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Mosambik

Wirtschaftspolitik

Stand: Oktober 2015

Wirtschaftliche Lage

Seit Bekanntwerden bedeutender Erdgasfunde im Herbst 2011 hat sich die Sichtweise auf Mosambiks Wirtschaftspotential drastisch geändert. Die Erdgasvorkommen werden mit denen von Katar verglichen und könnten Mosambik in den nächsten zehn Jahren zum drittgrößten Erdgasexporteur weltweit machen. Der grundlegende gesetzliche Rahmen und damit Investitionssicherheit für den Einstieg in die Gasförderung wurde Ende 2014 geschaffen. Investitionsentscheidungen der internationalen Konsortien, die sich zur Ausbeutung der Vorkommen zusammengeschlossen haben, stehen kurz bevor. Bisher gibt es trotz niedriger Energiepreise auf dem Weltmarkt keine Hinweise, dass die Pläne für die Förderung zurückgestellt werden sollen. Bei gutem Timing und kluger Verwendung könnten die Erdgasfunde für die mosambikanische Regierung den Schlüssel zu einer nachhaltigen Armutsreduzierung darstellen. Vor 2020/21 ist mit signifkanten Einnahmen aus der Gasförderung aber noch nicht zu rechnen. Bis dahin muss die Regierung von Mosambik gemeinsam mit Projektpartnern und Gebern die Herkulesaufgabe bewältigen, die nötige Infrastruktur und die erforderlichen Kapazitäten für die Bewältigung und Kanalisierung des potenziellen Booms zu schaffen.

Gleichzeitig muss sie um des sozialen Friedens willen die Erwartungshaltung der Bevölkerung dämpfen, die sich vielfach sofortige, individuell greifbare Gewinne aus den Rohstoffvorkommen verspricht. In die anfängliche Euphorie mischt sich außerdem die Sorge, ob der erwartete Boom aufgrund global niedriger Rohstoffpreise und innenpolitischer Unwägbarkeiten doch noch stagnieren könnte.

Auch über Kohle und Gas hinaus ist Mosamik reich an Bodenschätzen (unter anderem Eisen, Titan, Tantal, Seltene Erden, Gold, Diamanten, Uran, Industriemineralien, Baumaterialien), an natürlichen Energieressourcen (Hydro, Geothermie, Solar, Windkraft) und verfügt mit 36 Millionen Hektar urbarem Land über großes agrarisches Potenzial, von dem zur Zeit nur etwa 10 Prozent hauptsächlich durch Kleinbauern genutzt wird (nur 3 Prozent für kommerzielle Produktion). Über 2700 Kilometer größtenteils unberührte Küste mit vorgelagerten Riffen, Inseln, der Niassa-See und im Wiederaufbau begriffene Nationalparks sind touristisch immer noch weitgehend unerschlossen und ungenutzt.

Mosambik hat in den 20 Jahren seit Ende des Bürgerkriegs eine bemerkenswerte Entwicklung zu Wege gebracht (Pro-Kopf-Einkommen 1994 bei unter 100 US-Dollar pro Jahr, 2014 bei 620 US-Dollar, Quelle: Weltbank). Relativ unbeeinflusst von der globalen Wirtschaftskrise lag das mosambikanische Wirtschaftswachstum seit 2007 stabil um 7 Prozent, 2014 bei 7,4 Prozent und wird für 2015 auf 7,0 Prozent prognostiziert (Quelle: IWF). Das Wirtschaftswachstum entwickelt sich jedoch immer noch auf einer sehr schmalen Basis.

