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Wirtschaft

Stand: März 2015

Charakterisierung der taiwanischen Wirtschaft

Taiwan ist eine hoch entwickelte, stark exportabhängige Marktwirtschaft, die sich aufgrund der politischen Isolation darum bemüht, angesichts von zunehmenden bilateralen und regionalen Zusammenschlüssen nicht marginalisiert zu werden und wettbewerbsfähig zu bleiben. Mit 23 Mio. Einwohnern und einem BIP von 528 Mrd. US$ (per capita 22.518 US$) zählt Taiwan zu den 30 größten Volkswirtschaften und den 15 wichtigsten Handelsnationen der Welt.

Taiwan positioniert sich als verlässlicher Handelspartner, mit sehr gut ausgebildeten, dynamischen Fachkräften, einer guten Verkehrs-, Kommunikations- und IT-Infrastruktur, Rechtssicherheit, investitions- und innovationsfreundlichen Rahmenbedingungen, hoher Lebensqualität, einem zwar kleinen Binnenmarkt aber mit hoher Nachfrage nach Markenprodukten, einer idealen geografischen Lage in der Asien-Pazifik-Region und vor allem mit guten Verbindungen zur nahen VR China.

Eine Studie der Asian Development Bank sieht Taiwan an der Spitze der wissensbasierten Volkswirtschaften (vor Hong Kong und Japan) in Asien. Auch im „Global Competitiveness Report“ werden Taiwan immer wieder gute Noten ausgestellt (aktuell Platz 14), insbesondere als innovativem Standort mit starker Forschungs & Entwicklungs-Basis (1. Platz bei Cluster-Entwicklung). Beim „Global Entrepreneurship Index“ erreichte Taiwan Platz 8 und ist führend in Asien; somit zählt Taiwan zu den besten Plätzen für Unternehmer weltweit. Beim „Economic Freedom Ranking“ der Heritage Foundation verbesserte sich Taiwan 2014 auf den 14. Platz (von 186 Ländern, in Asien somit nur hinter Hongkong und Singapur). Besonders gelobt wird Taiwan für sein effizientes Unternehmensumfeld, hier vor allem niedrige Unternehmenssteuern und Lockerung von Vorschriften des Minimalkapitals von Gesellschaften.

Als einer der vier „asiatischen Tiger” hat Taiwan sich von einem agrarisch geprägten Land und arbeitsintensiver Industrie innerhalb einer Generation zu einer wertschöpfenden technologiebasierten Volkswirtschaft gewandelt. Nach dem Aufbau großer Exportkapazitäten ist Taiwan neben traditionellen Schwerindustrien wie der Petrochemie heute von IT-Produktion und Maschinenbau geprägt. Taiwan ist u.a. internationaler Vorreiter für e-Autos, das Internet der Dinge, Cloud Computing und 3D-Druck sowie in der Kreativindustrie. Taiwan ist ebenfalls auf dem Weg zu smarter, energieeffizienter und nachhaltiger Infrastruktur und Stadtentwicklung mit viel Potential für erneuerbare Energien.

In vielen IT-Produktgruppen ist Taiwan ein nicht wegzudenkender Teil etablierter Zulieferketten und Weltmarktführer bei vielen IT-Komponenten. Bei einer Reihe von IT-Bauteilen ist die weltweite IT-Branche auf taiwanische Schlüsselkomponenten angewiesen. Taiwanische Unternehmen produzieren vor allem als Original Equipment Manufacturer (OEM), bspw. Foxconn (HonHai) und treten meist nicht als Marke in Erscheinung. Daher steckt die Entwicklung eigener Marken für Kundenendprodukte noch in den Kinderschuhen (mit Ausnahmen wie HTC, ACER oder ASUS).

In Folge gestiegener Produktionskosten haben taiwanische Unternehmen bedeutende Teile der (End-)Fertigung in den 1990er und 2000er Jahren auf das chinesische Festland verlagert. In zunehmendem Maße verlagert sich dies aber nun ins chinesische Hinterland, nach Südostasien (vor allem Vietnam) und vereinzelt auch zurück nach Taiwan.

