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China

Wirtschaft

Stand: April 2017

China ist der wichtigste Wirtschaftspartner Deutschlands, Deutschland ist Chinas wichtigster Handelspartner in Europa. China sieht Deutschland nicht nur wirtschaftlich, sondern auch politisch als wichtigen strategischen Partner. Dynamische Handelsbeziehungen, Investitionen, Umweltzusammenarbeit, forschungs- und wissenschaftspolitische Zusammenarbeit und ein intensiver hochrangiger Besucheraustausch prägen die Beziehungen. Reziproke Marktöffnung für Handel und Investitionen, Schutz geistigen Eigentums und unfreiwilliger Technologietransfer bleiben Themen des Dialogs zwischen Unternehmen und den Regierungen beider Länder.

Grundlinien der Wirtschaftspolitik

China ist seit 2010 die zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt nach den USA, seit 2014 nach Kaufkraft sogar die größte. Beim Bruttoinlandsprodukt pro Kopf liegt China im Jahr 2016 mit rund 8.261 USD auf Platz 75 im weltweiten Vergleich. Zudem hält China die weltweit höchsten Devisenreserven. Diese sind allerdings auf etwa 3,0 Billionen Dollar zurückgegangen und liegen damit so niedrig wie zuletzt Anfang 2011. Zudem gibt es innerhalb des Landes enorme regionale und soziale Unterschiede. China bleibt weltweit die Konjunkturlokomotive Nummer eins, das Wachstum ist aber nicht mehr zweistellig, sondern bewegt sich um die 6,7%.

Seit im März 2013 die fünfte Führungsgeneration die Regierungsgeschäfte übernommen hat, wurden weitreichende Wirtschaftsreformen angekündigt (Drittes Plenum im November 2013). Die Führung schien zu akzeptieren, dass das bisherige Entwicklungsmodell nicht nachhaltig ist und Reformen Voraussetzung für neues Wachstum sind. Tatsächlich haben sich gravierende ökonomische (u.a. Überkapazitäten), soziale und ökologische Probleme angehäuft und werden sich in den nächsten Jahren noch verschärfen. Als Antwort darauf soll das Wachstum nun nachhaltiger werden. Schlüsselthemen sind dabei die Stabilisierung des Wachstums, Verbesserung der Qualität, stärkere Berücksichtigung von Umweltbelangen, die Modernisierung der Produktionsstrukturen sowie die Partizipation möglichst breiter Bevölkerungsschichten an der weiteren wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Entwicklung. Die Umsetzung zahlreicher Reformen lässt allerdings nach wie vor auf sich warten. Den großen Versprechungen folgten bisher nur zögerliche und zum Teil wenig ambitionierte Reformansätze; auch in zentralen Bereichen, wie der Neustrukturierung der staatseigenen Betriebe, dem Abbau von Überkapazitäten in wichtigen, in der Regel von Staatsunternehmen dominierten, Industriebereichen oder im Fiskalbereich, ist bisher in der Realität wenig geschehen.

China steht unverändert vor gewaltigen Aufgaben: Um wettbewerbsfähig zu bleiben, muss sich die Wirtschaft weiter modernisieren. Das Ziel des aktuellen 13. Fünfjahresplans ist die Umstrukturierung der chinesischen Volkswirtschaft von einer investitions- und exportorientierten zu einer innovationsgetriebenen. Hierfür müssen nicht zuletzt auch Innovationsfähigkeit und Kreativität in der Gesellschaft gestärkt werden, auch durch strukturelle Reformen im Bildungssystem. Um Märkte zu erschließen und technologische Lücken durch Zukäufe im Ausland zu schließen, wurden zudem im Jahr 2016 massive Auslandsinvestitionen getätigt.


