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Mosambik

Wirtschaftspolitik

Stand: April 2013

Wirtschaftliche Lage

Seit Bekanntwerden bedeutender Erdgasfunde im Herbst 2011 hat sich die Sichtweise auf Mosambiks Wirtschaftspotential drastisch geändert. Die Erdgasvorkommen werden mit denen von Katar verglichen und könnten Mosambik zumindest theoretisch in den nächsten zehn Jahren zum drittgrößten Erdgasexporteur weltweit machen. Bei gutem Timing und kluger Verwendung könnten die Erdgasfunde für die mosambikanische Regierung den Schlüssel zu einer nachhaltigen Armutsreduzierung darstellen. Vor 2018 ist allerdings mit signifkanten Einnahmen aus der Gasförderung nicht zu rechnen. Bis dahin muss die RvM gemeinsam mit Projektpartnern und Gebern die Herkulesaufgabe bewältigen, zum einen die nötige Infrastruktur und zum anderen auf allen Verwaltungsebenen die erforderlichen Kapazitäten für die Bewältigung und Kanalisierung dieses potenziellen Booms zu schaffen. Gleichzeitig muss sie um des sozialen Friedens willen die Erwartungshaltung der Bevölkerung dämpfen, die sich vielfach sofortige, individuell greifbare Gewinne aus den Rohstoffvorkommen verspricht. In die anfängliche Euphorie beginnt sich außerdem Sorge zu mischen, ob der erwartete Boom unter Umständen aufgrund global fallender Rohstoffpreise stagnieren könnte.

Auch über Kohle und Gas hinaus ist Mosamik reich an Bodenschätzen (unter anderem Eisen, Titan, Tantal, Seltene Erden, Gold, Diamanten, Uran, Industriemineralien, Baumaterialien), an natürlichen Energieressourcen (Hydro, Geothermie, Solar, Windkraft) und verfügt mit 36 Millionen Hektar urbarem Land über großes agrarisches Potenzial, von dem zur Zeit nur etwa 10 Prozent hauptsächlich durch Kleinbauern genutzt wird (nur 3 Prozent für kommerzielle Produktion). Über 2500 Kilometer größtenteils unberührte Küste mit vorgelagerten Riffen, Inseln, der Niassa-See und im Wiederaufbau begriffene Nationalparks sind touristisch immer noch weitgehend unerschlossen und ungenutzt.

Mosambik hat in den 20 Jahren seit Ende des Bürgerkriegs eine bemerkenswerte Entwicklung zu Wege gebracht (Pro-Kopf-Einkommen 1994 bei unter 100 US-Dollar pro Jahr, 2011 bei 533 US-Dollar, Quelle: Weltbank). Weiterhin relativ unbeeinflusst von der globalen Wirtschaftskrise lag das mosambikanische Wirtschaftswachstum seit 2007 stabil um 7 Prozent, 2012 bei 7,5 Prozent und wird für 2013 auf 8,4 Prozent prognostiziert (Quelle: IWF). Das Wirtschaftswachstum basiert jedoch immer noch auf einer sehr schmalen Basis.

Trotz der positiv anmutenden Wirtschaftsdaten bleiben die Herausforderungen groß: Fast 55 Prozent der mosambikanischen Bevölkerung leben immer noch unter der absoluten Armutsgrenze (weniger als 0,5 US-Dollar pro Tag) und laut UNDP Human Development Index 2012 ist Mosambik das drittärmste Land der Welt (185 von 187). Mosambik bleibt stark für exogene Faktoren (Weltmarktpreise für Öl, Weizen und das Hauptexportprodukt Aluminium; Wechselkurs im Verhältnis zu US-Dollar und südafrikanischem Rand) anfällig. Einheimisches Unternehmertum und lokale Arbeitskraft sind unterqualifiziert und unterentwickelt. Die Alphabetisierungsrate von 55 Prozent  sowie die HIV/AIDS-Rate von etwa 12 Prozent innerhalb der arbeitsfähigen Bevölkerung (15-49 Jahre) stellen das Land vor große Herausforderungen mit Auswirkungen auf die weitere soziale und wirtschaftliche Entwicklung. Gegenüber dem Vorjahr ist Mosambik im "Doing Business Report" 2013 der Weltbank zwar um 7 Plätze abgestiegen und belegt jetzt nur noch Platz 146 von 185. Damit liegt Mosambik nur noch knapp im unteren Mittelfeld und im Vergleich zu anderen Regionalökonomien auf dem vorletzten Platz vor Angola (Platz 172). 



