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Indonesien

Wirtschaftspolitik

Stand: Mai 2017

Wirtschaftsstruktur

Das Schwellenland Indonesien – ein Inselarchipel mit rd. 17.000 Inseln und rd. 255 Mio. Einwohnern, davon 46% unter 25 Jahren- ist das ökonomische Schwergewicht der ASEAN Staaten.

Die wirtschaftlich bedeutendste der rd. 6000 bewohnten Inseln ist Java. Hier leben rund  60 % der Bevölkerung Indonesiens auf knapp 7 % der Landfläche und erwirtschaften den größten Teil des  Bruttoinlandproduktes .

Indonesien ist reich an mineralischen Rohstoffen und zählt zu den weltweiten Hauptexporteuren von Kohle, Zinn, Nickel, Kupfer, Bauxit und Gold. Im Hinblick auf seine Gas- und Kohlevorkommen ist Indonesien weiter Nettoexporteur; aufgrund der seit 1995 sinkenden Erdölförderung muss das einstige OPEC-Land aber seit Ende 2004 zunehmend Öl importieren. 2016 wurde es zum Nettoimporteur. Daneben besitzt Indonesien große Holzvorkommen und exportiert Agrarprodukte wie Palmöl, Kautschuk, Kakao, Tee, Kaffee und Tabak. Wichtig sind zudem die personalintensive Textil-, Bekleidungs- und Schuh- sowie die Möbelindustrie. Bei den Grundnahrungsmitteln Reis, Mais und Soja sowie Zucker ist Indonesien z.T. auf Importe angewiesen.

Der Dienstleistungssektor ist der wichtigste Wirtschaftssektor des Landes, gefolgt von industrieller Fertigung, Bergbau und Bauwirtschaft, sowie Land- und Forstwirtschaft/ Fischerei, Handel und Transport.

In Kernbereichen der Wirtschaft hat der Staat noch erheblichen Einfluss. Er konkurriert mit dem Privatsektor mit 119 eigenen Unternehmen in 14 verschiedenen Sektoren z.B. im Transportsektor, bei der Telekommunikation, der Energieversorgung, im Bausektor oder in der Finanzwirtschaft.

Die arbeitsfähige Bevölkerung beläuft sich auf rd. 125 Mio Personen. Der Anteil der im informellen Sektor tätigen Arbeitnehmer beträgt rd. 60% – dort werden über 50% der Wirtschaftsleistung erbracht. Über 40 Mio. Menschen sind im Bereich Landwirtschaft, Forsten und Fischerei beschäftigt, 25 Mio. in Handel, Hotels und Restaurants. Im Hinblick auf den Arbeitsmarkt verfügt Indonesien eine ausgeprägte Dienstleistungs- und Agrarwirtschaft mit einem relativ kleinen Anteil industrieller Produktion. Die offizielle Arbeitslosenquote lag zuletzt bei rd. 6%. Nach Angaben der Statistikbehörde leben landesweit ca.  11,5% der Bevölkerung unter der nationalen Armutsgrenze von im Schnitt ca. 25 USD pro Monat. 


Wirtschaftslage

Nach Wachstumszahlen von zeitweise über 6% in den letzten Jahren fiel das BIP-Wachstum 2015 auf 4,9 % zurück und erholte sich 2016 nur marginal auf 5 % (2016). Im Vergleich zu anderen Volkswirtshaften mit ähnlich hervorragendem Rohstoffsektor (Brasilien, Russland) ist das ein passabler Zuwachs, jedoch noch keine echte Trendwende. Die ADB schätzt das Potentialwachstum Indonesiens auf 7 %. Um die Arbeitslosigkeit angesichts der wachsenden Bevölkerung nicht ansteigen zu lassen, wäre ein BSP-Zuwachs von über 6 % erforderlich. Gründe für die Wachstumsabkühlung waren u.a. die nur langsame Erholung auf den Rohstoffmärkten, der Einbruch auf wichtigen Exportmärkten wie China, ein Exportverbot für mineralische Rohstoffe sowie verspätete Infrastrukturausgaben aus dem Staatshaushalt. Das BIP wurde 2016 auf rd. 900 Mrd. USD, das nominelle BIP/Kopf  auf rund 3.600 USD geschätzt.

