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Indonesien

Wirtschaftspolitik

Stand: März 2016

Wirtschaftsstruktur

Das Schwellenland Indonesien – ein Inselarchipel mit rd. 17.000 Inseln und rd. 255 Mio. Einwohnern, davon 46% unter 25 Jahren- ist das ökonomische Schwergewicht der ASEAN Staaten.

Die wirtschaftlich bedeutendste der rd. 6000 bewohnten Inseln ist Java. Hier leben rund  60 % der Bevölkerung Indonesiens auf knapp 7 % der Landfläche und erwirtschaften den größten Teil des  Bruttoinlandproduktes . Wichtige Wirtschaftsregionen sind der Großraum Jakarta, Bogor, Tangerang und Bekasi in Westjava sowie Surabaya in Ostjava. Außerhalb Javas sind vor allem Medan in Nordsumatra , Bali und Nusa Tenggara, Kalimantan sowie Makassar in Süd-Sulawesi wirtschaftlich bedeutsam.

Indonesien ist reich an mineralischen Rohstoffen und zählt zu den weltweiten Hauptexporteuren von Kohle, Zinn, Nickel, Kupfer, Bauxit und Gold. Im Hinblick auf seine Gas- und Kohlevorkommen ist Indonesien weiter Nettoexporteur; aufgrund der seit 1995 sinkenden Erdölförderung muss das  OPEC-Land aber seit Ende 2004 zunehmend Öl importieren. Daneben besitzt Indonesien große Holzvorkommen und exportiert Agrarprodukte wie Palmöl, Kautschuk, Kakao, Tee, Kaffee und Tabak. Wichtig sind zudem die personalintensive Textil-, Bekleidungs- und Schuh- sowie die Möbelindustrie. Bei den Grundnahrungsmitteln Reis, Mais und Soja sowie Zucker ist Indonesien z.T. auf Importe angewiesen.

Der Dienstleistungssektor ist der wichtigste Wirtschaftssektor des Landes, gefolgt von industrieller Fertigung, Bergbau und Bauwirtschaft, sowie Land- und Forstwirtschaft/ Fischerei, Handel und Transport.

In Kernbereichen der Wirtschaft hält der Staat noch bedeutende Monopole. Er konkurriert mit dem Privatsektor mit 119 eigenen Unternehmen in 14 verschiedenen Sektoren z.B. im Transportsektor, bei der Telekommunikation, der Energieversorgung, im Bausektor oder in der Finanzwirtschaft.

Die arbeitsfähige Bevölkerung beläuft sich auf rd. 120 Mio Personen. Der Anteil der im informellen Sektor tätigen Arbeitnehmer beträgt rd. 60% – dort werden über 50% der Wirtschaftsleistung erbracht. Über 40 Mio. Menschen sind im Bereich Landwirtschaft, Forsten und Fischerei beschäftigt, 25 Mio. in Handel, Hotels und Restaurants. Im Hinblick auf den Arbeitsmarkt verfügt Indonesien eine ausgeprägte Dienstleistungs- und Agrarwirtschaft mit einem relativ kleinen Anteil industrieller Produktion. Die offizielle Arbeitslosenquote lag zuletzt bei rd. 6%. Nach Angaben der Statistikbehörde leben landesweit ca.  11,5% der Bevölkerung unter der nationalen Armutsgrenze von im Schnitt ca. 25 USD pro Monat.


Wirtschaftslage

Die indonesische Wirtschaft erweist sich als robust gegenüber den weltweiten negativen Auswirkungen der Finanz- und Wirtschaftskrise 2008/2009 .

Nach Wachstumszahlen von zeitweise über 6% in den letzten Jahren fiel das BIP- 2015 auf unter 5% zurück. Um die Arbeitslosigkeit angesichts der wachsenden Bevölkerung nicht ansteigen zu lassen wäre ein BSP-Zuwachs von mehr als 6 % erforderlich. Gründe für die Wachstumsabkühlung waren u.a. weiter sinkende Rohstoffpreise, der Einbruch auf wichtigen Exportmärkten wie China, ein Exportverbot für mineralische Rohstoffe sowie verspätete Infrastrukturausgaben aus dem Staatshaushalt. Das BIP lag 2015 bei knapp 900 Mrd. USD, das nominelle BIP/Kopf bei rund 3.500 USD.

Die Regierung hat die wirtschaftliche Abkühlung zum Anlass genommen, umfangreiche Reformmaßnahmen einzuleiten. So wurden binnen nicht einmal sechs Monaten zehn „Konjukturpakete“ auf den Weg gebracht. Unter anderem sollen Investitionen vereinfacht, die Wertschöpfung im Lande gestärkt, die Kaufkraft der Bevölkerung erhöht, die Energiekosten gesenkt, für Ausländer die Vorschriften für Arbeitserlaubnisse gelockert, und der Landerwerb vereinfacht werden. Das Geschäftsklima wurde durch die Maßnahmen insgesamt spürbar verbessert. Für eine Beurteilung der Auswirkungen auf die Geschäftspraxis ist es jedoch noch zu früh.

Die Exportquote, also das Verhältnis von Exporten zum  Bruttoinlandsprodukt, betrug 2015 nur 20% (zum Vergleich Deutschland 40%, Singapur 200%). Für Indonesien ist der Außenbeitrag (Differenz zwischen Exporten und Importen) gesamtwirtschaftlich gesehen somit von untergeordneter Bedeutung. Tragende Säule für das indonesische Wirtschaftswachstum ist hingegen der private Konsum von 250 Millionen Menschen. Da die indonesische Wirtschaft vom Inlandsmarkt getragen wird, ist die indonesische Wirtschaftspolitik  „binnenorientiert“.

