Hauptinhalt

Außenpolitik

Stand: September 2016

Grundlinien der Außenpolitik

Bhutans Außenpolitik ist nach einer langen Phase weitgehender Isolierung von einer vorsichtigen Öffnung gegenüber der internationalen Staatengemeinschaft gekennzeichnet. In den letzten Jahren hat Bhutan sein internationales Engagement ausgebaut. Das Land unterhält mittlerweile diplomatische Beziehungen zu 52 Staaten und der EU. Zuletzt wurden 2013 diplomatische Beziehungen mit Oman aufgenommen. Mit eigenen diplomatischen Vertretungen ist Bhutan in New Delhi, Kalkutta, Dhaka, Bangkok und Kuwait sowie bei den Vereinten Nationen in New York und Genf sowie der Europäischen Union in Brüssel vertreten. In Bhutan selbst sind nur Indien und Bangladesch mit Botschaften vertreten.

Sichtbarster Ausdruck dieser Öffnung war die Kandidatur Bhutans für einen nichtständigen Sitz im Sicherheitsrat der Vereinten Nationen für den Zeitraum 2013/2014, die allerdings nicht erfolgreich war.

Parallel dazu machte das kleine Himalaya-Königreich zunehmend mit Initiativen im Themenbereich internationaler Entwicklungsfragen auf sich aufmerksam. So hat Bhutan beim Millenniums-Gipfel der Vereinten Nationen im September 2010 in New York erstmals den Vorschlag eingebracht, 'Happiness' als zusätzliches (9.) Millennium-Entwicklungsziel zu verankern. Im Juli 2011 verabschiedete die Generalversammlung auf Antrag Bhutans und weiterer rund 60 Staaten (darunter Deutschland) eine Resolution mit dem Titel "Happiness: a holistic approach to development", wonach die Staatengemeinschaft ermuntert wird, nach ganzheitlicher Entwicklung zu streben und nach alternativen Wachstums-Indikatoren zu suchen. Ende Juni 2012 erklärte die VN-Generalversammlung - ebenfalls von Bhutan mit initiiert - in einer Resolution den 20. März zum 'International Day of Happiness'.

Seit 1985 ist Bhutan Mitglied der South Asian Association for Regional Cooperation (SAARC) und beteiligt sich aktiv an der weiteren Entwicklung dieser Organisation. Bhutan nimmt auch an der 2006 in Kraft getretenen Freihandelszone SAFTA (South Asian Free Trade Area) teil. Angestrebt wird der schrittweise Abbau von Zöllen und Handelsbarrieren bis 2017 und die Zusammenarbeit bei gemeinsamen Infrastrukturprojekten, in der Energiepolitik und im Tourismus. Seit 2004 ist Bhutan auch Mitglied in BIMSTEC (Bay of Bengal Initiative for Multi-Sectoral Economic and Technical Cooperation), eine gemeinsame Initiative zur wirtschaftlichen Zusammenarbeit der Länder Bangladesch, Indien, Myanmar, Nepal, Sri Lanka und Thailand.


Beziehungen zu Indien und China

Die geostrategische Lage des Königreichs wird durch die großen Nachbarn Indien und China bestimmt. Bhutans wichtigster außen- und sicherheitspolitischer Partner ist Indien. Lediglich zum südlichen Nachbarn existieren ausgebaute Straßenverbindungen; die Grenzen sind offen. Der ursprüngliche Freundschaftsvertrag von 1949 zwischen dem unabhängigen Indien und Bhutan wurde durch den am 8. Februar 2007 geschlossenen 'India-Bhutan Friendship Treaty' ersetzt. Der Vertrag reflektiert die Entwicklung der bilateralen Beziehungen und dient als Grundlage für die auch weiterhin sehr enge Zusammenarbeit. Indien leistet Beiträge in Höhe von 50 Mrd. Rupien (etwa 715 Mio. Euro) für die Entwicklung Bhutans im Rahmen des 11. Fünfjahresplans (2013–2018) und zur Ankurbelung der Wirtschaft. Zudem unterstützt Indien die Nutzung der Wasserkraft sowie Ausbildung und Ausrüstung der bhutanischen Streitkräfte.

Die freundschaftlichen Beziehungen zwischen Bhutan und Indien werden durch regelmäßige Besuche von Regierungsvertretern unterstrichen. Nachdem der bhutanische Premierminister Tshering Tobgay – neben den anderen Regierungschefs des SAARC-Staatenverbundes – der Amtseinführung des indischen Premiers Narendra Modi am 26. Mai 2014 in Delhi beigewohnt hatte, führte die erste Auslandsreise Modis als Premierminister nach Bhutan. Das junge bhutanische Königspaar stattete Indien Anfang Januar 2014 einen offiziellen Besuch ab. Im November 2014 absolvierte der indische Staatspräsident einen zweitägigen Staatsbesuch in Bhutan, gefolgt von einem offiziellen Besuch des bhutanischen Premierministers in Indien im Januar 2015.

Die Rücksichtnahme auf China ist eine weitere wichtige Determinante der bhutanischen Außenpolitik. Im April 1984 begann Bhutan Gespräche mit China über die Demarkation der gemeinsamen Grenze. Der Grenzverlauf zwischen beiden Staaten ist im Detail – wie auch zwischen Indien und China - strittig. Am Rande einer VN-Konferenz kam es im Juli 2012 in Rio de Janeiro erstmals zu einem bilateralen Treffen der beiden Premierminister. Im August 2016 reiste Bhutans Außenminister Damcho Dorji erstmals zu Gesprächen nach Peking. China fördert den kulturellen und akademischen Austausch, ferner steigt der Anteil chinesischer Touristen gemessen an den Gesamtreisenden nach Bhutan stetig an und beträgt aktuell 19%.


Beziehungen zur Europäischen Union

Seit 1985 unterhalten Bhutan und die EU diplomatische Beziehungen. Die Beziehungen zwischen der EU und Bhutan sind eng. Die EU unterstützt Bhutan entwicklungspolitisch vor allem im Bereich der Erneuerbaren Energien, ländlicher Entwicklung, Stärkung der Zivilgesellschaft und des Verwaltungsaufbaus. Für die Jahre 2014 – 2020 baut die EU diese Zusammenarbeit weiter aus und stellt 42 Mio. EUR zur Verfügung. Im Juni 2015 reiste erstmals ein bhutanischer Premierminister zu Gesprächen mit der EU nach Brüssel.


Seite teilen:

Einreise & Aufenthalt

Auswärtiges Amt

Reise & Sicherheit

Außen- und Europapolitik

Ausbildung & Karriere