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Slowakei

Wirtschaft

Stand: Februar 2014

Grundlagen

Der Schwerpunkt der industriellen Entwicklung seit den 1950er Jahren lag in den energie- und rohstoffintensiven Bereichen Metallurgie, Rüstungsindustrie, Energiewirtschaft und chemische Industrie. Im Zuge des Umbruchs 1989 kam die Schwerindustrie fast zum Erliegen. Der Anteil der Industrieproduktion am slowakischen Bruttoinlandsprodukt (BIP) sank von 61 Prozent (1991) auf 24,2 Prozent (2002). Durch umfassende Investitionen nimmt die Bedeutung des industriellen Sektors wieder zu. Der Anteil der einzelnen Wirtschaftsbereiche an der Bruttowertschöpfung bleibt seit ca. 15 Jahren konstant – ganz grob beteiligt sich die Landwirtschaft an der Schaffung des Bruttoinlandsprodukts mit ca. 3 Prozent, die Industrie samt Baugewerbe mit ca. 30 – 35 Prozent und über 60 Prozent macht der Dienstleistungssektor aus.

Der industrielle Schwerpunkt liegt in den Bereichen Fahrzeugbau, Stromerzeugung, Metallbearbeitung, Maschinenbau und in der breitgefächerten Automobilbranche. Den slowakischen Fahrzeugbau dominieren die großen ausländischen Konzerne VW, Peugeot/Citroën und Kia. Wie in den Vorjahren waren sie einer der Wachstumstreiber. Die Produktion im Fahrzeugbau verzeichnete die letzten zwei Jahre Rekorde. 2012 verließen ca. 920.000 und 2013 beinahe 1 Million neue Automobile die Fließbänder. Moderate Produktionszuwächse waren auch in der Chemieindustrie, dem Maschinenbau, bei der Stromerzeugung, der Elektrotechnik, der Metallbearbeitung und der Herstellung von Metallerzeugnissen zu verbuchen. Nach mehreren Jahren der gedämpften Baukonjunktur erfuhr auch diese Branche in den letzten Monaten 2013 eine Belebung.

Aktuelle wirtschaftliche Lage

Die Regierung Fico ist in ihrem fiskalpolitischen Spielraum sehr beschränkt. Gleich nach ihrem Amtsantritt 2012 verschrieb sie sich einer disziplinierten Fiskalpolitik mit dem Ziel, die Drei-Prozent-Grenze beim gesamtstaatlichen Haushaltsdefizit in 2013 einzuhalten. Hierfür mussten zahlreiche Konsolidierungsmaßnahmen in Milliardenhöhe vorgenommen werden. Das gesamtstaatliche Defizit für 2013 beträgt 3,09 Prozent des Bruttoinlandsprodukts. Weniger erfolgreich ist die Regierung beim Abbau des strukturellen Defizits und der Schuldenquote, die in den letzten zwei Jahren um mehr als 10 Prozent angestiegen ist. (Projektion für 2013 unter Bezug auf die Mitteilung an Eurostat im Oktober 2013: 54,53 Prozent).

Die amtierende Regierung hat auch für 2014 die Fortsetzung des Konsolidierungsprozesses angekündigt. Zu den 2012 und 2013 eingeführten Maßnahmen sind neue Regelungen hinzugekommen, die vorwiegend auf Erhöhung der Staatseinnahmen abzielen. Zu diesen zählen neu eingeführte bzw. erhöhte Abgaben und Steuern für die Körperschaften, Gewerbetreibenden und Beschäftigten, gleichzeitig aber auch ein Aktionsplan zur Bekämpfung von Steuerbetrug. In diesem Bereich hat die Regierung 2013 sichtbare Erfolge erzielt - an erster Stelle ist hier die eingeführte Quittungslotterie zu nennen und aktiver Einsatz der Finanzpolizei bei der Verfolgung von Steuerbetrug. Darüberhinaus plant die Regierung eine Reform und Effizienzsteigerung der öffentlichen Verwaltung.

2013 war das Wirtschaftswachstum vergleichsweise niedrig – nach vorläufiger Schätzung von Mitte Februar betrug die BIP-Zunahme ggü. dem Vorjahr 0,87 Prozent. Dies wurde ähnlich wie in den Vorjahren zu über 90 Prozent vom Export getragen. Die vorsichtige Schätzung des Wirtschaftswachstums für das laufende Jahr 2014 ist 2,2 Prozent. Die positive Wirtschaftsentwicklung im letzten Quartal spiegelt sich bereits in der Beschäftigungsquote, die nach drei Quartalen des Rückgangs eine geringfügige Zunahme verzeichnet.

