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Kanada

Wirtschaft

Stand: Oktober 2013

Kurzcharakteristik der Wirtschaft

Kanada ist mit einem BIP von 1.473,51 Mrd. € die elftgrößte Volkswirtschaft der Erde. Es ist Gründungsmitglied der G7/8 und der G20. Seine Wirtschaft stützt sich hauptsächlich auf Rohstoffe, Energie, Industrie und Landwirtschaft. Alle Wirtschaftszweige sind zu einem erheblichen Grade exportabhängig, wobei die USA der mit Abstand größte Handelspartner sind.

Kanada ist der weltgrößte Exporteur von Holz und einer der größten Exporteure von mineralischen Brennstoffen. Die Holz-, ebenso wie die Wasservorräte sind nahezu unerschöpflich. 46% der Landfläche sind von Wald bedeckt (das entspricht 10% der Weltwaldfläche). Gleichzeitig belegt Kanada nach den USA und Russland weltweit Platz 3 bei der Erdgasförderung und Platz 6 in der Erdölförderung. Das Land verfügt nach Saudi Arabien über die zweitgrößten Erdölreserven der Welt, vor allem in Form von Ölsanden in der Provinz Alberta. Seit Mitte der 90er Jahre werden nördlich des Polarkreises in den North West Territories und Nunavut Diamanten abgebaut. Heute ist Kanada einer der größten Diamantenproduzenten der Welt, über 90% werden in die EU (London, Amsterdam) exportiert. Kanada ist nach Kasachstan und vor Australien der zweitgrößte Uranproduzent der Welt (18% der Weltproduktion). Zunehmend wichtiger werden die großen nicht-energetischen Rohstoffvorkommen wie Eisenerz, Gold, Kupfer, Nickel und die seltenen Erden, die auch für die europäische Industrie von strategischer Bedeutung sind. 

Bedeutende Bereiche der verarbeitenden Industrie sind der Automobil- und Flugzeugbau, die Metallindustrie, die Nahrungsmittelindustrie, die Holz- und Papierverarbeitung, die chemische Industrie und die Informations- und Kommunikationstechnologie („Blackberry“).

Der Pro-Kopf-Verbrauch an Primärenergie in Kanada gehört zu den fünf höchsten weltweit, entsprechend hoch sind auch die Treibhausgasemissionen pro Einwohner. Im Dezember 2011 erklärte Kanada seinen Austritt aus dem Kyoto-Protokoll; angestrebt wird nunmehr, die CO2-Emissionen bis 2020 um 17% zu senken gegenüber dem Wert von 2005.


Wirtschaftsstruktur

Aufgrund steigender Kosten, im Wesentlichen als Folge nachlassender Produktivität, hat Kanada als Standort von Industriearbeitsplätzen innerhalb des Nordamerikanischen Freihandelsabkommens NAFTA an Stellenwert verloren. Die daraus resultierenden Strukturprobleme betreffen vorrangig den Ostteil des Landes. Gestützt auf den Rohstoffreichtum und die wachsende Bedeutung des Handels mit den Anrainerstaaten des Pazifiks hat innerhalb Kanadas zudem eine Verschiebung des wirtschaftlichen und politischen Kräftepotentials in Richtung Westen stattgefunden.

Die kanadische Regierung hat in den letzten Jahren Anstrengungen unternommen, den Wandel von einer verlängerten Werkbank der US-Industrie hin zu einer ressourcengestützten Wissensgesellschaft mit zunehmender Wertschöpfung im Hochtechnologiebereich zu vollziehen. Trotz einer Reihe von Fortschritten im Wissensbereich stützt sich der wirtschaftliche Erfolg weitgehend auf den Export von Rohstoffen (Premierminister Harper: „Canada is an energy super-power!“). Eine besondere Rolle kommt der Energiewirtschaft zu. Die starke Stellung des Landes bei fossilen Energieträgern, Wasserkraft und auch Kernkraft soll durch eine Marktführerschaft bei erneuerbaren Energien ergänzt werden. Die Verbindung zwischen Wissenschaft und Industrie soll verbessert, Forschungsergebnisse schneller zur Marktreife gebracht und deren Markteinführung durch besseren Zugang zu Risikokapital gefördert werden. Die Elektrizitätsgewinnung ist noch nicht vollständig liberalisiert – ausgenommen in Alberta und Ontario – und liegt überwiegend in den Händen von Betrieben im Eigentum der Provinzen. Die Strompreise sind staatlich reguliert.

