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Kultur- und Bildungspolitik, Medien

Stand: April 2017

Schulen und Hochschulen

Die Bildungs- und Hochschulpolitik hat eine hohe Priorität für den jordanischen Staat. Die Regierenden sind sich der Verantwortung der Politik bewusst, für die im Durchschnitt sehr junge Bevölkerung adäquate Bildungs- und Berufschancen zu eröffnen. Im Rahmen der zweiten Phase des Programms "Education Reform for Knowledge Economy" werden deshalb in den Jahren 2009 bis 2016 Maßnahmen zur weiteren Verbesserung der schulischen Bildung und Infrastruktur, der Qualität von Lehre und beruflicher Bildung und nicht zuletzt der Lehreraus- und Weiterbildung mit Hilfe internationaler Geber, darunter auch die Bundesrepublik Deutschland, umgesetzt.

Die Analphabetenquote liegt in Jordanien bei ca. 2 Prozent. Englische Sprachkenntnisse sind verbreitet. Rund 98 Prozent aller Kinder besuchen die Schule. Im Alter von 6 bis 15 Jahren ist der Schulbesuch in Jordanien obligatorisch und kostenlos. Das jordanische Schulsystem führt fast alle Schüler nach 12 Jahren Schulzeit zur Hochschulreife.

Im Anschluss an die Hochschulreife streben die meisten Jordanierinnen und Jordanier einen Universitätsabschluss an (zumeist B.A.). Die Möglichkeiten einer Berufsausbildung ("technical training") sind rar und werden von der Bevölkerung auch nicht wirklich als eine qualitativ gleichwertige Alternative zum Hochschulstudium wahrgenommen.

Im Land gibt es 10 staatliche und 19 private Universitäten sowie 51 sogenannte Community Colleges. Die bekanntesten staatlichen Universitäten sind: University of Jordan (Amman) mit über 40.000, die Yarmouk University (Irbid) mit über 30.000 und die Jordan University of Science and Technology (Irbid) mit über 20.000 Studierenden. Die jordanischen Hochschulen sind stark an internationaler Zusammenarbeit und Austausch interessiert. Ein Beleg hierfür ist u.a. die Zahl der ausländischen Studenten an jordanischen Hochschulen, die derzeit bei etwa 28.000 liegt.

Jordanische Universitäten und Forschungseinrichtungen pflegen in den verschiedensten Bereichen einen regen Austausch mit Deutschland. Viele jordanische Wissenschaftler haben in Deutschland studiert oder promoviert und setzen gemeinsame Forschungsvorhaben mit deutschen Kollegen um. Mit Hilfe deutscher Stipendien oder auch auf eigene Kosten kommen jedes Jahr zahlreiche Jordanier als Studierende, Doktoranden oder Professoren für Kurz- und Langzeitaufenthalte nach Deutschland.

Seit 2012 unterhält der DAAD (Deutsche Akademische Austauschdienst) ein Informationszentrum (IC) in Amman, welches als Anlaufstelle für sämtliche Fragen zum deutschen Hochschulwesen und Studienmöglichkeiten in Deutschland fungiert und eine Reihe von Stipendienangeboten administrativ betreut.

Die 2005 eröffnete Deutsch-Jordanische Universität (German Jordanian University, GJU) ist das größte deutsche Hochschulexportprojekt mit einem Schwerpunkt in ingenieurwissenschaftlichen und betriebswirtschaftlichen Fächern. Die GJU ist eine staatliche jordanische Universität. Curriculum und Lehre orientieren sich am Modell deutscher Fachhochschulen. Eine enge Kooperation mit einem immer größer werdenden Netzwerk von jordanischen und deutschen Unternehmen prägen Lehre und Forschung. Die Fachhochschule Magdeburg-Stendal ist seit 2005 federführende Projektpartnerin der GJU im Rahmen des DAAD-Programms "Studienangebote deutscher Hochschulen im Ausland". Die GJU hat sich seit ihrer Gründung zu einer der führenden Universitäten des Landes entwickelt. Auf dem GJU-Campus in Mushaqar in der Nähe von Madaba studieren 4.400 Studenten an 9 Fakultäten und in insgesamt 26 Studiengängen. Die GJU fungiert auch als regionales Kompetenzzentrum für die Deutschlehrerausbildung (Bachelor- und Masterprogramme für "Deutsch als Fremdsprache"), das sich explizit auch an die Interessenten aus der gesamten Region Nordafrika, Nah- und Mittelost richtet. Über den DAAD stellt Deutschland zudem 90 zusätzliche Studienplätze für syrische Flüchtlinge und Jordanier zur Verfügung. Davon sind 30 Stipendien für den Studiengang „Conservation Studies, Cultural Heritage and Built Environment" vorgesehen, der im Rahmen des DAI-Maßnahmenpakets "Die Stunde Null – Eine Zukunft für die Zeit nach der Krise" angeboten wird.

Das Auswärtige Amt finanziert zudem die Deutsche Akademische Flüchtlingsinitiative Albert Einstein (DAFI), die in Jordanien 231 Flüchtlingen ein Hochschulstudium ermöglicht.

