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Tschad

Beziehungen zu Deutschland

Stand: Mai 2017

Politische Beziehungen

Die Bundesrepublik Deutschland war 1960 nach Frankreich das zweite europäische Land, das mit Tschad diplomatische Beziehungen aufnahm. Sie unterhält mit kurzen Unterbrechungen seit 1963 in N'Djamena eine Botschaft. Deutschland genießt im Land aufgrund dieser jahrzehntelangen engen Beziehungen und dank einer langjährigen substanziellen entwicklungspolitischen Zusammenarbeit erhebliches Ansehen. Die bilaterale Entwicklungszusammenarbeit ist Ende 2012 ausgelaufen. Vorhaben der humanitären und Übergangshilfe, multilateralen Entwicklungszusammenarbeit sowie Projekte zur Konfliktprävention und zum Schutz der Menschenrechte werden jedoch ebenso fortgeführt wie die kulturelle und wissenschaftliche Zusammenarbeit.

Außer Deutschland unterhält Frankreich als einziges weiteres EU-Land eine Botschaft in Tschad. Die Europäische Union ist mit einer Delegation präsent, die seit dem Inkrafttreten des Vertrags von Lissabon Ende 2009 neben ihrer entwicklungspolitischen Rolle auch politische Aufgaben wahrnimmt.

Die Beachtung der Menschenrechte und der Aufbau demokratischer und rechtsstaatlicher Strukturen sind von großer Bedeutung für die bilateralen Beziehungen. Deutschland hat in Abstimmung mit seinen EU-Partnern vor Ort den mit dem Abkommen von 13. August 2007 zwischen Regierung und Opposition eingeleiteten Prozess eines demokratischen Dialogs unterstützt. Seit der Auflösung des dafür eingesetzten Komitees Mitte 2012 und der Gründung eines neuen außerparlamentarischen "Dialograhmens" im April 2013 setzt sich Deutschland dafür ein, dass Tschad weitere Fortschritte auf dem Weg zu einem demokratischen und pluralistischen Rechtsstaat macht.

Am 12. Oktober 2016 besuchte Staatspräsident Idriss Déby Itno erstmalig Deutschland. Der Austausch mit Bundeskanzlerin Merkel berührte in erster Linie Fragen der regionalen Sicherheit und Kooperation, insbesondere des gemeinsamen Kampfes gegen den Terrorismus. Der Komplex Flucht und Migration sowie die bilateralen Beziehungen standen ebenfalls im Fokus.

Wirtschaftliche Beziehungen

Die Handelsbeziehungen mit Tschad sind unbedeutend. Deutsche Investitionen in Tschad sind nicht bekannt. Die tschadische Kammer für Handel, Industrie und Landwirtschaft (CCIAMA) in N'Djamena fungiert als Anlaufstelle für Unternehmen, die wirtschaftliche Kontakte aus oder nach Deutschland knüpfen wollen; auf der deutschen Seite hat diese Rolle u.a. der Afrikaverein der deutschen Wirtschaft inne.

Seit dem Auslaufen der bilateralen Entwicklungszusammenarbeit Ende 2012 konzentriert sich die deutsche Unterstützung auf humanitäre und Übergangshilfe (u.a. für die ca. 350.000 Darfur-Flüchtlinge in Ost-Tschad), regionale Entwicklungsvorhaben (vorrangig Bereiche Umwelt und Gesundheit) und Maßnahmen zum Menschenrechtsschutz sowie zur Konfliktprävention. Im letzten Jahr wurden 5,66 Millionen Euro an Humanitärer Hilfe und seit 2010 insgesamt über 23 Millionen Euro an Übergangshilfe zur Verfügung gestellt. Daneben ist Deutschland über seinen Finanzierungsbeitrag zu den Entwicklungsprogrammen von EU, Weltbank, IWF und Afrikanischer Entwicklungsbank indirekt in erheblichem Umfang an der internationalen Entwicklungszusammenarbeit beteiligt. Der deutsche Anteil an erheblichen Hilfszahlungen der EU (bisher insgesamt rund 109 Millionen Euro) beläuft sich auf 20 Prozent.

Mit der Tschadseekommission, einer multilateralen, sechs Mitgliedstaaten umfassenden Organisation mit Sitz in N'Djamena, schloss die Bundesregierung im Herbst 2008 ein Abkommen, das der nachhaltigen Nutzung der Wasserressourcen im Tschadseebecken dient. Dieses Vorhaben wurde im April 2013 um eine weitere Maßnahme ergänzt, die sich auf den Klimawandel und seine Auswirkungen im Tschadseebecken konzentriert. Das Vorhaben hat einen Umfang von insgesamt 8,9 Millionen Euro.

Deutschland setzt sich im Übrigen für eine Förderung von Tschad aus Flüchlingsmitteln der EU ein.

Kulturelle Beziehungen

Staatliche und private Rundfunk und Fernsehsender beziehen Programme der Deutschen Welle zur Ausstrahlung. In geringem Umfang finden mit Deutschland verbundene Kulturveranstaltungen statt (Filmwoche, gelegentliche Theateraufführungen u.ä.). 

Das Deutschlandbild ist insgesamt positiv, aber konturenarm. In Tschad würde insbesondere ein stärkeres deutsches Engagement im Bereich der beruflichen Aus- und Fortbildung begrüßt.

Hinweis:

Dieser Text stellt eine Basisinformation dar. Er wird regelmäßig aktualisiert. Eine Gewähr für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Angaben kann nicht übernommen werden. 


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