Hauptinhalt

USA Vereinigte Staaten

Wirtschaft

Stand: April 2017

Grundlagen

Der Status der USA als weltweit stärkste Wirtschaftsmacht, die rund ein Fünftel des jährlichen Welteinkommens erwirtschaftet, gründet sich auf ein großes, rohstoffreiches und gut erschlossenes Staatsgebiet. Es hat mit fast 10 Millionen Quadratkilometern etwa die 25-fache Größe von Deutschland; die Fläche Deutschlands entspricht etwa der Größe des US-Bundesstaates Montana. Weitere Faktoren sind der große Binnenmarkt (2016: circa 324 Millionen Einwohner, Bruttoinlandsprodukt 2016: USD 18,6 Billionen, zum Vergleich Bruttoinlandsprodukt Deutschland 2016: circa USD 3,49 Billionen) sowie das durch unternehmerische Initiative und freien Handel gekennzeichnete Wirtschafts- und Finanzsystem. Der US-Dienstleistungssektor erwirtschaftet circa 80 Prozent des Bruttoinlandsproduktes (BIP), der Industriesektor circa 20 Prozent, davon gut 1 Prozent Landwirtschaft. Die Staatsquote beträgt rund 13 Prozent (Bundes- und Staatenebene).


Aktuelle wirtschaftliche Lage

Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) der USA wuchs im Jahr 2016 um 1,6 Prozent. Das Wirtschaftswachstum lag damit unter den Werten von 2015 (2,6%) und 2014 (2,4%). Getrieben wurde dieses Wachstum nahezu vollständig vom privaten Konsum, der traditionellen Stütze der US-Wirtschaft. Der Arbeitsmarkt nähert sich der Vollbeschäftigung. Die Arbeitslosenquote lag im Januar 2017 bei 4,8% (2016: 4,9%, 2015: 5,3%, 2014: 6,2%), die Erwerbsquote verharrt aber mit 62,9% auf niedrigem Niveau. Die Zahl der Langzeitarbeitslosen lag im Januar 2017 bei knapp über 1,9 Mio. (vor der Krise 2007: 1,3 Mio.) Die Zahl der unfreiwillig Teilzeitbeschäftigten lag im Juni 2016 mit 5.8 Mio. weiterhin deutlich über den Zahlen vor der Krise (4,2 Mio.). Immerhin konnten in 2016 die langerwarteten ersten Lohnanstiege verzeichnet werden.

Die US-Wirtschaft hat sich nach der Wirtschafts- und Finanzkrise von 2008 nur sehr langsam erholen können. Zunächst war der Immobilienmarkt Motor des Aufschwungs. In den Jahren 2011 - 2013 hatte der Immobilienmarkt mit zweistelligen Zuwachsraten die US-Wirtschaft angeführt. Die Immobilienpreise haben in den Ballungsgebieten wieder das Preisniveau von 2008 erreicht. Der private Konsum hat sich seit 2014 stabilisiert und ist 2016 weiter gestiegen. Dies ist nicht zuletzt auf die verbesserte Lage auf dem Arbeitsmarkt und die niedrigen weltweiten Energiepreise zurückzuführen, die auch die Stimmung der Verbraucher deutlich haben steigen lassen.

Die Industrieproduktion, ablesbar an den Auftragseingängen der Industrie, entwickelte sich 2016 jedoch schlechter als noch in den Vorjahren. Viele Unternehmen halten sich mit Investitionen zurück, häufen ihre Gewinne und nutzen sie eher für Aktienrückkäufe, als für neue Projekte.


Geldpolitik

Die US-Zentralbank Federal Reserve (Fed) erhöhte im Dezember 2015 - erstmals seit neun Jahren - die Leitzinsen. Im Zuge der Wirtschafts- und Finanzkrise von 2008 hatte sie eine lockere Geldpolitik mit einem Zinssatz nahe Null  und Anleihekäufen (Quantitative Easing) begonnen. Die Anleiheankäufe sind nach schrittweiser Reduzierung mittlerweile beendet worden. Im Dezember 2016 kam es zu einer Erhöhung des Zinssatzes, den Banken für die Ausleihung von Zentralbankgeld zahlen. Das Federal Open Market Committee (FOMC) entschied am 15.03.2017 - wie erwartet - die Bandbreite für den Leitzins um 0,25 % auf ein Band von 0,75 % - 1 % zu erhöhen. Weitere Zinsschritte in 2017 werden erwartet.


Haushalt

Das Haushaltsjahr 2016 schloss mit einem Defizit von USD 552 Milliarden oder 3,3% des BIP. Im Vorjahr überstiegen die Ausgaben die Einnahmen  um 2,5% des BIP. Für 2017 bis 2019 erwartet das Haushaltsbüro des Kongresses für den Fall von unveränderter Gesetzgebung ein jährliches Defizit unter 3% des BIP. Danach würde das Defizit wieder deutlich steigen. Hauptverantwortlich hierfür ist das Anwachsen der gesetzlich festgelegten Sozialausgaben für das Renten- und die Gesundheitssysteme.