Aktuelle Wirtschaftslage

2016 erreichte das Wachstum der chinesischen Volkswirtschaft 6,7%. Auch für 2017 wird ein Wachstum von rund 6,5% erwartet. Während der Dienstleistungssektor weiterhin überdurchschnittlich zulegt, gehen vom industriellen Sektor kaum Impulse aus. Eine robuste Entwicklung verzeichnete in den letzten zwei Jahren der Einzelhandel, insbesondere die Onlinebranche, die ihren Umsatz deutlich steigern konnte. Der Umbau der Volkswirtschaft schreitet voran. Der Anteil der Wertschöpfung im Dienstleistungssektor lag 2016 bei über 50%, rund zehn Prozentpunkte über dem Anteil des industriellen Sektors. Bei der Binnennachfrage ist der Anteil des Konsums weiter gestiegen und liegt nun bei rund zwei Drittel und  gut zehn Prozentpunkte über dem Wert von 2015. Diese Entwicklung setzt sich absehbar im Jahr 2017 fort.

Der langfristige Wachstumstrend wird sich aufgrund der demographischen Entwicklung weiter abschwächen. Weniger Menschen werden auf den Arbeitsmarkt drängen. Für die weiteren Perspektiven wird es entscheidend darauf ankommen, ob die Umstellung der Wirtschaft auf innovationsgetriebenes, sozial und ökologisch nachhaltigeres Wachstum gelingen wird.


Außenhandel

Der chinesische Außenhandel hat sich in den letzten 12 Jahren mehr als verzehnfacht. 2016 hat China Waren im Wert von 2097,44 Mrd. USD exportiert und im Wert von 1587,48 Mrd. USD importiert. Die chinesischen Exporte sanken 2016 gegenüber dem Vorjahr um 7,7%,  die Importe sanken um 5,5% Der Handelsbilanzüberschuss betrug 2016 rund 510 Mrd. USD (Quelle: Handelsministerium Mofcom). Größter Absatzmarkt für chinesische Güter waren auch 2016 die USA. Dorthin lieferte China mehr als  18% seiner Waren. Die EU ist der zweitwichtigste Markt (16%). Nach Deutschland gingen rund 4,9% der chinesischen Exporte im Wert von etwa 103 Mrd. USD (Quelle: Statistisches Bundesamt). Da China aus den USA lediglich Waren im Wert von gut 134 Mrd. USD bezog (8,5% der chinesischen Importe), ergibt sich ein hieraus ein hohes Defizit für die USA im bilateralen Handel mit China. Für die EU stellt sich die Situation etwas günstiger dar. Immerhin 13,1% der chinesischen Importe kommen aus diesem Wirtschaftsraum. Damit bleibt die EU auch 2016 der größte Handelspartner Chinas.

China hat mit 16 Handelspartnern Freihandelsabkommen geschlossen und steht mit weiteren zwölf Partnern in Verhandlungen.


Investitionsbedingungen

Der Beitritt des Landes zur Welthandelsorganisation (WTO) 2001 stellte nicht nur eine umfassende Verpflichtungserklärung Chinas und der WTO-Mitglieder zur Wiedereingliederung des Landes in das Weltwirtschaftssystem dar, sondern war auch für die chinesische Öffentlichkeit ein klares Zeichen der Öffnung ihres Landes und seiner Eingliederung in die arbeitsteilige globale Weltwirtschaft.

Nach wie vor haben sich allerdings nicht alle internationalen Erwartungen erfüllt, da viele Wirtschaftsbereiche weiterhin unter starker staatlicher Kontrolle stehen und teilweise deutliche Marktzugangsprobleme aufweisen. So ist China beispielsweise noch immer nicht dem WTO-Abkommen über das öffentliche Beschaffungswesen (Government Procurement Agreement) beigetreten. Bisher abgegebene Beitrittsangebote wurden von der Mehrheit der WTO-Mitglieder als nicht ausreichend erachtet.

Ende 2013 fiel der Startschuss für Verhandlungen über ein umfassendes Investitionsabkommen zwischen der EU und China, das neben Regelungen für einen ehrgeizigen Investitionsschutz auch wichtige Marktzugangsbestimmungen enthalten soll. Ende 2015 konnten die Verhandlungspartner eine grundsätzliche Einigung auf die Reichweite eines solchen Abkommens erzielen und 2016 konnten weitere Fortschritte in Detailfragen erreicht werden. Die Verhandlungen dauern an.


