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Ruanda

Wirtschaftspolitik

Stand: Februar 2015

Aktuelle wirtschaftliche Lage

Die Wirtschaft Ruandas wächst weiterhin schnell. Für 2014 wird das Wachstum auf 6,8 Porzent geschätzt. Der Dienstleistungssektor (Finanzdienstleistungen, Informationstechnologien, Versicherungswesen, Tourismus) hat mit über 50 Prozent die Landwirtschaft (rund 35 Prozent) inzwischen überholt. Die Industrie (Bausektor, Kleinindustrie im verarbeitenden Gewerbe und Konsumgüter) hat einen Anteil von 15 Prozent. Die Inflationsrate lag 2014 bei rund 3,5 Prozent.

Ruanda hat sich für die Zukunft ehrgeizige Ziele gesteckt und möchte 2020 den Status eines 'Middle Income Countries' mit einem pro Kopf-Bruttoinlandsprodukt von 1.240 US-Dollar erreichen (2013: 620 US-Dollar). Ruanda beabsichtigt, längerfristig zweistellige Wirtschaftswachstumsraten zu erzielen und setzt auf massive Investitionen in den Transport-und Energiesektoren (Wasserkraft, Erdwärme, Methangas im Kivu-See und Solarenergie), in die Modernisierung der Landwirtschaft und die Förderung der Industrie sowie den Ausbau des Tourismus. Dem Privatsektor soll dabei eine Schlüsselrolle zukommen. Die Regierung unternimmt deshalb zahlreiche Anstrengungen, um insbesondere ausländische Investoren anzuziehen. Im 'Doing Business Report' der Weltbank zu den Investitionsrahmenbedingungen steht Ruanda unter den Ländern Afrikas regelmäßig an zweiter oder dritter Stelle. Auch hinsichtlich der Verbreitung von Korruption steht Ruanda im afrikanischen, aber auch weltweiten, Vergleich gut da.

Trotz solcher Fortschritte bleiben für Ruanda große Herausforderungen zu meistern: Mangel an installierter Energie (nur 17 Prozent der Bevölkerung haben Zugang zur Stromversorgung) und an ausgebildeten Fachkräften, hohes Bevölkerungswachstum (von 2,6 Prozent), Landknappheit, vermehrte Auswirkungen des  Klimawandels (Dürren, Starkregen). 

Die Binnenlage sowie die schwachen Kapazitäten zur Deckung der Bedarfe des eigenen Binnenmarktes machen Ruanda zu einem der Länder mit den weltweit höchsten Transportkosten.

Die Böden sind infolge der intensiven Landwirtschaft von Erosion bedroht. Die Regierung unterstützt Terrassierungs- und Ressourcenschutzprogramme. Weite Teile der ursprünglichen Bergwälder wurden in der Vergangenheit brandgerodet oder abgeholzt. Die Regierung hat die Entwicklung einer 'Green Economy' zum zentralen Ziel ihrer "Vision 2020" definiert und unternimmt ernsthafte Anstrengungen zum Erhalt und zur Wiederaufforstung der Restwälder als Schutzgebiete. Die Regierung räumt zudem der Entwicklung alternativer, umweltschonender Energieformen hohe Priorität ein.


Armutsbekämpfung

Ruanda gehörte auch 2014 zu den ärmsten Ländern weltweit (Index für menschliche Entwicklung der Vereinten Nationen 2014 auf Platz 151 von 187). Die Verringerung der Armut steht deshalb im Mittelpunkt der "Vision 2020" und der Armuts­bekämpfungsstrategie für 2013-2017/2018. Ruanda hat jedoch gemäß jüngsten verfügbaren Armutszahlen deutliche Erfolge vorzuweisen, die ein Erreichen der meisten Millenium-Entwicklungsziele der Vereinten Nationen möglich machen könnten:

Der Anteil der Bevölkerung, die unterhalb der Armutsgrenze leben, konnte in 5 Jahren um 12 Prozentpunkte auf 44 Prozent gesenkt werden. Die Abschlussrate in der Grundbildung wurde von 52 Prozent in 2005 auf über 80 Prozent erhöht. Deutlich verbessert  wurde auch der Zugang zu sauberem Trinkwasser. Im Gesundheitsbereich konnte die Kindersterblichkeit  und die Mütter-sterblichkeit deutlich gesenkt werden. Allerdings wird eines der zentralen Millenniumsziele, die Halbierung der extremen Armut, bis 2015 trotz der beachtlichen Erfolge schwer zu erreichen sein.