Aktuell operiert die USA mit einem Fortsetzungshaushalt ("Continuing Resolution"), der am 28. April 2017 ausläuft.  Wird bis dahin kein neuer Haushalt für den Rest des Fiskaljahres (bis 30. Sept. 2017) oder ein weiterer Fortsetzungshaushalt verabschiedet, droht den USA wieder ein „government shut down“.    Für das Fiskaljahr 2018 hat das Weiße Haus am 16.03.17 einen ersten Haushaltsentwurf vorgelegt. Dieser ist als politischer Vorschlag der Administration zu verstehen, der den Kongress nicht bindet. Er zeigt aber durchaus politische Schwerpunkte der neuen Administration auf. Einer deutlichen Steigerung der Ausgaben für Verteidigung und innerer Sicherheit stehen zum Teil drastische Kürzungen etwa bei Diplomatie, Entwicklungszusammenarbeit, Umweltschutz und Forschung gegenüber. 

Am 15. März17 erreichten die USA wieder die Schuldenobergrenze von knapp USD 20 Milliarden. Daher werden die Regierungsgeschäfte der USA derzeit wieder mit sog. außergewöhnlichen Maßnahmen, d.h. im wesentlichen Liquiditätsmanagement, finanziert. Diese werden voraussichtlich bis zum Herbst erschöpft sein, dann muss sich der Kongress auf die Anhebung oder Aussetzung der Schuldenobergrenze einigen, andernfalls droht eine technische Zahlungsunfähigkeit.


Außenhandel

Die USA sind weltgrößter Absatzmarkt für Importgüter. Als Exporteur (nur Waren) standen sie 2014 nach China an zweiter Stelle. Das Handelsbilanzdefizit betrug 2016 USD 502,3 Mrd., eine Steigerung von 0,3% (USD 1,9 Mrd.) verglichen mit dem Vorjahr (2015: USD 500,4 Mrd.). 

Das Exportvolumen für Waren und Dienstleistungen (USD 2.209,4 Mrd.) hat sich 2016 im Vergleich zum Vorjahr (USD 2.261,1 Mrd.) verkleinert. Auch das Importvolumen für Waren und Dienstleistungen (USD 2.711,7 Mrd.) ist 2016 im Vergleich zum Vorjahr (USD 2.761,8 Mrd.) gesunken.

Hauptabnehmerländer für US-Warenexporte 2015 waren: China, Kanada, Mexiko, Japan, Großbritannien und Deutschland. Dabei hat Deutschland US-Waren im Wert von 49,4 Milliarden US-Dollar eingeführt und lag damit im Jahr 2016 auf Rang 6 der US-Absatzmärkte. Bei den Warenimporten der USA liegt die Bundesrepublik Deutschland als Exporteur mit USD 114 Mrd. unverändert auf Rang 5. Die USA hatten 2016 mit Deutschland das zweithöchste Handelsbilanzdefizit; es erreichte einen Umfang von USD 64,9 Mrd. Ein höheres Defizit verzeichnete die USA lediglich mit China (USD 347,0 Mrd.). 

Die USA haben bilaterale Freihandelsabkommen mit 20 Staaten abgeschlossen (Australien, Bahrain, Chile, Costa Rica, Dominikanische Republik, El Salvador, Guatemala, Honduras, Israel, Jordanien, Kanada, Kolumbien, Mexiko, Marokko, Nicaragua, Oman, Peru, Panama, Südkorea und Singapur). 

Gemäß seiner „America First Trade Policy“, unterzeichnete Präsident Trump,  kurz nach seinem Amtsantritt, einen Erlass zum Rückzug der USA aus der Trans Pazifischen Partnerschaft (TPP). Die Verhandlungen über eine Transatlantische Handels- und Investitionspartnerschaft (TTIP) sind bis auf weiteres unterbrochen. 

US-Wirtschaftsstatistik*

2013
2014
2015
2016
BIP nominal (in Billionen USD)16,77
17,42
17,9
18,6
BIP-Wachstum real
1,9
2,4
2,4
1,6
Arbeitslosenquote
7,4
6,2
5,3
4,9
Waremimporte aus Deutschland (Mrd. USD) 
114,6
123,1
124,1
114,2
Handelsbilanzsaldo mit Deutschland (Mrd. USD)
67,2
73,7
74,2
64,9
Handeslbilanzsoldo mit der EU (Mrd. USD)
125,0
141,1
153,3
146,3

*) Quellen: Department of Commerce (Bureau of Economic Analysis), Department of Labor (Bureau of Labor Statistics), Delegation of the European Commission, gtai


Energie

Die US-Energiepolitik unter dem neuen Präsidenten Donald Trump steht vor einer grundlegenden Revision der Energie- und Klimapolitik seines Vorgängers. Während Trumps „America First Energy Plan“ bisher noch nicht im Detail ausdekliniert wurde, stehen eine Ausweitung der heimischen Öl- und Gasproduktion im Zentrum der neuen Politik. Der Fokus liegt auf Wachstum und der Schaffung neuer Arbeitsplätze durch Deregulierung, insbesondere der Rücknahme von Umweltvorgaben, sowie dem Ausbau von Energieinfrastrukturen (vor allem Pipelines). Die USA sollen energieautark werden. Laut der Energieinformationsagentur des Energieministeriums sei dies bis spätestens Mitte der 2020er Jahre möglich.

