfreich, die deutsche Politik intensiv zu erfahren.

Vielzahl von Themen“

Das ist auch für Pamela Ong ein großer Vorteil der internationalen Diplomatenausbildung. „Man lernt die deutsche Perspektive zu einer Vielzahl von Themen kennen.“ Die 25-Jährige aus Singapur nimmt am Lehrgang für Asien und Pazifik teil, der seit dem 23. August läuft. Hier lernen die jungen Diplomaten etwas über die Funktionsweisen im Auswärtigen Amt, die außenpolitischen Akteure in Deutschland und verschiedene europäische Institutionen.

Die internationale Diplomatenausbildung wurde 1992 vom damaligen Bundesaußenminister Hans-Dietrich Genscher initiiert, als Weiterbildungsprogramm in deutscher und englischer Sprache. Seitdem wurde das Programm kontinuierlich ausgebaut. Im Jahr 2010 finden insgesamt 17 Lehrgänge statt. Mehr als 1.400 Diplomaten aus über 130 Ländern haben bereits teilgenommen.

Grünes Berlin

Die fünfte Auflage des Asien-Pazifik-Lehrgangs läuft noch bis zum 24. September, auch Damien Miller nimmt daran teil. Er wird für die nächsten drei Jahren hier bleiben und für die australische Botschaft arbeiten. „Berlin ist eine Stadt voller Natur“, schwärmt der 34-Jährige. Der Brasilianer Marcelo Cid schätzt an Berlin vor allem die vielen Museen. Und sein Kollege David Grant sagt: „Ich war überrascht zu sehen, wie grün und lebendig die Stadt ist.“

Faszinierende Geschichte

Pamela Ong ist besonders die Offenheit aufgefallen, mit der die Deutschen ihre Geschichte diskutieren. Auch Damien Miller hat diese Offenheit bemerkt, etwa bei der Studienreise nach Bonn. Dort hat ihn auch beeindruckt, „dass das gesamte deutsche Regierungszentrum von einer Stadt in die andere verlagert wurde.“ Die reichhaltige und lange Geschichte Deutschlands sei besonders für jemanden aus Lateinamerika interessant, findet David Grant.

Neue Kontakte knüpfen

Die vier Teilnehmer sind sich einig, dass sie aus den Lehrgängen viel für ihre weitere Arbeit mitnehmen können. „Andere junge Diplomaten in so einem Umfeld treffen zu können, ist sehr hilfreich“, sagt David Grant. „Da bieten sich interessante Diskussionen.“ Außerdem könne man tolle Kontakte knüpfen.

Der nächste Lehrgang der internationalen Diplomatenausbildung startet am 13. September. Dann sind zum ersten Mal Jungdiplomaten aus dem frankophonen Afrika zu Gast.

Der Asien und Pazifik-Lehrgang wurde 2008 eingeführt, rund 20 Teilnehmer absolvieren ihn seitdem jedes Jahr. Bestandteil des fünfwöchigen Programms sind auch Studienreisen in deutsche Bundesländer mit einem besonderen Bezug zu Asien, nach Brüssel und Den Haag. Der Lehrgang für Lateinamerika und Karibik besteht seit 2006. In Studienreisen erhalten die Teilnehmer einen Einblick in europäische Institutionen und internationale Organisationen.


Stand 09.09.2010

Weitere Informationen

Bewerbungen für die Programme der Internationalen Diplomatenausbildung können ausschließlich auf Einladung erfolgen.
Mehr Informationen zu den Programmen finden Sie hier:

Europa im Fokus – Internationale Diplomatenausbildung

Mit Unterstützung der Europa-Abteilung des Auswärtigen Amts führt die Internationale Diplomatenausbildung der Akademie Auswärtiger Dienst seit dem 15. Juni für zunächst ein Jahr ein EU-Kolleg durch, das in den kommenden Jahren fortgesetzt werden soll. Mehr