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Mongolei

Beziehungen zwischen der Mongolei und Deutschland

Stand: November 2016

Politische Beziehungen

Die enge Verbindung zwischen Deutschland und der Mongolei hat ihren historischen Ursprung im Wesentlichen in dem früheren Sonderverhältnis zwischen der DDR und der Mongolischen Volksrepublik.

Heute sieht die mongolische Regierung Deutschland als wichtigsten Partner in der Europäischen Union. Deutschland galt der erste offizielle Besuch des ersten demokratisch gewählten Präsidenten der Mongolei, Ochirbat, in Europa im September 1995.

Im Jahr 2014 begingen beide Länder das 40-jährige Jubiläum der Aufnahme diplomatischer Beziehungen, und der Besuch von Bundesaußenminister Steinmeier im Juli 2014 unterstrich den guten Stand der bilateralen Beziehungen.

Im März 2015 nahm die Mongolei als offizielles Partnerland an der Internationalen Tourismusbörse (ITB) teil. Die Eröffnung des mongolischen Sonderprogramms wurde vom mongolischen Staatspräsidenten Elbegdorj selbst vorgenommen. Staatspräsident Elbegdorj wurde während seines Deutschlandaufenthalts von Bundespräsident Gauck und Bundeskanzlerin Merkel zu Gesprächen empfangen.

Im Oktober 2015 reiste Bundespräsident Gauck zum Staatsbesuch in die Mongolei.

Im gleichen Monat besuchte der mongolische Parlamentspräsident Enkhbold auf Einladung von Bundestagspräsideint Lammert Deutschland. Im Gegenzug reiste im Juli eine Delegation des Deutschen Bundestages unter Leitung von MdB Grund, Vorsitzender der Zentralasiatischen Parlamentariergruppe, zu Gesprächen in der Mongolei. Die Besuche sind auch Ausdruck der Dichte der hochrangigen Besuchsdiplomatie und des Stellenwertes der deutsch-mongolischen Beziehungen für die Mongolei.

Die Bundeskanzlerin nahm im Juli 2016 am ASEM-Gipfel in Ulan Bator teil und wurde von dem mongolischen Staatspräsidenten Elbegdorj zu einem Gespräch empfangen.


Wirtschaft

Deutschland ist neben Großbritannien der wichtigste Handelspartner der Mongolei in der Europäischen Union. Das in den Vorjahren stark gestiegene bilaterale Handelsvolumen ist nach einem Spitzenwert im Jahr 2013 zurückgegangen. Im Vergleich zum Vorjahr sind im Jahr 2015 die Einfuhren aus der Mongolei um 42,7% gestiegen und die Einfuhren aus Deutschland um 20,7% gesunken. Deutschland erzielt bei einem geringen Handelsvolumen strukturell einen deutlichen Exportüberschuss mit der Mongolei. Konkret importierte Deutschland im Jahr 2015 Waren im Wert von 13,3 Mio. EUR aus der Mongolei. Die deutschen Exporte in die Mongolei beliefen sich auf Waren im Wert von rund 93 Mio. EUR. Der Außenhandel der Mongolei mit allen Ländern der EU betrug im Jahr 2015 im Vergleich dazu 403 Mio. EUR, wobei die Einfuhren aus der Mongolei einen Wert von 84 Mio. EUR und die Ausfuhren in die Mongolei 319 Mio. EUR erreichten (GTAI).

Die Struktur der deutschen Ausfuhren setzt sich wie folgt zusammen: 25,2% Maschinen, 16,8% Nahrungsmittel, 15,1 % chemische Erzeugnisse; 7,1 Kfz und –Teile, , 4,4% Textilien/Bekleidung, 4,2 Mess-/Regeltechnik und 27,2% sonstige Güter. Die Einfuhren aus der Mongolei bildeten für 2015 mit einem Anteil von 71,6% Rohstoffe, 18,3% Textilien/Bekleidung, 1,1% Metallwaren, und 9,9% sonstige Güter (GTAI).

Die Mongolei belegt bei den deutschen Einfuhren Rangstelle 141 und bei den Ausfuhren Platz 127 (GTAI).

