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Kanada

Beziehungen zu Deutschland

Stand: März 2014

Politische Beziehungen

Die bilateralen Beziehungen sind harmonisch. Kanada ist ein wichtiger Freund und Verbündeter auf dem nordamerikanischen Kontinent, der europäischen und deutschen Interessen durch Geschichte und Selbstverständnis aufgeschlossen gegenübersteht. Kanada und Deutschland teilen gemeinsame Werte und Grundüberzeugungen. Dies zeigt sich unter anderem in Afghanistan, in der Dritte-Welt-Politik, in Abrüstungs- und Rüstungskontrollfragen und in den Vereinten Nationen.

Deutschland und Kanada verbindet eine aktive Mitarbeit in internationalen Gremien, vor allem in Fragen der Sicherheit und Abrüstung, der Menschenrechte, bei humanitären Aktionen und bei friedenserhaltenden Maßnahmen. Es liegt im deutschen Interesse, wenn sich Kanada weiterhin als NATO- und OSZE-Mitglied in Europa engagiert.

Die guten Beziehungen zeigen sich in der engen Abstimmung zwischen den Außenministerien, die häufig gleichgerichtete Initiativen verfolgen. Beispiele sind das Ottawa-Übereinkommen über das Verbot von Antipersonenminen, die Initiative zur Kontrolle und Nichtverbreitung von Kleinwaffen und leichten Waffen, der Kampf gegen den Missbrauch von Kindern, die Errichtung des Internationalen Strafgerichtshofs in Den Haag sowie das Zusammenwirken bei der Vorbereitung der am 3.12.2008 in Oslo von über 100 Staaten unterschriebenen Konvention zum Verbot von Streumunition und der Schulterschluss in Sachen Iran.

Die Tendenz der gegenseitigen offiziellen Besuche ist steigend. Bundeskanzlerin Merkel stattete Kanada zuletzt im August 2012 einen bilateralen Besuch ab. Prime Minister Harper reist im März 2014 nach Berlin; zuvor war er im Mai 2010 in Deutschland. Bundestagspräsident Lammert hat Kanada in den vergangenen Jahren regelmäßig besucht, zuletzt im September 2012 für die Verleihung des Bundesverdienstkreuzes an den ehemaligen kanadischen Parlamentspräsidenten Peter Milliken sowie im Oktober 2012 aus Anlass der Konferenz der Interparlamentarischen Union in Québec City. Bundesratspräsidentin Kraft besuchte Kanada im September 2011. Außenminister Westerwelle war im März 2010 anlässlich des G8-Gipfels in Kanada, mit einem bilateralen Programmteil in Toronto.  Im April 2012 trafen sich Außenminister Westerwelle und der kanadische Außenminister Baird in Berlin. Außenminister Westerwelle besuchte Ottawa im Mai 2013.

Zwischen den Parlamenten besteht über die deutsch-kanadische Freundschaftsgruppe im Bundestag und ihre kanadische Partnergruppe ein regelmäßiger Erfahrungsaustausch. Zuletzt war die kanadische Gruppe im Mai 2012 in Deutschland. Die deutsche Gruppe besuchte Kanada im Oktober 2010.

Einige kanadische Provinzen arbeiten mit deutschen Bundesländern eng zusammen: Ontario mit Baden-Württemberg, Québec mit Bayern, Sachsen und Brandenburg, Alberta mit Sachsen.

Knapp 2,8 Mio. der 35,3 Mio. Kanadier haben deutsche Wurzeln. Begonnen hat die deutsche Einwanderung nach Kanada vor etwa 300 Jahren. Die deutsche Teilung, die Berlin-Blockade und die Teilung Europas durch den Eisernen Vorhang im Kalten Krieg verbanden Europa und Nordamerika. In der Verteidigung der gemeinsamen Werte demonstrierte Kanada seine Solidarität mit der Bundesrepublik Deutschland. Auf kanadischen Militärstützpunkten in Deutschland haben bis 1993 insgesamt mehr als 300.000 Angehörige der Streitkräfte Dienst getan.


