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Geschichte als Auftrag

Wie gehen Deutschland und Israel mit ihrer gemeinsamen Vergangenheit um? Welche Bedeutung hat die Beschäftigung mit den Verbrechen des National­sozialismus und der Rolle des Auswärtigen Amts für unser Selbstverständnis? Was ist die Aufgabe des Diplomaten in einer sich rasch verändernden Welt? Diese Fragen diskutierten Anwärterinnen und Anwärter der Akademie Auswärtiger Dienst am Montagabend gemeinsam mit Avi Primor, dem ehemaligen Botschafter Israels in Deutschland und Professor am Center for European Studies Herzliya.

In seiner Begrüßung betonte Staatssekretär Peter Ammon, in langen Jahren aufgebautes Vertrauen sei das Kapital, von dem die deutsche Außenpolitik lebe. Nur wer den Mut zur schonungslosen Wahrheit habe, dem werde es gelingen, dieses Vertrauen zu bewahren. Auch für das Auswärtige Amt gelte, dass nichts verdrängt werden dürfe. Die Beschäftigung mit der Vergangenheit sei daher gerade für die nach­wachsende Generation wichtig, die in den kommenden 30, 40 Jahren die deutsche Außenpolitik mitbestimmen werde.

Ehrlicher Umgang miteinander

Avi Primor bezeichnete die enge Partnerschaft zwischen Israel und der Bundesrepublik Deutschland, die sich nach dem 2. Weltkrieg entwickelt habe, als völlig unverhofft: „Sie wurde möglich, weil wir ehrlich miteinander sprechen konnten.“ Dabei verschwieg er nicht, wie groß anfangs die Vorbehalte in der israelischen Bevölkerung waren, und nahm sich selbst dabei nicht aus. „Meinen ersten Deutschen habe ich auf Posten in Westafrika kennengelernt“, erzählte er. Es war der zweite Mann der Deutschen Botschaft in Abidjan, Claus von Amsberg, Angehöriger der 12. Attaché-Crew des Auswärtigen Amts und später Prinzgemahl der niederländischen Königin. „Eigentlich wollten meine Frau und ich nichts mit ihm zu tun haben. Er lud sich selbst auf einen Drink ein und begann, ganz offen über die Zeit des Nationalsozialismus zu sprechen. Da war das Eis gebrochen.“

Rege Beteiligung

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Einen Schlussstrich könne es nicht geben, die Geschichte bleibe präsent. Vor diesem Hintergrund sei das klare Bekenntnis Deutschlands zu seiner Vergangenheit weltweit ein positives Beispiel, das eine sehr große Wirkung entfalte. So sei auch das Buch „Das Amt und die Vergangenheit“ in Israel sehr positiv aufgenommen worden.

"Durchblicken und objektiv informieren"

Als Pflicht des Diplomaten bezeichnete es Avi Primor, „durchzublicken und die eigene Regierung objektiv zu informieren“. In vielseitigen Kontakten, nicht nur mit Regierungsvertretern, müssten neue Wege gesucht und gemeinsame Lösungen entwickelt werden, um den Dialog aufzunehmen. Dazu brauche man Mut und Zivilcourage – da könne es schon einmal passieren, dass man unbequem werde. „Leider sind wir Diplomaten oft auch Karrieristen. Versuchen Sie, anders zu sein!“ gab er den deutschen jungen Kolleginnen und Kollegen mit auf den Weg.


Stand 08.02.2011