Die Verflechtung der taiwanischen Wirtschaft mit China schreitet mit der Entwicklung Chinas zum Kundenmarkt weiter fort. 40% aller taiwanischen Exporte gehen nach China (mit Hongkong). Taiwanische Unternehmen haben kumuliert beträchtliche Investitionen getätigt (geschätzt zwischen 80 und 280 Mrd. US$). Das sind ca. 60% der taiwanischen Auslandsinvestitionen. Allerdings verliert Taiwan in China seit kurzem trotz des 2010 mit China unterschriebenen Wirtschaftsrahmenabkommens (Economic Cooperation Framework Agreement, ECFA) Marktanteile in China.

Taiwan selbst will sich als Forschungs- und Entwicklungsstandort etablieren und auf ausbildungsintensive Hochtechnologien konzentrieren. So setzt sich das BIP heute nur noch zu ca. 2% aus dem Beitrag der Landwirtschaft, zu knapp 29% aus der Industrie und etwa 69% aus dem Anteil der Dienstleistungsbranche zusammen. Taiwan positioniert sich in Zukunftstechnologien, Industrie 4.0 und fördert zunehmend junge Unternehmer und Start-ups. ITRI (vergleichbar mit Fraunhofer-Institut, Top 100 Global Innovator Award) forscht zunehmend anwendungsorientiert und trägt mit seinen Dienstleistungen zur Innovations- und Wettbewerbsförderung hierzu bei. Ca. 3% des BIP werden für Forschung & Entwicklung aufgewendet.

Taiwan hat es bei seinem wirtschaftlichen Aufstieg geschafft, soziale Verwerfungen in der Gesellschaft weitgehend zu vermeiden. Dennoch werden die wachsenden Wohlstandsunterschiede und die mit am schnellsten alternde Gesellschaft der Welt ein immer größeres Thema. Auch stellen subventionierte Verbrauchskosten (u. a. Energie und Wasser) sowie aufgrund zu niedriger Löhne eine zu starke Abwanderung Hochqualifizierter Taiwan zunehmend vor Probleme. Eine moderate Arbeitslosenrate von regelmäßig um 4 Prozent, hohe Bildungsausgaben (ca. 12% des BIP), ca. 90% eines Jahrgangs, die das Abitur erreichen, und eine hohe Akademikerquote zeugen von einem gut ausgebildeten Personalangebot. Dennoch klagt die Wirtschaft über erheblichen Fachkräftemangel. Es wird am Bedarf vorbei ausgebildet. Einige Oberschulen (Senior Vocational Schools) bieten Berufsschulunterricht in Klasse 10-12, allerdings ist der Standard nicht mit klassischer deutscher dualer Berufsausbildung vergleichbar. Als einfache Arbeiter werden ausländische Gastarbeiter aus Südostasien ins Land geholt. Taiwan ist sehr an deutscher dualer Berufsausbildung interessiert, problematisch ist jedoch aufgrund der Fixierung auf einen Hochschulabschluss die mangelnde gesellschaftliche Akzeptanz einer solchen Ausbildung.

Mit Singapur und Neuseeland schloss Taiwan 2013 jeweils bilaterale Handelsabkommen ab, also erstmals mit Staaten, mit denen es keine diplomatischen Beziehungen unterhält. Auch im Hinblick auf den „Hauptkonkurrenten“ Korea strebt Taiwan an, den regionalen Freihandelsabkommen Trans-Pacific Partnership (TPP) und Regional Comprehensive Partnership (RCEP, ASEAN+6) schnellstmöglich beizutreten. Der Abschluss des Chinesisch-Koreanischen Freihandelsabkommen hat Taiwan unter enormen Druck gesetzt. Taiwan strebt ebenfalls ein Freihandels- oder zumindest Investitionsschutzabkommen mit der EU an. Die Bereitschaft zu signifikanten Liberalisierungsschritten muss Taiwan aber noch unter Beweis stellen.


