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Japan

Beziehungen zwischen Japan und Deutschland

Stand: November 2016

Grundlagen

Das bilaterale Verhältnis Deutschlands zu Japan ist traditionell freundschaftlich. In den vergangenen Jahrzehnten hat es sich zu einer engen außenpolitischen Zusammenarbeit verdichtet. 2011 feierten Deutschland und Japan das 150-jährige Jubiläum der Aufnahme diplomatischer Beziehungen.

Als rechtsstaatliche Demokratien und Mitgliedsstaaten der G7 und G20 teilen Deutschland und Japan gemeinsame Werte und sind politisch, wirtschaftlich und gesellschaftlich vielfältig miteinander verbunden. Als Partner in globaler Verantwortung arbeiten sie eng zusammen, bei Fragen der Abrüstung und Nichtverbreitung wie auch in Afghanistan oder Südsudan und bei der Bekämpfung der Piraterie vor der Küste Somalias. Bei Überlegungen zur Reform des Sicherheitsrates der Vereinten Nationen gibt es eine enge politische Abstimmung im Rahmen der G4 (gemeinsam mit Brasilien und Indien). Die Zusammenarbeit im wirtschaftlichen, kulturellen und wissenschaftlichen Bereich zwischen den beiden Wirtschaftsmächten bietet ebenfalls großes Entwicklungspotenzial. Japan ist nach China wichtigster Wirtschafts- und Handelspartner Deutschlands in Asien.

Besuche deutscher Parlamentarier in Japan finden regelmäßig statt. Reisemöglichkeiten für japanische Politiker sind aufgrund der strikten Anwesenheitspflicht während der relativ langen Sitzungsperioden im japanischen Parlament dagegen eingeschränkt. Dennoch haben in jüngerer Zeit zahlreiche hochrangige Besuche in beiden Ländern stattgefunden: Außenminister Kishida ist für bilaterale Gespräche mit Außenminister Steinmeier im September 2014 und zum G7-Außenministertreffen 2015, Premierminister Abe im Mai 2016 in Vorbereitung des G7-Gipfels in Japan zu Gesprächen mit Bundeskanzlerin Merkel nach Deutschland gereist. Außenminister Steinmeier reiste im April 2014 nach Tokyo und nahm im Anschluss an den bilateralen Besuch am 8. Ministertreffen der Nichtverbreitungs- und Abrüstungsinitiative (NPDI) in Hiroshima teil. Die Bundeskanzlerin traf am 9. und 10. März 2015 bei ihrem bilateralen Besuch vor dem G7-Gipfel in Deutschland den japanischen Kaiser, Regierungschef Abe und den Oppositionsführer Okada und sprach unter anderem mit Wissenschaftlern, weiblichen japanischen Führungskräften und deutschen Firmenvertretern. 2016 nahmen Außenminister Steinmeier am G7-Außenministertreffen und Bundeskanzlerin Merkel am G7-Gipfel in Japan teil. Im November 2016 besuchte der Bundespräsident Japan und hat das japanische Kaiser- und Kronprinzenpaar, Premierminister, Premierminister Abe, die Oppositionsführerin Renho und weitere Politiker, Wissenschaftler und deutsche und japanische Firmenvertreter getroffen.

Wichtigste multilaterale Foren für die Zusammenarbeit mit Japan sind die Vereinten Nationen, die G7- und die G20-Gruppe sowie die Europäisch-Asiatischen Gipfeltreffen (ASEM). Japan ist partnerstaat von OSZE und NATO. Die EU ist darüber hinaus Mitglied im ASEAN Regional Forum (ARF), in dem sicherheitspolitische Fragen in Asien diskutiert werden. Die laufenden Verhandlungen für ein EU-Japan-Freihandelsabkommen einerseits und ein umfassendes politisches Rahmenabkommen andererseits zielen auf eine weitere Aufwertung der strategischen Wertepartnerschaft der Europäischen Union mit Japan.


Bilaterale Foren und Gremien

Dem Japanisch-Deutschen Zentrum Berlin (JDZB) kommt bei der Pflege der bilateralen Beziehungen besondere Bedeutung zu. Das JDZB ist ein Institut mit breitem Tätigkeitsfeld in den Bereichen Wirtschaft, Wissenschaft, Kultur und Politik. Es wurde 1985 auf Initiative von Premierminister Yasuhiro Nakasone und Bundeskanzler Helmut Kohl gegründet und wird von der Bundesregierung, dem Senat Berlin und der japanischen Regierung gemeinsam finanziert. 2015 feierte das JDZB sein 30-jähriges Gründungsjubiläum.

Neben hochkarätigen Symposien, Vortragsveranstaltungen, Ausstellungen und Konferenzen in Japan und Deutschland ist das JDZB deutsches Sekretariat des im jährlichen Wechsel in Deutschland und Japan tagenden Deutsch-Japanischen Forums (DJF), zuletzt im Oktober 2016 in Berlin. Das DJF unterbreitet den beiden Regierungen Vorschläge zur Gestaltung der bilateralen Beziehungen und zur gemeinsamen Wahrnehmung globaler Verantwortung. Ihm gehören unabhängige Vertreter aus Politik, Wirtschaft, Wissenschaft und Kultur sowie den Medien an.