Markt und Wettbewerb sind traditionell gut entwickelt. Handelshemmnisse bestehen nur in einzelnen Bereichen. Ausländische Direktinvestitionen in speziellen Sektoren wie z.B. Transportwesen, Telekommunikation und im Medienbereich sind auf Minderheitsbeteiligungen begrenzt. 2012 wurden zudem die Hürden für ausländische Direktinvestitionen in der Ölsandindustrie heraufgesetzt. Auch hier sind nur noch Minderheitsbeteiligungen und Joint Ventures erlaubt.

Zwischen den Provinzen bestehen vereinzelt Handelsbarrieren, die auf unterschiedlichen Reglementierungen beruhen und die den innerkanadischen Wirtschaftsaustausch hemmen (Beispiel: in den staatlichen Weinläden Ontarios kann man Wein aus Ontario und der ganzen Welt kaufen, aber keine Weine aus British Columbia). Auch bei der Mobilität der Arbeitskräfte, der Anerkennung beruflicher Qualifikationen und der öffentlichen Auftragsvergabe, bei der ortsfremde Firmen benachteiligt werden, bestehen zwischen den Provinzen (bei der öffentlichen Auftragsvergabe auch von Gemeinde zu Gemeinde) Barrieren, die von der Wirtschaft als Belastung empfunden werden. Mit British Columbia und Alberta haben 2007 erstmals zwei kanadische Provinzen ein bilaterales Freihandelsabkommen geschlossen. Dieses Abkommen wurde im April 2010 durch den Beitritt der Provinz Saskatchewan zur „New West Partnership“ (NWP) ausgeweitet. Die Provinzen Ontario und Québec einigten sich im Oktober 2009 über das Ontario-Québec Trade and Cooperation Agreement zur Förderung des freien Handels und Schaffung eines gemeinsamen Wirtschaftsraums.


Handelsbeziehungen

Nach wie vor sind die USA mit Abstand wichtigster Handelspartner. Mit 73,2% gehen fast drei Viertel aller Warenexporte in den Nachbarstaat. In die EU werden 8,8% der Waren exportiert, nach Deutschland 0,8%. China liegt mit einem Exportanteil von 4,3% hinter der EU auf Platz drei der kanadischen Warenexportländer. Die Importe aus den USA betragen 62,5%, der Anteil der Importe aus der EU 9,4% und Deutschland 3%. Während das Exportvolumen insgesamt 359,9 Mrd. € betrug, summierte sich der Wert der Importe auf 369,2 Mrd. €. Damit wies Kanadas Handelsbilanz 2012 erstmals seit der Weltwirtschaftskrise wieder ein Defizit auf.

Die wichtigsten Exportgüter Kanadas sind Energierohstoffe und Elektroenergie, Industriegüter (v.a. metallurgische und chemische Erzeugnisse), Maschinen und Ausrüstungen, Fahrzeuge und Fahrzeugteile, landwirtschaftliche und Fischerei- sowie forstwirtschaftliche Erzeugnisse. Eingeführt werden hauptsächlich Maschinen und Ausrüstungen, Industriegüter (v.a. metallurgische und chemische Erzeugnisse), Fahrzeuge und Fahrzeugteile und Verbrauchsgüter.

Der Bestand ausländischer Investitionen in Kanada erhöhte sich 2011 um knapp 4% auf 473,1 Mrd. €. Führend ist hier die USA mit einem Bestand von 253,7 Mrd. €. Der Anteil der deutschen Direktinvestitionen in Kanada betrug 7,1 Mrd. €. Bei den ausländischen Direktinvestitionen belegt Deutschland hiermit den zehnten Rang. Der Anteil der Direktinvestitionen aus China war 2011 mit 8,5 Mrd. € etwas niedriger als im Vorjahr (2010: 9,1 Mrd. €). Insgesamt ist Kanada jedoch ein Nettoexporteur von Investitionen. Die Direktinvestitionen im Ausland beliefen sich Ende 2011 auf 532,7 Mrd. €, davon 40,3% in den USA und 25,2% in der EU. Deutschland lag mit 7,1 Mrd. € und einem Anteil von 1,3% auf Platz 13 der ausländischen Investitionsziele kanadischer Unternehmen. Die Investitionen in Deutschland blieben im Verhältnis zum Vorjahr (ebenfalls 1,3%, Platz 13) gleich. Die kanadischen Direktinvestitionen in China lagen bei 4,5% und einem Anteil von etwa 0,6%, der dem Wert des Vorjahres entspricht.