Das 2011 unterzeichnete Rohstoffabkommen zwischen der Bundesrepublik und der Mongolei hat zum Ziel, die Rohstoffversorgung der Bundesrepublik zu sichern, durch Schaffung einer Wertschöpfungskette in der Mongolei Erträge und Produktivität zu erhöhen und damit zu einer nachhaltigen wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Entwicklung in der Mongolei beizutragen.


Entwicklungszusammenarbeit

Mit der deutschen Vereinigung übernahm die Bundesrepublik Deutschland auch einige Entwicklungsprojekte der DDR. Kurz nach Beginn der politischen und ökonomischen Wende in der Mongolei wurde bereits im Jahre 1992 ein Abkommen über die Technische Zusammenarbeit mit der Mongolei geschlossen. Deutschland ist einer der größten bilateralen Geber, neben Japan und den USA, und mit Abstand das größte Geberland innerhalb der EU. Zwischen 1992 und 2015 erfolgten Zusagen in Höhe von rund 347 Mio. EUR (Finanzielle Zusammenarbeit und Technische Zusammenarbeit). Dies ist einerseits Ausdruck der guten, freundschaftlichen Beziehungen und andererseits Beleg für die Unterstützung des Transformationsprozesses sowie Anerkennung der erreichten Demokratisierung.

Die deutsche Entwicklungszusammenarbeit leistet durch strukturbildende Maßnahmen einen wichtigen Beitrag zur Stabilisierung der wirtschaftlichen Lage, zu umweltverträglichem Wachstum und zur Armutsminderung. 2011wurde mit der Mongolei die Zusammenarbeit in folgenden drei Schwerpunkten vereinbart:

  • Förderung eines nachhaltigen Rohstoffmanagements: Ziel ist ein rohstoffbasiertes und breitenwirksames Wirtschaftswachstum zu unterstützen und die Transparenz im Rohstoffsektor zu erhöhen. Ansätze zu guter Regierungsführung auch in Kooperationen mit der Privatwirtschaft im Rahmen der Integrierten Rohstoffinitiative (IMRI) werden durch Maßnahmen der Berufsbildung ergänzt. Hinzu kam 2013 die „Deutsch-Mongolische Hochschule für Bergbau und Technologie“ (DMHT), die im September 2014 ihren akademischen Lehrbetrieb aufnahm.
  • Biodiversität: Um die Mongolei beim Erhalt ihrer natürlichen Lebensgrundlagen und Ökosysteme zu unterstützen, verbindet die deutsche Entwicklungszusammenarbeit Politikberatung auf nationaler Ebene mit der Umsetzung technischer und organisatorischer Innovationen auf regionaler und lokaler Ebene. Ferner wird das Management von Naturschutzgebieten im Rahmen der finanziellen Zusammenarbeit unterstützt.
  • Energieeffizienz: Durch Rehabilitationsmaßnahmen für bestehende Übertragungsnetze bzw. bei vorhandenen Kraftwerken werden Energieverluste und umweltschädliche Emissionen gemindert. Gleichzeitig wird die politische Ebene zu Themen wie Energieeffizienz und Erneuerbare Energien beraten.

Die Konrad-Adenauer-Stiftung, die Hanns-Seidel-Stiftung und die Friedrich-Ebert-Stiftung unterhalten Büros in Ulan Bator und leisten wichtige Beiträge zur Festigung demokratischer Strukturen.


Kultur und Bildung

Ausgehend von den engen Bindungen an die DDR sind bis heute bei etwa 30.000 Mongolen gute Kenntnisse der deutschen Sprache und persönliche Vertrautheit mit Deutschland anzutreffen. Gemessen an der Größe der Bevölkerung hat die deutsche Sprache damit eine in Ostasien einzigartige Bedeutung. In der Mongolei sind zurzeit 3 DAAD-Lektoren für Deutsch an den Universitäten und 1 Fachberater für das Fach Deutsch an Schulen tätig. Darüber hinaus gibt es zahlreiche mongolische Lehrer an Schulen, Hochschulen und außerschulischen Einrichtungen, die Deutsch unterrichten. Seit  2008 hat das Goethe Institut ein Verbindungsbüro in Ulan Bator. Des Weiteren ist gegenwärtig ein Langzeitdozent des DAAD an einer mongolischen Universität tätig.

