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Ulf-Oliver Hoesch
Geb. 1975 in Bietigheim-Bissingen/Baden-Württemberg.
Während meines Zivildienstes erfuhr ich durch Zufall vom Auswärtigen Amt und der Möglichkeit, an der Fachhochschule des Bundes (Fachbereich Auswärtige Angelegenheiten) ein Rechts- und Verwaltungsstudium zu absolvieren, nach dessen Abschluss ein weltweiter Einsatz an deutschen Botschaften und Konsulaten sowie im Auswärtigen Amt in Berlin bevorsteht.
Da ich nach meinem Zivildienst ohnehin studieren wollte und mich seit jeher die Vorstellung reizte, beruflich ins Ausland zu gehen, bewarb ich mich 2000 beim Auswärtigen Amt. Zuvor hatte ich Abitur und eine kaufmännische Ausbildung gemacht. Außerdem hatte ich Kenntnisse in Wirtschaftsenglisch und -französisch und war für kurze Zeit in der freien Wirtschaft tätig.
Nach erfolgreichem Auswahlverfahren begann ich 2001 mit dem Grundstudium in Bonn, anschließend ging es zum Inlandspraktikum ins Auswärtige Amt nach Berlin, wo ich in der Rechtsabteilung bereits einen weiten Einblick in einen wichtigen Teil der späteren Arbeit im Ausländer-, Asyl- und Visumrecht bekam. Zusätzlich konnte ich aufgrund guter Englisch- und Französischkenntnisse während des Grundstudiums noch eine Drittsprache lernen und entschied mich für Ungarisch.
Nach dem Inlandspraktikum wurden im ersten Teil des Hauptstudiums in den einzelnen Rechtsfächern wichtige Grundlagen für die spätere Rechts- und Konsulartätigkeit gelegt. Im Wesentlichen geht es dabei um Internationales Privatrecht, also die Klärung zivilrechtlicher Sachverhalte, die einen Auslandsbezug aufweisen. Die Bestimmung des anzuwendenden Rechts und die Beurteilung des Falles nach diesen Gesetzen ist der Kern der späteren Arbeit im Ausland – in allen Bereichen des Zivilrechts. Dieser Abschnitt ist sicherlich der wichtigste und der mit Abstand lernintensivste.
Für das Auslandspraktikum wurde ich dann 2003 an die Botschaft nach Budapest entsandt. Dieser Abschnitt gab durch den Einsatz in den Abteilungen Rechts- und Konsularangelegenheiten, Wirtschaft, Kultur, Presse und Verwaltung einen umfassenden Einblick in alle Tätigkeitsbereiche an einer Auslandsvertretung. Darüber hinaus bekommt man in dieser Zeit auch eine erste Vorstellung vom späteren Leben im Ausland, obwohl hier je nach Dienstort große Unterschiede bestehen.
Die Arbeit in Budapest war sehr interessant und vielfältig, da sie bereits in weiten Teilen die Möglichkeit der praktischen Umsetzung des bis dahin Erlernten bot. Bei den vorgebrachten Anliegen im Rechts- und Konsularbereich ging es in der Mehrzahl der Fälle um Angelegenheiten aus dem Staatsangehörigkeits-, dem Personenstands- und dem Nachlassrecht, bei denen es galt, die Rechtslage unter Berücksichtigung des ungarischen Rechts zu ermitteln. Hinzu kamen Hilfefälle deutscher Touristen, für die die Botschaft erste Anlaufstelle ist. Gerade in diesem Bereich ist sehr viel Fingerspitzengefühl gefragt.
Im Anschluss an das Auslandspraktikum stand der zweite Teil des Hauptstudiums in Bonn an, der die Rechtsmaterie noch einmal vertieft und auf die Abschlussprüfung vorbereitet.
Nach der Diplom- bzw. der beamtenrechtlichen Laufbahnprüfung zum Dipl.-Verwaltungswirt (FH) war zunächst ein Einsatz in der Rechtsabteilung des Auswärtigen Amts im Referat für Völkerrechtliche Verträge vorgesehen. Kurzfristig ergab sich jedoch die Möglichkeit, eine neu geschaffene Stelle im Bereich Wirtschaft und wirtschaftliche Zusammenarbeit in Pristina im Kosovo zu besetzen, was mich sehr interessierte obwohl ich nur eine grobe Vorstellung dessen hatte, was mich dort erwarten würde.
Seit anderthalb Jahren bin ich nun in Pristina, sicherlich einem der schwierigsten aber politisch interessantesten Posten weltweit. Meine Arbeit hier ist sehr vielseitig und bietet ständig neue Herausforderungen. Sie umfasst z. B. Treffen mit deutschen und hiesigen Wirtschaftsvertretern, Organisationen wie der EU, der OSZE oder mit meinen Counterparts der anderen diplomatischen Vertretungen vor Ort. Jegliche Kommunikation mit internationalen und lokalen Behörden oder Organisationen läuft hier übrigens auf Englisch ab, sodass einem täglich bewusst wird, wie wichtig gute Fremdsprachenkenntnisse sind. Hinzu kommen Außentermine, bei denen ich von Deutschland finanzierte Hilfsprojekte im ganzen Kosovo besichtige und über deren Fortschritt berichte.
Besonders interessant ist die Teilnahme an den Sitzungen der UN und der kosovarischen Interims-Regierung zum Aufbau staatlicher Strukturen im Kosovo in den Bereichen Demokratisierung, Rechtsstaatlichkeit, Minderheitenschutz, Flüchtlingsrückkehr, Wirtschaftlicher Aufbau, etc. – Kriterien, die für die derzeitigen Verhandlungen über den künftigen Status des Kosovo entscheidend sind. Eine hochspannende Zeit also, in der auf dem Balkan Geschichte geschrieben wird, was man hier aus nächster Nähe miterlebt.
Die andere Seite eines Dienstortes wie Pristina sind die zum Teil recht schwierigen Lebensbedingungen und der fehlende Freizeitwert in einer Region, in der noch vor wenigen Jahren Krieg herrschte. Mit dem Klischee des Diplomatenlebens hat das hier wenig zu tun. Eigeninitiative und Ideenreichtum sind bei der Freizeitgestaltung gefragt. Eine interessante Abwechslung ist es, die Wochenenden in Mazedonien oder Griechenland zu verbringen, was aufgrund der Nähe von hier aus machbar ist.
Mitte 2006 geht meine Zeit im Kosovo zu Ende. Dann steht der nächste Einsatz an, und zwar in Ägypten. Dort werde ich an der Botschaft in Kairo in dem klassischen Bereich des Rechts- und Konsularwesens tätig sein. Die Arbeit dort wird eine ganz andere sein als in Pristina und auch die private Situation wird sich dank der dortigen Freizeitmöglichkeiten sehr verändern, worüber ich mich vor allem für meine Frau und unseren Sohn freue, der letztes Jahr zur Welt kam.
Bewerbern sollte neben dem Inhalt des Studiums, das in weiten Teilen ein Rechtsstudium ist, auch der regelmäßige Wechsel von Dienstort und Tätigkeit bewusst sein, der ein hohes Maß an Flexibilität und Anpassungsfähigkeit erfordert, das auch der Partner bzw. die Familie aufbringen muss. Dafür hat man aber im Auswärtigen Dienst aus meiner Sicht einen der spannendsten und faszinierendsten Berufe, die man sich vorstellen kann.
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