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Türkei

Kultur- und Bildungspolitik, Medien

Stand: Juni 2017

Bildungssystem

Die türkische Bevölkerung ist sehr jung - etwa 25 Prozent sind im schulpflichtigen Alter. Deshalb hat der Bildungssektor große Bedeutung für die weitere Entwicklung des Landes. Im Schuljahr 2016/17 wurden 17,32  Millionen Schülerinnen und Schüler in Grund-, Mittel- und weiterführenden Schulen unterrichtet. 

Die AKP-Regierung unternimmt seit ihrem Amtsantritt im November 2002 umfangreiche und tiefgreifende Umstrukturierungen des Bildungswesens. Nach einer Bildungsreform im Jahre 2004 (Erhöhung der Schulpflichtzeit an den Gymnasien von drei auf vier Jahre), wurde im Zuge des letzten tiefgreifenden Bildungsreformgesetzes vom April 2012 die Schulpflicht von acht auf zwölf Schuljahre angehoben. Das Einschulungsalter wurde auf 5,5 Jahre herabgesetzt. Der Schulbesuch gliedert sich nunmehr in je vier Jahre Grundschule, Mittelschule und Oberschule. Ab dem fünften Schuljahr ist auch ein Wechsel in eine religiöse Imam-Hatip-Schule möglich. Der Besuch der Oberschule ist auch im Wege von Fernunterricht möglich. Bemühungen hinsichtlich eines stärker religiös geprägten Bildungssystems setzen sich weiterhin fort.

Im Zuge der Reform ist es seit dem Schuljahr 2013/14 erstmalig in der Geschichte der Türkei auch möglich, Sprachunterricht in den regionalen Muttersprachen wie Kurdisch (Kurmandschi und Zaza) und Tscherkessisch mit zwei Wochenstunden als Wahlpflichtfach an allgemeinbildenden staatlichen Mittelschulen und Imam-Hatip-Mittelschulen zu wählen. Lehrmaterial für diese Sprachen und Dialekte wurden vom Ministerium für Nationale Erziehung erarbeitet. Die Nachfrage nach regionalem Sprachunterricht blieb bislang hinter den Erwartungen zurück.

Der verpflichtende Fremdsprachenunterricht wird seit dem Schuljahr 2012/13 ab der zweiten Klasse mit jeweils zwei, ab der Mittelstufe mit vier Wochenstunden angeboten. Insgesamt erhalten rund 140.000 Schülerinnen und Schüler Deutschunterricht. Die Tatsache, dass ab 2005 an ausgewählten Gymnasien die zweite Pflichtfremdsprache wieder eingeführt wurde, hat insbesondere die Stellung des Deutschunterrichts an türkischen Schulen gestärkt. Im Bereich der zweiten Fremdsprache rangiert Deutsch in der Türkei mit ca. 90% deutlich an erster Stelle. Der Bedarf insbesondere an Deutschlehrerinnen und Deutschlehrern steigt dadurch weiter an. In der Türkei sind ca. 90 von der Zentralstelle für das Auslandsschulwesen (ZfA) vermittelte Lehrerinnen und Lehrer tätig.

Bei ihren Bemühungen zur Reform des Bildungswesens wird die Regierung von der EU und UNICEF unterstützt – wobei letztere vor allem auch ein Interesse daran haben, Chancengleichheit für alle Einkommensschichten und für Mädchen zu erreichen.

Hochschulen

Der türkische Hochschulrat (YÖK) koordiniert Finanzen, Inhalte und Personalplanungen der Hochschulen. Er betreibt mit Nachdruck die Internationalisierung der türkischen Wissenschaft.

Wegen des Fehlens eines dualen Ausbildungssystems und aufgrund der demographischen Entwicklung besteht in der Türkei seit jeher ein starker Andrang an den Universitäten. Insgesamt studierten im Studienjahr 2016/2017 rund 7 Mio. Personen an 112 staatlichen Universitäten und 65 staatlich anerkannten privaten Stiftungsuniversitäten. Es gibt rund 151.000 Hochschulbeschäftigte.

Dabei erhalten nur ca. 40%der türkischen Schulabgängerinnen und Schulabgänger mit Hochschulzugangsberechtigung die Möglichkeit, ein Hochschulstudium aufzunehmen. Die Studiengebühren an den privaten Universitäten betragen zwischen 5.000 und 12.000 US-Dollar pro Jahr. Die staatlichen Universitäten sind finanziell vergleichsweise weniger gut ausgestattet. Der Anteil des BIP, der in Forschung und Entwicklung investiert wird, beträgt etwa 1%. An türkischen Universitäten studieren rund 81.500 Ausländer.

