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Brunei Darussalam

Wirtschaft

Stand: April  2015

Grundlagen

Brunei ist eine kleine Volkswirtschaft, mit einem durchschnittlichen jährlichen Pro-Kopf-Einkommen von 70.800 USD  (2013, in konstanten 2011-Preisen, nach überarbeiteter UNDP-Systematik) zählt das Land zu einem der zehn reichsten Staaten der Welt. Beim UNDP-Human Development Index nahm es 2013  unverändert den 30. Rang ein. Damit hält das Sultanat den ersten Platz unter islamischen Ländern und den fünften  Platz in Asien. Zum Vergleich: Nachbarland Malaysia rangiert auf Rang 64, das nächstplatzierte islamische Land ist Katar auf Rang 34. Singapur erreichte 2013 Rang 18. Allerdings sind wegen eklatanter Einkommensunterschiede weder Brunei noch Singapur oder Katar unter den ersten 50 Staaten zu finden wenn der UNDP-Ungleichheitsindex zugrunde gelegt wird.

Öl- und Gas-Einnahmen tragen zu rund 60%  zum BIP bei und machen 95 Prozent der Exporteinkünfte sowie 90 Prozent der Staatseinnahmen aus. Die Förderung von Erdöl sinkt weiter und beträgt gegenwärtig nur noch 110000 Barrel pro Tag, weniger als die Hälfte der Produktion von 2007. Die Erdgasproduktion verharrt seit drei Jahren auf ca. 1,2 Mrd. Kubikfuss pro Tag. Gleichwohl ist Brunei entschlossen, in einigen Jahren wieder Steigerungen in der Öl-und Gasproduktion vorweisen zu können. 2012 wurde mehrere Kooperationsabkommen zu diesem Zweck geschlossen, u.a. im April 2013 mit der staatlichen chinesischen Ölgesellschaft CNOOC. Parallel hierzu werden  Ausbau und Umstrukturierung der nationalen Gesellschaft Petroleum Brunei vorangetrieben.

Die Wirtschaft Bruneis wächst im regionalen Vergleich stark unterdurchschnittlich und schrumpft gegenwärtig im dritten Jahr in Folge. Die Wachstumsrate betrug 2012 real 0,9  Prozent, bei 0,1 % Inflation. 2013 sank  das BIP real um 2,1 %.. Es gibt weiterhin bürokratische Hindernisse bei der Suche nach Wachstumschancen außerhalb des Energiesektors. Hinzu kommen eine wachsende Arbeitslosigkeit, die in neueren  amtlichen Statistiken  mit rund  9 % ausgewiesen wird. Es gibt eine weiter steigende Jugendarbeitslosigkeit und eine verdeckte Arbeitslosigkeit durch Überbeschäftigung im öffentlichen Dienst.

Die Landeswährung Brunei-Dollar ist an den Singapur-Dollar  1:1 gekoppelt, beide Währungen sind in beiden Ländern Zahlungsmittel. Die gesamten Devisen- und Goldreserven Bruneis haben sich laut Weltbankstatistik von 2010 bis 2013 von 1,6 Mrd. US-Dollar auf 3,6 Mrd. US-Dollar (zu laufenden Preisen) erhöht.

Bei der Zahl der Pkw pro Kopf liegt das Land auf dem dritten Platz weltweit (30 Prozent mehr als in USA, 50 Prozent mehr als in Großbritannien, viermal mehr als in Malaysia). In Brunei kommt auf 2,65 Einwohner ein Kraftfahrzeug.

Brunei ist ASEAN of South East Asian Nations-Mitglied und Mitglied der Asiatischen Entwicklungsbank ADB Development Bank, daneben Mitglieder der Welthandelsorganisation WTO Trade Organisation, des Internationalen Währungsfonds, der Weltbank und der ASEAN-Freihandelszone AFTA Free Trade Area. Das mit Deutschland abgeschlossene Abkommen zur Förderung und zum Schutz bilateraler Investitionen ist am 15.06.2004 in Kraft getreten. 

Wirtschaftssektoren

Bruneis Wirtschaft ist nach wie vor auf die Erdöl- und Erdgasproduktion sowie Zulieferungen und Dienstleistungen für diesen Sektor ausgerichtet. Erdgas wird seit Mitte der 70er Jahre als Flüssiggas zu  90 Prozent nach Korea und Japan exportiert. Hauptabnehmerländer für Rohöl sind Indien, Korea und Australien.

Der mit dem Nachbarland Malaysia bestehende Disput über die gegenseitige Abgrenzung der Seegebiete konnte im September 2010 durch eine Vereinbarung über die gemeinsame Erschließung der dort entdeckten bzw. vermuteten „off shore“-Öl- und Gasvorkommen gelöst werden. Für weitere Explorationsmaßnahmen auf dem Festland wurden zusätzliche Konzessionen an nationale und internationale Bieter vergeben.

