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China

Wirtschaft

Stand: Dezember 2014

China ist der wichtigste Wirtschaftspartner Deutschlands in Asien, Deutschland ist Chinas wichtigster Handelspartner in Europa. China sieht Deutschland nicht nur wirtschaftlich, sondern auch politisch als sein "Tor nach Europa". Dynamische Handelsbeziehungen, Investitionen, Umweltzusammenarbeit, forschungs- und wissenschaftspolitische Zusammenarbeit und intensiver hochrangiger Besucheraustausch prägen die Beziehungen.

Grundlinien der Wirtschaftspolitik

China ist seit 2010 vor Japan die zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt, beim Bruttoinlandsprodukt pro Kopf liegt China mit rund 5000 EUR im weltweiten Mittelfeld. Es gibt jedoch inerhalb des Landes enorme regionale und soziale Unterschiede. Seit 2013 ist China größte Handelsnation der Welt. Zudem hält China die weltweit höchsten Devisenreserven (rund 3,9 Bill. USD).

Im März 2013 hat die 5. Führungsgeneration in der Volksrepublik die Regierungsgeschäfte übernommen. Die Führung hat erkannt, dass das bisherige Entwicklungsmodell nicht nachhaltig ist und tiefgreifende Reformen Voraussetzung für neues Wachstum sind. Gravierende soziale und ökologische Probleme haben sich angehäuft und werden sich in den nächsten Jahren noch verschärfen. Das Wachstum soll nachhaltiger werden. Schlüsselthemen sind dabei die Stabilisierung des Wachstums, „soziale Gerechtigkeit“ und die Partizipation möglichst aller Bevölkerungsschichten an der weiteren wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Entwicklung. Mit den Entscheidungen des Dritten Plenums im November 2013 wurden wichtige Reformschritte angekündigt; ihre Umsetzung läuft zögerlich an.

China steht unverändert vor gewaltigen Aufgaben: Um wettbewerbsfähig zu bleiben, muss sich die Wirtschaft weiter modernisieren, und substantielle Reformen müssen durchgeführt werden. Ziel des aktuellen Fünfjahresplans ist daher die Umstrukturierung der chinesischen Volkswirtschaft von einer investitions- und exportorientierten zu einer innovationsgetriebenen, stärker auf Binnenmarkt ausgerichteten Volkswirtschaft. Hierfür müssen nicht zuletzt auch Innovationsfähigkeit und Kreativität in der Gesellschaft gestärkt werden, auch durch strukturelle Reformen im Bildungssystem.


Aktuelle Wirtschaftslage

2013 lag das Wachstum der chinesischen Volkswirtschaft bei 7,7 %  und damit im internationalen Vergleich weiterhin sehr hoch, auch wenn nicht mehr die zweistelligen Wachstumszahlen vergangener Jahre erreicht werden konnten. Der langfristige Wachstumstrend wird sich aufgrund der demographischen Entwicklung allerdings abschwächen. Chinas Ein-Kind-Politik führt auch dazu, dass weniger Menschen auf den Arbeitsmarkt drängen werden. Es wird geschätzt, dass das Wachstumspotenzial der chinesischen Volkswirtschaft mittel- und langfristig niedriger ausfallen wird. Das chinesische Wirtschaftsmodell ist nach wie vor stark investitionsgetrieben. Staatliche Investitionen bilden einen wesentlichen Wachstumsmotor. Auch 2013 trugen Investitionen mehr zum Wachstum bei als der heimische Konsum. Die chinesische Regierung will den Umbau der Wirtschaft durch strukturelle Reformen vorantreiben. Eine stärkere Marktorientierung und ein schrittweiser Rückzug staatlicher Stellen von der bisherigen Mikrosteuerung in Wirtschaftsfragen sind Leitgedanken der anstehenden Reformen.


Außenhandel

Der chinesische Außenhandel hat sich in den letzten 12 Jahren mehr als verzehnfacht.

Die Exporte stiegen 2013 um 7,9 % an, die Importe um 7,3 %. Damit wuchs der Handelsbilanzüberschuss auf rund 260 Mrd. USD bzw. 2,5 % des Bruttoinlandsprodukts. China ist Exportweltmeister vor den USA und Deutschland. Zum Vergleich: 2012 wuchs der chinesische Außenhandel noch mit 6,2 Prozent. Größter Absatzmarkt für chinesische Güter sind auch 2013 die USA. Dorthin lieferte China fast 17 % seiner Waren. Die EU ist der zweitwichtigste Markt. Dorthin gingen gut 15 % der chinesischen Produkte. Da China aus den USA lediglich Waren im Wert von gut 150 Mrd. USD bezog (7,8 % der chinesischen Importe), ergibt sich ein hieraus ein hohes Defizit für die USA im bilateralen Handel mit China. Für die EU stellt sich die Situation etwas günstiger dar. Immerhin 11,3 % der chinesischen Importe kommen aus diesem Wirtschaftsraum. Damit ist die EU  der größte Handelspartner Chinas.