Wirtschaft

Nachdem der Handelsaustausch zwischen Deutschland und Japan in den davorliegenden vier Jahren regelmäßig gestiegen war, ist im Jahr 2014 mit einem Handelsvolumen von 35,9 Mrd. Euro ein leichter Rückgang zu verzeichnen gewesen (2013: 36,6 Mrd. Euro). 2015 war jedoch wieder eine Steigerung zu verzeichnen (Handelsvolumen: 37,2 Mrd. Euro).

Japanische Importe aus Deutschland betrugen 2015 17 Mrd. Euro (2014: 16,9 Mrd. Euro). Japanische Exporte nach Deutschland hatten 2015 ein Volumen von 20,2 Mrd. Euro, nach 19,0 Mrd. Euro im Vorjahr, was einer Steigerung um 6,5% entspricht. Bei den deutschen Importen belegte Japan im Jahr 2015 Platz 15 aller Importeure und bei den Exporten Platz 19 aller deutschen Außenhandelspartner.

Der Anteil Japans am Welthandel ist zwar mit rund 4% geringer als der Anteil Deutschlands (7,1%, Stand 2014), Japan liegt damit aber immer noch auf Platz drei der internationalen Vergleichsliste. Die vergleichsweise niedrigen Zahlen drücken nur unzureichend die Bedeutung Japans für die Weltwirtschaft und für die deutsche Produktion aus, da viele deutsche Produkte auf Komponentenzulieferungen aus dem Hochtechnologieland Japan angewiesen sind. Sie können kaum substituiert werden, denn je komplexer die Vorprodukte sind, desto schwieriger sind alternative Anbieter zu finden. Japanische Unternehmen besitzen auf einigen Produktmärkten, etwa für elektronische Steuer- und Speicherbausteine, eine weltweit herausragende Stellung.


Wissenschaft

Seit 1974 besteht ein Regierungsabkommen über die Zusammenarbeit auf wissenschaftlich-technologischem Gebiet. Schwerpunkte der öffentlich geförderten bilateralen Zusammenarbeit sind derzeit Meeresforschung, Geowissenschaften, Lebenswissenschaften, physikalische Grundlagenforschung und Umweltforschung. Neben dem Abkommen auf der Regierungsebene bestehen zur Zeit mehr als 300 Kooperationsvereinbarungen zwischen deutschen und japanischen Hochschulen, ergänzt durch zahlreiche Projektabkommen und Kooperationsvereinbarungen außeruniversitärer Forschungsinstitute wie der Fraunhofer Gesellschaft, der Max-Planck-Gesellschaft, der Helmholtz-Gemeinschaft deutscher Forschungszentren und der Wissenschaftsgemeinschaft Gottfried Wilhelm Leibniz e.V. mit japanischen Partnerorganisationen. Im Februar 2013 hat zudem das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) eine Repräsentanz in Tokyo eröffnet. Die Kooperation wurzelt auch in dem regelmäßigen Austausch von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern im Rahmen von Stipendienprogrammen des DAAD und der Alexander-von-Humboldt-Stiftung sowie durch die von der Deutschen Forschungsgemeinschaft geförderten Projekte in Zusammenarbeit mit der Japan Society for the Promotion of Science (JSPS). 2015 wurde ein Rahmenabkommen zwischen der Hochschulrektorenkonferenz und ihren drei japanischen Partnern unterzeichnet.

Um den deutschen Beitrag zur internationalen Zusammenarbeit im Wissenschaftsbereich noch sichtbarer zu machen, wurde im Rahmen der 'Initiative Außenwissenschaftspolitik' auch in Tokyo ein Deutsches Wissenschafts- und Innovationshaus (DWIH) geschaffen. Konsortialführer für das Projekt in Tokyo sind die Deutsche Industrie- und Handelskammer in Japan (DIHKJ) und die Hochschulrektorenkonferenz (HRK). Das DWIH richtet mehrmals jährlich mit Partnern aus der deutschen und japanischen Wissenschaft Symposien und Workshops aus. Darüber hinaus unterstützt das DWIH Studienreisen und Workshops deutscher Hochschulen in Japan. Mit dem 2008 geschaffenen 'German Innovation Award – Gottfried Wagener-Preis', hinter dem neun technologieorientierte deutsche Unternehmen mit Forschungseinrichtungen in Japan stehen, wird seitens der Sponsoren und des DWIH das Ziel verfolgt, nachhaltige Netzwerke und Partnerschaften deutscher Unternehmen mit japanischen Forschungsinstituten und Hochschulen zu etablieren. Schirmherrin ist die Bundesministerin für Bildung und Forschung. Vorsitzender der Jury ist Professor Dr. Masuo Aizawa (JST).


