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Jordanien

Kultur- und Bildungspolitik, Medien

Stand: Juli 2014

Schulen und Hochschulen 

Die Bildungs- und Hochschulpolitik hat eine hohe Priorität für den jordanischen Staat. Die Regierenden sind sich der Verantwortung der Politik bewusst, für die im Durchschnitt sehr junge Bevölkerung adäquate Bildungs- und Berufschancen zu eröffnen. Im Rahmen der zweiten Phase des Programms „Education Reform for Knowledge Economy“ werden deshalb in den Jahren 2009 bis 2015 Maßnahmen zur weiteren Verbesserung der schulischen Bildung und Infrastruktur, der Qualität von Lehre und beruflicher Bildung und nicht zuletzt der Lehreraus- und Weiterbildung mit Hilfe internationaler Geber, darunter auch die Bundesrepublik Deutschland, umgesetzt.

Die Analphabetenquote liegt in Jordanien bei ca. 7 Prozent. Englische Sprachkenntnisse sind verbreitet. Rund 98 Prozent aller Kinder besuchen die Schule. Im Alter von 6 bis 15 Jahren ist der Schulbesuch in Jordanien obligatorisch und kostenlos. Das jordanische Schulsystem führt fast alle Schüler nach 12 Jahren Schulzeit zur Hochschulreife.

Im Anschluss an die Hochschulreife streben die meisten Jordanierinnen und Jordanier einen Universitätsabschluss an (zumeist B.A.). Die Möglichkeiten einer Berufsausbildung („technical training“) sind rar und werden von der Bevölkerung auch nicht wirklich als eine qualitativ gleichwertige Alternative zum Hochschulstudium wahrgenommen.

Im Land bestehen 10 staatliche und 19 private Universitäten sowie 51 sogenannte Community Colleges. Die bekanntesten staatlichen Universitäten sind: University of Jordan (Amman) mit über 40.000, die Yarmouk University (Irbid) mit über 30.000 und die Jordan University of Science and Technology (Irbid) mit über 20.000 Studierenden. Die jordanischen Hochschulen sind stark an internationaler Zusammenarbeit und Austausch interessiert. Ein Beleg hierfür ist u.a. die Zahl der ausländischen Studenten an jordanischen Hochschulen, die derzeit bei etwa 28.000 liegt.

Seit 2005 wirbt auch die Deutsch-Jordanische Universität (German Jordanian University, GJU) um die Gunst der Schulabgänger. Die GJU ist eine staatliche jordanische Universität. Curriculum und Lehre orientieren sich am Modell deutscher Fachhochschulen. Eine enge Kooperation mit einem immer größer werdenden Netzwerk von jordanischen und deutschen Unternehmen prägen Lehre und Forschung. Die Fachhochschule Magdeburg-Stendal ist seit 2005 federführende Projektpartnerin der GJU im Rahmen des DAAD-Programms „Studienangebote deutscher Hochschulen im Ausland“. Die GJU hat sich seit ihrer Gründung zu einer der führenden Universitäten des Landes entwickelt. Auf dem GJU-Campus in Mushaqar in der Nähe von Madaba studieren über 3000 Studenten an 8 Fakultäten und in insgesamt 20 Studiengängen.

German-Jordanian University (GJU)

Medien

Die jordanische Medienlandschaft hat in den vergangenen Jahren an Vielfalt und Qualität gewonnen. Seit dem Frühjahr 2011 hat sich die Berichterstattung in den Medien spürbar liberalisiert. Trotz einer relativ pluralistischen Presse bleibt die Pressefreiheit in Jordanien jedoch der staatlichen Kontrolle unterworfen. Jordanische Journalisten müssen Mitglied im staatlichen Presseverband, der Jordan Press Association (JPA), sein, um publizieren zu dürfen. Rechtliche Beschränkungen und Selbstzensur der Journalisten, so bei öffentlicher Kritik am Staat und seinen Organen, setzen der freien Debatte weiterhin erkennbare Grenzen. 

Es gibt eine Vielzahl von Tages- und Wochenzeitungen sowie Magazinen, wobei sich letztere mit wenigen Ausnahmen auf Lifestyle-Themen konzentrieren. Die größte Zeitung ist zu 100 Prozent im Eigentum der öffentlichen Hand (Al Ra’i), an der zweitgrößten hat der Staat eine Mehrheitsbeteiligung (Ad-Dustur), andere sind vollständig in privater Hand. Die seit einigen Jahren zugelassenen privaten Radiosender berichten teilweise über politische Themen und sind sonst wegen ihrer modernen Moderation und Musikausrichtung vor allem bei jungen Hörerinnen und Hörern beliebt.

Die meist gesehenen Fernsehprogramme sind die internationalen arabischen Satellitenkanäle (Al-Dschasira, Al-Arabiyya, Abu Dhabi TV, MBC, etc.). Das staatliche Fernsehen hat es schwer, sich gegen diese Sender zu behaupten. Es gibt einige kleine Privatsender mit begrenzter Reichweite und einige kleinere arabische Satellitenfernsehkanäle produzieren von Amman aus.

Immer größere Bedeutung erlangt das Internet, das zunehmend preisgünstig zugänglich und leistungsstärker ist. Rund 63 Prozent der Bevölkerung haben Zugang zum Internet. In den letzten Jahren sind einige Internetzeitungen und viele Blogs entstanden, die von vielen als Informationsquelle auch für politische Themen genutzt werden.

Internet und digitalen Medien unterliegen ebenfalls der staatlichen Regulierung. Anfang 2010 wurde gerichtlich entschieden, dass auch elektronische Medien dem Presse- und Publikationsgesetz zu unterwerfen sind. Die am 17.09.2012 in Kraft getretene Novellierung des Presse- und Publikationsgesetzes (die Gesetzesänderungen betreffen explizit Nachrichtenseiten im Internet) ist von Journalisten, Opposition und Menschenrechtsvertretern in der Folge kritisiert worden. Nach den Bestimmungen dieses Gesetzes müssen alle elektronische Nachrichtendienste registriert und zugelassen werden. Herausgeber elektronischer Nachrichtendienste sind für die Inhalte der Kommentare, die von Lesern eingestellt werden, verantwortlich. Anfang Juni 2013 begannen die Behörden mit der Durchsetzung des Gesetzes. Unregistrierte Nachrichtenwebseiten wurden sukzessive abgeschaltet.



Hinweis

Dieser Text stellt eine Basisinformation dar. Er wird regelmäßig aktualisiert. Eine Gewähr für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Angaben kann nicht übernommen werden.