Die Deutsche Welle Akademie (DWA) kooperiert seit 2014 verstärkt mit dem  Presseinstitut der Mongolei (PIM) und unterstützt den im Ergebnis des  dritten deutsch-mongolischen Mediendialogs (2013) Anfang Januar 2015 gegründeten Medienrat (Presserat) der Mongolei. Darüber hinaus wurde das journalistische Grundlagenwerk „Recherchieren“ von Professor Haller in mongolischer Sprache herausgeben und dazu am PIM ein Fortbildungsprogramm aufgelegt.

Der DAAD nimmt in Zusammenarbeit mit den anderen deutschen Kulturmittlern wie ZfA, GI und Akademische Prüfstellen (APS) an der internationalen Bildungsmesse in Ulan Bator teil, um Schulabsolventen und Studenten über Studienmöglichkeiten in Deutschland zu informieren.

2014 wurde das 40. Jubiläum der Aufnahme diplomatischer Beziehungen zwischen beiden Länder über das ganze Jahr verteilt mit einem ganzen Reigen vielfältiger Veranstaltungen begangen. Fülle und Vielfalt der Veranstaltungen haben einmal mehr das erreichte Niveau und die Intensität des bilateralen Austauschs vor allem in den Bereichen Bildung, Kultur und Wissenschaft verdeutlicht.


Archäologie

Seit Unterzeichnung einer entsprechenden Vereinbarung im Jahr 1998 betreiben das Deutsche Archäologische Institut (DAI), die Universität Bonn und die Mongolische Akademie der Wissenschaften gemeinsame Ausgrabungen in der alten Hauptstadt Karakorum ("Mongolisch-deutsche Karakorum-Expedition"), die seit 2000 unter der Schirmherrschaft des deutschen und des mongolischen Staatsoberhauptes stehen.

Das DAI hat im August 2007 eine Forschungsstelle in Ulan Bator eröffnet. Im gleichen Jahr wurde das zweite Langzeit-Kooperationsprojekt zwischen dem DAI und der Akademie der Wissenschaften begonnen. Die „Mongolisch-Deutsche Orkhon-Expedition“ hat das Ziel, wichtige Stätten im Tal des Orkhon-Flusses - einer der zentralen Stätten des mongolischen Reiches - zu erforschen. Im Zentrum der gegenwärtigen Forschungen steht die alte uighurische Hauptstadt Karabalgasun. Seit dem Jahr 2004 ist das Okhron-Tal als Kulturlandschaft UNESCO-Welterbestätte.

In den vergangen 15 Jahren hat sich die Archäologie zu einem Schwerpunkt der bilateralen Forschungskooperation herausgebildet. Diese wird seit 2008 auch von der privaten Gerda Henkel Stiftung (Düsseldorf) finanziell gefördert. Zahlreiche nationale und internationale Ausstellungen, Konferenzen und Publikation sind Beleg für den Erfolg dieser Kooperation.

Im Jahre 2013 hat das DAI zusammen mit mongolischen Partnern begonnen, im Rahmen eines vom Auswärtigen Amt geförderten Kulturerhaltprojekts das Fundament einer großen Tempelanlage der alten Hauptstadt Karakorum freizulegen und zu konservieren. Im Mai 2016 konnte das Kulturerhaltprojekt "Große Halle von Karakorum" auf dem historischen Grund, der alten Hauptstadt der Mongolen, der Erben Dschinghis Khans aus dem 13. Jh., feierlich eingeweiht werden. Damit werden Ergebnisse der gemeinsamen archäologischen Forschungen erstmals dauerhaft und unmittelbar am geschichtsträchtigen Ort bedeutende der interessierten Öffentlichkeit präsentiert.

Im Januar 2014 kehrten  bedeutende archäologische Funde, die zuvor in Kooperation mit der mongolischen Seite zu wissenschaftlichen Untersuchungen, Restaurierung und Konservierung nach Deutschland gebracht worden waren, in aufbereiteter Form wieder in die Mongolei zurück. Die aus Anlass des 40-jährigen Jubiläums der Aufnahme diplomatischer Beziehungen im Nationalmuseum gezeigte Sonderausstellung die „Kulturerbe der Steppenkrieger“ zählte über 55.000 Besucher und war ein besonderer Höhepunkt des Jahres.


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