Wirtschaftsbeziehungen

Nach einer vorübergehenden Stagnation während der globalen Wirtschafts- und Finanzkrise ist wieder eine leichte Dynamik in den bilateralen Handelsbeziehungen spürbar. Insgesamt liegen die deutsch-kanadischen Handelsbeziehungen dennoch unter dem Potenzial beider Volkswirtschaften. Die großen kanadischen Rohstoffvorkommen spielen für die Rohstoff- und Energieversorgung Deutschlands bislang nur eine untergeordnete Rolle, werden für den deutschen Markt aber zunehmend interessanter.

Die deutschen Warenexporte nach Kanada stiegen im Jahr 2012 gegenüber dem Vorjahr um gut 20 Prozent an, die kanadischen Ausfuhren nach Deutschland sanken hingegen um 16%. Hauptexportprodukte Deutschlands sind Fahrzeuge und Fahrzeugteile, Maschinen, mechanische und elektrische Geräte, chemische Erzeugnisse, Grundmetalle sowie optische, Mess- und medizinische Geräte. Kanada exportiert nach Deutschland Rohstoffe, Maschinen, mechanische und elektrische Geräte, Mineralprodukte, Fahrzeuge und chemische Erzeugnisse. Deutschland gehört zu den zehn wichtigsten Handelspartnern Kanadas.

Kanada und Deutschland haben 2002 ein neues Doppelbesteuerungsabkommen abgeschlossen, welches dasjenige von 1981 ablöste. Mit der EU besteht seit 1976 ein Rahmenabkommen, seit 1995 ein Abkommen über wissenschaftlich-technologische Zusammenarbeit und seit 2009 ein Luftfahrtübereinkommen. Das umfassende Wirtschafts- und Handelsabkommen CETA (Comprehensive Economic and Trade Agreement) sowie eine Erneuerung des Rahmenabkommens von 1976 werden derzeit zwischen der EU und Kanada verhandelt. Im Oktober 2013 wurde eine grundsätzliche politische Einigung zum CETA erzielt.


Kulturelle Beziehungen

Den Rahmen der deutsch-kanadischen Kulturbeziehungen bildet das Kulturabkommen von 1975. Einen Schwerpunkt der Auswärtigen Kulturpolitik bildet die Förderung der deutschen Sprache in Schulen und Universitäten, bei Stipendien, Austausch-, Reise- und Prämienprogrammen. Deutsch als Fremdsprache wird auf verschiedene Arten gefördert: durch die Entsendung von (derzeit zwei) Fachberatern der Zentralstelle für das Auslandsschulwesen (ZfA), durch die Entsendung von Lektoren und Gastprofessoren des Deutschen Akademischen Austauschdienstes (DAAD), Assistenten des Pädagogischen Austauschdienstes (PAD) an Universitäten oder unterschiedlichste Projektförderungen im Rahmen der Arbeitsgruppe „Netzwerk Deutsch“, die Deutschlehrerkonferenzen, Austauschaktivitäten, Werbematerialien etc. finanziell unterstützt. Die Deutschen Sprachschulen, die National Heritage Schools, früher auch Samstagsschulen genannt, werden ebenfalls finanziell gefördert. Die Sprachabteilungen der Goethe-Institute in Toronto und Montreal mit der Außenstelle Ottawa, gehören zu den größten in Nordamerika. Eine Möglichkeit Deutsch zu lernen, besteht darüber hinaus an ausgewählten Schulen und Universitäten.

In Kanada gibt es zwei deutsche Vollzeitschulen: die Alexander von Humboldt Schule in Montreal und die Deutsche Schule Toronto. Die Alexander von Humboldt Schule wird mit großen personellen und finanziellen Mitteln aus Deutschland gefördert. Rund 320 Schüler besuchen diese vom Kindergarten bis zum Abitur führende Schule.