Auf Basis der Erdgasvorkommen werden seit Jahren Pläne zur Ansiedlung weiterer petrochemischer Industrien verfolgt. Einziges bisher sichtbares Ergebnis ist die Anfang 2010 fertiggestellte Methanolfabrik eines japanisch-bruneiischen Konsortiums mit einem Investitionsvolumen von 350 Mio USD. Seit 2012 haben sich die Vorarbeiten zur Errichtung eines kombinierten petrochemischen und Raffinerie-Komplexes,  intensiviert. Die Durchführung obliegt einem  internationalenKonsortium unter chinesischer Führung. Wirtschaftsunternehmen der Volksrepublik haben sich in den letzten Jahren in Brunei fest etablieren können und sind in weitere Bereiche vorgedrungen, etwa im Infrastrukturbereich (Tiefbau).

Weitere Industrialisierungspläne gibt es für  die Errichtung einer Düngemittelfabrik, der Bau eines Tiefseehafens, einer Aluminiumfabrik sowie die Ansiedlung von High-Tech Betrieben im Bereich erneuerbare Energien und Informationstechnologie.

Arbeits- und lohnintensive Industrien sind in Brunei nach dem Niedergang der Textilindustrie nicht mehr vorhanden. Der Privatsektor bildet sich langsam heraus, benötigt aber ausländisches Kapital und Know-how. Land- und Forstwirtschaft sowie die Hochseefischerei, die zusammen nur etwa 1% zur Entstehung des BIP beitragen,  müssen weiter entwickelt werden. Neue Aktivitäten in diesem Bereich sind Biotechnologie, kleinere pharmazeutische Produktionseinrichtungen sowie ein groß angelegter Aufbau von Halal-Produktionsbetrieben. Zur Sicherstellung der Fleischversorgung unterhält Brunei in Australien zwei Rinderfarmen. Lebensmittel, darunter auch das Grundnahrungsmittel Reis, sowie alle Verbrauchsgüter werden zu mehr als 90 Prozent eingeführt.

Bruneier ziehen eine Anstellung im besser zahlenden  Öffentlichen Dienst des Sultanats handwerklichen oder dienenden Tätigkeiten meist vor. Der öffentliche Dienst beschäftigt mittlerweile 56 Prozent der gesamten Erwerbsbevölkerung  (ca.  200 000 Personen, 116 000 Männer, 84 000 Frauen bei einem Ausländeranteil von rund 100.000) im Sultanat.  Dadurch sind die hohen Lohnkosten des öffentlichen Sektors  für die Privatwirtschaft nicht tragbar. Gegenwärtig sind 68 Prozent der Beschäftigten im Privatsektor Ausländer,  etwa  die Hälfte Gastarbeiter u.a. aus den Philippinen, Thailand, Indonesien, Bangladesch und Pakistan. Eine Gewerkschaft gibt es nur in der Ölindustrie.


Privatisierung

Die im Rahmen des 8. Entwicklungsplans (2001-2006) skizzierten Privatisierungsziele werden nur in Teilen und mit großer zeitlicher Verzögerung umgesetzt. Die einzige innerhalb von zehn Jahren tatsächlich vollzogene vollständige Privatisierung betrifft die vormals staatliche Telekommunikationsbehörde, die jetzt privatisierte „TelBru“. Petroleum Brunei wurde jüngst zumindest teilweise privatisiert und soll einschließlich ihrer Auslandsaktivitäten für den Staat nach der Umstrukturierung weiter ausgebaut werden. Der Mobilfunk ist ebenfalls teilweise privatisiert, aber mit staatlicher Mehrheit.

Die Privatisierung der Stromversorgung, Post, Kfz-Inspektion (TÜV), Straßenbauverwaltung, Technische Betriebe (Technical Services Department), Abwasserbetriebe, Wasserversorgung, Flughafen, Regierungsdruckerei, Hafenverwaltung, IT-Werkstätten wurde nicht angegangen, eine Privatisierungsdebatte wird gegenwärtig nicht geführt.  Für Privatisierungsmaßnahmen in Brunei gilt Vorrang für nationales Kapital, auch privates bruneiisches Kapital. Für ausländische Beteiligungen kommen somit nur  Minderheitsbeteiligungen infrage.


Strukturreformen

Der Aufbau einer eigenen Industriebasis, die Diversifizierung der Wirtschaft  und die Förderung ausländischer Direktinvestitionen im Sultanat wurde dem Ende 2001 geschaffenen und seit 2010 direkt dem Amt des Premierministers (Sultan) unterstellten Brunei Economic Development Board (BEDB) übertragen.

Brunei Economic Development Board (BEDB)
Block 2k, Bangunan Kerajaan
Jalan Ong Sum Peng
Bandar Seri Begawan BA 1311
Brunei Darussalam
Tel.: +673 2230111
Fax: +673 2230063
www.bedb.com.bn
Chairman: Dato Haji Ali Apong
Chief Executive Officer: (
Frau) Hajah Hasnah binti Hj. Ibrahim (Acting CEO)

BEDB wirbt mit günstigen politischen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen des Landes: gesunde Wirtschaft trotz sinkender Erlöse aus den int. Verkäufen von Öl und Gas (LNG), Stabilität des Staatshaushalts aufgrund in guten Jahren gebildeter Rücklagen, keine Auslandsschulden bei hohen Auslandsreserven, große Anstrengungen für eine langfristig gesicherte Erdöl- und Erdgasförderung, politische Stabilität und Sicherheit, gut ausgebildete Arbeitskräfte, hervorragende Infrastruktur und günstige geographische Lage des Sultanats in der Mitte des ASEAN-Raumes. Der Ausbau des Freihandels und weitere Liberalisierungsmaßnahmen innerhalb von ASEAN und den Partnerländern - vor allem Indien, China und Japan - werden die wirtschaftlichen Bedingungen für Brunei weiter verbessern.