Asian Infrastructure Investment Bank (AIIB)

China nimmt zunehmend eine aktivere Rolle bei der Ausgestaltung internationaler Handels- und Wirtschaftsbeziehungen ein. Jüngstes und herausragendes Beispiel ist die von China initiierte Errichtung einer neuen Infrastrukturbank mit Sitz in Peking, die sogenannte Asian Infrastructure Investment Bank (AIIB). Diese soll in Partnerschaft mit bestehenden multilateralen Investitions- und Entwicklungsbanken arbeiten. Die AIIB soll Kapital für die großen Bedürfnisse an Infrastrukturmaßnahmen in Asien zur Verfügung stellen und so die wirtschaftliche und soziale Entwicklung in der Region fördern und zum Wachstum der Weltwirtschaft beitragen.

Die Bank hat im Januar 2016 ihre Geschäftstätigkeit aufgenommen. Der Gouverneursrat der AIIB hat auf seiner Eröffnungssitzung am 16./17. Januar den Präsidenten, Herrn Jin Liqun, und die Direktoren der Bank gewählt. Deutschland bildet mit Frankreich, Italien, Spanien, den Niederlanden, Portugal, Österreich, Finnland, Luxemburg und Malta eine sogenannte Stimmrechtsgruppe und stellt für die ersten Jahre den Direktor. Das Direktorium hat zudem – auf Empfehlung des Präsidenten – fünf Vizepräsidenten ernannt, darunter auch einen deutschen.


Strukturreformen

Die Notwendigkeit eines Strukturwandels in der Industrie ist in China kaum übersehbar und wird von der Führung zu den größten Herausforderungen gezählt, neben der Begrenzung der Umweltverschmutzung. In einigen Sektoren sind deutliche Überkapazitäten entstanden (Stahl, Zement, Chemikalien), worunter auch ausländische Anbieter in diesen Bereichen leiden. Außerdem sind die Schulden der regionalen Gebietskörperschaften und der staatseigenen Betriebe stark gewachsen. In den Büchern der staatlichen Banken werden nunmehr auch zahlreiche abschreibungsbedürftige Kredite vermutet. Die negativen Erfahrungen mit steigender Verschuldung und wachsenden Überkapazitäten in Folge wirtschaftlicher Stimuli im Rahmen der globalen Wirtschafts- und Finanzkrise 2009/2010 haben bei der jetzigen Führung zu einer Ablehnung groß angelegter Konjunkturprogramme geführt.

Im 13. Fünfjahresplan wurden sogenannte 'neue strategische Industrien' identifiziert, in denen China die Weltmarktführerschaft in den nächsten Jahrzehnten anstrebt. Dazu zählen Luft- und Raumfahrt, Spezialschiffbau, hochwertige Eisenbahntechnik, alternative Kfz-Antriebstechniken, Robotertechnik, moderne Landwirtschaft und Landmaschinen, neue Informationstechnologien, Biotechnologie, hochwertige Ausrüstungen. Durch eine aktive Industriepolitik will die chinesische Regierung die Wirtschaft in der Wertschöpfungskette weiter nach oben bewegen. Umfassende Reformen im Finanz- und Wirtschaftssektor wurden in den letzten Jahren wiederholt angekündigt. Ihr gemeinsamer Nenner wäre ein spürbarer Rückzug  der politischen Führung aus der Wirtschaft zu Gunsten einer stärkeren Steuerungsrolle des Marktes. Auch der Aufbau einer 'Green Economy' und die Einbindung einer nachhaltigen Wirtschaftspolitik im Konzept der 'ökologischen Zivilisation' gelten als wichtige Ziele. Auch der forcierte Kampf gegen die Korruption ist Teil der Reformagenda. So umfassend und vielschichtig diese Agenda aber auch ist, so bruchstückhaft ist ihre bisherige Umsetzung. Insbesondere ein Rückzug der politischen Steuerungsfähigkeiten, der mit tatsächlichen Kontrollverlusten von Staat und Partei einherginge, ist bisher nicht zu beobachten.