Einfluss der Regierung

Die Regierung versucht seit der Liberalisierung der Wirtschaft in den 70er und 80er Jahren, die Eingriffe zu begrenzen (z. B. beim Arbeitsmarkt). Dennoch wird von Wirtschaft und Gesellschaft erwartet, dass sie steuernd und taiwanische Unternehmen unterstützend interveniert. Dabei stehen mittel- bis langfristig ausgelegte Wirtschaftspolitiken weniger im Vordergrund. Aufgrund der hohen Exportabhängigkeit Taiwans hat die Regierung in Krisensituationen wie 2008/2009 immer wieder konjunkturpolitisch eingegriffen. Auch schwächelnde Industriebranchen werden immer wieder auch finanziell unterstützt. Die Kabinettsumbildungen zum Jahreswechsel 2014/2015 lassen keine Änderung der bisherigen Politik erwarten.

Durch gesetzliche Restriktionen im Wirtschaftsverkehr mit China besteht staatlicher Regierungseinfluss fort, der aber schrittweise abgebaut wird. Gelegentlich behindern zu viel Bürokratie bei Zertifizierungen oder im Finanzmarkt unternehmerische Freiheiten.

Es existieren noch Unternehmen mit einer ausschließlichen oder einer Mehrheitsbeteiligung der öffentlichen Hand (u.a. Strommarkt, Bankensektor, Kraftstoffe, Transport). Öffentliche Versorgungssysteme arbeiten häufig mit Verlusten. Wichtige Aufsichtsbehörden sind die Fair Trade Commission und die Financial Supervisory Commission.

Ein erfolgreiches Beispiel der Infrastrukturpolitik sind die drei Science Parks in Hsinchu, Tainan und Zhunan, die Produktion, Arbeit, Leben und Freizeit miteinander vereinen. 2014 waren dort über 260.000 Arbeitnehmer angestellt. Es wurde ein Jahresumsatz von ca. 78 Mrd. US$ erzielt. Seit ihrer Gründung vor 30 Jahren sind sie zum Modell in vielen Ländern geworden. Taiwans zuverlässige Verwaltung und ein funktionierendes Rechtswesen bieten einen guten Rahmen für ein stabiles Investitionsklima.


Aktuelle Wirtschaftsentwicklung, Wirtschaftsklima

Nach schwungvoller Erholung aus seiner bislang schwersten Wirtschaftskrise 2008/2009 (mit Wachstumsraten von über 10% in 2010) enttäuschte Taiwan 2012 und 2013 mit einem Wachstum von lediglich 1,3% bzw. 2,2%. 2014 ist das taiwanische BIP um 3,74% gewachsen.

Die taiwanischen Exporte erreichten im Jahr 2014 ein Rekordhoch von 313,84 Mrd. US$ (+2,7%). Dies spiegelt die erhöhte globale Nachfrage nach in Taiwan hergestellten Elektronik- und Maschinenbaugütern sowie Transportausrüstung wider. Die Importe stiegen nur leicht um 1,6% auf 274,23 Mrd. US$.

Der Taiwan-Dollar (NT$) wertete 2014 leicht gegenüber dem US$ auf, was jedoch den Export Taiwans nicht weiter beeinträchtigte. Aufgrund der starken Abwertung des Euros gegenüber dem US-Dollar fiel der Wechselkurs auf 35,81 NT$ für 1 Euro zum Jahresende 2014, also um fast 10% gegenüber dem Vorjahresende. Entscheidend für Taiwans Wettbewerbsfähigkeit ist vor allem der koreanische WON, dessen Kursentwicklung im Vergleich zum NT$ genau beobachtet wird. Die Abwertung des japanischen YEN wird immer mehr ein Problem.

Nach nur 0,79% im Jahr 2013 lag die Inflationsrate 2014 bei 1,2%.

Die Arbeitslosenrate ist im Dezember 2014 auf 3,79% gefallen, den niedrigsten Dezemberwert seit 14 Jahren. Für das gesamte Jahr 2014 lag die Arbeitslosenrate bei 3,96% und damit so niedrig wie seit 2007 nicht mehr. Die Jugendarbeitslosigkeit (12,63%) und die Arbeitslosigkeit von Akademikern (4,99%) sanken ebenfalls. Die Erwerbsquote ist im Jahr 2014 zum fünften Mal in Folge gestiegen und liegt mit 58,54% weiterhin auf einem hohen Niveau.

Die Devisenreserven entsprachen mit 424 Mrd US$ zum Jahresende 2014 dem Vorjahresniveau und liegen weltweit an 5. Stelle.