German-Jordanian University (GJU)

Kultur

In der Archäologie ist die Zusammenarbeit zwischen Deutschland und Jordanien seit vielen Jahrzehnten eng und vertrauensvoll. Eine Niederlassung des Deutschen Evangelischen Instituts für die Altertumskunde im Heiligen Land (DEIAHL), zugleich Forschungsstelle des Deutschen Archäologischen Instituts (DAI), koordiniert gemeinsame Grabungen mit dem jordanischen Antikendienst vor allem im Norden des Landes (Jerash, Gadara, Tell Zirā’a bei Um Quais, Tell Usher bei Irbid). Das Auswärtige Amt unterstützte mittels seines Kulturerhalt-Programms und gemeinsam mit der Deutschen Forschungsgemeinschaft über mehrerer Jahre hinweg bautechnische Untersuchungen und die Wiederherstellung prägender Stilelemente an der Ruine des Wüstenschlosses Mshatta, dessen originale Südfassade zu den Beständen des Pergamon-Museum in Berlin gehört.

Das Goethe-Institut Amman spricht mit seinem abwechslungsreichen Programm-Mix aus Theater, Musik und Ausstellungen gezielt ein jüngeres, an Deutschland interessiertes Publikum an. Die Deutschkurse des Goethe-Instituts sind stark nachgefragt. Im Rahmen der PASCH-Initiative "Schulen Partner der Zukunft" konnte an vier jordanischen Schulen, die vom Goethe-Institut betreut werden,  "Deutsch als Fremdsprache" verankert werden. An einer dieser Schulen wird seit dem Schuljahr 2016/17 erstmals Deutsch als Abiturfach angeboten.

Medien

Die jordanische Medienlandschaft hat in den vergangenen Jahren an Vielfalt und Qualität gewonnen. Seit dem Frühjahr 2011 hat sich die Berichterstattung in den Medien spürbar liberalisiert. Trotz einer relativ pluralistischen Presse bleibt die Pressefreiheit in Jordanien jedoch der staatlichen Kontrolle unterworfen. Jordanische Journalisten müssen Mitglied im staatlichen Presseverband, der Jordan Press Association (JPA), sein, um publizieren zu dürfen. Rechtliche Beschränkungen und Selbstzensur der Journalisten, so bei öffentlicher Kritik am Staat und seinen Organen, setzen der freien Debatte weiterhin erkennbare Grenzen.

Es gibt eine Vielzahl von Tages- und Wochenzeitungen sowie Magazinen, wobei sich letztere mit wenigen Ausnahmen auf Lifestyle-Themen konzentrieren. Die größte Zeitung ist zu 100 Prozent im Eigentum der öffentlichen Hand (Al Ra’i), an der zweitgrößten hat der Staat eine Mehrheitsbeteiligung (Ad-Dustur), andere sind vollständig in privater Hand. Die seit einigen Jahren zugelassenen privaten Radiosender berichten teilweise über politische Themen und sind sonst wegen ihrer modernen Moderation und Musikausrichtung vor allem bei jungen Hörerinnen und Hörern beliebt.

Die meist gesehenen Fernsehprogramme sind die internationalen arabischen Satellitenkanäle (Al-Dschasira, Al-Arabiyya, Abu Dhabi TV, MBC, etc.). Das staatliche Fernsehen hat es schwer, sich gegen diese Sender zu behaupten. Es gibt einige kleine Privatsender mit begrenzter Reichweite und einige kleinere arabische Satellitenfernsehkanäle produzieren von Amman aus.

Immer größere Bedeutung erlangt das Internet, das zunehmend preisgünstig zugänglich und leistungsstärker ist. Rund 63 Prozent der Bevölkerung haben Zugang zum Internet. In den letzten Jahren sind einige Internetzeitungen und viele Blogs entstanden, die von vielen als Informationsquelle auch für politische Themen genutzt werden.

Internet und digitalen Medien unterliegen ebenfalls der staatlichen Regulierung. Anfang 2010 wurde gerichtlich entschieden, dass auch elektronische Medien dem Presse- und Publikationsgesetz zu unterwerfen sind. Die am 17.09.2012 in Kraft getretene Novellierung des Presse- und Publikationsgesetzes (die Gesetzesänderungen betreffen explizit Nachrichtenseiten im Internet) ist von Journalisten, Opposition und Menschenrechtsvertretern in der Folge kritisiert worden. Nach den Bestimmungen dieses Gesetzes müssen alle elektronische Nachrichtendienste registriert und zugelassen werden. Herausgeber elektronischer Nachrichtendienste sind für die Inhalte der Kommentare, die von Lesern eingestellt werden, verantwortlich. Anfang Juni 2013 begannen die Behörden mit der Durchsetzung des Gesetzes. Unregistrierte Nachrichtenwebseiten wurden sukzessive abgeschaltet.

Hinweis:

Dieser Text stellt eine Basisinformation dar. Er wird regelmäßig aktualisiert. Eine Gewähr für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Angaben kann nicht übernommen werden. 


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