Anfang 2016 senkte die Zentralbank „Bank Indonesia“den Leitzins  auf 7,0%. Sie kehrte  damit eine lange Phase steigender Zinsen um. Die Inflation fiel nach dem Auslaufen des Preiseffektes gestrichener Treibstoffsubventionen wieder unter 5%. Dies und ein vergleichsweise stabiler Wechselkurs der Rupiah zum US-Dollar von 13.500 IDR/USD ermöglichte der Bank Indonesia die Lockerung ihrer Geldpolitik. Die Devisenreserven haben sich, nach einem Einbruch 2013 wieder auf rd. 110 Mrd. USD erholt. Der Jakarta Aktienindex JCI ging im Jahresverlauf 2015 kontinuierlich zurück und lag zuletzt bei knapp 4.700 Punkten.

Das indonesische Bankensystem ist grundsätzlich profitabel und verfügt insgesamt über eine gute Kapitalausstattung. Aufgrund des jüngst langsameren Wachstums ist jedoch der Anteil fauler Kredite in den Büchern gestiegen und die Kreditqualität vermehrt in den Fokus gerückt. Hinzu kommen Risiken, die insbesondere Unternehmen betreffen, die unter rückläufigen Rohstoffpreisen und Verschuldung in ausländischer Währung leiden.

 Für 2016 gehen nicht nur Regierung und Zentralbank (Bank Indonesia), sondern auch Weltbank und Internationaler Währungsfonds von einem Wirtschaftswachstum deutlich oberhalb der psychologisch wichtigen Schwelle von 5% aus. Experten weisen darauf hin, dass das Gros der eingeleiteten Strukturreformen nicht vor dem 2. Halbjahr 2016 Wirkung entfalten wird.


Umweltpolitik

Indonesien gehört zu den weltweit größten Emittenten von Treibhausgasen und bekommt gleichzeitig zunehmend die wirtschaftlichen und sozialen Auswirkungen des Klimawandels zu spüren. Herausforderungen liegen in den Bereichen Ausbau der Infrastruktur, zunehmende Entwaldung und Verlust an Biodiversität sowie Ausbau der auf fossilen Brennstoffen basierenden Energieversorgung. Durch Bevölkerungswanderung in die Ballungsräume - und damit weiteres Wachstum insbesondere der Megastädte wie Jakarta - ist auch die urbane Verschmutzung zu einem zentralen Problem für die Umwelt Indonesiens geworden.

Mit ehrgeizigen Klimazielen hat die indonesische Regierung wichtige politische Signale für ein klimafreundliches Entwicklungsmodell gesetzt. So sollen die Emissionen bis 2020 um 26% bzw. bei entsprechender internationaler Unterstützung um 41% reduziert und der Anteil erneuerbarer Energien an der Stromversorgung bis 2025 auf rund 23 % erhöht werden. Nach Abschluss des Klimaabkommens von Paris arbeitet Indonesien nun an der Umsetzung (Definition realistischer Ziele (NDCs) und deren Verankerung in den relevanten sektoralen Politiken). Die Prioritäten der Regierung liegen in den Bereichen Minderung, Anpassung, Berichterstattung und Überwachung sowie Erschließung von Klimafinanzierung inklusive Einbindung des Privatsektors. Indonesiens wirtschaftliche Entwicklung wird auch zukünftig stark mit der Nutzung natürlicher Ressourcen zum Eigenverbrauch sowie zum Export verknüpft sein. Steigende Nachfrage nach primären Energieträgern (Kohle, Biomasse) und Rohstoffen, die Nachfrage nach agroindustriellen Produkten (Palmöl, Papier, Kautschuk) sowie anhaltende Migration innerhalb Indonesiens erhöhen die Nachfrage nach landwirtschaftlich nutzbaren anbauflächen sowie nach Bauland. Diese Entwicklung gefährdet die Existenz von Wäldern und trägt zu einem Anstieg klimaschädlicher Emissionen des Landes bei. Durch den El-Niño-Effekt mit anhaltender Dürre verstärkten sich 2015 die jährlich wiederkehrenden Wald- und Torfbrände und setzten Indonesien nach China und den USA an die Spitze der größten Treibhausgasemittenten weltweit.

Als Reaktion legt die Regierung jetzt verstärktes Gewicht auf die Themen Waldbrandprävention sowie Torfmoormanagement und –rehabilitierung. Die neu gegründete Agentur für Torfmoorrehabilitation soll dabei Pionierarbeit leisten. Darüber hinaus hat sich die indonesische Regierung das Ziel gesetzt, 2,7 Millionen ha Wald bis 2019 als Gemeindewald zu deklarieren. Zudem wird an der Erstellung einer einheitlichen Karte (one-map-policy) gearbeitet, die die erlaubte Landnutzung und die z.T. überlappenden Konzessionen einheitlich abbilden soll.

Weitere Informationen zur deutsch-indonesischen Entwicklungszusammenarbeit zum Klimaschutz finden Sie im Kapitel Beziehungen zwischen Deutschland und Indonesien.

Hinweis:

Dieser Text stellt eine Basisinformation dar. Er wird regelmäßig aktualisiert. Eine Gewähr für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Angaben kann nicht übernommen werden. 


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