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Wirtschaft

Stand: März 2015

Tadschikistan ist die ärmste der fünf zentralasiatischen Republiken. Unterschiedlichen Angaben zufolge leben derzeit zwischen 33% und 46,7% der Bevölkerung unterhalb der Armutsgrenze. In entscheidenden Bereichen, etwa der Korruptionsbekämpfung und der Verbesserung der Rahmenbedingungen für die heimische Wirtschaft sowie für ausländische Direktinvestitionen, stecken die zur Armutsbekämpfung nötigen Reformen allerdings noch in den Anfängen. In zentralen, von Gebern unterstützten Reformbereichen wie der Neuausrichtung der Landwirtschaft (Umwandlung früherer Kolchosen in selbständige kleine u. mittelgroße Agrarbetriebe) ist seit 2009 allenfalls ein langsamer Fortschritt zu konstatieren.

Aktuelle wirtschaftliche Lage

Die zuletzt erfolgreiche wirtschaftliche Erholung nach der globalen Finanzkrise 2009 ist durch die russische Wirtschaftskrise zur Zeit akut bedroht. Grund dafür ist die hohen Abhängigkeit der hiesigen Wirtschaft von Rücküberweisungen tadschikischer Gastarbeiter in Russland.

2014 verzeichnete dass Wirtschaftswachstum insgesamt nur einen leichten Rückgang von 7,5% (2013) auf 6,7% bei einer Inflationsrate von 7,4%, für 2015 sind die Prognosen allerdings deutlich schlechter. Das nominale BIP lag 2014 bei 9,0 Mrd. USD.

Die wirtschaftliche Erholung war hauptsächlich auf den zwischenzeitlichen Anstieg von Nachfrage und Preisen bei Aluminium und Baumwolle sowie die zwischen 2009 und 2014 kontinuierlich gestiegenen Rücküberweisungen der Gastarbeiter zurückzuführen. In den letzten Jahren wurde jedoch die Aluminium- und Baumwollproduktion – und damit auch der Export – nicht zuletzt aufgrund deutlich gesunkener Weltmarktpreise stark zurückgefahren. Seit Ende 2014 hat der tadschikische Somoni krisenbedingt deutlich an Wert gegenüber dem Dollar verloren, die Rücküberweisungen lagen in den ersten Monaten 2015 Schätzungen zufolge bis zu 40% unter dem Vorjahresniveau. Die weitere Entwicklung hängt stark von dem weiteren Verlauf der Ukraine-Krise und den damit verbundenen Sanktionen gegenüber Russland ab.


Wirtschaftssektoren

Nur sieben Prozent der Fläche des Landes sind für die Landwirtschaft geeignet. Der überwiegende Teil der Bevölkerung (ca. 70%) ist dennoch hier tätig. In der tadschikischen Landwirtschaft dominiert die Baumwolle, außerdem werden Obst (Aprikosen, Weintrauben, Äpfel), Gemüse, Nüsse und Getreide angebaut. Die Nahrungsmittelproduktion deckt besonders bei Getreide nicht den Eigenbedarf der Bevölkerung. Das Land ist regelmäßiger Empfänger von Nahrungsmittelhilfe des Welternährungsprogramms der Vereinten Nationen sowie diverser bilateraler Geber.

In den vergangenen Jahren ist es nicht gelungen, die Wirtschaft zu diversifizieren und den Anteil der Industrieproduktion am BIP, der 2014 bei etwa 23% lag zu erhöhen bzw. die Betriebe zu modernisieren. Bergbau und Baustoffindustrie dagegen haben in den letzten Jahren, vor allem durch chinesische Investitionen, an Bedeutung gewonnen.

Die Stromversorgung Tadschikistans erfolgt zu 98% durch Wasserkraft. Seit Abtrennung vom zentralasiatischen Stromverbund im Dezember 2009 durch Usbekistan können die in den Wintermonaten erforderlichen Stromimporte nicht mehr erfolgen. Landesweite Stromrationierungen sind die Folge; diese schädigen die Wirtschaft und strapazieren die Geduld der Bevölkerung. Gleichzeitig nahm der Stromexport aus Tadschikistan, vor allem nach Afghanistan und Kirgisistan, im letzten Jahr stark zu. Das Wasserkraftpotential des Landes ist derzeit bei weitem nicht ausgeschöpft, der Bau neuer Wasserkraftwerke eine Priorität der Regierung. Größtes Wasserkraftwerk ist mit einer Kapazität von 3.000 MW das am Vakhsch-Fluss gelegene Nurek. Mit iranischer Unterstützung wurde das erste Aggregat des Wasserkraftwerks Sangtuda II (insges. 220 MW) im Süden des Landes 2011 fertiggestellt, das zweite wurde 2014 eingeweiht. Die russische Investition Sangtuda I (670 MW) wurde 2009 fertiggestellt. Tadschikistan hält weiterhin an der Vollendung des zu Sowjetzeiten begonnenen Großkraftwerkes Rogun (3.600 MW) fest. Vor einer – bislang keineswegs gesicherten – Verwirklichung sind vor allem außenpolitisch aber noch hohe Hürden zu überwinden.