Kanada ist Mitglied aller wichtigen internationalen Wirtschaftsforen wie G7, G8, G20, OECD, WTO, IWF sowie Weltbank und ist mit den USA und Mexiko über das Nordamerikanische Freihandelsabkommen NAFTA verbunden.Seit 2009 ist ein Freihandelsabkommen mit den EFTA-Staaten in Kraft. Kanada hat sich ferner den Verhandlungen über eine Trans Pacific Partnership (TPP) angeschlossen. Grundlagen der Beziehungen zwischen der EU und Kanada sind das Rahmenabkommen über Wirtschaftliche und Handelszusammenarbeit (1976) und der Gemeinsame EU-Kanada-Aktionsplan von 1996. Daneben haben beide Seiten Abkommen geschlossen über Zollzusammenarbeit (1997), Veterinärzusammenarbeit (1999), Wissenschaft und Technologie (1998), Zusammenarbeit im Nuklearbereich (1998), Wettbewerbsfragen (1999), Wein- und Spirituosenhandel (2001), Luftsicherheit (2008), Luftverkehr (2009), wissenschaftliche Zusammenarbeit im Bereich Nachwuchsförderung (2011) und zuletzt über mehr Sicherheit im Handel (2013).Seit 2009 verhandelt Kanada mit der EU über ein umfassendes Wirtschafts- und Handelsabkommen. Beide Seiten streben ein ambitioniertes Abkommen an, das neben dem weitgehenden Abbau noch bestehender Zölle den gegenseitigen Marktzugang für Waren und Dienstleistungen deutlich verbessern soll. Die deutsch-kanadischen Wirtschaftsbeziehungen sind im Wesentlichen frei von Belastungen. Allerdings bleibt der Umfang des Warenaustauschs hinter den Möglichkeiten beider Volkswirtschaften zurück. Ca. 800 deutsche Firmen sind in Kanada vertreten, darunter praktisch alle großen Unternehmen. Zwar liegt der Schwerpunkt bei Verkaufsbüros, es gibt aber auch eine Reihe von Firmen, die in Kanada produzieren. Hierzu gehören Siemens, Dr. Oetker, Mercedes-Benz (Brennstoffzellen), K+S AG (Pottasche) und SAP (Software). Die Produktpalette wird dabei den Bedürfnissen des kanadischen Marktes angepasst. So fertigt Siemens inzwischen auch Rotorblätter für Windkraftanlagen in Kanada, weitere im Windenergiebereich stark vertretene deutsche Unternehmen sind ENERCON (ebenfalls mit eigenen Fertigungen) und REpower. Eines der größten Investments eines deutschen Unternehmens in jüngster Zeit ist der Bau eines Kalisalzwerkes durch die K+S AG in der Provinz Saskatchewan für rund 2,5 Mrd. €. Hapag Lloyd Canada, im 100%-igen Besitz von Hapag Lloyd Hamburg, ist die größte kanadische Reederei. Die wichtigsten kanadischen Firmen in Deutschland sind Alcan (Aluminium, Verpackungen), Bombardier (Schienen- und Luftfahrzeuge), CAE (Flugzeugsimulatoren), Pratt&Whitney (Turbinen), Corel (Software), ATI (PC Hardware), Arise (Solartechnik), RIM (Telekommunikation) und Magna (Fahrzeugteile). Bombardier macht im Schienenverkehrsbereich den größten Teil seiner Umsätze in Europa und hat die Konzernzentrale für diesen Bereich ("Bombardier Transportation") von Montreal nach Berlin verlegt.

Hinweis:

Dieser Text stellt eine Basisinformation dar. Er wird regelmäßig aktualisiert. Eine Gewähr für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Angaben kann nicht übernommen werden. 


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