Kultur und Bildung

Der kulturelle Austausch zwischen Deutschland und Japan ist intensiv und vielseitig. Das dichte kulturelle Netzwerk mit 58 Japanisch-Deutschen Gesellschaften in Japan, 50 Deutsch-Japanischen Gesellschaften in Deutschland, 630 bilateralen Hochschulkooperationen, etwa 250 deutschsprachigen Lektoren, derzeit 60 Städtepartnerschaften (darunter fünf Präfektur-Partnerschaften) und den drei Zweigstellen des Goethe-Instituts in Tokyo, Osaka und Kyoto ist Basis und Ausgangspunkt vielfältiger Veranstaltungen.

Zahlreiche Konzerte prominenter deutscher Orchester und Musiker sowie erstklassige Ausstellungen deutscher Museen und Sammlungen geben dem künstlerischen Austausch Substanz.

Zuletzt gastierten die Münchner Philharmoniker, die Berliner Staatskapelle, das Hamburger Ballett und die Deutsche Kammerphilharmonie Bremen in Japan.

Die Goethe-Institute in Tokyo und Osaka bieten Deutschkurse, Kultur- und Informationsprogramme, im Goethe-Institut Kyoto (Villa Kamogawa) wird seit dem Frühjahr 2011 ein 'Artist in Residence'-Programm angeboten. Im April 2016 eröffnete das Goethe-Institut Tokyo eine Zweigstelle in Yokohama, die dem Soracherwerb dient. Hinzu kommt das Angebot der Deutschen Gesellschaft für Natur- und Völkerkunde Ostasiens (OAG) in Tokyo und das Deutsche Haus Naruto auf der Insel Shikoku. Wichtigste kulturelle Mittlerorganisationen Japans in Deutschland sind das Japanische Kulturinstitut in Köln und das gemeinsam betriebene Japanisch-Deutsche Zentrum Berlin. Seit über 100 Jahren gibt es die Deutschen Schulen in Yokohama und Kobe. Japanische Schulen in Deutschland gibt es in Düsseldorf, Berlin, Frankfurt, Hamburg und München.

Zwischen deutschen und japanischen Universitäten findet im Rahmen zahlreicher Hochschulkooperationen ein reger wissenschaftlicher Austausch statt. An der renommierten Universität Tokyo ist Deutschland zudem mit einem geförderten Zentrum für Deutschland- und Europastudien (seit 2000). Die Gesamtzahl der japanischen Studierenden in Deutschland ist seit Anfang der 90er Jahre um etwa 50% auf rund 2.200, die Zahl deutscher Studierenden in Japan trotz der Sprachbarriere im Jahr 2014 auf rund 570 gestiegen. Das DAAD-Büro Tokyo betreut eine Vielzahl von Stipendienprogrammen auch für die japanische Seite und vertritt die Alexander von Humboldt-Stiftung, die in Japan über eines der weltweit größten und aktivsten Alumni-Netzwerke verfügt. Das seit Herbst 2008 angebotene Alumni-Portal Deutschland ist Netzwerk, Kontaktbörse und Wissensvermittler zugleich.

Für die Förderung des Wissenschaftsaustauschs ist der seit 1979 jährlich vergebene, vom Bundespräsidenten persönlich überreichte und mit 50.000 Euro hochdotierte Philipp-Franz-von-Siebold-Preis besonders bedeutsam. Aktueller Preisträger 2016 ist der Politikwissenschaftler Dr. Takashi Kawasaki, Professor an der Sophia Universität Tokyo. 

Der rege Schüler- und Jugendaustausch ist seit den 70er Jahren institutionell etabliert. Er wird unter Federführung des deutschen Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend und des japanischen Ministeriums für Bildung, Kultur, Sport, Wissenschaft und Technologie (Sportjugendsimultanaustausch: seit 1974 fast 10.000 Jugendliche), von den Japanisch-Deutschen und den Deutsch-Japanischen Gesellschaften, im Rahmen der Städtepartnerschaften und dem Japanisch-Deutschen Zentrum Berlin (Takenoko-Fonds für Schüleraustausch aus Mitteln von Mercedes-Benz und Young Leaders Forum aus Mitteln der Robert Bosch-Stiftung) organisiert.

Der Deutsche Film und das regelmäßig stattfindende Deutsche Filmfestival des Goethe-Instituts in Tokyo finden regen Anklang. Auch beim European Filmfestival wird regelmäßig ein deutscher Beitrag gezeigt, 2016 der Film 'Wir sind jung. Wir sind stark' von Burhan Qurbani. Japan ist weltweit der zweitgrößte Filmmarkt und bietet dem Import deutscher Filme gute Chancen. Filmfestivals auf deutscher Seite gibt es darüber hinaus auch mit den jährlich stattfindenden japanischen Filmfestivals 'Nippon Connection' in Frankfurt am Main oder dem Japan-Filmfest Hamburg.


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