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Tischrede von Europa-Staatsminister Michael Roth zur Verabschiedung des französische Botschafters S.E. Herrn Philippe Etienne

01.06.2017 - Rede

--- es gilt das gesprochene Wort ---

Sehr geehrter Herr Botschafter,
Exzellenzen,
verehrte Gäste,

die vergangenen Wochen müssen für Sie, Herr Botschafter, ziemlich turbulent gewesen sein. Dass wir uns heute hier zusammenfinden, war lange nicht ganz sicher. Und daher freue ich mich nun umso mehr, dass ich Sie heute hier begrüßen darf – und ja: leider auch verabschieden muss.

Denn der Wahlsieg von Emmanuel Macron ist nicht nur eine große Chance für Frankreich, für die deutsch-französische Partnerschaft und für ganz Europa. Nebenbei hat der Wahlausgang in Frankreich auch ihre ganz persönliche Zukunftsplanung durcheinandergebracht – und ich gehe davon aus, durchaus mit Ihrer Zustimmung.

Ursprünglich sollten Sie uns in Richtung Moskau verlassen, doch nun kommt doch alles ganz anders.

Sie verlassen Berlin, um Präsident Macron als außenpolitischer Berater im Elysée-Palast zu unterstützen. Mit Ihnen als ausgewiesenem Deutschlandkenner und überzeugtem Europäer an der Seite des neuen Präsidenten haben wir hervorragende Voraussetzungen für eine erfolgreiche Zusammenarbeit.

Denn von der Teamarbeit zwischen unseren beiden Ländern hängt jetzt viel ab – für Europa, aber auch weltweit. Deutschland und Frankreich müssen jetzt gemeinsam ein Zeichen setzen. Wir wollen unseren Bürgerinnen und Bürgern zeigen, dass wir ihre drängendsten Probleme gemeinsam besser und schlagkräftiger angehen können.

Europa hat in den vergangenen Wochen und Monaten einen neuen Aufschwung erlebt: zunächst durch die Wahlen in Österreich und den Niederlanden, dann aber mit Wucht in Ihrem Heimatland. Die Wählerinnen und Wähler haben Populismus und Nationalismus eine Absage erteilt.

Sie haben uns allen wieder Mut gemacht. Aber die Gefahr ist noch lange nicht gebannt. Deshalb müssen wir handeln. Jetzt.

Nun müssen wir unserer gemeinsamen Verantwortung für die Zukunft Europas neue Dynamik geben. Wir müssen zeigen, dass der deutsch-französische Motor keine bloße Floskel in Sonntagsreden ist, sondern Tag für Tag dafür sorgen, dass er wieder auf Hochtouren läuft.

Der bevorstehende Deutsch-Französische Ministerrat am 13 Juli in Paris wird daher auch ein Symbol für einen Neuanfang sein. Gemeinsam werden wir mit Ihnen in den nächsten Wochen daran arbeiten, diesen Ministerrat zum Erfolg zu führen.

Wir wussten es sehr zu schätzen, Sie während der vergangenen, für Europa nicht immer leichten Jahre hier bei uns in Berlin zu haben.

Mit Ihrem Fachwissen und Ihrer Erfahrung waren Sie uns immer ein offener und verlässlicher Ansprechpartner. Damit haben Sie sich hierzulande viel Anerkennung erworben.

Völlig zurecht hat Ihnen deshalb der Bundespräsident heute das Große Verdienstkreuz mit Stern verliehen.

Diese besondere Auszeichnung drückt die besondere Wertschätzung Ihrer Amtszeit als französischer Botschafter in unserem Land aus. Herzlichen Glückwunsch!

In Ihrer langen und erfolgreichen Karriere haben Sie sich von Beginn an intensiv mit Europa auseinandergesetzt. Sie sind ein Europäer wie aus dem Bilderbuch. Den Fokus auf Europa haben Sie nie aus den Augen verloren. Besonders oft zog es Sie dabei in die europäische Hauptstadt Brüssel. Zur Ständigen Vertretung Frankreichs bei der Europäischen Union, wo Sie insgesamt über zehn Jahre gearbeitet haben. Eine lange und zweifelsohne interessante Zeit.

Mit Deutschland haben Sie erstmals in Bonn enge Bekanntschaft gemacht. In einem Interview haben Sie mal erwähnt, dass Sie vor Ihrer Amtsübernahme in Berlin mit einem neuen, einem veränderten Land gerechnet haben.

Ein anderes Deutschland als das, das Sie damals in den 1980er Jahren kennengelernt hatten.

Die vergangenen drei Jahre haben Ihnen zahlreiche Gelegenheiten gegeben, unser Land noch einmal neu zu entdecken. Die zahlreichen Reisen, die Sie durch das ganze Land unternommen haben sind Ausdruck Ihres anhaltenden Interesses an Deutschland, aber auch Ihrer großen Wertschätzung für die deutsch-französischen Beziehungen. Der Europakenner Philippe Etienne war in seiner Zeit in Deutschland auch ein ganz und gar hervorragender bilateraler Botschafter, der unser Land in allen Facetten kennengelernt hat.

Für Ihre Landsleute in Frankreich waren Sie auch immer so etwas wie ein „Dolmetscher“ für die Tücken und Raffinessen der deutschen Politik.

Denn auch diese „Fremdsprache“ beherrschen Sie perfekt.

Sie haben für die Menschen in Frankreich „übersetzt“, wie Politik in Deutschland funktioniert, und immer wieder auch um Verständnis für die deutschen Standpunkte und Entscheidungen geworben. Das war sicher nicht immer ganz einfach. Und gleichzeitig haben Sie uns wieder und wieder Frankreich nahegebracht.

Ich bin sicher, dass Sie während Ihrer Zeit in Deutschland zahlreiche Kontakte, aber auch Freunde gewonnen haben. Gemeinsam mit ihnen und stellvertretend für all jene, die heute nicht bei uns sein können, möchte ich mich bei Ihnen für Ihre Arbeit bedanken und Ihnen allen Erfolg für Ihren neuen Posten in Paris wünschen. Ich hoffe, dass Sie an Ihrer neuen Aufgabe ebensoviel Freude haben werden, wie hier in Berlin.

Und wie hat es die wunderbare Sängerin Trude Herr, die ihren Lebensabend übrigens in Südfrankreich verbracht hat, in einem ihrer Lieder musikalisch auf den Punkt gebracht: „Niemals geht man so ganz, irgendwas von mir bleibt hier.“ Ich bin mir sicher, dass auch Ihr Wirken in Berlin ganz viele Spuren hinterlässt, an die wir uns gerne zurückerinnern und auf die wir künftig aufbauen können.

Bleiben Sie Deutschland verbunden und behalten Sie uns in guter Erinnerung! Alles Gute!

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