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Guatemala

Wirtschaft

Stand: März 2014

Aktuelle gesamtwirtschaftliche Situation

Mit einem Pro-Kopf-Einkommen von 3478,1  USD (2013) zählt Guatemala zu den Middle-Income-Countries, leidet jedoch unter der ungerechten Einkommensverteilung (53.71 % Armut, davon  13.33% extreme Armut). Das Wirtschaftswachstum betrug 2013 3,35 % (2012: 3,3 %), das Bruttoinlandsprodukt (BIP) lag bei 53,81 Mrd. USD (2012: 50,3 Mrd. USD).

Guatemala ist die größte Volkswirtschaft Zentralamerikas. Traditionelle Agrarprodukte sind Kaffee, Zuckerrohr, Bananen und Kardamom. Zusätzlich haben in den letzten Jahren nichttraditionelle Agrarprodukte wie Gemüse, Früchte und Zierpflanzen sowie der großflächige Anbau von Ölpalmen Bedeutung erlangt. Die Landwirtschaft (Primärbereich) trägt 13%, der Sekundärbereich rund 24% und der Tertiärbereich 62% zum BIP bei. Die in den Vereinigten Staaten lebenden rund 1,5 Mio. Guatemalteken überwiesen 2012 4,8 und 2013 5,1  Mrd. USD. Die Überweisungen entsprechen ca. 10% des BIP.

Guatemala leidet unter zu geringen Staatseinnahmen. Das Steueraufkommen liegt bei nur 11% des BIP, eine der niedrigsten Raten in Lateinamerika. Nachhaltige Entwicklung ist mit einem derartig geringen Steueraufkommen nicht möglich, zumal Guatemala über keine anderen bedeutenden Staatseinnahmen verfügt. In den letzten 20 Jahren waren alle Versuche einer Steuerreform gescheitert, auch wenn sie weniger auf Steuererhöhungen als auf die Bekämpfung der Steuerhinterziehung, eine Erweiterung der Steuerbasis und effizientere Erhebungsmethoden abzielten. Die 2012 verabschiedete Steuerreform  hat nicht den erwarteten Erfolg gebracht und wurde teilweise wieder zurückgenommen.

Zur Politik aller Regierungen Guatemalas der letzten Jahrzehnte zählte die besondere Förderung des Exports der traditionellen und nichttraditionellen Agrargüter. Dies geht allerdings immer stärker zu Lasten der kleinbäuerlichen Agrarwirtschaft bis hin zur Subsistenzwirtschaft, von der der größte Teil der ländlichen Bevölkerung abhängt.

Bemühungen, Investitionen ins Land zu locken, werden durch die schlechte Sicherheitslage und die geringe Größe des guatemaltekischen bzw. zentralamerikanischen Marktes erschwert. Dennoch sind die ausländischen Direktinvestitionen 2013 auf das Rekordniveau von 1,3 Mrd. USD angestiegen. An sich hat das Land großes Potential, nicht nur als Produzent hochwertiger Agrargüter, sondern auch im Tourismus oder etwa bei der Produktion von Strom durch Wasserkraft. Erstmals stieg die Zahl der Touristen 2013 auf über 2 Mio. Personen.


Außenhandel

Nach einem Rückgang 2012 stiegen die Exporte Guatemalas 2013 leicht auf 10,1 Mrd. USD (2012 9,9 Mrd. USD). 2013 stellten die Exporte der traditionellen Agrarprodukte zusammen rund ein Viertel des gesamten Exportwerts (Zucker  9,0%, Kaffee  7 %, Bananen 6%, Kardamom  2,0%). Wertmäßig wichtigstes Exportgut waren jedoch Textilien mit 13 % des Gesamtexportwerts, die vorwiegend in Lohnveredelungsbetrieben hergestellt werden. Weitere wichtige Exportprodukte sind Edelsteine und Metalle (5%), Chemikalien (vorwiegend nach Zentralamerika), Nahrungsmittel und besonders Früchte (nach Zentralamerika und in die Industrieländer).

Die wichtigsten Empfängerländer für guatemaltekische Exporte waren 2013 wie in den Vorjahren die USA mit  37,9 % der Gesamtexporte, Zentralamerika mit 27,1% und Mexiko mit  4,7 %. Gut 6% gingen in die Länder der Eurozone.

Die Importe betrugen 2013 rund 17,5  Mrd. USD (20121 waren es 16,9 Mrd.). Wichtigste Importgüter sind Erdölprodukte, Chemie, Elektronik, Textilien, KfZ und Maschinen. Wichtigste Ursprungsländer sind die USA ( 37 %), Mexiko ( 10,6 %), China (trotz der fehlenden diplomatischen Beziehungen 8,5 %) und die zentralamerikanischen Nachbarländer. Aus den Ländern der Eurozone kamen gut 5%.

Neben bereits bestehenden Freihandelsabkommen (u.a. mit Taiwan seit 2005, USA-Zentralamerika (CAFTA) 2006, Chile 2010 und Peru 2011) sind weitere Abschlüsse geplant. Bereits jetzt fallen 80% der Exporte in den Rahmen der geschlossenen Freihandelsabkommen.

Das Assoziierungsabkommen zwischen der EU und  Zentralamerika wurde am 26. Juni 2012 unterzeichnet.  Es trat mit seinem Handelsteil im Dezember 2013 vorläufig in Kraft. In der Wechselkurspolitik zeichnet sich trotz des massiven Ungleichgewichts in der Handelsbilanz keine grundlegende Änderung ab. Die Währung Quetzal ist stabil und behält seit Jahren ihren Wert von rund 8 Quetzales pro US-Dollar bei. Die Überweisungen von in den USA lebenden Guatemalteken sorgen weiterhin für eine ausgeglichene Zahlungsbilanz. Die Währungsreserven stiegen bis Dezember 2013 auf komfortable 7,3 Mrd. US $.

Die Staatsverschuldung (Schuldenstandsquote) Guatemalas lag 2013 bei knapp 24,9 % des BIP.


Umweltpolitik

Guatemala ist ein Land mit bedeutenden Umweltressourcen und erheblichen Möglichkeiten für den Individual- und Ökotourismus. Der Anteil erneuerbarer Energien an der Stromerzeugung liegt jetzt schon bei 40% und soll bis 2026 auf 78% erhöht werden. Die Wasserkraft hat großes Potential, auch Geothermie könnte weiter ausgebaut werden. Allerdings gibt es eine Opposition (besonders der indigenen Bevölkerung) gegen Großinvestitionen im Energie- und Bergbausektor.

Fehlendes Umweltbewusstsein, die schwache staatliche Autorität und das hohe Bevölkerungswachstum, das Migration vom Hochland insbesondere in den Petén ausgelöst hat, haben dazu geführt, dass in den letzten Jahren immer mehr schützenswerte Flächen für eine nachhaltige Bewirtschaftung verloren gegangen sind. Der tropische Regenwald, der noch vor wenigen Jahren weite Teile Nordguatemalas bedeckt hat, ist inzwischen vielerorts verschwunden.

Das Phänomen El Niño (unregelmäßig auftauchende warme Meeresströmung) und anhaltende Regen- und Tropenstürme haben in den letzten Jahren immer wieder zu schweren Überschwemmungen, Erdrutschen, Ernteverlusten und Schäden an der Infrastruktur (Straßen, Brücken) bzw. zu Perioden extremer Trockenheit geführt.

Hinweis:

Dieser Text stellt eine Basisinformation dar. Er wird regelmäßig aktualisiert. Eine Gewähr für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Angaben kann nicht übernommen werden.