Trotz positiver Wirtschaftsdaten und mittelfristiger Perspektiven bleiben die Herausforderungen groß: Fast 55 Prozent der mosambikanischen Bevölkerung leben immer noch unter der absoluten Armutsgrenze (weniger als 0,5 US-Dollar pro Tag). Im UNDP Human Development Index 2014 steht Mosambik auf Platz 178 von 187 Ländern. Mosambik bleibt stark anfällig für äußere Faktoren (Weltmarktpreise für Öl, Weizen und die Exportprodukte Aluminium und Kohle; Wechselkurs im Verhältnis zu US-Dollar und südafrikanischem Rand). Einheimisches Unternehmertum und lokale Arbeitskraft sind unterqualifiziert und unterentwickelt. Das Geschäftsklima wird von vielen Unternehmern - jenseits der Megaprojekte – als entwicklungshemmend gesehen. Unzureichender Zugang zu Finanzierungsmöglichkeiten, Korruption und wenig oder schlecht ausgebaute Infrastruktur werden als größte Hemmnisse genannt. Die Alphabetisierungsrate von 55 Prozent sowie die HIV/AIDS-Rate von etwa 12 Prozent innerhalb der arbeitsfähigen Bevölkerung (15-49 Jahre) stellen das Land vor große Herausforderungen mit Auswirkungen auf die weitere soziale und wirtschaftliche Entwicklung. Auf dem internationalen Index für Wettbewerbsfähigkeit der Weltbank hat sich Mosambik erfreulicherweise um 4 Ranglistenplätze verbessert und liegt jetzt auf Platz 133 von 144.


Wirtschaftssektoren

Neben dem Anbau von Nahrungsmitteln (hauptsächlich Subsistenzwirtschaft) werden in Mosambiks Landwirtschaft nur wenige "cash crops" wie Tabak, Zucker, Tee, Baumwolle und Cashew-Nüsse angebaut, jedoch kaum im Land selbst weiterverarbeitet. Trotz günstiger Anbaumöglichkeiten ist Mosambik Nettoimporteur von Getreide und Reis (über 90 Prozent des Bedarfs). Im Zuckerbereich profitiert Mosambik vom EU-Präferenzabkommen ("everything but arms"), welches zoll- und quotenfreien EU-Marktzugang bei festen Abnahmepreisen gewährt. Die Fischwirtschaft spielt traditionell eine wichtige Rolle in Mosambik. Mosambik hat de facto keine Kontrolle über illegale Fischerei oder andere wirtschaftsschädigende Aktivitäten (Piraterie) in den nationalen Gewässern. Mit dem geplanten Ausbau eines Küstenschutzsystems könnte sich dies ändern.

Charakteristisch sind extreme Disparitäten zwischen Stadt und Land sowie zwischen den strukturschwachen Nord- und Mittelregionen und den wirtschaftlichen Zentren in der Provinz Maputo im Süden des Landes. Das Nord-Süd-Gefälle könnte sich, abhängig von der Entwicklung der Kohle- und Gasvorkommen, langfristig ausgleichen, da die Vorkommen vor-nehmlich im Nordwesten (Tete) beziehungsweise Norden (Cabo Delgado) liegen.


Staatshaushalt

Als eines der ersten Schuldnerländer profitierte Mosambik von dem im Rahmen der G8-Initiative (Highly Indebted Poor Countries) beschlossenen Schuldenerlass. Einschließlich des im September 2001 gewährten erweiterten Schuldenerlasses wurden Mosambik insgesamt 4,3 Milliarden US-Dollar Auslandsschulden erlassen, was Mosambik finanzielle Spielräume verschafft hat.

Mosambik ist dennoch nach wie vor in hohem Maße auf internationale Zusammenarbeit angewiesen und wird sich von dieser Abhängigkeit in absehbarer Zeit nicht lösen können. Insgesamt treten in Mosambik 25 Staaten, sowie 25 multilaterale Organisationen und Unterorganisationen der Vereinten Nationen als Geber auf. Rund 24 Prozent des mosambikanischen Staatshaushalts  werden durch Mittel der internationalen Entwicklungszusammenarbeit und private Kredite finanziert.

Der Neue Metical (MZN) ist eine frei konvertierbare Währung, die jedoch durch Devisenbeschränkungen am völlig freien Floaten gehindert wird und im Wesentlichen von Südafrikanischem Rand, Euro und US-Dollar abhängig ist. Der MZN unterliegt bei Ausfuhr aus Mosambik Beschränkungen. Nach einer starken Abwertung 2010 (über 19 Prozent gegenüber dem US-Dollar) wurde der MZN 2011 erheblich aufgewertet, sowohl gegenüber dem US-Dollar als auch gegenüber Euro und südafrikanischem Rand, und ist seither weitgehend stabil. Die Inflation lag 2014 bei 2,3 Prozent (Weltbank-Prognose).


