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Kanada

Beziehungen zu Deutschland

Stand: April 2017

Politik

Die bilateralen Beziehungen sind harmonisch. Kanada ist ein wichtiger Freund und Verbündeter auf dem nordamerikanischen Kontinent, der europäischen und deutschen Interessen durch Geschichte und Selbstverständnis aufgeschlossen gegenübersteht. Kanada und Deutschland teilen gemeinsame Werte und Grundüberzeugungen.

Deutschland und Kanada verbindet eine aktive Mitarbeit in internationalen Gremien, vor allem in Fragen der Sicherheit und Abrüstung, der Menschenrechte, bei humanitären Aktionen und bei friedenserhaltenden Maßnahmen. Es liegt im deutschen Interesse, dass sich Kanada weiterhin als NATO- und OSZE-Mitglied in Europa engagiert.

Die guten Beziehungen zeigen sich in der engen Abstimmung zwischen den Außenministerien, die häufig gleichgerichtete Initiativen verfolgen. Beispiele sind das Ottawa-Übereinkommen über das Verbot von Antipersonenminen, die Initiative zur Kontrolle und Nichtverbreitung von Kleinwaffen und leichten Waffen, der Kampf gegen den Missbrauch von Kindern, die Errichtung des Internationalen Strafgerichtshofs in Den Haag sowie das Zusammenwirken bei der Vorbereitung der von über 100 Staaten unterschriebenen Konvention zum Verbot von Streumunition und der Schulterschluss in Sachen Iran.

Die Zahl der gegenseitigen offiziellen Besuche ist hoch. Mit Bundespräsident Gauck kam im September 2014 nach 24 Jahren wieder ein Bundespräsident nach Kanada. PM Trudeau reiste im Februar 2017 in Begleitung von AM’in Freeland, die auch das G20-AM-Treffen in Bonn besuchte, zu einem bilateralen Besuch nach Deutschland. AM’in Freeland  nahm gemeinsam mit Verteidigungsminister Sajjan an der Münchner Sicherheitskonferenz teil. Im März 2014 war der damalige Premierminister Harper zu Besuch in Deutschland. Bundeskanzlerin Merkel reiste am 9. Februar 2015 nach Ottawa, um mit Premierminister Harper über die Themen der deutschen G7-Präsidentschaft zu sprechen. Zuletzt hatte sie Kanada im August 2012 einen bilateralen Besuch abgestattet BM Gabriel und AM’in Freeland stehen in regelmäßigem Kontakt. Darüberhinaus haben weitere Mitglieder der kanadischen Regierung Deutschland besucht.

Knapp 3,2 Mio. der 35,1 Mio. Kanadier haben deutsche Wurzeln. Begonnen hat die deutsche Einwanderung nach Kanada vor etwa 300 Jahren. Die deutsche Teilung, die Berlin-Blockade und die Teilung Europas durch den Eisernen Vorhang im Kalten Krieg verbanden Europa und Nordamerika. In der Verteidigung der gemeinsamen Werte demonstrierte Kanada seine Solidarität mit der Bundesrepublik Deutschland. Auf kanadischen Militärstützpunkten in Deutschland hatten bis 1993 insgesamt mehr als 300.000 Angehörige der Streitkräfte Dienst getan.


Wirtschaft

Nach einer vorübergehenden Stagnation während der globalen Wirtschafts- und Finanzkrise ist wieder eine leichte Dynamik in den bilateralen Handelsbeziehungen spürbar. Insgesamt liegen die deutsch-kanadischen Handelsbeziehungen dennoch unter dem Potenzial beider Volkswirtschaften. Die großen kanadischen Rohstoffvorkommen spielen für die Rohstoff- und Energieversorgung Deutschlands bislang nur eine untergeordnete Rolle, werden für den deutschen Markt aber nicht zuletzt wegen der politischen Stabilität des Landes zunehmend interessanter. 

Die bilateralen Wirtschaftsbeziehungen sind frei von Belastungen. 2016 betrugen Deutschlands Exporte nach Kanada 9,5 Mrd. € (2015 9,9 Mrd €), die Importe aus Kanada 4,1 Mrd. € (2015 4,0 Mrd €). Als Empfängerland deutscher Exporte nahm Kanada Platz 25 der deutschen Außenhandelsstatistik ein, als Lieferland für Deutschland Platz 37. Für Kanada hingegen ist Deutschland viertwichtigstes Lieferland und siebtwichtigste Exportdestination seiner Waren. Deutschland exportiert nach Kanada hauptsächlich Kraftwagen(teile) und Maschinen. Importiert werden aus Kanada vor allem Rohstoffe. Beide Länder liefern sich außerdem Datenverarbeitungsgeräte sowie elektrische, optische und chemische Erzeugnisse.

