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Marokko

Wirtschaft

Stand Juni 2014

Grundlinien der Wirtschaftspolitik

König Mohammed VI. und die Regierung streben eine durchgreifende Modernisierung des Landes an. Marokko soll zu einem Schwellenland mit diversifizierter Industrie und wettbe­werbsfähigem Dienstleistungssektor werden, das seine Chancen neben dem Hauptpartner EU verstärkt im Maghreb und im französischsprachigen Afrika sucht.

Marokko zeigt sich 2014 wirtschaftlich stabil, der langjährige Aufschwung hält an. Regierung und Zentralbank gehen 2014 von einer -Steigerung des Bruttoinlandsprodukts von 3-4 Prozent aus. Auf der Habenseite stehen eine kontinuierlich ausgebaute Verkehrs- und Telekommunikationsinfrastruktur, niedrige Produktionskosten und die Nähe zum Hauptmarkt Europa. Investitionsanreize und Steuervorteile sorgen für Ansiedlungserfolge in der Kfz-Industrie (Zulieferung), Aeronautik und bei Callcentern. Die Regierung hat auch erkannt, dass die Zukunft der marokkanischen Wirtschaft wesentlich vom Aufbau einer international wettbewerbsfähigen klein- und mittelständischen Industrie abhängt. Erste Erfolgsmodelle (Kabelindustrie, Elektrotechnik, Textil) zeigen, dass dieser Ansatz zielführend ist.

Fiskalpolitik

Die an einen Währungskorb aus Euro (80%) und USD (20%) gekoppelte Landeswährung Dirham ist stabil. 2013 lag die Inflationsrate zwischen 2 und 2,5 Prozent. Das Budgetdefizit bleibt 2014 mit voraussichtlich bis zu 5 Prozent des Bruttoinlandsprodukts hoch. Hauptgrund sind die Ausgaben der staatlichen Kompensationskasse, die aus sozialpolitischen Gründen  Treibstoffe und Grundnahrungsmittel 2013 mit 3,7 Milliarden Euro bezuschusst hat. Die Regierung plant eine umfassende Reform des Systems. Mit der internationalen Gebergemeinschaft sind sich die marokkanischen Verantwortlichen einig, dass Subventionsabbau und Reformen im Steuer- und Rentenbereich sozialverträglich erfolgen müssen.

Strukturpolitik

Seit einigen Jahren bestehen Förderprogramme für die Bereiche Industrie, Handel/Logistik, Digitalisierung, Landwirtschaft/Fischerei und Tourismus. Ziele sind die Diversifizierung der Wirtschaft, die Förderung des Wachstums und die Schaffung von Arbeitsplätzen. Bemerkenswert ist die laufend verbesserte Infrastruktur bei Kommunikation (4-G-Mobil­funknetz 2014/15) und Verkehr (moderne Autobahnen und Flughäfen, Erweiterung des Schienennetzes - TGV-Trasse Tanger-Casablanca im Bau, Ausbau Tiefsee-Containerhafen Tanger Med um Phase II, Projekt Energiehafen Nador West Med (Öl, Gas).

Günstige natürliche Voraussetzungen besitzt Marokko bei der Erzeugung von Wind- und So­larenergie. Die Regierung will bis 2020 6.000 MW (= 42% der dann installierten Kraftwerkskapazität) aus erneuerbaren Energien gewinnen. Deutschland unterstützt diesen zukunftsträchtigen Weg über seine Entwicklungszusammenarbeit und die seit 2012 bestehende Energiepartnerschaft. Im Gegensatz zu anderen Maghreb-Staaten verfügt Marokko mit Ausnahme von Phosphat über keine nennenswerten Bodenschätze. Energieträger wie Öl und Gas müssen zu über 95 Prozent  für teure Devisen importiert werden.  

Landwirtschaft

Die Landwirtschaft trägt rund 15 Prozent zum Bruttoinlandsprodukt bei, beschäftigt allerdings ca. 45 Prozent der Bevölkerung. Neben einer traditionellen, kleinteiligen Landwirtschaft existiert eine moderne, in die nationalen und internationalen Märkte eingebundene Landwirtschaft. Mit dem „Plan Maroc Vert“ verfolgt Marokko seit 2008 eine Strategie, die beiden Realitäten Rechnung tragen soll. Ziel ist, bis 2020 ca. 10 Milliarden US-Dollar zu mobilisieren (je zur Hälfte öffentliche und private Investitionen), um durch Professionalisierung der Landwirtschaft und Aufbau einer modernen Verarbeitungsindustrie Arbeitsplätze zu schaffen und andererseits einen Beitrag zur ländlichen Entwicklung zu leisten. Der Anteil am Bruttoinlandsprodukt soll sich bis dahin verdoppelt haben. Durch die umfangreichen Subventionsmaßnahmen im Rahmen des „Plan Maroc Vert“ finden deutsche Landtechnik, Agrarchemie, Tiergenetik und Saatgut zunehmend Absatz. Deutschland unterstützt das Land bei der Aus- und Weiterbildung von marokkanischen Landwirten.

Außenwirtschaftspolitik

Hoher außenwirtschaftlicher Öffnungsgrad (über 50 Freihandelsabkommen), marktwirt­schaftliche Grundausrichtung und freier Wettbewerb werden in Marokko eingeengt durch mono- und oligopolartige Strukturen. Seit 2013 verhandeln die EU und Marokko über ein umfassendes Abkommen zur Handels- und Dienstleistungsfreiheit, um das bestehende Assoziierungsabkommen aus dem Jahr 2000 zu ersetzen.

Schwierig bleibt das Verhältnis Marokkos zum Nachbarn Algerien. Abgesehen vom Ener­giebereich (Gasimport) und kleinem Grenzverkehr liegt der Handelsaustausch brach. Unter Ausklammerung des Reizthemas Westsahara strebt Marokko ein auskömmlicheres Mitein­ander mit dem Nachbarland an. Verbunden ist hiermit das Ziel, die seit bald 20 Jahren ge­schlossene Grenze wieder zu öffnen und die Union des Arabischen Maghreb (Marokko, Algerien, Tunesien, Libyen, Mauretanien) politisch und wirtschaftlich zu beleben. Aktuell beträgt der innermaghrebinische Anteil am Außenhandel weniger als 2%. Von einem Regionalmarkt mit rund 93 Millionen Einwohnern würden alle Länder profitieren. Seit einigen Jahren bestehen Freihandelsabkommen mit den „Agadir-Partnern“ Ägypten, Jordanien und Tunesien sowie der Türkei.

Der marokkanische Außenhandel ist defizitär (Handelsbilanz 2013: - 20 Milliarden US Dollar = - 19 % des Bruttoinlandsprodukts), weitgehend bedingt durch die teure Einfuhrrechnung für Öl und Gas. Die Exporte machen knapp 50 Prozent der Importe aus. Die Devisenreserven liegen stabil bei 20 Milliarden US Dollar was einer Einfuhrdeckung von gut 4 Monaten entspricht.

Tourismus

Knapp 6 Prozent  der Marokko-Touristen sind Deutsche (zwischen Januar und Oktober  2013 470.000). Gute Tourismusinfrastruktur, orientalisches Umfeld, abwechslungsreiche Landschaften und klimatische Vorzüge bieten Wachstumspotential. Das Tourismusministerium will verstärkt ökologische Aspekte (nachhaltiger Fremdenverkehr) fördern.  

Hinweis:

Dieser Text stellt eine Basisinformation dar. Er wird regelmäßig aktualisiert. Eine Gewähr für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Angaben kann nicht übernommen werden. 


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