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Tschad

Außenpolitik

Stand: Mai 2013

Grundzüge der Außenpolitik

Die Außenpolitik konzentriert sich traditionell auf die Beziehungen zu den unmittelbaren Nachbarn; Ereignisse in der Region habe jedoch dazu geführt, dass Tschad auch als regionaler Akteur aufgetreten ist. 

Die diplomatischen Beziehungen mit Sudan, von Mai bis November 2008 suspendiert und wegen der Darfur-Krise 2004 belastet, haben sich zuletzt entspannt. Maßgeblich hierfür war der Friedensschluss Anfang 2010, der eine Phase der Zusammenarbeit einleitete. 

Die Krise in Libyen 2011 hatte unmittelbare Auswirkungen auf den Tschad. In Lybien lebten rund 300.000 tschadische Gastarbeiter, von denen ein Großteil in Folge der Kampfhandlungen in ihre Heimat fliehen mußte. Die Lage an und jenseits der Landesgrenze zu Libyen bleibt gespannt; die Grenze wurde Ende 2012 einvernehmlich geschlossen.

Seit einem Besuch des libyschen Ministerpräsidenten in N´Djamena Ende 2012 hat sich das zuvor gespannte Verhältnis zu Libyen gebessert. Bei beiden Nachbarn, wie auch den anderen Nachbarstaaten Nigeria und Zentralafrikanische Republik, bestehen jedoch Sicherheitsprobleme (politische Instabilität, Terrorismus), die sich direkt oder indirekt auf Tschad auswirken.

Nach dem Vordringen dschihadistischer Kräfte in Mali beteiligte sich Tschad Anfang 2013 an der von Frankreich geführten Militärmission zur Befreiung der besetzten Gebiete sowie der afrikanischen Unterstützungsmission AFISMA. Dabei kamen rund 2.400 tschadische Soldaten zum Einsatz. 

In der Zentralafrikanischen Republik, wo es im März 2013 zu einem Umsturz kam, stellt Tschad einen wesentlichen politischen und militärischen Faktor dar. 

Im Vordergrund des Verhältnisses zu Nigeria steht die Bedrohung durch die islamistische Terror-Organisation Boko Haram. 

Tschad unterhält als ehemalige französische Kolonie besonders enge Beziehungen zu Frankreich und seit Jahren auch zur EU, dem bedeutendsten Entwicklungshilfegeber. Die Beziehungen zu den USA und seit 2006 auch zur Volksrepublik China haben insbesondere wegen deren Rolle bei der Erdölförderung erheblich an Bedeutung gewonnen.

Tschad verfügt nur über ein kleines Netz von Auslandsvertretungen. Umgekehrt sind in N’Djamena nur wenige Staaten mit eigenen Botschaften vertreten, darunter alle Nachbarstaaten, eine begrenzte Zahl anderer afrikanischer Staaten und die Afrikanische Union. Aus Europa sind die EU, Frankreich und Deutschland sowie Russland vertreten. Außerdem unterhalten die USA, einige arabische Staaten, seit 2006 die Volksrepublik China und seit 2013 die Türkei Auslandsvertretungen in N'Djamena.

Afrikanische Union


In der Afrikanischen Union spielt der Tschad eine aktive und konstruktive Rolle. Tschad stellt zudem derzeit den Vorsitz in der Wirtschaftsgemeinschaft zentralafrikanischer Staaten (frz. CEEAC, engl. ECCAS), der Gemeinschaft sahelo-saharischer Staaten (CEN-SAD) sowie der zentralafrikanischen Umweltorganisation COMIFAC. Im Juli 2012 beschloss die Afrikanische Union, die Kandidatur des Tschad für einen Sitz als nicht-ständiges Mitglied im Sicherheitsrat der Vereinten Nationen in den Jahren 2014/15 zu unterstützen.

Vereinte Nationen

Zur Bewältigung der Herausforderungen in Tschad selbst, aber auch infolge der Krisen in Darfur und der Zentralafrikanischen Republik sind in Tschad zahlreiche Organisationen der Vereinten Nationen tätig. Das Flüchtlingshilfswerk UNHCR versorgt insgesamt rund 380.000 Flüchtlinge aus dem Sudan sowie der Zentralafrikanischen Republik.  Andere Organisationen der Vereinten Nationen und viele Nicht-Regierungsorganisationen leisten Unterstützung bei humanitären und Entwicklungsaufgaben. Die sog. MINURCAT-Mission, die auf Grundlage der VN-Sicherheitsratsresolution 1861 für Sicherheit und Ordnung im Osttschad und in der Zentralafrikanischen Republik zuständig war, wurde zum Jahresende 2010 beendet.



Hinweis

Dieser Text stellt eine Basisinformation dar. Er wird regelmäßig aktualisiert. Eine Gewähr für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Angaben kann nicht übernommen werden.