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Beziehungen zu Deutschland
Stand: März 2013
Politische Beziehungen
Die bilateralen politischen Beziehungen sind eng und vertrauensvoll. Sie werden von einer regen Besuchsdiplomatie in beide Richtungen getragen. Parlamentariergruppen im Bundestag und in der bulgarischen Volksversammlung widmen sich der Pflege der bilateralen Beziehungen. Besonders intensiv sind die Kontakte zu den Bundesländern Baden-Württemberg und Bayern. Die Konrad-Adenauer-Stiftung, Friedrich-Ebert-Stiftung, Friedrich-Naumann-Stiftung und Hanns-Seidel-Stiftung unterhalten Büros in Sofia.
Die bulgarische Regierung betrachtet die Bundesrepublik Deutschland als den zentralen strategischen Partner in der EU. Zahlreiche Minister sowie Präsident Plevneliev sprechen deutsch. Zahlreiche deutsche Experten waren und sind im Rahmen der weiteren Umsetzung des EU-Beitritts als Berater in bulgarischen Ministerien tätig.
Die von Bulgarien angestrebte Vollmitgliedschaft im Schengen-Verbund wird von Deutschland sehr aufmerksam verfolgt. Die deutsche Zurückhaltung in dieser Frage führte bisher zu keiner Belastung der politischen Beziehungen.
Wirtschaftliche Beziehungen
Die wirtschaftlichen Beziehungen zu Deutschland sind eng. 2012 war Deutschland vor Russland, Rumänien, Italien, Türkei und Griechenland der wichtigste Handelspartner Bulgariens. Etwa 5.000 Firmen sind im Bulgariengeschäft tätig, davon haben 1.200 eine meist von Bulgaren geleitete Vertretung vor Ort. Der bilaterale Handelsumsatz belief sich 2012 auf 4,8 Mrd. Euro; davon Exporte nach Bulgarien: 2,7 Mrd. Euro und Importe aus Bulgarien: 2,2 Mrd. Euro. Im Tourismus stellt Deutschland mit jährlich bis zu 800.000 Besuchern - hauptsächlich an der Schwarzmeerküste - die viertgrößte Gruppe.
Die Entwicklungszusammenarbeit, formal mit dem Eintritt Bulgariens in die EU 2007 beendet, lief nach Abschluss aller Projekte Ende 2010 aus. Gemeinsame Initiativen im Sektor Tourismus und berufliche Bildung werden aber weiter unter Nutzung bilateralen Know-hows und europäischer Mittel angestrebt; die GIZ führt Projekte weiter.
Im langjährigen Vergleich (1996-2011) der Auslandsinvestitionen liegt Deutschland hinter den Niederlanden, Österreich, Griechenland und Großbritannien auf Platz 5. Standortvorteile Bulgariens sind niedrige Arbeitskosten, niedrige Steuern (10 Prozent „flat rate“ bei Einkommens- und Körperschaftssteuer, ab 2013 werden auch Kapitalerträge per Quellensteuer berücksichtigt), eine stabile Währung, die EU-Zugehörigkeit und im Allgemeinen ein guter Ausbildungsstand der Arbeitnehmer. Jedoch werden erhebliche Qualifikationsdefizite im nichtakademischen Bereich von der bulgarischen Regierung nicht nachhaltig angepackt (so sind fünf mit ca. 25 Mio Euro deutscher Mittel aufgebaute deutsch-bulgarische Berufsbildungszentren auf Einwerbung qua Projektfinanzierung angewiesen); trotz geplanter Reform in der Berufsausbildung besteht bislang von Seiten der Regierung kein Interesse an haushaltswirksamen Schritten in Richtung Duales System. Weitere Wettbewerbsnachteile Bulgariens sind eine oft schwerfällige, teils undurchschaubare Bürokratie, sowie weit verbreitete Korruption in Politik, Verwaltung und Justiz. Bei der insgesamt jahrelang vernachlässigten Infrastruktur, etwa im Eisenbahnwesen, hat eine verstärkte Nutzung von EU-Mitteln unter der jetzigen Regierung deutlich spürbare Verbesserungen gebracht (Autobahnen, U-Bahn Sofia, Flughäfen Sofia (T2), Varna, Burgas).
Kulturelle Beziehungen
Die kulturelle Zusammenarbeit ist traditionell gut und intensiv. Bis zur Wende fand ein intensiver Austausch vor allem mit der DDR statt. Grundlegend für die Kulturbeziehungen seit 1990 ist das Kulturabkommen vom 19. März 1996. Am 20. März 2000 wurde ein Lehrerentsende- und ein Schulabkommen unterzeichnet. Ein weiteres Schulabkommen ist zur Zeit in Arbeit.
Deutsch als Fremdsprache ist auch unter der jüngeren Generation weit verbreitet. Nach Englisch und Russisch steht Deutsch an bulgarischen Schulen auf Platz 3 der am häufigsten unterrichteten Fremdsprachen. Auch an Universitäten und in der Erwachsenenbildung ist die Fremdsprache Deutsch sehr weit verbreitet. Der Deutsche Akademische Austauschdienst (DAAD) unterstützt den Aufbau deutschsprachiger Studiengänge und Fakultäten. Die universitäre Bildung wird durch vier DAAD-Lektoren und eine DAAD-Sprachassistentin unterstützt. Der wissenschaftliche Austausch wird durch Stipendien der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) sowie Forschungsstipendien der Alexander-von-Humboldt-Stiftung gefördert. Deutschland ist für junge Bulgaren eines der beliebtesten Länder für ein Auslandsstudium. Bulgarinnen und Bulgaren stellen mit etwa 6.000 Studierenden die fünftgrößte Gruppe ausländischer Studenten an deutschen Universitäten.
23 Fremdsprachengymnasien sowie eine Fit-Schule des Goethe-Instituts (insgesamt also 24 PASCH-Schulen) führen zum Deutschen Sprachdiplom (DSD). Am Galabov-Gymnasium können Schüler das deutsche Abitur ablegen. An der Deutschen Schule Sofia wird Unterricht anhand deutscher Lehrpläne angeboten (ab dem Schuljahr 2012/2013 bis zur 11. Klasse, im nächsten Schuljahr bis zum Abitur). Zur Unterstützung des Deutschunterrichts arbeiten im Schuljahr 2012/2013 insgesamt 26 entsandte Lehrkräfte an 10 bulgarischen Schulen. Sieben Freiwillige von „kulturweit“ sind an Schulen tätig.
Die Sprachkurse und die zahlreichen kulturellen Aktivitäten des Goethe-Instituts werden stark frequentiert. Das Goethe-Institut Sofia unterhält Lesesäle in Plovdiv, Ruse und Varna. Bei der Art Today Association in Plovdiv leistet eine Kulturmanagerin der Robert-Bosch-Stiftung Kulturarbeit.
Die deutsche Botschaft ist mit einem eigenen Kulturprogramm in Bulgarien präsent. 2011 wurden „Deutschlandwochen“ durchgeführt, im Jahr 2012 fand eine Reihe zum deutschen Humor statt.
Hinweis
Dieser Text stellt eine Basisinformation dar. Er wird regelmäßig aktualisiert. Eine Gewähr für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Angaben kann nicht übernommen werden.