Seit 2008 stellt die „Vision 2035“ die gültige, aber kontinuierlich ergänzte und erneuerte Richtlinie der Regierung dar. Sie  ist neben den Fünfjahresplänen das  langfristige wirtschaftspolitische Entwicklungsprogramm des Landes. Zielsetzung ist neben der Verringerung der Abhängigkeit vom Export fossiler Ressourcen auch die weitere Erhöhung des Lebensstandards, verstärkt durch Bildung und Ausbildung, vor allem durch gewerblich-technische Berufsbildung. Auf diesem Wege möchte  Brunei  zu den entwickelteren Staaten in der Region aufschließen, etwa Malaysia mit seinem 2020-Programm der Industrialisierung.

Seit Jahren stehen aus den Etats verschiedener Ministerien Mittel von mehr als einer Mrd. Euro pro Jahr für neue Investitionen  zur Verfügung. Schlüsselbereiche  sind neben Großprojekten der Infrastruktur, die Bildung und berufliche Bildung, Informationstechnologie, Tourismus, Verkehr, Umwelt und erneuerbare Energien. Erfolgsaussichten sieht die Regierung auch bei der Förderung einer international standardisierten und wettbewerbsfähigen Halal-Lebensmittelproduktion und dem weiteren Ausbau des islamischen Banken- und Versicherungswesens. 

 Im Etat des Entwicklungsministeriums stehen pro Jahr mehrere hundert Millionen Brunei-Dollar für die Entwicklung der Humanresource  zur Verfügung. Einschränkend anzumerken wäre, daß die kontinuierlich und  intensiv um Brunei werbenden asiatischen Hauptpartnerländer  -  etwa Japan, Korea, China  -  seit geraumer Zeit bei der Projektvergabe besser zum Zuge kommen als europäische Mitbewerber.


Verkehr und Umwelt

Brunei hat mit einem Straßennetz von knapp 3.000 km und über 210.000 gemeldeten Kraftfahrzeugen  -  bei einer jährlichen Zunahme von gegenwärtig ca. 18.000 neuen Kfz  -  eine hohe und weiter zunehmende Verkehrsdichte. Die Entwicklung einer angemessenen öffentlichen Verkehrsinfrastruktur ist noch nicht als politische Priorität erkannt. Die staatliche "Royal Brunei Airlines" wird weiter ausgebaut und modernisiert, 2014  durch den Erwerb weiterer Airbus-Maschinen und den Boeing Dreamliner. Sie fliegt im Liniendienst mit modernen Großraummaschinen über 20 Städte in Asien, Europa, dem Mittleren Osten sowie Australien und Neuseeland an. Weitere Flugzeugkäufe sind geplant. Ausbau und Modernisierung des Flughafens der Hauptstadt Bandar Seri Begawan sind  inzwischen weitgehend abgeschlossen. Pläne zur Erweiterung des Streckennetzes, regional und international, werden intensiv verfolgt. Die Hauptstadt des Sultanats  ist mit wichtigen Städten Australiens und Englands verbunden und ist auf dem Weg, eine Drehscheibe zu werden.

Deutschland und Brunei haben 1993 ein bilaterales Luftverkehrsabkommen geschlossen. Im Handelshafen Muara können Schiffe bis zu 20.000 BRT (Bruttoregistertonnen) abgefertigt werden. Seit 2008 laufen deutsche Kreuzfahrtsschiffe Brunei an.

Aufgrund seiner geographischen Lage und Größe sowie wegen einer nach wie vor  geringen Dichte an produzierendem Gewerbe und Industrie  hat das Land nur begrenzte  Umweltprobleme, resultierend hauptsächlich aus der rasanten Zunahme des Straßenverkehrs und des Abfalls der Konsumgesellschaft. 80 Prozent der Landfläche Bruneis bestehen aus tropischem Regenwald, der weitgehend unter Schutz steht ("The green heart of Borneo"). Alternative Energien sollen künftig noch stärker gefördert und der Verbrauch fossiler Energie bis 2035 stark  reduziert  werden wie der Sultan auf dem UNO-Umweltgipfel im September 2014 in New York in Aussicht stellte. Allerdings wird bis auf weiteres die steigende Nachfrage nach Elektrizität durch Verbrennung von Öl und Gas, auch in den zu errichtenden neuen Kraftwerken des Landes,  befriedigt werden.

Hinweis:

Dieser Text stellt eine Basisinformation dar. Er wird regelmäßig aktualisiert. Eine Gewähr für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Angaben kann nicht übernommen werden. 


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