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Marokko

Wirtschaft


Stand: Dezember 2015

Wirtschaftsstruktur

König Mohamed VI. und die Regierung streben eine durchgreifende Modernisierung des Landes an. Marokko soll ein Schwellenland mit diversifizierter Industrie und wettbewerbsfähigem Dienstleistungssektor werden, das seine Chancen neben dem Hauptpartner EU im Maghreb und im französischsprachigen Afrika sucht. Auf der Habenseite stehen eine moderne Verkehrs- und Telekommunikationsinfrastruktur, niedrige Produktionskosten und die Nähe zum Hauptmarkt Europa. Investitionsanreize und Steuervorteile sorgen für Ansiedlungserfolge in der Kfz-Industrie (Montage, Zulieferung), Aeronautik und bei Callcentern. Daneben soll eine international wettbewerbsfähige klein- und mittelständische Industrie aufgebaut werden (Kabelindustrie, Elektrotechnik, Textil). Defizite bestehen bei Rahmenbedingungen wie Erziehungswesen (eine Mehrheit der Frauen und der Landbevölkerung sind Analphabeten), berufliche Qualifizierung, Bürokratieabbau, Rechtssicherheit, Markttransparenz und Korruptionsbekämpfung. Sorgen macht auch der anhaltende Arbeitsplatzverlust in alten Industrien wie bei Textil und Leder infolge mangelnder Wettbewerbsfähigkeit. Handlungsbedarf besteht ferner bei den Rentenkassen.

Seit einigen Jahren bestehen Förderprogramme für die Bereiche Industrie, Handel/Logistik, Digitalisierung, Landwirtschaft/Fischerei und Tourismus. Ziele sind Diversifizierung der Wirtschaft, Ankurbelung des Wachstums und Schaffung von Arbeitsplätzen. Bemerkenswert ist die laufend ausgebaute Infrastruktur bei Kommunikation (4G-Mobilfunknetz 2015) und Verkehr (moderne Autobahnen und Flughäfen, Erweiterung des Schienennetzes - TGV-Trasse Tanger-Casablanca im Bau, Ausbau Tiefsee-Containerhafen Tanger Med um Phase II, Projekt Energiehafen Nador West Med (Öl, Gas). Gebergemeinschaft und IWF unterstützen den Modernisierungskurs.
Die Landeswährung Dirham ist an einen Währungskorb aus Euro (80 Prozent) und USD (20 Prozent) gekoppelt. Aus sozialpolitischen Gründen werden Treibstoffe und Grundnahrungsmittel staatlich bezuschusst. Die Regierung plant eine Reform des Systems. Mit der internationalen Gebergemeinschaft besteht Einvernehmen, dass Subventionsabbau und Reformen im Steuer- und Rentenbereich sozialverträglich erfolgen müssen.

Landwirtschaft

Die Landwirtschaft trägt rund 15 Prozent zum Bruttoinlandsprodukt bei; sie bleibt damit der größte Arbeitgeber im Land und bindet fast die Hälfte der arbeitsfähigen Bevölkerung (ca. 45 Prozent). Neben einer traditionellen, kleinteiligen Landwirtschaft existiert eine moderne, in die nationalen und internationalen Märkte eingebundene Landwirtschaft. Mit dem "Plan Maroc Vert" verfolgt Marokko seit 2008 eine Strategie, die beiden Realitäten Rechnung tragen soll. Ziel ist, bis 2020 ca. 10 Milliarden US-Dollar zu mobilisieren (je zur Hälfte öffentliche und private Investitionen), um durch Professionalisierung der Landwirtschaft und Aufbau einer modernen Verarbeitungsindustrie Arbeitsplätze zu schaffen und andererseits einen Beitrag zur ländlichen Entwicklung zu leisten. Der Anteil am Bruttoinlandsprodukt soll sich bis dahin verdoppelt haben. Durch die umfangreichen Subventionsmaßnahmen im Rahmen des "Plan Maroc Vert" finden deutsche Landtechnik, Agrarchemie, Tiergenetik und Saatgut zunehmend Absatz. Deutschland unterstützt das Land bei der Aus- und Weiterbildung von Landwirten.

Tourismus

Knapp 6 Prozent der Marokko-Touristen sind Deutsche. Gute Infrastruktur, orientalisches Umfeld, abwechslungsreiche Landschaften und klimatische Vorzüge bieten Wachstumspotential. Das Tourismusministerium fördert verstärkt ökologisch-nachhaltigen Fremdenverkehr.

Internationale Verflechtung

Hoher außenwirtschaftlicher Öffnungsgrad (über 50 Freihandelsabkommen), marktwirtschaftliche Grundausrichtung und freier Wettbewerb werden in Marokko eingeengt durch mono- und oligopolartige Strukturen. Seit 2013 wird ein umfassendes Handels- und Dienstleistungsfreiheitsabkommen mit der EU verhandelt, welches das Assoziierungsabkommen von 2000 ersetzen soll. Das Freihandelsabkommen für landwirtschaftliche Produkte trat 2012 in Kraft, das Fischereiprotokoll Mitte 2014. Die EU-Außenbeauftragte Mogherini hat im Juli 2015 Rabat eine Art Antrittsbesuch abgestattet.