Durch die starke Präsenz taiwanischer Banken auf dem chinesischen Markt sowie die sich verbessernden Wirtschaftsbeziehungen zwischen Taiwan und China bleibt die Volksrepublik der größte Schuldner Taiwans. Zuletzt veröffentlichte Daten der Zentralbank zeigen, dass die Forderungen taiwanischer Banken gegen China am Ende von Q3 2014 bei 53,59 Mrd. US$ lagen. Nach China sind Luxemburg, Hongkong und die USA auf einer Direktrisikobasis die größten Schuldner des Landes.

Der Diskontsatz der Zentralbank liegt seit Juli 2011 bei weiter konstant niedrigen 1,875%.

(Genehmigte) Auslandsinvestitionen nach Taiwan sind 2014 um 17% auf 5,77 Mrd. US$ gestiegen. Die beliebtesten Branchen für ausländische Investitionen waren der Finanz- und Versicherungssektor, die Elektronikteileherstellung, der Handel, der Immobilienmarkt sowie die Chemiebranche, die zusammen rund 70% der Auslandsinvestitionen in Taiwan 2014 ausmachten. Nach den British West Indies kamen mit 0,56 Mrd US$ die meisten ausländischen Investitionen aus Deutschland, was zu einem großen Teil auf Mercks Akquise von AZ Electronics PLC für 520 Mio US$ zurückzuführen ist. Insgesamt ist die EU der größte Investor in Taiwan.

Außerhalb Chinas investierte Taiwan 2014 7,3 Mrd. US$ (+39,4%) in 493 Projekte (+32,17%).


Einbindung in die Weltwirtschaft, Außenhandel

Taiwan ist seit 2002 als „Separates Zollgebiet Taiwan, Penghu, Kinmen und Matsu (Chinese Taipei)“ Mitglied der WTO und seit 1991 der APEC (als „member economy Chinese Taipei“). 2009 wurde Taiwan Mitglied des „Government Procurement Agreement (GPA)“ der WTO und kam damit einer langjährigen Forderung der ausländischen Unternehmen nach. Das GPA gewährt grundsätzlich einen besseren Zugang zu öffentlichen Aufträgen. Dennoch gewinnen ausländische Unternehmen insbesondere im Infrastruktur- und Baubereich kaum taiwanische Aufträge, da das Ausschreibungssystem durch zu einseitige Ausrichtung auf den niedrigsten Preis und bürokratische Vertragsregeln nicht leistungsorientiert ist und international bewährte Vergabeverfahren kaum nutzt.

Die „European Chamber of Commerce Taipei (ECCT)“ vertritt die Interessen europäischer (einschließlich deutscher) Unternehmen in Taiwan wirkungsvoll. Das Deutsche Wirtschaftsbüro Taipei (DWB) konzentriert sich auf den bilateralen Handel und Investitionen.

Mit etwa 4.000 Ausstellern auf über 90 deutschen Messen gehört Taiwan regelmäßig zu den 10 wichtigsten Ausstellerländern in Deutschland. Taiwan war größter Aussteller der Cebit 2014 mit 602 Ausstellern.

Die gtai unterhält ein Korrespondentenbüro in Taipei und veröffentlicht regelmäßig aktuelle Branchen- und Trendberichte zu Taiwan.

Aufgrund der starken Abhängigkeit vom Außenhandel ist Taiwan eine grundsätzlich offene Volkswirtschaft. Da Taiwans BIP-Wachstum von Exporten getragen wird, ist Taiwan auf freien Handel angewiesen. Nichttarifäre Handelshemmnisse wie Zertifizierungsbestimmungen, die mangelnde Anerkennung ausländischer Prüfsiegel oder Einschränkungen für Importe aus China stellen dennoch nicht unbedeutende Barrieren im sonst gut funktionierenden Handel mit Taiwan dar.


Verflechtungen mit Deutschland

Deutschland ist für Taiwan weiter mit Abstand der wichtigste Handelspartner in Europa und liegt insgesamt auf Platz 9. So ist Deutschland mit 6,15 Mrd. US$ Taiwans zehntwichtigste Exportdestination (Anteil: 2%, +9,3% im Vergleich zu 2013) und mit 9,4 Mrd. US$ sechstwichtigster Importeur (Anteil: 3,4%, +13,7% im Vergleich zu 2013).

