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Die Tahrirlounge - Treffpunkt für den Wandel in Ägypten

In unmittelbarer Nähe des Tahrir-Platzes hat im April 2011 mit Unterstützung des Auswärtigen Amts die "Tahrir-Lounge" im Souterrain des Goethe-Instituts ihre Türen geöffnet. Sie bietet seitdem allen, die den demokratischen Wandel in Ägypten maßgeblich mit angestoßen haben und sich an ihm beteiligen wollen, im Herzen von Kairo einen Treffpunkt, um sich über die Zukunft Ägyptens auszutauschen.

Die ägyptische Revolution erreichte einen ersten Höhepunkt am 25. Januar 2011, als am sogenannten "Tag der Polizei" jugendliche Demonstranten auf dem Tahrir-Platz offen gegen die Willkür des Sicherheitsapparats protetstierten. Von da an war es nur noch eine Frage von wenigen Tagen, bis Mubarak endgültig die Macht verlor. "Tahrir" bedeutet Befreiung; der Platz steht seither sinnbildlich für das Streben nach Freiheit und Selbstbestimmung. Dass dies mit friedlichen Mitteln erreicht werden konnte, erfüllt die Ägypterinnen und Ägypter heute zu recht mit Stolz. 

Der Wandel in Ägypten ist jedoch noch nicht abgeschlossen, die Demokratie muss sich noch festigen. Die Diskussionen um die zukünftige Verfassung halten an. Die ägyptische Bevölkerung nimmt teil an diesem Diskurs, der nicht nur in Kairo, sondern auch in anderen städtischen Zentren und auch auf dem Land stattfindet. 

Forum für Austausch und Diskussion

Die Tahrir-Lounges sollen der gesamten Zivilgesellschaft - Aktivisten, Nichtregierungsorganisationen, Menschenrechtsgruppen, Bloggern und anderen - als Forum dienen. Hier können sich interessierte junge Menschen unterschiedlichster Couleur in den laufenden Transformationsprozess in Ägypten einbringen und am politischen Geschehen aktiv teilnehmen, um die Zukunft ihres Landes auch ein kleines Stück weit mitzugestalten. Die Tahrir-Lounge ist also in aller erster Linie ein Anlauf- und Treffpunkt für Austausch und Diskussion - angeregt, oft auch kontrovers, stets aber offen.

Die Tahrir-Lounge unterhält auch eine lebendige Facebook-Seite, die sämtliche Veranstaltungen zur Kommentierung ins Netz stellt und mittlerweile über 20.000 Anhänger zählt.

Die Tahrir-Lounge ist aber nicht nur ein Treffpunkt. Kernaktivitäten sind regelmäßige Workshops zu Themen wie Verfassungsfragen, Rolle der politischen Parteien nach der Revolution, politische Systeme, Rolle der Frau, der Jugend und der Medien, Menschenrechte, Umwelt und vieles mehr. Titel wie "From Pop Culture to Cultural Protest", "Organisation von Kampagnen" und "Frauen in der Politik“ veranschaulichen das breite Spektrum der Aktivitäten. Auch Begegnungen deutscher Politiker mit Bloggern und Aktivisten fanden in der Tahrir-Lounge in Kairo bereits statt.

Die Tahrir-Lounges konzentrieren sich in ihrer Arbeit bewusst auf junge Aktivisten, deren Gruppierungen und NGOs. Durch die Tahrir-Lounges sollen zum einen grundlegendes Wissen zum Thema Demokratie vermittelt und gleichzeitig ein offenes Diskussionsforum und Austausch zu verschiedenen Themen geboten werden.

Tahrir-Lounge goes Delta

Koordinatoren und Unterstützer der Tahrirlounge in Tala

Koordinatoren und Unterstützer der Tahrirlounge in Tala
© Candace Hetchler

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Koordinatoren und Unterstützer der Tahrirlounge in Tala

Koordinatoren und Unterstützer der Tahrirlounge in Tala

Koordinatoren und Unterstützer der Tahrirlounge in Tala

Der demokratische Wandel darf sich aber nicht nur auf Kairo konzentrieren. So wurde am 29. Juli in Anwesenheit des deutschen Botschafters in Ägypten, Michael Bock, mit einem farbigen Straßenfest und einer Ausstellung der Startschuss für ein neues Begegnungszentrum in Tala im Nildelta gegeben. 

Auf dem Land fehlen in Ägypten bisher Räume für das politische Engagement von jungen Leuten. Der Tahrir-Platz liegt in weiter Ferne. "Vielen Dank Deutschland dafür, dass wir hier einen Platz haben, der uns die gefährliche und mühsame Busfahrt nach Kairo erspart", so eine junge Aktivistin bei der Eröffnung. Die Begeisterung der jungen Leute, sich an ihrem Wohnort politisch engagieren zu können, ist spürbar. 

Projekte außerhalb der großen Städte

Um möglichst viele Menschen gerade auch in den ländlichen Gegenden bzw. Regionen außerhalb von Kairo zu erreichen, überlegen sich ägyptische NGOs kreative Aktivitäten. So ist beispielsweise geplant, in kurzen Videos in arabischer Sprache auf ansprechende und verständliche Weise grundlegende Begriffe im Zusammenhang mit der Demokratie auf offener Straße mit großen Projektoren der breiten Bevölkerung zugänglich zu machen. In einer weiteren Initiative "Egypt in Color" geht es um Kunst. Lokale Lehrer, ihre Schüler sowie lokale Künstler sollen mitunter etwas verwahrloste Gegenden bunter gestalten. Junge Menschen sollen sich durch Kunst artikulieren, dabei zusammentreffen und diskutieren.


Stand 10.05.2013

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