Außenhandel

Importe und Exporte bewegen sich noch auf niedrigem Niveau. Der Anteil Mosambiks am Welthandel ist gering. Zwar ist das Handelsbilanzdefizit in den letzten Jahren stegig gesunken. Es beträgt 2014 aber immer noch 4 Milliarden US-Dollar (Exporte: ca. 3,9 Milliarden US-Dollar, Importe ca. 7,9 Milliarden US-Dollar – Quelle Weltbank). Die EU und Südafrika sind mit Abstand die stärksten Handelspartner, gefolgt von China, Indien, und den Vereinigten Arabischen Emiraten. Die Exporte werden von den Einnahmen aus Aluminium, Stromexport, Rohstoffen und Erdgas dominiert. Daneben sind Tabak, Garnelen, Zucker, Baumwolle und Cashew-Nüsse für den Export von Bedeutung. Die Importe bestehen vor allem aus Zulieferungen für die Aluminiumschmelze MOZAL (Bauxit), Maschinen, Fahrzeugen, Treibstoff und Getreide. Kohle könnte ein wichtiges Exportprodukt werden, wenn es gelänge, die Infrastruktur-Engpässe zu überwinden, was angesichts des Kohlepreises auf dem Weltmarkt fraglich ist.

Ausländische Unternehmen sind hauptsächlich im Bergbausektor, im Einzelhandel, im Tourismus und im Baubereich präsent. Der Investitionsbedarf im Bergbaubereich (Kohle und Erdgas) sowie im Infrastruktursektor wird für die nächsten 10 Jahre auf 50-100 Milliarden US-Dollar geschätzt. Nach Prognosen der Economist Intelligence Unit und anderen Beobachtern werden die Einnahmen aus dem Rohstoffsektor mittelfristig die allgemeine Budgethilfe der traditionellen Geberländer überflügeln, zum einen aufgrund der steigenden Einnahmen aus Lizenzgebühren und Förderabgaben, zum anderen aufgrund sinkender Zahlungen der Geber aus wirtschaftlichen oder politischen Erwägungen.

Mosambik ist Mitglied der Welthandelsorganisation und der Entwicklungsgemeinschaft im südlichen Afrika (SADC). Mosambik ist - im Gegensatz zu den meisten seiner Nachbarländer - nur Mitglied dieser einen regionalen Wirtschafts- und Handelsorganisation. Das Land gehört außerdem dem Internationalen Währungsfond (IWF) an. Der IWF hat im Juli 2007 seine "Poverty Reduction Growth Facility" (PRGF) durch ein "Policy Support Instrument" (PSI) ersetzt. Das PSI beinhaltet keine finanzielle Hilfe mehr, sondern beschränkt sich auf Überwachung und Beratung bei der Umsetzung der makroökonomischen Ziele. Das PSI gilt als Vertrauensbeweis des IWF in die gesamtpolitische Lage des Landes.


Umweltpolitik

Als eines der ärmsten Länder der Welt genießen Umwelt- und Klimaschutz in Mosambik nicht die oberste politische Priorität. Es fehlt außerdem vielfach die Kapazität, die Umweltverträglichkeit von Projekten objektiv zu überprüfen. Infrastrukturprojekte, wie zum Beispiel der Tiefseehafen Techobanine (auch unter dem Namen Dobela bekannt) konkurrieren mit Umweltschutzprojekten (zum Beispiel dem Weltnaturerbe "Elephant Coast").

Aufgrund seiner zahlreichen großen Flüsse (Limpopo, Sambesi, Lurio, Rovuma, Save) verfügt das Land über reichhaltiges klimafreundliches Potenzial an Wasserkraftressourcen. Eine fast 2500 lange Küste bildet zusammen mit den nach dem Bürgerkrieg rehabilitierten Nationalparks im Landesinneren ein Reservoir an Artenvielfalt, das bisher nur wenig kommerziell (Fischfang, Garnelenzucht) und touristisch genutzt wird. Illegaler Holzeinschlag sowie extensive Landnutzung (Brandrodung, Monokulturen, Bodenerosion) stellen in einigen Landesteilen Risiken für Umwelt und Natur dar. Periodisch wiederkehrende Überschwemmungen an den großen Flüssen, tropische Zyklone und Dürren besonders im Süden des Landes, unterstreichen Mosambiks relative Anfälligkeit für Naturkatastrophen.

Hinweis:

Dieser Text stellt eine Basisinformation dar. Er wird regelmäßig aktualisiert. Eine Gewähr für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Angaben kann nicht übernommen werden. 


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