Bei Exporten in Höhe von lediglich 19,3 % des BIP und Importen von 18,3 % sind die Einflüsse der Weltwirtschaft auf die indonesische Volkswirtschaft vergleichsweise gering. ASEAN-Nachbarn weisen zum Teil deutlich  höhere Exportquoten auf. Auch stützt sich die indonesische Volkswirtschaft auf einen vergleichsweise hohen Binnenkonsum. 57 % des BIP werden für den privaten Verbrauch verwendet, zählt man den staatlichen Verbrauch hinzu, sind es sogar zwei Drittel. Die Kehrseite der Medaille ist eine schwache Investitionsneigung. Da die Rupiah aber im gleichen Zeitraum aufgewertet hat, hat sich das Pro-Kopf-Einkommen in US-Dollar berechnet von USD 3400 (2015) sogar noch stärker als das Wirtschaftswachstum auf USD 3600 (2016) erhöht.

Die Regierung hat die Diskrepanz zwischen tatsächlichem Wachstum und Potentialwachstum zum Anlass genommen, Reformmaßnahmen einzuleiten. So wurden seit September 2015 vierzehn „Konjukturpakete“ auf den Weg gebracht. Unter anderem sollten Investitionen vereinfacht, die Wertschöpfung im Lande gestärkt, die Kaufkraft der Bevölkerung erhöht, die Energie- und Logistikkosten gesenkt, für Ausländer die Vorschriften für Arbeitserlaubnisse gelockert, und der Landerwerb vereinfacht werden. Auch der Förderung von „e-commerce“ wurde ein eigenes Paket gewidmet. Das Geschäftsklima wurde durch die Maßnahmen verbessert. Für eine Beurteilung der Auswirkungen auf die reale Wirtschaft ist es jedoch noch zu früh. Unter Wirtschaftsexporten besteht Konsens, dass noch weitere Wirtschaftsreformen folgen müssen.

Die Zentralbank „Bank Indonesia“ nutzte den Spielraum, den ihr die niedrige Inflationsrate bot und senkte den Leitzins von 7,5% (Dezember 2015) auf 4,75 % (Oktober 2016). Die Inflationsrate könnte wieder steigen, falls sich die Rohstoffmärkte weltweit erholen und Ölimporte teurer würden. Das offizielle Inflationsziel liegt in einem Korridor von 3-5 %. Die Devisenreserven haben sich, nach einem Einbruch 2013 wieder auf rd. 110 Mrd. USD erholt. Der Jakarta Aktienindex JCI bewegte sich im Jahresverlauf 2016 seitwärts.

Das indonesische Bankensystem ist grundsätzlich profitabel und verfügt insgesamt über eine gute Kapitalausstattung. Aufgrund des immer noch vergleichsweise verhaltenen Wachstums ist jedoch der Anteil fauler Kredite in den Büchern gestiegen und die Kreditqualität vermehrt in den Fokus gerückt. Hinzu kommen Risiken, die insbesondere Unternehmen betreffen, die unter rückläufigen Rohstoffpreisen und Verschuldung in ausländischer Währung leiden.

Für 2017 geht die Asiatische Entwicklungsbank von einer mäßigen Steigerung des Wirtschaftswachstums auf 5,1 % aus.


