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Wirtschaft

Stand: Dezember 2013

Tadschikistan ist die ärmste der fünf zentralasiatischen Republiken. Durch die Folgen des verheerenden Bürgerkrieges von 1992 bis 1997 wurde das Land zusätzlich deutlich zurückgeworfen. Auch heute noch leben etwas mehr als 40% der Bevölkerung unterhalb der Armutsgrenze. Die tadschikische Regierung versucht, diesen Herausforderungen mit einem Armutsbekämpfungsprogramm zu begegnen. In einigen entscheidenden Bereichen, etwa Privatisierung der Großbetriebe oder Korruptionsbekämpfung, steckt die Entwicklung allerdings noch in den Anfängen. Demgegenüber ist im zentralen, von Gebern unterstützten Reformbereich der Neuausrichtung der Landwirtschaft (Umwandlung früherer Kolchosen in selbständige kleine u. mittelgroße Agrarbetriebe) seit 2009 erheblicher Fortschritt zu konstatieren (u.a. Schaffung wichtiger Rechtsgrundlagen sowie von rd. 70.000 solcher Betriebe).

Aktuelle wirtschaftliche Lage

Seit dem Jahr 2010 zeigte sich nach den negativen Auswirkungen der globalen Finanzkrise 2009 eine deutliche wirtschaftliche Erholung:  zunächst mit Wachstumsrate des BIP von 6,5% bei einer Inflationsrate von 9,8%, zuletzt 2012 mit 7,5% Wachstum sowie deutlich gesunkener Inflation von 6,4%. Das nominale BIP lag 2012 bei 7,59 Mrd. USD.

Die in den Wachstumsraten zum Ausdruck kommende Erholung ist hauptsächlich auf den Anstieg von Nachfrage und Preisen bei Aluminium und Baumwolle sowie die seit 2010 in wachsendem Maße gestiegenen Rücküberweisungen der Gastarbeiter zurückzuführen, die mittlerweile mindestens 50% zum BIP beitragen.


Wirtschaftssektoren

Nur sieben Prozent der Fläche des Landes sind für die Landwirtschaft geeignet. Der überwiegende Teil der Bevölkerung (ca. 70%) ist dennoch hier tätig. In der tadschikischen Landwirtschaft dominiert die Baumwolle, außerdem werden Obst (Aprikosen, Weintrauben, Nüsse), Gemüse und Getreide angebaut. Die Nahrungsmittelproduktion deckt besonders bei Getreide nicht den Eigenbedarf der Bevölkerung. Das Land ist regelmäßiger Empfänger von Nahrungsmittelhilfe des Welternährungsprogramms der Vereinten Nationen.

Im industriellen Sektor sind die Aluminiumproduktion und Energiegewinnung aus Wasserkraft die dominierenden Zweige. Die Industrieproduktion stieg in den letzten Jahren v. a. aufgrund entsprechenden Anstiegs der Produktionder einzigen Aluminiumfabrik des Landes. Von den sonstigen Industriebetrieben (etwa 850) arbeiteten im Herbst 2010 fast die Hälfte gar nicht oder nur in geringem Umfang. Dessenungeachtet sind zur Bekämpfung der Deindustrialisierung nur wenige Ansätze erkennbar.

Die Stromversorgung Tadschikistans erfolgt zu 98 Prozent durch Wasserkraft. Seit Abtrennung vom zentralasiatischen Stromverbund im Dezember 2009 durch Usbekistan können die eigentlich in den Wintermonaten erforderlichen Stromimporte nicht mehr verlässlich erfolgen. Landesweite Stromrationierungen sind die Folge. Das Wasserkraftpotential des Landes ist derzeit bei weitem nicht ausgeschöpft, der Bau neuer Wasserkraftwerke eine Priorität der Regierung. Größtes Wasserkraftwerk ist mit einer Kapazität von 3.000 MW das am Vakhs-Fluss gelegene Nurek, eines der größten weltweit. Mit iranischer Unterstützung wurde das Wasserkraftwerk Sangtuda II im Süden des Landes 2011 errichtet, nachdem die russische Investition Sangtuda I 2009 fertiggestellt wurde. Geplant ist weiterhin der Bau des zu Sowjetzeiten zu etwa 30 Prozent realisierten Großkraftwerkes Rogun, das in der Gesamtkapazität noch über der von Nurek liegen soll. Vor einer bislang keineswegs gesicherten Verwirklichung sind v.a. außenpolitisch noch hohe Hürden zu überwinden.

