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Brunei Darussalam

Wirtschaft

Stand: Dezember 2013

Grundlagen

Brunei ist mit einem durchschnittlichen jährlichen Pro-Kopf-Einkommen von gegenwärtig ca. 45.690 USD (in int. USD-Preisen von  2005, gemäß HDI-Berechnungsmethodik) unter den zehn reichsten Staaten der Welt zu finden. Beim UNDP-Human Development Index nahm es 2012 den 30. Platz ein, dies ist der erste Rang unter islamischen Ländern und der fünfte Rang in Asien. Zum Vergleich: Nachbarland Malaysia rangiert auf Platz 64, das nächstplatzierte islamische Land ist Katar auf Rang 36.

Bei der Zahl der Pkw pro Kopf liegt das Land auf dem dritten Platz weltweit (30 Prozent mehr als in USA, 50 Prozent mehr als in Großbritannien, viermal mehr als in Malaysia). Die Devisenreserven haben sich 2012 auf annähernd 1,8 Milliarden US-Dollar erhöht. Die Öl- und Gas-Einnahmen tragen zu rund zwei Dritteln zum BIP bei und machen 95 Prozent der Exporteinkünfte sowie 90 Prozent der Staatseinnahmen aus. Die Förderung von Erdöl stagnierte 2012 und sank um ca. 3 Prozent, ebenso die Erdgasförderung, die 2012 sogar um 5 Prozent zurückging. Gleichwohl ist Brunei entschlossen, in wenigen Jahren wieder Steigerungen in der Öl-und Gasproduktion vorweisen zu können. 2012 wurde mehrere Kooperationsabkommen zu diesem Zweck geschlossen, im April 2013 auch eines mit der staatlichen chinesischen Ölgesellschaft CNOOC.

Die Wirtschaft Bruneis wächst im regionalen Vergleich unterdurchschnittlich. Die Wachstumsrate betrug 2012 real 1,3 Prozent, bei 1,0 Prozent Inflation. Es gibt weiterhin bürokratische Hindernisse bei der Suche nach Wachstumschancen außerhalb des Energiesektors. Hinzu kommen eine wachsende Arbeitslosigkeit, die amtlich mit 3,7 Prozent angegeben wird, und eine verdeckte Arbeitslosigkeit durch Überbeschäftigung im öffentlichen Dienst. Die Landeswährung Brunei-Dollar ist an den Singapur-Dollar  1 :1 gekoppelt, beide Währungen sind in beiden Ländern Zahlungsmittel.

Brunei ist ASEAN-Mitglied und Mitglied der Asiatischen Entwicklungsbank ADB, daneben Mitglieder der Welthandelsorganisation WTO, des Internationalen Währungsfonds, der Weltbank und der ASEAN-Freihandelszone AFTA. Das mit Deutschland abgeschlossene Abkommen zur Förderung und zum Schutz bilateraler Investitionen ist am 15.06.2004 in Kraft getreten.


Wirtschaftssektoren

Bruneis Wirtschaft ist nach wie vor auf die Erdöl- und Erdgasproduktion sowie Zulieferungen und Dienstleistungen für diesen Sektor ausgerichtet. Erdgas wird als Flüssiggas zu fast 90 Prozent nach Japan exportiert. 

Der Disput mit Malaysia über die Abgrenzung der jeweiligen Ansprüche ist 2010 einvernehmlich gelöst worden. Für weitere Explorationsmaßnahmen auf dem Festland (Blöcke M und L) wurden zusätzliche Konzessionen an nationale und internationale Bieter vergeben.

Auf Basis der Erdgasvorkommen werden weiterhin die seit Jahren bestehenden Pläne zur Ansiedlung weiterer petrochemischer Industrien verfolgt. Einziges bisher sichtbares Ergebnis ist die Anfang 2010 fertiggestellte Methanolfabrik eines japanisch-bruneiischen Konsortiums mit einem Investitionsvolumen von 350 Mio USD. 2012 wurden die Vorarbeiten  zur Errichtung eines  kombinierten  petrochemischen und Raffinerie-Komplexes, zu errichten durch ein internationales Konsortium unter chinesischer Führung, aufgenommen. Weiter geplant sind die Errichtung einer Düngemittelfabrik, der Bau eines Tiefseehafens sowie die Ansiedlung von High-Tech Betrieben im Bereich erneuerbare Energien und Informationstechnologie.

Arbeits- und lohnintensive Industrien sind in Brunei nach dem Niedergang der Textilindustrie nicht mehr vorhanden. Der Privatsektor entwickelt sich langsam, benötigt aber ausländisches Kapital und Know-how. Land- und Forstwirtschaft sowie die Hochseefischerei müssen weiter entwickelt werden. Zur Sicherstellung der Fleischversorgung unterhält Brunei in Australien zwei Rinderfarmen, die doppelt so groß sind wie das Land selbst. Lebensmittel, darunter auch das Grundnahrungsmittel Reis, werden zu mehr als 90 Prozent eingeführt, in gleicher Größenordnung alle Verbrauchsgüter. Dementsprechend weist der Warenimport des Sultanats seit Jahren zweistellige Zuwachsraten aus.

Bruneier ziehen eine Anstellung im gut bezahlten öffentlichen Dienst, der 56 Prozent der Erwerbsbevölkerung (ca. 195.000 Personen) beschäftigt, handwerklichen oder dienenden Tätigkeiten meist vor. Dadurch sind die Lohnkosten für die Privatwirtschaft nicht wettbewerbsfähig. Mehr als die Hälfte der Erwerbstätigen sind Gastarbeiter u.a. aus den Philippinen, Thailand, Indonesien, Bangladesch und Pakistan. Im Privatsektor sind 68 Prozent der Beschäftigten Ausländer. Eine Gewerkschaft gibt es nur in der Ölindustrie.