Aus deutscher Sicht lag Taiwan im Jahr 2014 mit 13,96 Mrd. Euro Umsatz an 33. Stelle in der Rangfolge der Handelspartner (5. in Asien hinter Indien, vor Singapur)

Taiwanische Firmen investierten 2014 32,83 Mio. US$ in Deutschland, deutsche Firmen 558,79 Mio. US$ in Taiwan (ca. 10% aller genehmigten Auslandsinvestitionen in Taiwan). Seit 1952 haben deutsche Firmen 2,6 Mrd. US$ in Taiwan investiert.


Sozialstaatliche Elemente

Sozialstaatliche Elemente gibt es unter anderem in Form der nationalen Krankenversicherung, einer Arbeitslosenversicherung und von Sozialhilfe. Eine nationale Rentenversicherung wurde 2008 eingeführt. Vor allem das Gesundheitssystem ist ein an Kosteneffizienz orientiertes Basisversorgungssystem, was bei hoher Leistungsfähigkeit zu vergleichsweise niedrigen Kosten führt. Taiwans Gesellschaft gehört zu den am schnellsten alternden weltweit.Vor diesem Hintergrund und durch relativ großzügige Rentenzusagen ist das Pensions- und Rentensystem Taiwans dagegen dringend reformbedürftig. Eine entsprechende Initiative bestehend aus schrittweisen Beitragserhöhungen, Leistungsabsenkungen und Erhöhung des Renteneintrittsalters wurde im Februar 2013 von der Regierung gestartet, aber bislang nicht konsequent umgesetzt.


Umwelt- und Klimapolitik

Auch als Folge seiner schnellen wirtschaftlichen Entwicklung hat Taiwan mit Umweltproblemen zu kämpfen. Die Gründung einer Umweltschutzbehörde im Jahr 1987 markiert den Beginn einer kohärenteren Umweltpolitik: Die bisher verabschiedeten Umweltgesetze orientieren sich an Standards westlicher Industrieländer. Inzwischen wurden im Umweltbereich deutliche Erfolge erzielt. Erneuerbare Energien werden gefördert und eines der weltweit leistungsstärksten Mülltrennungs- und Wiederverwertungssysteme wurde aufgebaut.

Der subventionierte Elektrizitätsmarkt ist noch von altmodischen, monopolistischen Zügen gekennzeichnet. Die Energieversorgung ist nahezu zu 100 % importabhängig. Über 85 % der Primärenergieversorgung ist fossiler Herkunft, was für Taiwan kombiniert mit geringer Energieeffizienz in allen Bereichen OECD-weit einen der höchsten CO2-Ausstöße pro Kopf bedeutet. Industrie und Öffentlichkeit haben sich aber an die subventionierten Strom- und Benzinpreise gewöhnt, weshalb einige zaghafte Preiserhöhungen der Regierung in den letzten Jahren stets zu Protesten führten, obwohl private Haushalte und kleine Unternehmen hiervon weitgehend ausgenommen wurden.

Taiwan strebt an, schrittweise aus der Nutzung der Atomenergie auszusteigen. Die derzeit drei Atommeiler sollen 2019, 2023 und 2025 außer Betrieb gehen. Der 1992 genehmigte Bau einesvierten Atomkraftwerk ist nahezu fertiggestellt. Infolge großflächiger Proteste wurde jedoch dessen Fertigstellung im April 2014 unterbrochen. Seit der Katastrophe im März 2011 in Fukushima war mehrfach von der Regierung beabsichtigt, über die Zukunft des vierten Atomkraftwerks in einem Referendum abstimmen zu lassen. Innenpolitische Querelen haben dies bisher verhindert. Im Gefolge des Baustopps soll nun ein neuerlicher Anlauf unternommen werden – ein Zeitplan ist noch nicht absehbar. Trotz Förderung kommt der Ausbau der erneuerbaren Energien nur langsam voran. Letztere spielen bisher kaum eine Rolle im Energiemix. In der hiesigen Debatte über Atomkraft und Energieversorgung wird regelmäßig auf Deutschland rekurriert.


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