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Kirgisistan

Wirtschaft

Stand: September 2016

Wirtschaftsstruktur

Mit einem Bruttoinlandsprodukt (BIP) von nominal 6,57 Mrd. USD (2015) ist Kirgisistan ein armes Land, wobei der Norden tendenziell wohlhabender als der Süden ist.

Die Wirtschaft des Landes ist wenig diversifiziert. Zu den wichtigsten Sektoren gehört der Bergbausektor. Kirgisistan ist stark abhängig von der mit Abstand bedeutendsten und größten ausländischen Investition, der Goldmine Kumtor, die einen erheblichen Anteil an BIP (2014: 8%) und an der Industrieproduktion (2014: 43%) hat. Kirgisistan verfügt neben Gold über weitere Rohstoffe, etwa Kupfer und Kohle, deren Förderung jedoch nicht die gleiche Bedeutung für das Land hat wie die Goldförderung. Gold ist auch wichtigstes Ausfuhrgut Kirgisistans. Die Goldausfuhren machten in den letzten Jahren bis zu 50% der Gesamtexporte aus. Die Gas- und Erdölvorkommen Kirgisistans sind dagegen eher unbedeutend.

Von erheblicher Bedeutung für die Wirtschaft sind vor allem die Überweisungen kirgisischer Gastarbeiter aus dem Ausland, insbesondere aus Russland in der Größenordnung von etwa 2 Mrd. USD. Diese Überweisungen sind im Zuge der Wirtschaftskrise in Russland stark zurückgegangen.

Zahlreiche Arbeitsplätze hängen vom Handel mit China, Russland und Kasachstan ab. Waren, die überwiegend aus China stammen, werden in Kirgisistan umgeschlagen und vor allem in die Nachbarländer und Russland exportiert. Jenseits der offiziellen Statistiken, die nur einen geringen Teil der kirgisischen Wirtschaft widerspiegeln, dürfte der Handelssektor für die arbeitende Bevölkerung einer der wichtigsten Arbeitgeber sein.

Dagegen findet Wertschöpfung in Kirgisistan nur in beschränktem Umfang statt; das Land verfügt zudem nur in Maßen über eigene Produktion. In der verarbeitenden Industrie sind vor allem die Hersteller von Baustoffen (Zement, Glas, Ziegelsteine) und die Textil- und Bekleidungsindustrie von einiger Bedeutung.

Darüber hinaus ist die Landwirtschaft noch immer ein wichtiger Wirtschaftszweig in Kirgisistan. Vor allem in den ländlichen Regionen jenseits der Ballungszentren und im Süden des Landes ist sie Existenzgrundlage für viele Familien. Aufgrund der kleinen Betriebsgrößen und der geringen Kapitalausstattung sind die Investitionen in der Landwirtschaft jedoch gering. Kredite sind für die kleinen Familienbetriebe oftmals zu teuer. Die Folge ist ein geringer Mechanisierungsgrad und das Fehlen einer verarbeitenden Industrie im Agrarbereich, die auch im Ausland wettbewerbsfähige Produkte mit höherer inländischer Wertschöpfung anbieten könnte, zumal Exporte auch durch fehlende Qualitätssicherung und Standardisierung erschwert werden.


Außenhandel

Kirgisistan hat ein großes Handelsbilanzdefizit von 2,39 Mrd. USD in 2015. Importen von hauptsächlich Erdöl, Maschinen, Ausrüstungen, Kraftfahrzeugen und Lebensmitteln in Höhe von 4,07 Mrd. USD stehen Exporte von in erster Linie Gold (davon ca. ein Drittel in die Schweiz) sowie Nahrungsmitteln, mineralischen Produkten und Textilien in Höhe von 1,68 Mrd. USD gegenüber.

 Die wichtigsten Lieferländer sind Russland (2014: 33,1%), China (2014: 21,3%) und Kasachstan (2014: 10,3%), weiterhin Deutschland, Japan, die USA und die Türkei. Weitere Abnehmer waren Kasachstan (23,4%), VAE (7,9%), Usbekistan (7,3%) und Russland (7,9%).

Hinzu kommen große Warenströme insbesondere aus China, die Kirgisistan auf dem Weg zu ihren Zielmärkten in Russland und Kasachstan durchqueren und die in den offiziellen Statistiken zu beachtlichen Teilen nicht erfasst sind. Der Anteil des nicht offiziellen Handels in Kirgisistan liegt laut Regierungsangaben bei bis zu 70%.

Der Handel mit Deutschland entspricht den vorstehend beschriebenen Grundlinien des kirgisischen Außenhandels und weist ein deutliches Ungleichgewicht zugunsten deutscher Exporte nach Kirgisistan auf. Vornehmlich Kraftfahrzeuge, Maschinen und Chemieprodukte werden aus Deutschland importiert, Kupfer, Eisen, Stahl, Tabak sowie Obst und Gemüse nach Deutschland exportiert. Importe nach Kirgisistan in Höhe von 51 Mio. Euro in 2015  stehen dabei Exporte in Höhe von lediglich 12,8 Mio. Euro gegenüber.

Kirgisistan ist im Juli 2015 der Eurasischen Wirtschaftsunion (Russland, Belarus, Armenien, Kasachstan) beigetreten.

Ausländische Direktinvestitionen in Kirgisistan werden für 2014 mit 608 Mio. US-Dollar angegeben (-37%), wobei China an erster Stelle (33,2%, Vorjahr 22%) steht. Mittlerweile liegt Kanada wegen der Verflechtung mit der Goldmine Kumtor anteilsmäßig an zweiter Stelle (13,5%; Vorjahr 22,1%). Es folgen Großbritannien (9,2%) und die Türkei (4,5%).

Die deutsche Wirtschaft ist kaum mit eigener Produktion in Kirgisistan vertreten, ganz überwiegend werden Geräte und Anlagen geliefert. Eine Ausnahme ist die Glasfabrik Steinert Interglass mit über 20 Mio. Euro Investitionsvolumen. Kirgisistan ist stark auf Kredite und Zuschüsse aus dem Ausland angewiesen. Die Brutto-Auslandsverschuldung lag im März 2016 bei 3,65 Mrd. US-Dollar. Wichtige Infrastrukturprojekte, Sanierungen und Modernisierungen können nur mit Hilfe ausländischer Gelder finanziert werden. Dies erhöht die Bedeutung von Schuldenumwandlungen als wichtiges Element der deutschen Entwicklungszusammenarbeit.


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