Schwierig bleibt das Verhältnis Marokkos zum Nachbarn Algerien. Abgesehen vom Energiebereich (Gasimport) und kleinem Grenzverkehr liegt der Handelsaustausch brach. Unter Ausklammerung des Themas Westsahara strebt Marokko ein auskömmlicheres Mitein­ander mit dem Nachbarland an. Verbunden ist hiermit das Ziel, die seit 20 Jahren geschlossene Grenze wieder zu öffnen und die Union des Arabischen Maghreb (Marokko, Algerien, Tunesien, Libyen, Mauretanien) politisch und wirtschaftlich zu beleben. Aktuell beträgt der innermaghrebinische Anteil am Außenhandel weniger als 2 Prozent. Von einem Regionalmarkt mit rund 93 Millionen Einwohnern würden alle Länder profitieren. Der marokkanische Außenhandel ist defizitär (Handelsbilanz 2013: - 20 Milliarden US Dollar = - 19 Prozent des Bruttoinlandsprodukts), weitgehend bedingt durch die Einfuhrrechnung für Öl und Gas. Die Exporte machen knapp 50 Prozent der Importe aus. Die Devisenreserven liegen stabil bei 20 Milliarden US Dollar, was einer Einfuhrdeckung von 4 Monaten entspricht.

Aktuelle Wirtschaftslage

Marokko ist wirtschaftlich stabil, der langjährige Aufschwung hält an. Die wirtschaftlichen Aussichten für 2015 sind gut (BIP-Prognose: 4,6 bis 4,8 Prozent; 2014: 2,8 Prozent), ursächlich hierfür sind reichlich Regen im Winter, steigende Überweisungen von Auslandsmarokkanern und ein niedriger Ölpreis, der die staatliche Subventionskasse entlastet. 2014 betrug die Inflationsrate 2 Prozent.

Marokko verfügt über eine moderne Verkehrs- und Telekommunikationsinfrastruktur, güns­tige Gestehungskosten, eine stabile Landeswährung und eine moderate, aber steigende Staatsverschuldung (2015: 68 Prozent, zum Vergleich 2011: 55 Prozent BIP). Belastend sind das Budgetdefizit (2015: -4 Prozent BIP erwartet) und – allerdings sinkende - Subventionen für Energie und Grundnahrungsmittel. Der Subventionsbedarf für Lebensmittel und Brennstoffe konnte allein im Verlauf von 2014 von 6,5 auf 3,5 Prozent des BIP gesenkt werden, fast alle makroökonomischen Daten (Budget-, Außenhandelsdefizit) verbesserten sich. Mittelfristig bleibt das größte sozialpolitische Defizit der Regierung Benkirane der Arbeitsmarkt. 2014 konnten nur 21.000 neue Arbeitsplätze geschaffen werden. Der Bevölkerungszuwachs in den aktiven Altersgruppen lag fast sechsmal höher. Niedrige Lohnstückkosten, billige Grundstücke und Investitionsanreize haben Marokko Ansiedlungserfolge bei der PKW-Fertigung (Renault-Dacia-Werk/Tanger), KfZ-Zulieferindustrie, Aeronautik und Call-Centern ermöglicht, bei allerdings geringen Beschäftigungseffekten. Marokko ist an deutschen Investitionen interessiert.

Umweltpolitik

Marokko ist als Land mit weit gediehenen Projekten im Bereich Erneuerbare Energien ein strategischer Partner für deutsche Energie- und Klimapolitik. Eine 2012 gegründete Bilaterale Energiepartnerschaft, die zuletzt im April 2015 in Rabat getagt hat, behandelt die Vorrangthemen Energieszenarien, Regulierungsfragen und Integration der Märkte Europa-Mittelmeerraum. So besitzt Marokko bspw. günstige natürliche Voraussetzungen bei der Erzeugung von Wind- und Solarenergie. Die Regierung will bis 2020 6.000 MW (= 42 Prozent der dann installierten Kraftwerkskapazität) aus erneuerbaren Energien gewinnen. Ende 2014 stellte Energieminister Amara die neue Photovoltaik-Strategie vor, die den marokkanischen Strommarkt auch für ausländische Investoren interessanter machen soll. Zentrale Ziele sind die Öffnung der Nieder-, Mittel- und Hochspannungsnetze für privat produzierten Strom, eine Regulierungsbehörde (2015) und der Ausbau der Photovoltaik-Industrie. Deutsche Firmen sind im Energiebereich als Projektentwickler, Ingenieurdienstleister und Zulieferer in Marokko gut im Geschäft. Dies gilt insbesondere für das Solarthermiekraftwerk Noor 1, das 2015 fertiggestellt sein soll. Aufträge für die Projekte Noor 2/3 sollten sich anschließen.
Im Gegensatz zu anderen Maghreb-Staaten verfügt Marokko mit Ausnahme von Phosphat über keine nennenswerten Bodenschätze. Energieträger wie Öl und Gas werden zu 95 Prozent für teure Devisen importiert.

Hinweis:

Dieser Text stellt eine Basisinformation dar. Er wird regelmäßig aktualisiert. Eine Gewähr für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Angaben kann nicht übernommen werden. 


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