Kanada und Deutschland haben 2002 ein Doppelbesteuerungsabkommen abgeschlossen, welches dasjenige von 1981 ablöste. Mit der EU besteht seit 1976 ein Rahmenabkommen, seit 1995 ein Abkommen über wissenschaftlich-technologische Zusammenarbeit, seit 2003 ein Wein- und Spirituosenabkommen und seit 2009 ein Luftfahrtübereinkommen. Am 30. Oktober 2016 wurde das  umfassende Wirtschafts- und Handelsabkommen CETA (Comprehensive Economic and Trade Agreement) zwischen der EU, den EU-Mitgliedsstaaten und Kanada in Brüssel unterzeichnet. Das vorläufige Inkrafttreten mit den wesentlichsten Abschnitten wird für Sommer 2017 erwartet. Das vollständige Inkrafttreten (auch der Teile, die ausschließlich nationale Kompetenzen betreffen) erfordert eine Ratifizierung durch alle Mitgliedstaaten.


Kultur und Bildung

Einen Schwerpunkt der Auswärtigen Kultur- und Bildungspolitik in Kanada bildet die Förderung der deutschen Sprache in Schulen und Universitäten, bei Stipendien, Austausch-, Reise- und Prämienprogrammen. Die Deutschen Sprachschulen, die „National Heritage Schools“, früher auch Samstagsschulen genannt, werden ebenfalls finanziell gefördert. In Kanada gibt es zwei deutsche Vollzeitschulen: die Alexander von Humboldt Schule in Montreal und die Deutsche Schule Toronto. Die Alexander von Humboldt Schule wird mit umfangreichen personellen und finanziellen Mitteln aus Deutschland gefördert. Rund 320 Schüler besuchen diese vom Kindergarten bis zum Abitur führende Schule.

Die Deutsche Schule Toronto wurde 2000 gegründet und soll mittelfristig ebenfalls zum deutschen Abitur führen. Sie ist im Jahr 2013 in ein neues und größeres Gebäude umgezogen, um mehr Schülern Platz zu bieten.

Der akademische Austausch wird unterstützt durch den DAAD, die Alexander von Humboldt-Stiftung (AvH), die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) sowie zahlreiche Universitätspartnerschaften. Zur Zeit sind über 200 formelle Hochschulpartnerschaften zwischen deutschen und kanadischen Einrichtungen bekannt. 

Der DAAD unterhält in Toronto ein eigenes Informationszentrum, welches kanadaweit Werbung für den Studienstandort Deutschland betreibt. Seit April 2015 bündelt eine gemeinsame Internet-Plattform unter dem Namen „So German“ die Tätigkeiten und Projekte der deutschen Institutionen in Kanada und macht sie besser sichtbar.

Seit 2006 (ergänzt im April 2017) ist das sogenannte Youth Mobility Agreement (YMA) zwischen Deutschland und Kanada in Kraft. Hierbei handelt es sich um ein Dachabkommen aller früheren Austauschprogramme für junge Leute. Das YMA ermöglicht es jungen Deutschen und Kanadiern zwischen 18 und 35 Jahren, sich bis zu einem Jahr im jeweils anderen Land aufzuhalten. Auf Grundlage der jüngst unterzeichneten Änderungsabsprache können Kanadier ihren Aufenthalt in Deutschland um ein weiteres Jahr verlängern. Während des Aufenthaltes können die jungen Leute für ihren Lebensunterhalt arbeiten oder ein Praktikum absolvieren. In Kanada wurde das dem Abkommen entsprechende Programm 2010 in "International Experience Canada" umbenannt.


Wissenschaft

Im Jahr 1971 wurde das deutsch-kanadische Abkommen über wissenschaftlich-technische Zusammenarbeit geschlossen. Seitdem wurden über 500 gemeinsame Projekte realisiert. Anfangs stellten Rohstoffe und Energieforschung die Schwerpunkte der gemeinsamen Arbeit dar, heute umfasst die Kooperation auch die Bereiche Umwelt, Gesundheit, Informations-, Kommunikations- und moderne Fertigungstechnologien. Über Projektkooperationen hinaus engagieren sich die großen deutschen Forschungsinstitutionen in Kanada: In Edmonton ist die Helmholtz-Alberta-Initiative (HAI) aktiv, deren Hauptaugenmerk gemeinsamen Vorhaben in den Bereichen Energie, Erde und Umwelt gilt. Mittlerweile hat HAI ihre Forschungsthemen um Gesundheit erweitert. Im Rahmen des Besuches von Bundeskanzlerin Merkel in Halifax im August 2012 wurde zwischen der Helmholtz-Gemeinschaft und dem Halifax Marine Research Institute eine Vereinbarung über gemeinsame Aktivitäten auf dem Gebiet der Meeres- und Umweltforschung gezeichnet. Der ehemalige Bundespräsident Gauck hat im Rahmen des Staatsbesuchs im September 2014 die Universität Ottawa besucht, die auf dem Gebiet der Photonik eng mit dem Max-Planck-Institut für die Physik des Lichts zusammenarbeitet. Die Max–Planck-Gesellschaft kooperiert mit der University of British Columbia in der Materialforschung, die Fraunhofer-Gesellschaft mit der University of Western Ontario in der Entwicklung neuer Materialien für die Kfz-Herstellung und mit der McMaster University in der biomedizinischen Technik und modernen Fertigungstechnologien. Leibniz LERN Network kooperiert mit der Dalhousie University in den Bereichen Migration und Integration.


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