Privatisierung

Die im Rahmen des 8. Entwicklungsplans (2001-2006) skizzierten Privatisierungsziele werden nur in Teilen und mit großer zeitlicher Verzögerung umgesetzt. Die einzige innerhalb von zehn Jahren tatsächlich vollzogene Privatisierung  betrifft die vormals staatliche Telekommunikationsbehörde, die jetzt privatisierte „TeleBru“. Der Mobilfunk ist ebenfalls teilweise privatisiert, aber mit staatlicher Mehrheit. Stromversorgung, Post, Kfz-Inspektion (TÜV), Straßenbauverwaltung, Technische Betriebe (Technical Services Department), Abwasserbetriebe, Wasserversorgung, Flughafen, Regierungsdruckerei, Hafenverwaltung, IT-Werkstätten hätten folgen sollen, eine Privatisierungsdebatte wird gegenwärtig nicht geführt. Auch im Bereich von Privatisierungsmaßnahmen dürfte der hier herrschende Vorrang für nationales Kapital gelten, d.h. nur Minderheitsbeteiligungen für Ausländer.


Strukturreformen

Der Aufbau einer eigenen Industriebasis und die Förderung ausländischer Direktinvestitionen wurde dem Ende 2001 geschaffenen und seit 2010 direkt dem Amt des Premierministers (Sultan) unterstellten Brunei Economic Development Board (BEDB) übertragen:

Brunei Economic Development Board (BEDB)
Block 2k, Bangunan Kerajaan
Jalan Ong Sum Peng
Bandar Seri Begawan BA 1311
Brunei Darussalam

Tel.: +673 2230111
Fax: +673 2230063

www.bedb.com.bn
Chairman: Dato Haji Ali Apong
Chief Executive Officer: Vincent Cheong

Seit 2008 stellt die „Vision 2035“ die gültige Richtlinie der Regierung dar, es ist das erste langfristige wirtschaftspolitische Entwicklungsprogramm des Landes. Zielsetzung ist neben der Verringerung der Abhängigkeit vom Export fossiler Ressourcen auch die weitere Erhöhung des Lebensstandards. Brunei möchte zu den Top 10 der Länder mit den höchsten Pro-Kopf-Einkommen gehören. Nach Auskunft des BEDB stehen für neue Investitionen in den nächsten Jahren staatliche Mittel in Milliardenhöhe zur Verfügung. Schlüsselbereiche des Programms sind Bildung, Informationstechnologie, Tourismus, Verkehr, Umwelt und erneuerbare Energien. Erfolgsaussichten sieht die Regierung auch bei der Förderung einer international standardisierten und wettbewerbsfähigen Halal-Lebensmittelproduktion und dem weiteren Ausbau des islamischen Banken- und Versicherungswesens. 

Für die weitere Landesentwicklung, etwa Infrastrukturmaßnahmen sowie Aus-und Fortbildungsmaßnahmen (Entwicklung der Humaresource) stehen ebenfalls jährliche Mittel in Milliardenhöhe im Etat des Entwicklungsministeriums von Brunei zur Verfügung.

BEDB wirbt mit günstigen politischen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen des Landes: gesunde Wirtschaft, keine Rezession, Regierung hat Haushaltsausgaben im Griff, keine Auslandsschulden bei hohen Auslandsreserven, langfristig gesicherte Erdöl- und Erdgasförderung, politische Stabilität und Sicherheit, gut ausgebildete Arbeitskräfte, hervorragende Infrastruktur und günstige geographische Lage des Sultanats in der Mitte des ASEAN-Raumes. Der Ausbau des Freihandels und weitere Liberalisierungsmaßnahmen innerhalb von ASEAN und den Partnerländern - vor allem Indien, China und Japan - werden die wirtschaftlichen Bedingungen für Brunei weiter verbessern.


Verkehr und Umwelt

Brunei hat mit einem Straßennetz von knapp 3000 km und über 210.000 gemeldeten Kraftfahrzeugen eine hohe Verkehrsdichte. Die staatliche "Royal Brunei Airlines" fliegt im Liniendienst mit modernen Großraummaschinen über 20 Städte in Asien, Europa, dem Mittleren Osten sowie Australien und Neuseeland an. Die Flotte wird gegenwärtig modernisiert, zuletzt durch den Ankauf des Boeing Dreamliners (fünf Maschinen). Weitere Flugzeugkäufe sind geplant. Die Modernisierung des Flughafens der Hauptstadt Bandar Seri Begawan wurde inzwischen weitgehend abgeschlossen.

Deutschland und Brunei haben 1993 ein bilaterales Luftverkehrsabkommen geschlossen. Im Handelshafen Muara können Schiffe bis zu 20.000 BRT abgefertigt werden. Seit 2008 laufen  deutsche Kreuzfahrtsschiffe Brunei wieder regelmäßig an.

Aufgrund seiner geographischen Lage und Größe sowie wegen der geringen Industriedichte hat das Land relativ geringe Umweltprobleme. 80 Prozent der Landfläche Bruneis bestehen aus tropischem Regenwald, der weitgehend unter Schutz steht ("The green heart of Borneo").

Hinweis:

Dieser Text stellt eine Basisinformation dar. Er wird regelmäßig aktualisiert. Eine Gewähr für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Angaben kann nicht übernommen werden. 


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