Als eine der dringendsten, zugleich aber schwierigsten Reformen gilt der Umbau der chinesischen Staatsunternehmen: 111 zentralstaatliche und geschätzte 150.000 auf Provinz- und lokaler Ebene. Sie gelten als wenig effizient und korruptionsdurchzogen und sollen marktgerechter und wettbewerbsfähiger aufgestellt werden. Mitte September 2015 legte der Staatsrat seine Leitlinien zur Reform der Staatsunternehmen vor, die – wie erwartet – an der Sonderrolle der Staatsunternehmen und ihrer Privilegierung im chinesischen Staatskapitalismus nicht rühren. Zwar soll ihre Arbeitsweise marktwirtschaftlicher ausgestaltet und privates Kapital angelockt werden (sogenanntes mixed-ownership), Regierung und Partei behalten jedoch ihren maßgeblichen Einfluss. Privatisierungen nach westlichem Verständnis wird es nicht geben. Statt einer Zerschlagung staatlicher Monopole wird geprüft, welche Staatsunternehmen fusioniert werden können, um als sogenannte Nationale Champions auf dem Weltmarkt bestehen zu können.

Das chinesische Bankensystem ist fast ausschließlich staatlich dominiert und streng reguliert. Die großen Staatsbanken verbuchen nach wie vor hohe Gewinne; ihre Hauptkreditnehmer sind die großen Staatsunternehmen. Vor allem für kleinere und mittlere Unternehmen im Privatsektor bleibt die Finanzierung der Ausweitung ihrer Geschäfte durch Bankkredite weiterhin schwierig. Viele von ihnen müssen zur Finanzierung ihrer Projekte auf den Schattenbankensektor ausweichen. Dieser hatte über mehrere Jahre stetig zugenommen, doch war seine Bedeutung seit den verschärften Regulierungsbemühungen in 2014 zwischenzeitlich zurückgegangen. Hauptgläubiger der Staatsbanken sind private Sparer, die bei vorerst unvollständiger sozialer Absicherung durch eigene Ersparnisse für Kosten der medizinischen Vorsorge, Ausbildung der Kinder und die eigene Altersvorsorge aufkommen müssen. Inzwischen ist auch einigen Privatbanken erlaubt, sich im Internetbanking zu betätigen.

Die Reform des Finanzsektors ist ein wichtiges Ziel im Hinblick auf eine Liberalisierung des Kapitalverkehrs. China beschreitet eigenen Aussagen zufolge eine Politik der Öffnung. Doch gibt es immer wieder Ansätze, den Abfluss von Kapital über schärfere Kapitalverkehrskontrollen zu begrenzen.


Soziale Bedingungen

Eine andauernde Gefährdung für den sozialen Frieden  in der chinesischen Gesellschaft stellt die rasche Entwicklung der chinesischen Wirtschaft und die daraus resultierende Wohlstandsverteilung dar. Besonders gravierend zeigen sich die Unterschiede im Vergleich von (vergleichsweise wohlhabender) Stadt- und (vergleichsweise armer) Landbevölkerung, regulärer Arbeit und Wanderarbeit sowie jüngerer und älterer Menschen. Nur minimal hat sich der Gini-Koeffizient – der Maßstab für die Einkommensungleichverteilung verbessert. Er ist von seinem Höchststand 2008 von 0,49 langsam aber beständig auf 0,462 in 2015 gesunken – allerdings im Jahr 2016 wieder geringfügig auf 0,465 angestiegen. Damit liegt China nach wie vor deutlich über der Grenze, die nach der Definition der Vereinten Nationen eine extreme Ungleichheit anzeigt (0,4). 

2016 war das durchschnittliche Haushaltsnettoeinkommen pro Kopf und Jahr  in der Stadt mit 33.616 RMB (ca. 5.060 USD) 2,72-mal so hoch wie in ländlichen Gebieten mit 12.363 RMB (ca. 1.861 USD). Dabei wuchs das Einkommen der Landbevölkerung mit 8,2% etwas stärker als das der Stadtbewohner mit 7,8%.