Die statistische Arbeitslosigkeit in drei Quartalen 2013 war 14,2 Prozent, die durchschnittliche registrierte Arbeitslosigkeit für das gesamte Jahr betrug 14,1 Prozent mit sinkender Tendenz. Die Arbeitslosigkeit in der Altersgruppe 15 bis 34 Jahre beläuft sich seit mehreren Jahren auf über 30  Prozent.

Die Reallöhne nahmen in drei Quartalen 2013 um 1,0 Prozent zu. Der durchschnittliche Verdienst betrug im gleichen Zeitraum 803 EUR brutto monatlich. Die Mitarbeiter in der Energiewirtschaft sowie Informations- und Kommunikationsexperten verdienten im Schnitt das Doppelte. Die Inflationsrate erreichte 2013 nur 1,4 Prozent, was zusammen mit der schrittweise sinkenden Arbeitslosigkeit zu einer leichten Belebung des Inlandsverbrauchs führte. Dieser verzeichnete nach mehreren Jahren des Rückgangs einen Zuwachs von 0,5 Prozent, 2014 soll der Inlandsverbrauch ggü. dem Vorjahr um 0,8 Prozent zulegen.

Die Slowakei hat zum 1. Januar 2009 den Euro eingeführt. Dieser Schritt wird von der Politik und der Öffentlichkeit generell positiv bewertet. Die Gemeinschaftswährung bewährte sich als wirkungsvolles Instrument, um die negativen Effekte der internationalen Finanz- und Wirtschaftskrise zu mindern. Außerdem half sie der Slowakei, ihre Attraktivität unter ausländischen Investoren beizubehalten, die trotz der Krise in der Eurozone die Einführung der Gemeinschaftswährung als einen wichtigen Standortvorteil der Slowakei bewerten.

Außenhandel und ausländische Direktinvestitionen

Auf Grund der großen Exportabhängigkeit, insbesondere von Deutschland, hängt der ökonomische Erfolg der Slowakei zu einem hohen Maße vom Außenhandel ab. Die teilweise Belebung der wirtschaftlich stärksten EU-Länder brachte neue Aufträge für die slowakische Industrie. Die Automobilindustrie und ihre Zulieferbetriebe sind das Rückgrat des Exports. Dieser wuchs auch 2013. Nach zweistelligen Zuwachsraten aus den Vorjahren lagen jedoch die Zahlen wesentlich niedriger: Der Export legte mit 62,14 Mrd Euro ggü. dem Vorjahr um 9,4 Prozent zu, der Import  mit 58,58 Mrd Euro um 5,1 Prozent. Die Handelsbilanz wies einen positiven Saldo von 3,56 Mrd. EUR aus. Über 60 Prozent ihrer Importe bezieht die Slowakei aus der EU. Der EU-Anteil an ihren Ausfuhren liegt mit über 80 Prozent noch höher. Bedeutendste Handelsgüter sowohl bei Ein- als auch bei Ausfuhren sind Maschinen und Maschinenanlagen, Fahrzeuge, Datenverarbeitungsgeräte, Elektronik, Metallerzeugnisse und chemische Produkte.

Wie in den Vorjahren war auch 2013 Deutschland der wichtigste Handelspartner der Slowakei. Der bilaterale Handelsumsatz betrug im Zeitraum Januar bis November 2013 über 21 Mrd. Euro, die prozentuelle Zunahme gegenüber dem Vorjahr ist jedoch wesentlich niedriger und liegt beim Import im Minusbereich.

Deutschland ist in der Slowakei sowohl mit großen Investoren (Volkswagen, T-Systems, Siemens, Continental, Evonik, RWE u.a.) als auch mit vielen mittelständischen Unternehmen vertreten. Insgesamt sind über 400 deutsche Unternehmen im Land tätig und beschäftigen fast 100.000 Menschen.

Hinweis:

Dieser Text stellt eine Basisinformation dar. Er wird regelmäßig aktualisiert. Eine Gewähr für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Angaben kann nicht übernommen werden. 


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