Die Deutsche Schule Toronto wurde 2000 gegründet und befindet sich noch in einer Aufbau- und Konsolidierungsphase. Die Schule soll mittelfristig ebenfalls zum deutschen Abitur führen und ist im Jahr 2013 in ein neues und größeres Gebäude umgezogen, um mehr Schülern Platz zu bieten.

Der akademische Austausch wird unterstützt durch den DAAD, die Alexander von Humboldt-Stiftung (AvH), die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) sowie zahlreiche Universitätspartnerschaften. Zur Zeit sind über 200 formelle Hochschulpartnerschaften zwischen deutschen und kanadischen Einrichtungen bekannt.

Seit rund 20 Jahren fördert der DAAD in Nordamerika gezielt interdisziplinäre Deutschlandstudien. "German Studies" stand zunächst für ein Programm zur Reform der nordamerikanischen Germanistik, hat sich aber schnell "verselbständigt". Der DAAD unterstützte diesen Prozess mit einer Reihe von Förderinstrumenten aus Mitteln des Auswärtigen Amts (Stipendienvergabe, Vermittlung von German Studies-Dozenten und Förderung einzelner Lehrstühle, Förderung von wissenschaftlichen Konferenzen und Symposien). Das Instrumentarium wurde erweitert, um die Förderung von komplexen Zentren für Deutschlandstudien im europäischen Kontext zu betreiben.

Ebenso unterhält der DAAD in Toronto ein eigenes Informationszentrum welches kanadaweit Werbung für den Studienstandort Deutschland betreibt.

Seit 2006 ist das sogenannte Youth Mobility Agreement (YMA) zwischen Deutschland und Kanada in Kraft. Hierbei handelt es sich um ein Dachabkommen aller früheren Austauschprogramme für junge Leute. Das YMA ermöglicht es jungen Deutschen und Kanadiern zwischen 18 und 35 Jahren sich bis zu einem Jahr im jeweils anderen Land aufzuhalten. Während des Aufenthaltes ist es den jungen Leuten möglich, für ihren Lebensunterhalt zu arbeiten oder ein Praktikum zu machen. In Kanada wurde das dem Abkommen entsprechende Programm 2010 in "International Experience Canada" umbenannt.


Wissenschaftsbeziehungen

Im Jahr 1971 wurde das deutsch-kanadische Abkommen über wissenschaftlich-technische Zusammenarbeit geschlossen. Seitdem wurden über 500 gemeinsame Projekte realisiert. Anfangs stellten Rohstoffe und Energieforschung die Schwerpunkte der gemeinsamen Arbeit dar, nunmehr sind thematische Schwerpunkte auch Fragen der physikalischen Grundlagenforschung, neuer Materialien und der Meeresforschung. Über die Projektkooperation hinaus engagieren sich die großen deutschen Forschungsinstitutionen in Kanada: In Edmonton ist die Helmholtz-Alberta-Initiative aktiv, deren Hauptaugenmerk gemeinsamen Vorhaben in den Bereichen Energie und Umwelt gilt. Im Rahmen des Besuches von Bundeskanzlerin Merkel in Halifax im August 2012 wurde zwischen der Helmholtz-Gemeinschaft und dem Halifax Marine Research Institute eine Vereinbarung über gemeinsame Aktivitäten auf dem Gebiet der Meeres- und Umweltforschung gezeichnet. Die Max–Planck-Gesellschaft arbeitet mit der University of British Columbia bei der Materialforschung zusammen und die Fraunhofer-Gesellschaft kooperiert mit der University of Western Ontario bei der Entwicklung neuer Materialien für die Kfz-Herstellung.



Hinweis

Dieser Text stellt eine Basisinformation dar. Er wird regelmäßig aktualisiert. Eine Gewähr für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Angaben kann nicht übernommen werden.