Erklärtes Ziel der chinesischen Regierung ist die Verdopplung der Einkommen bis zum Jahr 2020. Hierfür soll der Mechanismus der Lohnfindung, also das System zur Festlegung des Mindestlohns und das System der Tarifverhandlungen, ausgebaut werden. Zur Reform der Tarifpolitik liegt ein umfassender Fünfjahresplan des All-Chinesischen Gewerkschaftsbundes vor, der in erster Linie auf den Ausbau industrie- und branchenspezifischer Tarifpolitik zielt.

Die Situation auf dem Arbeitsmarkt ist je nach Region, Branche und Berufsfeld extrem heterogen. Strukturprägend für die chinesische Arbeitsgesellschaft ist nach wie vor der hohe Anteil an Wanderarbeitern. Mit knapp 282 Mio. machen diese 36% aller offiziell Erwerbstätigen in China aus. Die offizielle Arbeitslosenstatistik, die nur Personen mit städtischer Haushaltsregistrierung erfasst, liegt unverändert bei 4%. Boomenden Regionen und Branchen stehen solche mit struktureller Arbeitslosigkeit gegenüber. Die reale Arbeitslosigkeit wird auf 7 bis 10% geschätzt.

Anfang 2014 hat der Staatsrat den Aufbau eines einheitlichen Altersversicherungssystems für Stadt- und Landbewohner beschlossen. Dadurch soll sichergestellt werden, dass Rentenansprüche landesweit übertragbar sind. Provinzen, die nicht über genügend eigene Mittel verfügen, erhalten Subventionen von der Zentralregierung. Zur weiteren Vereinheitlichung wurden Anfang 2015 überdies rund 40 Mio. Staatsangestellte in die staatliche Rentenversicherung eingebunden. Diese mussten zuvor keine Beiträge entrichten und erhielten Pensionen.


Energie, Klima, Umwelt

Das enorme Wirtschaftswachstum Chinas hat zu enormer Belastung und Zerstörung der Umwelt geführt, die auch ein Hemmnis für die weitere wirtschaftliche Entwicklung ist. Angesichts der wachsenden Unzufriedenheit der Bevölkerung, insbesondere in der urbanen Mittelschicht, steht Chinas Führung unter großem Druck, die Umweltprobleme rasch in den Griff zu bekommen. Ein neues Umweltgesetz (in Kraft seit 01.01.2015) verbessert die Informations- und Beteiligungsrechte der Öffentlichkeit und verschärft die Verantwortung von Unternehmen. Eine große Herausforderung bleibt die Implementierung auf lokaler Ebene.

Insbesondere die Luftverschmutzung ist weiter gravierend: Zwar fiel die Feinstaubkonzentration 2016 gegenüber dem Vorjahr um über 6%; 75% der vom Umweltministerium untersuchten chinesischen Städte erfüllten den nationalen PM 2.5-Standard von 35 Mikrogramm/m3 jedoch nicht. Besonders betroffen bleiben die Region Peking/Tianjin/Hebei und der Nordosten des Landes, wo es während der winterlichen Heizperioden mehrtägige Smogperioden mit sehr hohen Feinstaubwerten gibt. 

Die Regierung hat die Probleme erkannt und ergreift seit 2013 vermehrt Gegenmaßnahmen. Richtschnur sind die graduelle Abkehr von fossilen Energieträgern sowie eine Steigerung der Energieeffizienz. Umweltschutz und die Förderung einer nachhaltigen Wirtschaft sind zentrale Elemente des 13. Fünfjahresplanes (2016-2020). Neben administrativen Vorgaben und der massiven Steigerung von Investitionen plant die Regierung für die nächsten fünf Jahre die schrittweise Einführung marktbasierter Instrumente, insbesondere den Aufbau eines nationalen Emissionshandelssystems im Jahr 2017.

Dies kommt auch den chinesischen Klimaschutzzielen zugute. China ist seit 2010 der weltgrößte Emittent von Treibhausgasen, will aber seinen CO2-Ausstoß pro BIP-Einheit bis 2020 um 40 bis 45%, bis 2030 sogar um 60 bis 65% (gegenüber 2005) senken. Auch bei den internationalen Verhandlungen (UNFCCC) hat China einen Richtungswechsel vorgenommen und sich dazu verpflichtet, bis spätestens 2030 den Höhepunkt seiner CO2-Emissionen zu erreichen und den Anteil erneuerbarer Energien auf 20% zu erhöhen. Neben Wasser-, Solar- und Windenergie soll auch die Nuklearindustrie massiv ausgebaut werden.Kohle wird auch in Zukunft das Rückgrat der chinesischen Energieversorgung bleiben, jedoch soll der Verbrauch bis 2020 auf 4,2 Mrd. Tonnen pro Jahr gedeckelt werden und maximal 62% des Energiemix ausmachen.