Es zeichnet sich ab, dass China mehr und mehr auf den Handel mit ASEAN-Staaten setzt – auch und vor allem, um die hohe Abhängigkeit zu den USA abzumildern. Die Exporte in ASEAN-Staaten liegen 2013 bei 11 %; dem stehen Importe von 10,7 % gegenüber.

China hat mit 16 Handelspartnern Freihandelsabkommen geschlossen und steht mit weiteren 12 Partnern in Verhandlungen. Ein geplantes bilaterales Abkommen mit Südkorea soll noch in 2014 zur Unterzeichnung gebracht werden. Die Ankündigung von Verhandlungen zwischen EU und USA zu einem Freihandelsabkommen und die TPP-Pläne wurden von Peking zunächst mit kritischer Aufmerksamkeit zur Kenntnis genommen worden. Inzwischen bekundet China Interesse an TPP-Verhandlungen und hat jüngst mitgeteilt, an den Verhandlungen zum TiSA (Trade in Services Agreement) teilnehmen zu wollen.


Investitionsbedingungen

Der Beitritt des Landes zur Welthandelsorganisation (WTO) 2001 stellte nicht nur eine umfassende Verpflichtungserklärung Chinas und der WTO-Mitglieder zur Wiedereingliederung des Landes in das Weltwirtschaftssystem dar, sondern war auch für die chinesische Öffentlichkeit ein klares Zeichen der Öffnung ihres Landes und seiner Eingliederung in die arbeitsteilige globale Weltwirtschaft.

Nach wie vor haben sich allerdings nicht alle internationalen Erwartungen erfüllt, da eine Vielzahl von Wirtschaftsbereichen weiterhin unter starker staatlicher Kontrolle stehen und teilweise deutliche Marktzugangsprobleme aufweisen. So ist China bspw. noch nicht dem WTO-Abkommen über das öffentliche Beschaffungswesen (Government Procurement Agreement) beigetreten.

Ende 2013 fiel der Startschuss für Verhandlungen über ein Investitionsabkommen zwischen EU und China, das neben Regelungen für einen ehrgeizigen Investitionsschutz auch wichtige Marktzugangsbestimmungen enthalten soll.


Strukturreformen

Die Konjunkturpakete als Reaktion auf die globale Wirtschafts- und Finanzkrise 2009/2010 haben das Reformtempo beim Strukturwandel deutlich gedrosselt. In einigen Sektoren sind deutliche Überkapazitäten entstanden, worunter auch die ausländischen Anbieter in diesen Sektoren leiden. Das große Konjunkturprogramm nach Ausbruch der Finanzkrise hat zudem die Schulden der regionalen Gebietskörperschaften wachsen und die Bankbilanzen ansteigen lassen. In den Büchern der Banken werden nunmehr auch zahlreiche abschreibungsbedürftige Kredite vermutet. Die negativen Erfahrungen mit steigender Verschuldung und wachsenden Überkapazitäten in Folge der wirtschaftlichen Stimuli haben zu einer Ablehnung solcher Programme bei der neuen Führung geführt. Premierminister Li propagiert eher den Verzicht auf Konjunkturprogramme, Strukturreformen und Entschuldung.

Im 12. Fünfjahresplan sind „neue strategische Industrien" enthalten, deren Anteil am BIP bis 2015 von derzeit 3% auf 8% steigen soll. Dazu zählen Energieeinsparung und Umweltschutz, neue Informationstechnologien, Bio-Technologie, hochwertige Ausrüstungen, neue (nicht-fossile) Energien, neue Materialien und alternative Kfz-Antriebstechniken. Durch eine aktive Industriepolitik will die chinesische Regierung die Wirtschaft weiter nach oben in der Wertschöpfungskette bewegen.

Das 3. Plenum des ZK im November 2013 hat die verstärkte Rolle des Marktes hervorgehoben. Die „entscheidende Rolle des Marktes bei der Ressourcenallokation“, und der angekündigte Rückzug der Staatsführung von der Mikrosteuerung in Wirtschaftsfragen setzen neben der dominanten Position öffentlichen Eigentums den Rahmen für umfassende Reformen im Finanz- und Wirtschaftssektor. Die bisherige Vormachtstellung der Staatsunternehmen (SOE) wird in der Substanz nicht angegriffen, soll aber – zumindest in Teilen – zurückgefahren werden, SOE sollen sich „marktgerechter" und wettbewerbsfähiger“ aufstellen. Die CHN-Führung hat den Aufbau einer „Green Economy“ und die Einbindung einer nachhaltigen Wirtschaftspolitik im Konzept der „ökologischen Zivilisation“ zu einem wichtigen Ziel erklärt. Die Politik des Paradigmenwechsels – weg von einem rein quantitativen hin zu einem qualitativen Ansatz – wird fortgesetzt.