Die Parallel- und Schattenwirtschaft sowie der informelle Sektor spielen im Lande eine große Rolle. Hier erweist sich insbesondere die Nähe zu Afghanistan und die damit verbundene Verwicklung in das Drogentransitgeschäft für das Image des Landes als problematisch. Der informelle Sektor wird ebenfalls stark von den Rücküberweisungen der tadschikischen Wanderarbeiter beeinflusst.

Die endemische Korruption sowie behördliche Willkür, fehlende Rechtssicherheit und Kapitalmangel stellen neben fehlender Infrastruktur nach wie vor erhebliche Investitionshemmnisse dar, die eine umfassende Belebung des privatwirtschaftlichen Investitionsgeschehens verhindern. Dessenungeachtet haben sich in den letzten Jahren einige Länder mit einer Reihe von Großprojekten im Energiesektor, Straßenbau und Hotelwesen engagiert.


Außenwirtschaft

Der tadschikische Außenhandel hatte zwischen 2005 und 2008 mit Zuwachsquoten von bis zu 25% einen spürbaren Aufschwung genommen. 2009 war krisenbedingt ein Rückgang um etwa ein Viertel zu verzeichnen. Dieser wurde 2010 schon nach drei Vierteln des Jahres mehr als ausgeglichen. Auch im Jahr 2011 wurden Exporterlöse in der Größenordnung von 75% durch Aluminium sowie 15% durch Baumwolle erwirtschaftet. Aufgrund der einseitigen Wirtschaftsstruktur Tadschikistans mit drei Hauptexportgütern (Aluminium, Baumwolle, Energie) ergibt sich eine sehr ungleiche geografische Verteilung des Außenhandels. Während die Exporte zu annähernd 85% in Länder außerhalb der GUS (Gemeinscahft Unabhängiger Staaten) gehen (der Aluminiumexport wird über die Niederlande abgewickelt), importiert Tadschikistan ca. zwei Drittel seiner Einfuhren aus den GUS-Staaten. Die wichtigsten Außenhandelspartner Tadschikistans sind die Niederlande, Russland, Türkei, Iran, Usbekistan, Kasachstan und China.


Außenhandel mit Deutschland

Obwohl eine Reihe bilateraler Wirtschaftsabkommen geschlossen wurden, ist der Umfang des Handelsaustauschs mit Deutschland im Gesamtbild vergleichsweise unbedeutend und unterliegt zudem starken Schwankungen. Krisenbedingt war der Umsatz 2008 sowie verstärkt 2009  auf 27,63 Mio EUR gesunken. Bis Ende 2010 erholte sich der bilaterale Außenhandel auf 38,38 Mio EUR. 2012 betrugen die Importe aus Deutschland 27,3 Mio EUR (zu den tadschickischen Exporten gibt es noch keine präzisen Angaben, sie liegen aber weit darunter). Tadschikistan führt aus Deutschland Maschinen, Fahrzeuge und andere technische Geräte und Anlagen sowie chemische Erzeugnisse ein und exportiert v. a. Aluminium nach Deutschland.


Regionale wirtschaftliche Zusammenschlüsse

Tadschikistan ist Mitglied der ECO (Economic Cooperation Organization). Die Organisation wurde 1992 zwischen Pakistan, Iran und der Türkei gegründet und hat die Vision, eine vergleichbare Struktur wie die der EU oder ASEAN aufzubauen. Weitere Mitglieder sind die zentralasiatischen Staaten und Afghanistan.

Tadschikistan sah sich Druck aus Russland und Kasachstan ausgesetzt, der Zollunion beider mit Weißrussland beizutreten. Tatsächlich sieht Tadschikistan ein deutlich größeres Interesse am Beitritt zur Welthandelsorganisation WTO, welcher am 02. März 2013 mittels Hinterlegung der Beitrittsurkunde erfolgte. Im Dezember 2012 hatte das zuständige Gremium der WTO den Beschluss gefasst, Tadschikistan als 159. Mitgliedstaat in die WTO aufzunehmen. Der mit dem Beitrittsantrag vom 29.5.2001 begonnene Beitrittsprozess hat damit rund zwölf Jahre gedauert. Er wurde insbesondere auch durch Beratung der EU nachhaltig unterstützt.

Hinweis:

Dieser Text stellt eine Basisinformation dar. Er wird regelmäßig aktualisiert. Eine Gewähr für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Angaben kann nicht übernommen werden.