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Bulgarien

Wirtschaft

Stand: Januar 2015

Grundlagen

Nach ansehnlichen Wachstumsraten zwischen 2000 und 2008 – meistens über 6 Prozent - ging der weltweite Konjunktureinbruch 2009 auch an Bulgarien nicht spurlos vorüber: Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) sank um 5,5 Prozent. 2010 wurde die Wende geschafft: +0,2 Prozent; 2011: +1,8, 2012 +0,8; 2013: +0,9; 2014: + 1,5 (Prognose). Das Bruttoinlandsprodukt Bulgariens beträgt rund 40 Mrd. Euro = 1,5 Prozent des deutschen BIP. Die Aussichten werden getrübt durch deflationäre Tendenzen und die Erschütterung durch die Krisen zweier Banken im Jahr 2014. Positiv ist, dass das Land mit dem Staatshaushalt 2015 zu der jahrelangen Tradition eines geringen Staatsdefizits zurückkehrt.

Bulgarien hat als ärmstes EU-Land mit rund 46 Prozent des EU-BIP pro Kopf (nach Kaufkraftstandards den Abstand zu den anderen Mitgliedstaaten noch nicht aufholen können.

Die öffentliche Infrastruktur, insbesondere im Verkehrs- und Gesundheitswesen, sowie bei Bildung und Forschung, ist noch wenig entwickelt. Staatliche Unternehmen sind überschuldet (Bahn, Energiesektor, Krankenhäuser) und können nicht privatisiert werden. Das Land leidet unter Bevölkerungsrückgang (Weltbank September 2013).


Aktuelle Wirtschaftslage

Trotz mehrerer politischer Machtwechsel innerhalb kurzer Zeit gelang Bulgarien eine Verbesserung im „Global Competitiveness Ranking“ des World Economic Forums (WEF) auf Platz 54 (von 144 Staaten). Die Gesellschaft der Bundesrepublik Deutschland für Außenwirtschaft und Standortmarketing (Germany Trade & Invest, GTAI) beurteilt Bulgarien im regionalen Vergleich für vom Export lebende Geschäftsfelder positiv, vor allem in der IT- und Elektrotechnikbranche, im Maschinenbau, in der Automobilindustrie und in der Umwelttechnik. Bulgarien bleibt aber laut Weltbank das am meisten von demographischen Wandel betroffene Land. Es erhielt beim WEF den 142. von 144 Plätzen dabei, Talente (mit Ausnahme des mit 10 Prozent weiter wachsenden IT-Sektors) ans Land binden zu können.

Bulgarien ist energetisch stark von russischen Rohstoffen abhängig (bei Gas: 85 Prozent, Nuklear 100 Prozent, Raffinerien in russischer Hand).

Die letzten Wirtschaftsdaten für 2014 (Stand: 31.12.2014) lauten: Bruttoinlandsprodukt +1,5 Prozent (1,7 Prozent lt. EU-Kommission), Inflation (Jahresdurchschnitt): -0,9 Prozent, Bruttoverschuldung des Staates: 27,9 Prozent des BIP, durchschnittlicher Arbeitslohn: 442 Euro, Haushaltsdefizit: -3,7 Prozent, Leistungsbilanzüberschuss: 0,04 Prozent, ausländische Direktinvestitionen: 1,2 Mrd. Euro (-7,3 Prozent im Vergleich zu 2013), Arbeitslosenquote: 10,8 Prozent (Ende 2013: 13,1 Prozent).

Um einen Automobilproduktionsstandort bemüht sich Bulgariens „Automotive Cluster“, der von zahlreichen Zulieferbetrieben getragen wird. Nahe der neuen Autobahnbrücke zu Rumänien wurde in Vidin (ehemals 100.000, jetzt 40.000 Einwohner) ein Projekt für einen Auto-Hersteller konzipiert, der 200.000 Kraftfahrzeuge im Niedrigsegment pro Jahr produzieren möchte. Das Projekt enthält einen Masterplan zur Ansiedlung von 10.000 Arbeitnehmern (plus Familien, insgesamt 50.000 Personen). Derzeit produziert in Bulgarien nur das chinesische Unternehmen „Great Wall“ in geringer Stückzahl PKWs und kleine Nutzfahrzeuge.

Ein bei der DBIHK angesiedeltes Cluster „Duale Ausbildung“ will mit einem Pilotvorhaben weniger personalstarke Unternehmen einbeziehen und in Bulgarien demonstrieren, dass berufliche Bildung vorteilhafter als ein Hochschulstudium mit ungewissem Ausgang sein kann. Die deutschen Firmen Lufthansa Technik, ABB und Festo haben ihr Engagement erweitert, wobei große Unternehmen (auch z.B. Liebherr und Pirin Tex) Elemente einer Dualen Ausbildung in die eigenen Hände nehmen.

Oberste Priorität der bulgarischen Finanzpolitik war bislang ein weitgehend ausgeglichener Staatshaushalt. 2014 war diese Zielsetzung durch die Bewältigung der Bankenkrise aus dem Juni 2014 gefährdet, die primär die systemrelevante KTB, die viertgrößte Bank des Landes betroffen hat. Der Staatshaushalt 2015 bringt eine Rückkehr zu dem Maastricht-Kriterium einer Begrenzung der Neuverschuldung auf 3 Prozent.

Seit 1997 ist die Landeswährung Lev an den Euro gebunden und wird durch ein sogenanntes „Currency Board“ überwacht. Das feste Austauschverhältnis zum Euro blieb auch in Krisenzeiten erhalten: Seit 1997 gilt: 1 Lev = 1 DM = 1/1,95 Euro.


Wichtige Wirtschaftszweige

Wichtige Wirtschaftszweige sind Energieerzeugung, Nahrungsmittel und Getränke, Metallindustrie, Maschinenbau, Bergbau, Tourismus, Software-Entwicklung, Pharmaindustrie, Landwirtschaft (vor allem Getreideanbau; weniger die Fleischproduktion).

Bulgarien ist ein wichtiger Standort für Callcenter und technische Unterstützung per Internet, das trotz geringer Verbreitung in der Fläche (nur 51 Prozent der Haushalte) in den Großstädten (u.a. dank Glasfaser) eine der höchsten Geschwindigkeiten weltweit aufweist. Eine der größten Wachstumsbranchen ist die Outsourcing-Industrie, die 2014 um 25 Prozent gewachsen sein dürfte. Bulgarien belegt hier weltweit Platz 9.

Hinweis:

Dieser Text stellt eine Basisinformation dar. Er wird regelmäßig aktualisiert. Eine Gewähr für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Angaben kann nicht übernommen werden. 


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