Das chinesische Bankensystem befindet sich noch in der Entwicklungsphase. Die Staatsbanken verbuchen hohe Gewinne; ihre Hauptkreditnehmer sind die großen Staatsunternehmen. Für kleinere und mittlere Unternehmen bleibt die Finanzierung der Ausweitung ihrer Geschäfte durch Bankkredite weiterhin schwierig. Viele von ihnen müssen zur Finanzierung ihrer Projekte auf den Schattenbankensektor ausweichen. Dieser wuchs weiter, bis der Staat verstärkt ab Mitte 2013 versuchte, das Wachstum des informellen Sektors u. a. durch verschärfte Regeln in den Griff zu bekommen. Hauptgläubiger der Staatsbanken sind private Sparer, die bei vorerst unvollständiger sozialer Absicherung durch eigene Ersparnisse für Kosten der medizinischen Vorsorge, Ausbildung der Kinder und eigenen Altersvorsorge aufkommen müssen.

Die Reform des Finanzsektors ist eines der wichtigen Ziele des aktuellen Fünfjahresplanes und Voraussetzung für eine Liberalisierung des Kapitalverkehrs. Einen wichtigen Schritt zur Liberalisierung des Systems tat die chinesische Zentralbank (People’s Bank of China) im Juli 2013, als sie die Regulierung des Kreditzinssatzes nahezu vollständig aufhob. Für Einlagen gelten weiterhin Referenzzinssätze der Zentralbank, von denen die Banken nur geringfügig nach oben abweichen dürfen. Daher werden zahlreiche Geldanlageprodukte angeboten, mit denen die staatliche Einlagenzinsregulierung umgangen und somit eine höhere Rendite geboten werden kann. Im November 2013 beschloss das 3. Plenum des Zentralkomitees der Kommunistischen Partei, die Reformen im Finanzsektor beschleunigt voranzutreiben.


Soziale Bedingungen

Die andauernde Gefährdung für die soziale Verfasstheit der chinesischen Gesellschaft geht unverändert von der ungleichen wie ungleichzeitigen Entwicklung der chinesischen Ökonomie und Wohlstandsverteilung aus. Besonders gravierend äußert sich Ungleichheit entlang der Spaltungslinien Stadt- versus Landbevölkerung, regulärer versus Wanderarbeit sowie jüngerer versus älterer Menschen. Nur minimal hat sich der Gini-Koeffizient (Maß für die Einkommensungleichverteilung) 2013 gegenüber 2012 verringert, von 0,474 auf 0,473. Somit liegt China nach wie vor deutlich über der Grenze, die nach Definition der VN eine extreme Ungleichheit anzeigt (0,4).

Das durchschnittliche Haushaltsnettoeinkommen pro Kopf und Jahr ist in der Stadt mit knapp 27.000 RMB (ca. 3.200 Euro) drei Mal so hoch wie in ländlichen Gebieten mit knapp 9.000 RMB (ca. 1.050 Euro). Dabei wuchs das Einkommen der Landbevölkerung mit 9,3 % etwas stärker als das der Stadtbewohner mit 7 %. Der Mindestlohn ist im ersten Halbjahr 2014 in mehreren Städten und Provinzen angehoben worden: An der Spitze steht Shanghai mit 1.820 RMB pro Monat (+ 200 RMB gegenüber Vorjahr), am unteren Ende städtische Gebiete in Tibet mit 400 RMB pro Monat. 

Erklärtes Ziel der chinesischen Regierung ist die Verdopplung der Einkommen bis zum Jahr 2020. Hierfür soll der Mechanismus der Lohnfindung, im Einzelnen sowohl die Systeme zur Festlegung des Mindestlohns als auch das System der Tarifverhandlungen, ausgebaut werden.

Die Situation auf dem Arbeitsmarkt ist höchst uneinheitlich – je nach Region, Branche und Berufsfeld. Die offizielle Arbeitslosenstatistik, die nur Personen mit städtischer Haushaltsregistrierung erfasst, liegt unverändert bei 4,1%. Boomenden Regionen und Branchen stehen solche mit struktureller Arbeitslosigkeit gegenüber. Die reale Arbeitslosigkeit wird auf 7 – 10% geschätzt.