Die Parallel- und Schattenwirtschaft sowie der informelle Sektor spielen im Lande eine große Rolle. Hier erweist sich insbesondere die Nähe zu Afghanistan und die damit verbundene Verwicklung in das Drogentransitgeschäft für das Image des Landes als problematisch. Der informelle Sektor wird ebenfalls stark von den Rücküberweisungen der tadschikischen Wanderarbeiter beeinflusst.

Korruption, behördliche Willkür, fehlende Rechtssicherheit und Kapitalmangel stellen neben fehlender Infrastruktur nach wie vor erhebliche Investitionshemmnisse dar, die eine umfassende Belebung des privatwirtschaftlichen Investitionsgeschehens verhindern. Dessen ungeachtet haben sich in den letzten Jahren einige Länder, vor allem die Volksrepublik China, mit einer Reihe von Infrastruktur-Großprojekten (Energie, Bergbau, Straßenbau) sowie industriellen Investitionen engagiert.


Außenwirtschaft

Der tadschikische Außenhandel hatte zwischen 2005 und 2008 mit Zuwachsquoten von bis zu 25% einen spürbaren Aufschwung genommen. 2009 war krisenbedingt ein Rückgang um etwa ein Viertel zu verzeichnen. Während die Importe in den Folgejahren stark anstiegen, erreichten die Exporte nur 2011 den Wert von 2008. 2014 gingen die tadschikischen Exporte um knapp 20% gegenüber 2013 auf 979 Mio. USD zurück, folglich hat auch das bereits sehr hohe Handelsbilanzdefizit weiter zugenommen. Es erreichte 2014 etwa 3,36 Mrd. USD. Hauptgrund für das hohe Defizit war neben der Zunahme der Importe der Preisverfall bei den Hauptexportgütern (Aluminium, Baumwolle).

Die wichtigsten Außenhandelspartner Tadschikistans sind China, Russland, die Türkei, Iran und Kasachstan.


Außenhandel mit Deutschland

Obwohl eine Reihe bilateraler Wirtschaftsabkommen geschlossen wurden, ist der Umfang des Handelsaustauschs mit Deutschland vergleichsweise unbedeutend und unterliegt zudem starken Schwankungen. Tadschikistan führt aus Deutschland Maschinen, Fahrzeuge und andere technische Geräte und Anlagen sowie chemische Erzeugnisse ein.In den letzten Jahren überstiegen die Importe aus Deutschland laut tadschikischer Statistik die Marke von 50 Mio $ nicht. Allerdings gibt es einen – aber ebenfalls nicht sehr bedeutenden – Handel über Drittländer.

Die tadschikischen Exporte nach Deutschland sind rückläufig. Lagen sie 2013 noch bei 3,65 Mio. EUR, so betrugen sie 2014 nur 2,8 Mio. EUR.


Regionale wirtschaftliche Zusammenschlüsse

Tadschikistan ist Mitglied der ECO (Economic Cooperation Organization). Die Organisation wurde 1992 zwischen Pakistan, Iran und der Türkei gegründet und hat die Vision, eine vergleichbare Struktur wie die der EU oder ASEAN aufzubauen. Weitere Mitglieder sind die zentralasiatischen Staaten und Afghanistan.

Tadschikistan sieht sich Druck aus Russland ausgesetzt, der aus der Eurasischen Zollunion am 01. Januar 2015 hervorgegangenen Eurasischen Wirtschaftsunion beizutreten (weitere Mitglieder sind Kasachstan, Weißrussland, Armenien und ab Mai 2015 Kirgisistan). Eine Mitgliedschaft in der Wirtschaftsunionen wäre aber nur unter Inkaufnahme von finanziellen Nachteilen mit der nach zwölfjährigen Verhandlungen am 02. März 2013 erreichten Mitgliedschaft in der Welthandelsorganisation WTO vereinbar.

Hinweis:

Dieser Text stellt eine Basisinformation dar. Er wird regelmäßig aktualisiert. Eine Gewähr für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Angaben kann nicht übernommen werden. 


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