Der schnell wachsende Umwelttechnologiemarkt in China eröffnet auch ausländischen Unternehmen gute Chancen.


Urbanisierung

Seit dem Jahr 2012 leben erstmals mehr als 50% der Menschen in Chinas Städten, 2016 sind es etwa 57%. In den nächsten 15 Jahren sollen weitere 300 Mio. Menschen hinzukommen, dann würde die Zahl urbaner Chinesen die 1 Milliarde-Grenze überschreiten. Die dynamische Urbanisierung stellt die chinesische Regierung vor große Herausforderungen, unter anderem sich verschlechternde Umweltbedingungen, rasch zunehmende Verkehrsströme, Wohnungsmangel und stark steigende Mieten und Kaufpreise für Immobilien, ein Mangel an qualifizierten Arbeitsplätzen, Mängel in der Infrastruktur und der starke Rückgang von landwirtschaftlichen Nutzflächen. Immer wieder kommt es aufgrund von Landenteignungen ohne ausreichende Entschädigungen zu Protesten. Eine sozial ausgewogene und ökologisch nachhaltige Stadtentwicklung ist einer der entscheidenden Faktoren für die Stabilität des Landes. Die chinesische Regierung misst den Herausforderungen einer geplanten Urbanisierung deshalb hohe Priorität bei.

Bundeskanzlerin Merkel und der chinesische Ministerpräsident Li Keqiang haben im Mai 2013 eine deutsch-chinesische Urbanisierungspartnerschaft vereinbart, die im November 2015 von Bundesministerin Hendricks und ihrem chinesischen Amtskollegen in Peking unterzeichnet wurde. Die Bedeutung der Urbanisierung wurde auch in der G20 Erklärung der Agrarminister im Januar 2017 im Zusammenhang mit einer nachhaltigen Entwicklung der ländlichen Räume erneut thematisiert. Die chinesische Seite hat ein großes Interesse an deutschen Erfahrungen im Bereich Urbanisierung. Aber auch deutschen Unternehmen bieten sich hier viele Chancen, zum Beispiel beim Ausbau der Infrastruktur, im Gesundheitswesen, bei der energetischen Sanierung von Wohngebäuden und bei der Stadtplanung.


Landwirtschaft

Trotz Landflucht war 2016 mit 46,6% (362 Mio.) knapp die Hälfte der Erwerbstätigen in der Landwirtschaft tätig, der Anteil des Sektors am BIP lag jedoch nur bei 8,6%. Die chinesische Landwirtschaft hinkt der rasanten Industrialisierung des Landes hinterher. Dabei steht China vor der enormen Herausforderung, die Ernährung für seine wachsende Bevölkerung bei gleichzeitig schwindender Ackerfläche zu sichern. Seit mittlerweile mehr als zwölf Jahren ist China Agrar-Nettoimporteur, vor allem von Getreide als Futtermittel für die Tierproduktion, aber auch bei immer mehr Lebensmitteln tierischen Ursprungs. Nach wie vor hält China jedoch an dem Ziel eines hohen Selbstversorgungsgrades fest und unterstützt dies mit zunehmenden Anreizen in Form von Subventionen. Zugleich sind chinesische Auslandsinvestitionen in die Agrarbranche sprunghaft angestiegen. 