Anfang 2014 hat der Staatsrat den Aufbau eines einheitlichen Altersversicherungssystems für Stadt- und Landbewohner beschlossen. Dadurch soll sichergestellt werden, dass Rentenansprüche landesweit übertragbar sind. Provinzen, die nicht über genügend eigene Mittel verfügen, erhalten Subventionen von der Zentralregierung.


Energie, Klima, Umwelt

Das enorme Wirtschaftswachstum Chinas wird begleitet durch einen in diesem Ausmaß einmaligen Raubbau an der Umwelt, der weitere Belastungen oft gar nicht mehr zulässt. Proteste gegen Umweltverschmutzung sind einer der Hauptgründe für soziale Unruhen; CHNs Führung steht unter großem öffentlichem Druck, rasch Erfolge vorzuweisen. Ein neues Umweltgesetz (in Kraft: 1.1.2014) verbessert die Informations- und Beteiligungsrechte der Öffentlichkeit und verschärft die Verantwortung von Unternehmen.

2014 waren erneut große Teile Chinas lange von gesundheitsgefährdendem Smog bedeckt. PM 2.5- Feinstaublesungen erreichten tageweise 900 Mikrogramm/m3. China hat die Probleme erkannt und bekennt sich zur mittelfristigen Schaffung einer „Green Economy“. Der Leitfaden ist eine graduelle Abkehr von fossilen Energieträgern sowie eine Steigerung der Energieeinsparung und Energieeffizienz.

China ist seit 2010 der weltgrößte CO2-Emittent mit jährlich steigenden Emissionen. China setzt sich eigene klimapolitische Ziele (Minderung des CO2-Ausstoßes pro BIP-Einheit um 40-45% bis 2020 ggü. 2005-Level), will sich aber international nicht verpflichten lassen. Zur Umsetzung spielen die Kontrolle des Energieverbrauchs sowie die Entwicklung „neuer Energien“ eine strategische Rolle. Die Einführung von Marktmechanismen soll zur effizienteren Kontrolle des Energiesektors beitragen. Das Wachstumsziel nicht fossiler Energieträger wird wesentlich durch den forcierten Ausbau der Nuklear-, Wasser- und Windenergie getragen. Kohle wird aber auch in Zukunft das Rückgrat der chinesischen Energieversorgung bleiben (aktuell ca. 65 %). „Saubere Kohle“ ist daher ein wichtiges Thema der chinesischen Energiepolitik.

Eine absolute Kappung der CO2-Emissionen wird nach chinesischen Berechnungen kaum vor 2030 einsetzen. Nachdem administrative Vorgaben nicht ausreichend effektiv sind, plant die Regierung auch die schrittweise Einführung marktnaher Instrumente, z. B. eine Kohlenstoff-Steuer oder den Aufbau eines nationalen Emissionshandelssystems.


Urbanisierung

Seit dem Jahr 2012 leben erstmals mehr als 50 % der Menschen in Chinas Städten. Auch in Zukunft werden jedes Jahr weitere 13 Millionen Menschen in die Städte ziehen. Die Zahl der Wanderarbeiter stieg 2013 auf 269 Millionen an. Die dynamische Urbanisierung stellt die chinesische Regierung vor große Herausforderungen, unter anderem sich verschlechternde Umweltbedingungen, rasch zunehmende Verkehrsströme, Wohnungsmangel und stark steigende Mieten und Kaufpreise für Immobilien, ein Mangel an qualifizierten Arbeitsplätzen und Mängel in der Infrastruktur und der starke Rückgang von landwirtschaftlichen Nutzflächen. Immer wieder kommt es aufgrund von Land-Enteignungen ohne ausreichende Entschädigungen zu Protesten. Eine sozial ausgewogene und ökologisch nachhaltige Stadtentwicklung ist einer der entscheidenden Faktoren für die Stabilität des Landes. Die chinesische Regierung misst den Herausforderungen einer geplanten Urbanisierung deshalb hohe Priorität bei. Bundeskanzlerin Merkel und der chinesische Ministerpräsident Li Keqiang haben im Mai 2013 eine deutsch-chinesische Urbanisierungspartnerschaft vereinbart. Die chinesische Seite hat ein großes Interesse an deutschen Erfahrungen im Bereich Urbanisierung. Auch deutschen Unternehmen bieten sich hier viele Chancen, z. B. beim Ausbau der Infrastruktur, im Gesundheitswesen, bei der energetischen Sanierung von Wohngebäuden und bei der Stadtplanung.

Hinweis:

Dieser Text stellt eine Basisinformation dar. Er wird regelmäßig aktualisiert. Eine Gewähr für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Angaben kann nicht übernommen werden. 


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