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Vernetzte Deutschlandexperten

Internationale Zusammenarbeit statt nationaler Interessenpolitik ist der Schlüssel zur Lösung globaler Herausforderungen. 23 junge Diplomatinnen und Diplomaten aus Asien und dem Pazifikraum sind daher im Rahmen der Internationalen Diplomatenausbildung zum Austausch und zur Vernetzung nach Deutschland gekommen. Drei Nachwuchsdiplomaten aus Neuseeland, Pakistan und Südkorea erzählen von ihren Eindrücken.

Mirza Salman Babar Beg fühlt sich zurück versetzt in seine Zeit an der Universität, als er mit den anderen jungen Diplomaten aus Asien und der Pazifikregion in den Abendstunden durch Hamburg schlendert: Sie tauschen sich angeregt über die wichtigen globalen Herausforderungen aus, halten sich dabei nicht nur an die offizielle Position ihres Landes. "Es ist wunderbar, so viele Perspektiven von so vielen Menschen aus verschiedenen Ländern zu erleben", sagt der 34-jährige Beg, der für das pakistanische Außenministerium an dem Lehrgang des Auswärtigen Amts teilnimmt.

Deutschland ist kein Neuland

Für viele der Teilnehmer ist es nicht der erste Aufenthalt in Deutschland, manche sprechen sogar ein vorzügliches Deutsch. "Mein Interesse an Deutschland entwickelte sich, als ich in der Schule Deutsch lernte. Später ging ich dann als Austauschschülerin nach Heidelberg", erzählt die 30-jährige Anthe Crawley aus Neuseeland. Ähnlich erging es auch der Südkoreanerin Hyunju Kim, die während ihres Studiums ein Auslandsjahr an der Freien Universität Berlin absolvierte, aber schon während der Schulzeit "bilaterale Beziehungen" im persönlichen Rahmen aufbaute: Kim pflegt seit einigen Jahren eine Brieffreundschaft mit einer Deutschen aus der Nähe von Berlin.

Hyunju Kim aus Südkorea

Hyunju Kim aus Südkorea
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Hyunju Kim aus Südkorea

Hyunju Kim aus Südkorea

Hyunju Kim aus Südkorea

Ausgewählt wurden die jungen Diplomaten für den knapp fünfwöchigen Lehrgang von ihren heimischen Ministerien in den meisten Fällen aufgrund ihres derzeitigen oder künftigen Aufgabenbereichs. So arbeitet Hyunju Kim im Büro für europäische Beziehungen des koreanischen Außen- und Handelsministeriums. Und auch die Neuseeländerin Anthe Crawley bereitet sich mit dem Lehrgang auf den Wechsel in die Europaabteilung des Außenministeriums in Wellington vor.

Eine andere Bürokultur

Sie findet es angesichts ihres künftigen Aufgabenbereichs besonders wertvoll, im Rahmen des Programms die Struktur und Organisation des Auswärtigen Amts kennenzulernen. "Mir ist aufgefallen, dass viele Abteilungen im Auswärtigen Amts einen sehr engen Fokus haben und somit sehr spezialisiert sind", sagt Crawley. Der Pakistani Beg und die Südkoreanerin Kim haben in der deutschen Behörde eine andere Bürokultur als in ihrer Heimat beobachtet. "In meiner Abteilung arbeiten alle zusammen in einem großen Büro. Auch der Referatsleiter sitzt neben mir im gleichen Raum", erläutert die 25jährige Kim. "Bei uns herrscht eine ständige Eile, da wir ein kleineres Ministerium sind. Hier geht es etwas entspannter zu", schildert Mirza Beg seine Eindrücke.

Neben dem Einblick in die Arbeitsweise des Auswärtigen Amts sowie praktischen Kursen, zum Beispiel zu Verhandlungs­strategien, wird den Nachwuchsdiplomaten ein vielseitiges Programm inner- und außerhalb Berlins geboten: In Hamburg besuchen die Nachwuchsdiplomaten etwa die Spiegel-Redaktion und den Ostasiatischen Verein, in Brüssel die Europäische Kommission und die NATO, in Den Haag den Internationalen Strafgerichtshof, und wiederum in Berlin diskutieren die Teilnehmer unter anderem mit dem ZEIT-Journalisten Theo Sommer.

Aktuelle globale Herausforderungen stehen bei den Terminen stets im Vordergrund. So ist Hyunju Kim angesichts der anhaltenden Euro-Krise besonders gespannt auf den Besuch der Europäischen Zentralbank in Frankfurt. "In Asien hatten wir 1997 auch eine schwere Finanzkrise, daher weiß ich, dass eine solche Krise sehr lange dauern und harte Maßnahmen erfordern kann", erklärt sie.

Die Internationale Diplomatenausbildung des Auswärtigen Amts wurde 1992 mit Programmen für Diplomaten aus Mittel- und Osteuropa ins Leben gerufen. Später folgten Lehrgänge für Afghanistan, Irak, den Nahen und Mittleren Osten, Afrika, Asien und Lateinamerika. Insgesamt werden inzwischen Kurse für über 140 Länder angeboten. Seit 2009 gibt es Programme für junge Diplomatinnen und Diplomaten aus Kosovo, aus Bosnien und Herzegowina sowie aus Belarus. 2010 kamen Programme für die Inselstaaten der Karibik und des Pazifik sowie für das frankophone Afrika hinzu.


„Diplomacy by networking“

Während des Lehrgangs werden die 23 Teilnehmer nicht nur zu Deutschlandexperten, sondern vernetzen sich auch intensiv untereinander. Sie halten sich gegenseitig Vorträge zur Außenpolitik ihres Landes und nutzen jede freie Minute auf dem Flur oder beim Kaffee zum persönlichen Austausch. „Wir diskutieren sehr viel“, erklärt Beg: "Das ist intellektuell sehr gewinnbringend".

Anthe Crawley aus Neuseeland

Anthe Crawleyaus aus Neuseeland
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Anthe Crawley aus Neuseeland

Anthe Crawley aus Neuseeland

Anthe Crawleyaus aus Neuseeland

So ist sich auch Crawley sicher, dass sich der Lehrgang positiv auf ihre weitere Laufbahn auswirken wird. "Es ist toll, die Möglichkeit zu bekommen, in einem solch internationalen Umfeld seinen Horizont zu erweitern", erklärt sie.

Kim freut es besonders, dass sie durch den Lehrgang die Chance bekommen hat, die deutschen und europäischen Institutionen, die sie in Südkorea auf theoretischer Basis studiert hat, hautnah kennenzulernen. "Zu sehen, wie diese Institutionen wirklich arbeiten, ist etwas sehr Besonderes für mich", sagt Kim und fügt noch lächelnd hinzu: "Außerdem kann ich während der Zeit in Deutschland meine Brieffreundin wieder treffen."


Stand 29.08.2011

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