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Libanon

Kultur- und Bildungspolitik

Stand: Mai 2015

Kulturpolitik

Stärker als in jedem anderen Land der Region mischen sich in Libanon Elemente verschiedener mediterraner Kulturen und Religionen. Als Standort für Kultur- und Bildungseinrichtungen (Verlage, Medien, Universitäten) mit Ausstrahlung in die gesamte Region hat das Land eine lange Tradition. Trotz Bürgerkrieg (1975-1990), Krieg 2006 zwischen Hisbollah und Israel und durch den Bürgerkrieg in Syrien verschärfter innenpolitischer Spannungen bietet der Libanon immer noch eine vielfältige und lebendige Kulturlandschaft und ist ein Zentrum für publizistischen und akademischen Austausch im Nahen Osten und in der arabischsprachigen Welt.

Im Sommer finden jährlich renommierte internationale Musik-Festivals in Baalbek, Byblos und Beiteddine statt. Am Al-Bustan-Festival im Beiruter Vorort Beit Mery nehmen regelmäßig auch deutsche Musiker teil. Organisiert werden diese Veranstaltungen durch private Initiativen wohlhabender libanesischer Familien. Von den zahlreichen kleineren Festivals hat die Deutsche Botschaft u.a. das Freikeh-Kulturfestival unterstützt. Zudem finden arabische und europäische Filmfestivals statt. 1999 war Beirut "Kulturhauptstadt der arabischen Welt". 2002 und 2009 hat Beirut den Frankophonie-Gipfel ausgerichtet.

Beirut gilt immer noch als wichtigster Verlagsstandort der arabischen Welt. 2009-2010 war Beirut "Welthauptstadt des Buches" und hat ein herausragendes Kulturprogramm präsentiert. Auf den jährlichen Buchmessen stellen regelmäßig auch deutsche Verlage aus. Der Libanon präsentierte sich als einer der Ehrengäste der "Arabischen Welt" auf der Frankfurter Buchmesse 2004. Umgekehrt war Deutschland bei der 53. Arab Beirut International Book Fair im Dezember 2009 (über 200 ausstellende Verlage) mit einem gemeinsamen Stand der Frankfurter Buchmesse, des Goethe-Instituts, des DAAD und der Botschaft sowie mit Workshops und Lesungen vertreten.

Universitäten

An den über 40 Universitäten und Hochschulen in Libanon sind rund 140.000 Studierende eingeschrieben, davon etwa die Hälfte an der staatlichen Université Libanaise. Die anderen Studierenden verteilen sich auf die immer zahlreicher werdenden Privatuniversitäten wie die American University of Beirut (AUB), die Lebanese American University (an der derzeit auch zwei DAAD-Lektoren beschäftigt sind); die Université Saint Joseph (USJ), die Université Saint Esprit de Kaslik, die Beirut Arab University, die Université Notre Dame sowie die Université Balamand. Unterrichtssprachen sind Arabisch, Englisch und Französisch. Im Libanon gibt es bislang keine Germanistik-Fakultät. Dagegen existieren Pläne zum Aufbau einer Deutschlehrer-Ausbildung (Goethe-Institut mit einer kleineren privaten Universität). An einigen Universitäten wird Deutsch als Fremdsprache unterrichtet (u.a. durch die DAAD-Sprachlektorin an der Lebanese American University in Byblos). Das libanesische Baccalauréat (Abitur) ermöglicht bei einer Mindestpunktzahl – zusammen mit dem Deutschen Sprachdiplom 2 - den direkten Zugang zu deutschen Universitäten ohne vorherige Absolvierung eines Studienkollegs. Die libanesischen Studienabschlüsse (Licence bzw. Bachelor sowie Maîtrise bzw. Master) werden im Ausland im Allgemeinen anerkannt. Promotionsstudiengänge gibt es im Libanon nur vereinzelt. Auch deswegen steigt das Interesse libanesischer Studierender und Absolventen an deutschen Universitäten. Libanon "exportiert" traditionell einen Großteil seiner Universitätsabsolventen. Ingenieure und Betriebswirte, in gewissem Umfang auch Ärzte, tragen maßgeblich zum Funktionieren der Wirtschaft in den arabischen Golfstaaten bei.

Forschungseinrichtungen

Zahlreiche Institute der großen Universitäten (USJ, AUB) genießen auch international einen guten Ruf. An staatlichen Instituten existiert ein Zusammenschluss in Form des Conseil National de Recherche Scientifique (CNRS) nach französischem Vorbild. In den Naturwissenschaften suchen die meisten dieser Institute Anlehnung an Europa oder Nordamerika. In der Archäologie spielen die Institute von USJ und AUB neben dem staatlichen Nationalmuseum ebenfalls eine wichtige Rolle. Zur islamwissenschaftlichen und soziologisch-historischen Forschung der Region trägt auch das deutsche Orient Institut Beirut (Max-Weber-Stiftung / BMBF) bei, das Forschern eine hervorragende Bibliothek, international besuchte Veranstaltungen und Konferenzen sowie eine Summer School bietet. Daneben werden populärwissenschaftliche Vorträge für eine breitere Öffentlichkeit organisiert.

Fremdsprachen

Neben der arabischen Sprache beherrschen viele Libanesen auch die französische und/oder englische Sprache, oft auf sehr hohem Niveau. Vor allem mit Frankreich (daneben auch Italien) besteht traditionell eine enge kultur- und bildungspolitische Zusammenarbeit. Zunehmend wenden sich junge Libanesen aber dem angelsächsischen Kultur- und Sprachraum zu.

Hinweis:

Dieser Text stellt eine Basisinformation dar. Er wird regelmäßig aktualisiert. Eine Gewähr für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Angaben kann nicht übernommen werden. 


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