Wirtschaftssektoren

Neben dem Anbau von Nahrungsmitteln (hauptsächlich Subsistenzwirtschaft) werden in Mosambiks Landwirtschaft nur wenige "cash crops" wie Tabak, Zucker, Tee, Baumwolle und Cashew-Nüsse angebaut, jedoch kaum im Land selbst weiterverarbeitet. Trotz günstiger Anbaumöglichkeiten ist Mosambik Nettoimporteur von Getreide und Reis (über 90 Prozent des Bedarfs). Im Zuckerbereich profitiert Mosambik vom EU-Präferenzabkommen ("everything but arms"), welches zoll- und quotenfreien EU-Marktzugang bei festen Abnahmepreisen gewährt. Vielversprechende Ansätze gab es bei der Produktion von Biokraftstoffen aus Zuckerrohr und Jatropha. Die Fischwirtschaft spielt traditionell eine wichtige Rolle in Mosambik. Die EU hat im Januar 2012 ein neues Fischereiabkommen mit Mosambik abgeschlossen. Mosambik hat de facto keine Kontrolle über illegale Fischerei oder andere wirtschaftsschädigende Aktivitäten (Piraterie) in den nationalen Gewässern.

Charakteristisch sind extreme Disparitäten zwischen Stadt und Land sowie zwischen den strukturschwachen Nord- und Mittelregionen und den wirtschaftlichen Zentren in der Provinz Maputo im Süden des Landes. Das Nord-Süd-Gefälle könnte sich, abhängig von der Entwicklung der Kohle- und Gasvorkommen, langfristig ausgleichen, da die Vorkommen vor-nehmlich im Nordwesten (Tete) beziehungsweise Norden (Cabo Delgado) liegen.


Staatshaushalt

Als eines der ersten Schuldnerländer profitierte Mosambik von dem im Rahmen der G8-Initiative (Highly Indebted Poor Countries) beschlossenen Schuldenerlass. Einschließlich des im September 2001 gewährten erweiterten Schuldenerlasses wurden Mosambik insgesamt 4,3 Milliarden US-Dollar Auslandsschulden erlassen, was Mosambik finanzielle Spielräume verschafft hat, um dem dringlichsten Problem des Landes, der absoluten Armut weiter Bevölkerungsteile, zu begegnen.

Mosambik ist dennoch nach wie vor in hohem Maße auf internationale Zusammenarbeit angewiesen und wird sich von dieser Abhängigkeit in absehbarer Zeit nicht lösen können. Insgesamt treten in Mosambik 25 Staaten, acht multilaterale Organisationen sowie 11 Unterorganisationen der Vereinten Nationen als Geber auf. Der mosambikanische Staatshaushalt wird etwa zur Hälfte durch Mittel der internationalen Entwicklungszusammenarbeit finanziert.


Außenhandel

Importe und Exporte bewegen sich noch auf niedrigem Niveau. Der Anteil Mosambiks am Welthandel lag 2011 nach Angaben der Welthandelsorganisation WTO bei etwa 0,025 Prozent. Das Handelsbilanzdefizit betrug im Jahr 2011 etwa 1,9 Milliarden US-Dollar (Exporte: ca. 3,8 Milliarden US-Dollar, Importe ca. 5,8 Milliarden US-Dollar). Die EU und Südafrika sind mit Abstand die stärksten Handelspartner, gefolgt von China, Indien, Iran, Malaysia und den Vereinigten Arabischen Emiraten. Die Exporte wurden noch von den Einnahmen aus Aluminium, Energielieferungen und Erdgas dominiert. Daneben sind Tabak, Garnelen, Zucker, Baumwolle und Cashew-Nüsse für den Export von Bedeutung. Die Importe bestehen vor allem aus Zulieferungen für die Aluminiumschmelze MOZAL (Bauxit), Maschinen, Fahrzeugen, Treibstoff und Getreide. Wenn es gelingt, die Infrastruktur-Engpässe zu überwinden, wird voraussichtlich Kohle schnell zum Hauptexportprodukt avancieren, während Erdgas vermutlich erst in einigen Jahren signifikant mehr zum Außenhandel beitragen wird.

