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Kirgisistan

Wirtschaftspolitik

Stand: Mai 2014

Kurzcharakterisierung der Wirtschaft

Mit einem Bruttoinlandsprodukt (BIP) von nominal 6,5 Mrd. US-Dollar (2013) und pro Kopf 1.140 US-Dollar (2013) sowie einem unter der Armutsgrenze lebenden Bevölkerungsanteil von knapp 40% ist Kirgisistan ein armes Land, wobei der Norden reicher als der Süden ist. 

Die Wirtschaft des Landes ist wenig diversifiziert. Zu den wichtigsten Sektoren gehört der Bergbausektor. Kirgisistan ist stark abhängig von der mit Abstand bedeutendsten und größten ausländischen Investition, der Goldmine Kumtor, die einen erheblichen Anteil an BIP (2013: 8%) und Industrieproduktion (2013: 49%) hat. 

Kirgisistan verfügt neben Gold über weitere Rohstoffe, etwa Kupfer und Kohle, deren Förderung jedoch nicht die Bedeutung für das Land haben, die der Goldförderung zuzusprechen ist. Gold ist auch wichtigstes Ausfuhrgut Kirgisistans. Die Goldausfuhren machten in den letzten Jahren bis zu 50% der Gesamtexporte aus. Die Gas- und Erdölvorkommen Kirgisistans sind dagegen eher unbedeutend. 

Von erheblicher Bedeutung für die Wirtschaft sind neben der Goldmine Kumtor vor allem die Überweisungen kirgisischer Gastarbeiter aus dem Ausland, insbesondere aus Russland in der Größenordnung eines Jahreshaushalts von etwa 2 Mrd. USD.

Zahlreiche Arbeitsplätze hängen schließlich vom Handel mit China, Russland und Kasachstan ab. Waren, die überwiegend aus China stammen, werden in Kirgisistan umgeschlagen und vor allem in die Nachbarländer und Russland exportiert. Jenseits der offiziellen Statistiken, die nur einen geringen Teil der kirgisischen Wirtschaft widerspiegeln, dürfte der Handelssektor für die arbeitende Bevölkerung einer der wichtigsten Arbeitgeber sein. 

Dagegen findet Wertschöpfung in Kirgisistan nur in beschränktem Umfang statt; das Land verfügt zudem nur in Maßen über eigene Produktion. In der verarbeitenden Industrie sind vor allem die Hersteller von Baustoffen (Zement, Glas, Ziegelsteine) und die Textil- und Bekleidungsindustrie von einiger Bedeutung. 

Darüber hinaus ist die Landwirtschaft noch immer ein wichtiger Wirtschaftszweig in Kirgisistan. Vor allem in den ländlichen Regionen jenseits der Ballungszentren und im Süden des Landes ist sie Existenzgrundlage für viele Familien. Aufgrund der kleinen Betriebsgrößen und der geringen Kapitalausstattung sind die Investitionen in der Landwirtschaft jedoch gering. Kredite sind für die kleinen Familienbetriebe oftmals zu teuer. Die Folge ist ein geringer Mechanisierungsgrad und das Fehlen einer verarbeitenden Industrie im Agrarbereich, die auch im Ausland wettbewerbsfähige Produkte mit höherer inländischer Wertschöpfung anbieten könnte, zumal Exporte auch durch fehlende Qualitätssicherung und Standardisierung erschwert werden. 


Internationale Verflechtungen

Kirgisistan hat ein großes Handelsbilanzdefizit. Importen von hauptsächlich Erdöl, Maschinen, Ausrüstungen, Kraftfahrzeugen und Lebensmitteln in Höhe von 6,07 Mrd. US-Dollar 2013 (+8,8% zum Vorjahr) stehen Exporte von in erster Linie Gold sowie Nahrungsmitteln, mineralischen Produkten und Textilien in Höhe von 2,20 Mrd. US-Dollar gegenüber (+4,8% zum Vorjahr). Die wichtigsten Lieferländer sind Russland (2013: 33,6%), China (2013: 23,9%) und Kasachstan (2013: 9,4%), sowie zu jeweils 4% Deutschland, Japan, die USA und die Türkei; Gold ist wichtigstes Exportgut und wird hauptsächlich in die Schweiz (28,7% der Gesamtausfuhren) exportiert. Weitere Abnehmer waren Kasachstan (22,1%), VAE (12,4%), Usbekistan (9,1%) und Russland (8,6%).

Hinzu kommen große Warenströme insbesondere aus China, die Kirgisistan auf dem Weg zu ihren Zielmärkten in Russland und Kasachstan durchqueren und die in den offiziellen Statistiken zu beachtlichen Teilen nicht erfasst sind. Der Anteil des nicht offiziellen Handels in Kirgisistan liegt laut Regierungsangaben bei bis zu 70%.

Der Handel mit Deutschland entspricht den vorstehend beschriebenen Grundlinien des kirgisischen Außenhandels und weist ein deutliches Ungleichgewicht zugunsten deutscher Exporte nach Kirgisistan auf. Vornehmlich Kraftfahrzeuge, Maschinen und Chemieprodukte werden aus Deutschland importiert, Kupfer, Eisen, Stahl, Tabak sowie Obst und Gemüse nach Deutschland exportiert. Importe nach Kirgisistan in Höhe von 87 Mio. Euro in 2013 (-12% zu 2012) stehen dabei Exporte in Höhe von lediglich 13 Mio. (-18%) Euro gegenüber.

Kirgisistan strebt einen Beitritt zur Zollunion zwischen Russland, Belarus und Kasachstan im Jahr 2014 an und hat bereits ein entsprechendes Ersuchen gestellt.

Ausländische Direktinvestitionen in Kirgisistan werden für 2013 mit 521 Mio. US-Dollar angegeben (-39%), wobei Kanada wegen der Verflechtung mit der Goldmine Kumtor anteilsmäßig zwar noch an erster Stelle (22,1%; Vorjahr 42%) steht, mittlerweile liegt aber China gleichauf (22,1%, Vorjahr 15%). Es folgen Großbritannien (13,4%) und Deutschland (6%).

Größte europäische Investition ist der Zigarettenhersteller Reemtsma Kirgisistan, der auf einem Fabrikgelände in Bischkek Zigaretten produziert. Eine weitere bedeutende Investition ist die Glasfabrik Steinert Interglass mit über 20 Mio. Euro, die im Eigentum eines deutschen Unternehmers steht und nach längerem Stillstand 2012 die Produktion wieder aufgenommen hat.

Kirgisistan ist stark von Krediten und Zuschüssen aus dem Ausland angewiesen. Die Brutto-Auslandsverschuldung lag 2013 bei 3,16 Mrd. US-Dollar. Wichtige Infrastrukturprojekte, Sanierungen und Modernisierungen können nur mit Hilfe ausländischer Gelder finanziert werden. Seit Juni 2011 bestehen zwischen dem Internationalen Währungsfonds (IWF) und Kirgisistan Vereinbarungen über ein 3-Jahres-Programm der Extended Credit Facility über insgesamt etwa 106 Mio. US-Dollar bis zum Jahr 2014.



Hinweis

Dieser Text stellt eine Basisinformation dar. Er wird regelmäßig aktualisiert. Eine Gewähr für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Angaben kann nicht übernommen werden.