Dementsprechend hat die chinesische Regierung den überfälligen Strukturwandel und die Modernisierung der Landwirtschaft sowie eine Verbesserung der Lebensbedingungen im ländlichen Raum (Daseinsvorsorge, Infrastruktur, Trinkwasser- und Stromversorgung) als Kernthemen in ihrem Arbeitsplan verankert. Strukturreformen, eine stärker nachfrageorientierte Produktion sowie der teilweise Abbau von Subventionen sind beabsichtigt .Als große Herausforderungen der Landwirtschaft werden die nicht am Bedarf ausgerichtete Produktion, die hohen, nicht wettbewerbsfähigen Produktionskosten für Agrarprodukte, die rasant steigenden Produktions- und Lohnkosten, die sich an der WTO-kritischen Grenze bewegenden Direktsubventionen und die massiven negativen Umweltauswirkungen der Landwirtschaft identifiziert. 

Im Mittelpunkt der Strukturreform steht der Aufbau einer effizienten Wertschöpfungskette mit größeren und zeitgemäßen landwirtschaftlichen Betrieben, der Aufbau einer modernen Ernährungsindustrie auf dem Land und eine adäquaten Infrastruktur zur Versorgung der städtischen Ballungsgebiete. Damit soll nicht nur effizienter produziert, sondern gleichzeitig sollen höhere Anbau- und Produktionsstandards umgesetzt werden, die zudem leichter kontrolliert werden können. Damit wird zugleich die Lebensmittelsicherheit als weiteres drängendes Thema für Regierung und Verbraucher aufgegriffen. Eine Novelle des Lebensmittelsicherheitsgesetzes aus 2009 ist Anfang Oktober 2015 in Kraft getreten, derzeit werden Durchführungsrechtsakte erlassen.

Mit der im November 2013 angekündigten Landrechtereform, die Bauern künftig eine selbstbestimmte Verwaltung verspricht, soll schließlich eine zweckentsprechende,effektivere und intensivere ackerbauliche  Nutzung aller landwirtschaftlichen Flächen erreicht und die soziale Absicherung der Bauern gewährleistet werden. Derzeit laufen in allen Provinzen Pilotprojekte zur Umsetzung der Landrechtereform. Durch Urbanisierungsdruck, lukrativen Grundstückshandel und Erosion geht dennoch weiterhin viel landwirtschaftlich nutzbarer Boden verloren. Mittlerweile gilt ein Fünftel der Agrarflächen als mit Rückständen von Chemikalien und Pflanzenschutzmitteln derart belastet oder erodiert, dass sie für den Ackerbau ungeeignet sind.


Verkehr

China ist seit einigen Jahren der größte Automobilmarkt der Welt und wächst weiter: 2016 wurden 24,4 Mio. PKWs verkauft, 14,9% mehr als im Vorjahr. Der Absatz von Fahrzeugen mit alternativem Antrieb stieg um über 50% auf rund 500.000 Fahrzeuge. Für die deutschen Hersteller ist China der wichtigste Einzelmarkt.

In 2016 stieg das Passagieraufkommen im Luftverkehr im Jahresvergleich zu 2015 um 11,8% auf 490 Mio. Passagiere. China ist damit heute der zweitgrößte Luftverkehrsmarkt weltweit und wird allen Prognosen zufolge mittelfristig die USA als weltgrößten Markt ablösen. Es wird erwartet, dass chinesische Airlines bis 2030 rund 6.000 neue Passagierflugzeuge kaufen werden. Ende 2016 gab es in China 218 zivile Flughäfen, davon 28 mit mehr als 10 Mio. Passagieren jährlich.

Die Gesamtlänge des chinesischen Schienennetzes beträgt rund 124.000 km, davon sind 22.000 km Hochgeschwindigkeitsstrecken. In 2016 wurden 3281 km Strecke neu gebaut, davon 1903 km Hochgeschwindigkeitsstrecken. Weitere 3612 km wurden erweitert (double-track). China besitzt damit heute – neun Jahre nach Eröffnung der ersten Strecke – das größte Hochgeschwindigkeitsnetz der Welt. In den Ausbau des Eisenbahnnetzes und in das Zugmaterial sollen bis 2020 3,8 Billionen RMB (umgerechnet derzeit ca. 517 Mrd. Euro) investiert werden. Das Gesamtstreckennetz Chinas soll bis 2020 auf eine Länge von insgesamt 150.000 km ausgebaut werden, wovon dann 30.000 km Hochgeschwindigkeits-Strecken sein sollen.


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