Seit 2010 hat sich die Zahl der Hochschulkooperationen zwischen der Türkei und Deutschland in etwa verdreifacht. Zuletzt ging die Zahl geringfügig auf nunmehr 1.281 Kooperationen zurück..

Straf- und dienstrechtliche Maßnahmen gegen türkische Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler sowie gegen Hochschulpersonal (z.B. Suspendierungen, Strafverfahren, Inhaftierungen) nach der Unterzeichnung eines Aufrufs zur Kurdenpolitik im Januar 2016 sowie nach dem Putschversuch vom 15.07.2016 haben große Besorgnis über die akademische Freiheit in der Türkei hervorgerufen.

Berufliche Bildung

Jugendliche, die im formellen Bildungsweg berufliche Kenntnisse erwerben wollen, können nach Abschluss der 8. Klasse ein Berufsgymnasium (Meslek Lisesi) besuchen, das neben dem türkischen Gymnasialabschluss eine überwiegend schulische „Berufsausbildung“ anbietet. Die berufsbildenden Schulen liegen in ihrem Ansehen weit hinter den allgemeinbildenden Gymnasien (Lise) und wurden bislang meist nur bei Nichtbestehen der Aufnahmeprüfung für ein allgemeinbildendes Gymnasium gewählt.

Darüber hinaus bestehen in deutlich geringerer Anzahl Berufsschulen, die eine duale Ausbildung (in Anlehnung an das deutsche System) anbieten. Schüler, die eine derartige Ausbildung machen, erhalten ein Drittel des Mindestlohns und sind staatlich sozialversichert. Wirtschaftsverbände und -kammern fordern eine weitergehende Förderung der beruflichen Bildung, um junge Menschen besser auf die Anforderungen des Arbeitsmarkts vorzubereiten. Sie initiieren hierzu auch verschiedene Kooperationen mit ausländischen Firmen und Hochschulen.

Neben der schulischen und dualen Ausbildung existiert weiterhin auch die traditionelle – weitgehend außerschulische – Lehrlingsausbildung.

Durch die Verlängerung der Schulpflicht von acht auf zwölf Schuljahre im Rahmen der Reformen von 2012 ist die Schülerzahl in den Berufsgymnasien deutlich angestiegen. Die Zahl der außerschulischen Lehrlingsausbildungen wird voraussichtlich hingegen weiter sinken.


Medien

Seit Aufhebung des staatlichen Monopols für Rundfunk und Fernsehen 1993 hat sich eine Vielzahl privater Fernsehsender etabliert, die kommerzielle, oft aber auch politische Interessen verfolgen. Die Medienlandschaft ist wirtschaftlich stark konzentriert und mit anderen wirtschaftlichen Interessen – Banken, Stromerzeugung, Mobilfunk – in großen Holdings verbunden (Doğan-Gruppe, Doğus-Gruppe, Çukurova-Gruppe, Çalik-Gruppe). Die größte Mediengruppe ist die Doğan-Medien-Holding (Hürriyet, Milliyet, Kanal D, CNN-Türk u.a.), an der auch die deutsche Axel-Springer AG beteiligt ist.

Die Pressefreiheit ist verfassungsrechtlich zwar verankert. In der Praxis sind Presse- und Meinungsfreiheit jedoch stark eingeschränkt. Seit dem Putschversuch vom 15. Juli 2016 wurden knapp 200 überwiegend kurdische oder als Gülen-nah geltende Medienorgane geschlossen. Durch die Schließungen gibt es nur noch eine kleine Anzahl unabhängiger (Oppositions-) Medien. Freie Presseberichterstattung ist für die verbleibenden Medien aufgrund von Drohungen, Verhaftungen ihrer Mitarbeiter und Selbstzensur kaum mehr möglich. Seit Jahresbeginn wurden Dutzende weitere Journalisten wegen angeblicher Terrorpropaganda und Unterstützung von oder Mitgliedschaft in terroristischen Organisationen in Haft genommen – darunter prominent der deutsch-türkische Die Welt-Korrespondent Deniz Yücel. Journalisten der Dogan-Gruppe (zu der die auflagenstärkste Tageszeitung Hürriyet sowie der quotenstarke Sender CNN Türk gehören), die sich in der Referendumskampagne öffentlich für ein „Nein“ ausgesprochen hatten, wurden entlassen. Reporter ohne Grenzen stufte die Türkei in ihrem Bericht vom April auf Platz 155 (von 180) vier Ränge nach unten.

Hinweis:

Dieser Text stellt eine Basisinformation dar. Er wird regelmäßig aktualisiert. Eine Gewähr für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Angaben kann nicht übernommen werden. 


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