Ausländische Unternehmen sind hauptsächlich im Bergbausektor, im Einzelhandel und Tourismus und im Baubereich präsent. Der Investitionsbedarf im Bergbaubereich (Kohle und Erdgas) sowie im Infrastruktursektor wird für die nächsten 10 Jahre auf 50-100 Milliarden US-Dollar geschätzt. Nach Schätzungen der Economist Intelligence Unit und anderen Beobachtern werden die Einnahmen aus dem Rohstoffsektor mittelfristig die allgemeine Budgethilfe der traditionellen Geberländer (2012: 438 Millionen US-Dollar) überflügeln, zum einen aufgrund der steigenden Einnahmen aus Lizenzgebühren und Förderabgaben, zum anderen aufgrund sinkender Zahlungen der Geber aus wirtschaftlichen oder politischen Erwägungen.

Mosambik ist Mitglied der Welthandelsorganisation und der Entwicklungsgemeinschaft im südlichen Afrika (SADC). Mosambik ist - im Gegensatz zu den meisten seiner Nachbarländer - nur Mitglied dieser einen Regionalorganisation. Mosambik ist außerdem Mitglied des Internationalen Währungsfonds (IWF). Der Internationale Währungsfonds hat im Juli 2007 seine "Poverty Reduction Growth Facility" (PRGF) durch ein "Policy Support Instrument" (PSI) ersetzt. Das PSI beinhaltet keine finanzielle Hilfe mehr, sondern beschränkt sich auf Überwachung und Beratung bei der Umsetzung der makroökonomischen Ziele. Das PSI gilt als Vertrauensbeweis des IWF in die gesamtpolitische Lage des Landes. Aktuell verhandelt die mosambikanische Regierung mit dem IWF über eine Fortsetzung des PSI.

Der Neue Metical (MZN) ist eine frei konvertierbare Währung, die jedoch durch Devisenbeschränkungen am völlig freien Floaten gehindert wird und im Wesentlichen von Südafrikanischem Rand, Euro und US-Dollar abhängig ist. Der MZN unterliegt bei Ausfuhr aus Mosambik Beschränkungen. Nach einer starken Abwertung 2010 (über 19 Prozent gegenüber dem US-Dollar) wurde der MZN 2011 erheblich aufgewertet, sowohl gegenüber dem US-Dollar als auch gegenüber Euro und südafrikanischem Rand. Nach einer weitgehenden Stabilisierung 2012 ist es seit Jahresbeginn 2013 wieder zu einer leichten Abwertung gekommen.


Umweltpolitik

Als eines der ärmsten Länder der Welt genießen Umwelt- und Klimaschutz in Mosambik nicht die oberste politische Priorität. Es fehlt außerdem vielfach die Kapazität, die Umweltverträglichkeit von Projekten objektiv zu überprüfen. Infrastrukturprojekte, wie zum Beispiel der Tiefseehafen Techobanine (auch unter dem Namen Dobela bekannt) konkurrieren mit Umweltschutzprojekten (zum Beispiel dem Weltnaturerbe "Elephant Coast").

Aufgrund seiner zahlreichen großen Flüsse (Limpopo, Sambesi, Lurio, Rovuma, Save) verfügt das Land über reichhaltiges klimafreundliches Potenzial an Wasserkraftressourcen. Eine fast 2500 lange Küste bildet zusammen mit den nach dem Bürgerkrieg rehabilitierten Nationalparks im Landesinneren ein Reservoir an Artenvielfalt, das bisher nur wenig kommerziell (Fischfang, Garnelenzucht) und touristisch genutzt wird. Illegaler Holzeinschlag sowie extensive Landnutzung (Brandrodung, Monokulturen, Bodenerosion) stellen in einigen Landesteilen Gefahren für Umwelt und Natur dar. Periodisch wiederkehrende Überschwemmungen an den großen Flüssen, tropische Zyklone und Dürren besonders im Süden des Landes, unterstreichen Mosambiks relative Anfälligkeit für Naturkatastrophen.



Hinweis

Dieser Text stellt eine Basisinformation dar. Er wird regelmäßig aktualisiert. Eine Gewähr für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Angaben kann nicht übernommen werden. 


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