Außenhandel

Wichtigste Exportgüter sind Mineralien, Kaffee und Tee  und landwirtschaftliche Erzeugnisse. Etwa 54 Prozent der Exporte gehen in die Staaten der ostafrikanischen Gemeinschaft EAC, rund 25 Prozent in andere afrikanische Länder und 14 Prozent nach Europa. Der Wert der Importe (Treibstoffe, Baumaterialien, Fahrzeuge, Maschinen; 2013: rund 1,8 Milliarden US-Dollar) übersteigt den der Exporte mit circa (rund 700 Millarden Dollar in 2013) um das Zweieinhalbfache. Das Handelsbilanzsaldo ist dementsprechend strukturell negativ.

Ruanda treibt auch die regionale Integration im Rahmen des Gemeinsamen Ost- und Südafrikanischen Marktes (COMESA), der Wirtschaftsgemeinschaft der Länder der Großen Seen (CEPGL) und der Ostafrikanischen Gemeinschaft (EAC) voran. Seit dem Januar 2010 besteht freier Handelsverkehr innerhalb der Ostafrikanischen Gemeinschaft (EAC), im Juli 2010 trat das Protokoll zum gemeinsamen Markt in Kraft. An Bedeutung gewinnen auch regionale Infrastrukturprojekte in Energie, Transport, Zoll und Finanzsektor.


Verkehrsinfrastruktur

Das Hauptstraßennetz mit gut 1.000 Kilometer asphaltierter Straßen ist eines der besten in der Region. Viele der Zubringerstraßen befinden sich hingegen in schlechtem Zustand, was die Einbindung mancher Regionen in den Wirtschaftskreislauf erschwert und verteuert. Ein weiterer Ausbau des Straßennetzes erfolgt mit Unterstützung multilateraler Geberorganisationen (Weltbank, EU, Afrikanische Entwicklungsbank). Ruanda hat noch keinen Eisenbahnanschluss und verfügt nur über unbedeutende Binnenhäfen am Kivu-See. Im Rahmen der Ostafrikanischen Gemeinschaft wird geprüft, einen Anschluss an das kenianische und/oder tansanische Schienennetz herzustellen. Es gibt einen kleineren internationalen Flughafen in Kigali. Die Straßenverbindungen zu den nächsten Seehäfen Mombasa/Kenia und Daressalam/Tansania betragen jeweils ungefähr 1.500 Kilometer Die Binnenlage, hohe Abgaben, geringe Transportvolumina und schwache Konkurrenz machen Ruanda zu einem der Länder mit den weltweit höchsten Transportkosten.


Umwelt

Die Böden sind infolge der intensiven Landwirtschaft von Erosion bedroht. Die Regierung unterstützt Terrassierungs- und Ressourcenschutzprogramme. Teile der ursprünglichen Bergwälder sind inzwischen brandgerodet oder abgeholzt, wobei die Regierung ernsthafte Anstrengungen zum Erhalt der Restwälder als Schutzgebiete unternimmt, nicht zuletzt aufgrund der hohen wirtschaftlichen Bedeutung des Tourismussektors.

Schwierigkeiten ergeben sich aus der Tatsache, dass viele der ruandischen Haushalte in einem Land mit der höchsten afrikanischen Bevölkerungsdichte mit Holz oder Holzkohle kochen. Die Regierung räumt der Entwicklung alternativer, umweltschonender Energieformen hohe Priorität ein. Der Anteil der Wasserkraft am Gesamtenergieangebot beträgt bereits 60 Prozent und soll weiter ausgebaut werden, auch um die Abhängigkeit von Dieselimporten zu verringern. Bis 2018 sollen 70 Prozent der Bevölkerung Zugang zu Strom haben.

Hinweis:

Dieser Text stellt eine Basisinformation dar. Er wird regelmäßig aktualisiert. Eine Gewähr für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Angaben kann nicht übernommen werden. 


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