Umweltpolitik

Indonesien gehört zu den weltweit größten Emittenten von Treibhausgasen und bekommt gleichzeitig zunehmend die wirtschaftlichen und sozialen Auswirkungen des Klimawandels zu spüren. Herausforderungen liegen in den Bereichen Ausbau der Infrastruktur, zunehmende Entwaldung und Verlust an Biodiversität sowie Ausbau der auf fossilen Brennstoffen basierenden Energieversorgung. Durch Bevölkerungswanderung in die Ballungsräume - und damit weiteres Wachstum insbesondere der Megastädte wie Jakarta - ist auch die urbane Verschmutzung zu einem zentralen Problem für die Umwelt Indonesiens geworden. Die steigenden Abwassermengen, die größten Teils ungeklärt in die Ozeane eingeleitet werden, und Plastikmüll, der ebenfalls seinen Weg dorthin findet, verschärfen die Umweltprobleme.. Dies hat die indonesische Regierung auch als dringende Herausforderung erkannt und einen ambitionierten Aktionsplan zur Bekämpfung von Meeresmüll beschlossen.

Mit ehrgeizigen Klimazielen hat die indonesische Regierung wichtige politische Signale für ein klimafreundliches Entwicklungsmodell gesetzt. So sollen die Emissionen bis 2020 um 26% bzw. bei entsprechender internationaler Unterstützung um 41% reduziert und der Anteil erneuerbarer Energien an der Stromversorgung bis 2025 auf rund 23 % erhöht werden. Nach Abschluss des Klimaabkommens von Paris arbeitet Indonesien nun an der Umsetzung (Definition realistischer nationaler Ziele und deren Verankerung in den relevanten Politikfeldern). Die Prioritäten der Regierung liegen in den Bereichen Landnutzung, Energie und Abfall zur Erreichung der Minderungsziele, sowie bei Anpassung, Berichterstattung und Überwachung sowie Erschließung von Klimafinanzierung inklusive Einbindung des Privatsektors.

Steigende Nachfrage nach primären Energieträgern (Kohle, Biomasse) und Rohstoffen, die Nachfrage nach agroindustriellen Produkten (Palmöl, Papier, Kautschuk) sowie anhaltende Migration innerhalb Indonesiens erhöhen die Nachfrage nach landwirtschaftlich nutzbaren Anbauflächen sowie nach Bauland. Diese Entwicklung gefährdet die Existenz von Wäldern und trägt zu einem Anstieg klimaschädlicher Emissionen des Landes bei. Die IDN Regierung hat daher u.a. ein Moratorium zur weiteren Ausweitung von Palmölplantagen erlassen, arbeitet an der Verbesserung von Nachhaltigkeitsstandards für die Palmölherstellung und will höhere Wertschöpfung auf bestehenden Anbauflächen erreichen.

Durch den El-Niño-Effekt mit anhaltender Dürre verstärkten sich 2015 die jährlich wiederkehrenden Wald- und Torfbrände und setzten Indonesien nach China und den USA sogar an die Spitze der größten Treibhausgasemittenten weltweit.

Als Reaktion legt die Regierung verstärktes Gewicht auf die Themen Waldbrandprävention sowie Torfmoormanagement und –rehabilitierung, sowie auf Aufklärung der lokalen Bevölkerung und strengere Strafverfolgung auch der Unternehmen. Die neu gegründete Agentur für Torfmoorrehabilitation soll dabei Pionierarbeit leisten. Darüber hinaus hat sich die indonesische Regierung das Ziel gesetzt, 12,7 Millionen ha Wald bis 2019 als Gemeindewald zu deklarieren. Zudem wird an der Erstellung einer einheitlichen Karte (one-map-policy) gearbeitet, die die erlaubte Landnutzung und die z.T. überlappenden Konzessionen einheitlich abbilden soll.

Weitere Informationen zur deutsch-indonesischen Entwicklungszusammenarbeit zum Klimaschutz finden Sie im Kapitel Beziehungen zwischen Deutschland und Indonesien.

Hinweis:

Dieser Text stellt eine Basisinformation dar. Er wird regelmäßig aktualisiert. Eine Gewähr für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Angaben kann nicht übernommen werden. 


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