Aufgrund von Produktivitätssprüngen ist die Öl- und Gasproduktion in den USA auch bei vergleichsweise niedrigen Preisen wettbewerbsfähig. Die USA sind größter Erdgasproduzent der Welt und gehören mit Russland und Saudi-Arabien zu den weltgrößten Ölproduzenten. 2016 wurden mit Inbetriebnahme des Terminals Sabine Pass in Louisiana erstmalig Flüssiggas (LNG) vom US-Festland exportiert. Weitere Terminals befinden sich bereits im Bau. Das gesetzliche Exportverbot für Rohöl wurde Ende 2015 aufgehoben.

Trotz des Wechsels der Administration bleibt bisher allerdings auch das Interesse am Ausbau erneuerbarer Energien, mit denen 2016 ca. 15% des Stromes in den USA produziert wurde, und höherer Energieeffizienz bestehen. Die Wirtschaftlichkeit insbesondere von Photovoltaik und Windenergie ist in den letzten Jahren weiter gestiegen. Darüber hinaus haben 29 Bundesstaaten und der District of Columbia sogenannte Renewable Portfolio Standards implementiert, die Stromversorgern zu einem wachsenden Anteil erneuerbarer Energien verpflichten. Insbesondere Staaten wie Kalifornien, New York und Hawaii verfolgen eigene, ambitionierte Dekarbonisierungsstrategien.


Klima

Die USA haben das Übereinkommen von Paris (ÜvP) noch vor Amtsantritt der neuen Regierung ratifiziert und sehen in ihren nationalen Beiträgen (Nationally Determined Contributions, NDC) eine Reduktion der Treibhausgasemissionen bis 2025 um 26-28% gegenüber 2005 vor. Auf der Klimakonferenz in Marrakesch stellte die frühere Regierung gemeinsam mit CAN und MEX ihre Klimalangfriststrategie vor, die eine weitgehende Dekarbonisierung der Volkswirtschaft bis 2050 vorsieht. Von angekündigten Einzahlungen in den Green Climate Fund (GCF) in Höhe von USD 3 Mrd. sind bisher USD 1 Mrd. an den Fonds geflossen.

Die neue Regierung hat angekündigt, diese internationalen Verpflichtungen und weitere Ausgaben für internationale Klimafinanzierung zu überdenken. Außenminister Tillerson hat eine Prüfung der Mitgliedschaften im ÜvP und im Rahmenübereinkommens UNFCCC angekündigt, erkennt aber den Klimawandel als globales Problem, das nur gemeinsam gelöst werden könne. Die USA wolle daher einen Platz am Verhandlungstisch behalten.

Vertreter der neuen Regierung haben Zweifel an der Bedeutung menschlichen Handelns für den globalen Klimawandel geäußert. Sie begründen so auch eine nationale Klimapolitik, die sich stark nach den kurzfristigen Interessen der Öl-, Gas- und Kohlebranche richtet. Die Regierung hat eine Aufhebung verschiedener Regulierungen angekündigt – an erster Stelle steht der Clean Power Plan, dem prinzipiellen Instrument der Obama-Regierung zur Erreichung der NDCs. Aber auch andere Regeln zur Vermeidung von Methan-Emissionen, zur Reduzierung vom Benzinverbrauch bei PKW oder der Restaurierung von Flussläufen beim Kohleabbau sollen geprüft oder abgeschafft werden. Diese nationale Deregulierungspolitik geht einher mit geplanten drastischen Einschnitten beim Budget der Bundesumweltbehörde EPA.

Demgegenüber verfolgen einige Bundesstaaten eine ambitionierte Klimapolitik. Kalifornien, der bevölkerungsreichste US-Bundesstaat und für sich genommen sechstgrößte Volkswirtschaft der Welt, hat sich dazu verpflichtet, den Ausstoß von Treibhausgasen bis 2030 um 40% gegenüber 1990 zu reduzieren. Diverse Städte und Gemeinden verfolgen ähnliche Pläne und schließen sich internationalen Netzwerken wie der Under2-Coalition an.  


Seite teilen:

Einreise & Aufenthalt

Auswärtiges Amt

Reise & Sicherheit

Außen- und Europapolitik

Ausbildung & Karriere