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Kiribati

Wirtschaftspolitik

Stand: Oktober 2012

Rahmenbedingungen

Die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen sind bestimmt von der isolierten geographischen Lage der Inseln, der geringen Landmasse und der Ausbreitung über etwa 3,5 Mio. qkm Meeresfläche. Kiribati ist eines der ärmsten Länder der Region, gehört zur Gruppe der am wenigsten entwickelten Staaten (LDC) und ist daher auf ausländische Unterstützung angewiesen. Auch der Klimawandel erweist sich zunehmend als Hindernis für die wirtschaftliche Entwicklung (häufige Überflutung der wenigen Straßen, Erosion der Küstenregionen, Versalzung der wenigen landwirtschaftlich nutzbaren Böden). In den letzten Jahren konnte das Wirtschaftswachstum nicht mit dem Bevölkerungswachstum Schritt halten. Einen Großteil seiner Einnahmen erzielt Kiribati durch den Verkauf von Fischereilizenzen (ca. 50% des BIP), Überweisungen von im Ausland lebenden Kiribatiern (insbesondere Seeleuten) und durch die Erträge des so genannten "Revenue Equalization Reserve Fund" (RERF).


Wirtschaftslage

Fast 20 Prozent der erwerbstätigen Bevölkerung arbeiten auf ausländischen Handels- oder Fischereischiffen. Die Beschäftigungsmöglichkeiten auf den Inseln selbst sind sehr beschränkt. Auf den äußeren Inseln ist die Kopra-Industrie der größte Arbeitgeber. Lediglich ca. 20 Prozent der arbeitsfähigen Bevölkerung befindet sich offiziell in einem Beschäftigungsverhältnis. 33,1 Prozent der Bevölkerung sind jünger als 15 Jahre.

Die wichtigsten Exportgüter sind Kopra, Fisch, Haifischflossen und Seetang. Importiert werden nahezu alle Güter, vor allem Nahrungsmittel, Maschinen, einfache Geräte und Brennstoff. Die wichtigsten Handelspartner sind Japan, Australien, USA und Fidschi. Die Handelsbilanz ist permanent negativ. Kiribati ist stark abhängig von Importen. Insgesamt beträgt der Wert der Exporte 7,066 Mio. US-Dollar und derjenige der Importe 17 Mio. US-Dollar (Schätzungen).

67,8 Prozent des BIP werden im Dienstleistungssektor erwirtschaftet, 24,3 Prozent in der Landwirtschaft und 7,9 Prozent im industriellen Sektor.

Kiribati führt seine Einkünfte aus der Vergabe der Fischereilizenzen einem staatlichem Investmentfonds zu, dem Revenue Equalization Reserve Fund (RERF). Dieser wurde 1956 von der britischen Kolonialregierung etabliert und wird von professionellen Fondsmanagern verwaltet, die die Vermögenswerte ausschließlich im Ausland investieren.

Im Jahr 2001 begann die Regierung eine expansivere Haushaltspolitik zu betreiben. Infolgedessen stieg das Haushaltsdefizit von annähernd Null im Jahr 2000 auf 31,4 Prozent des BIP 2010.

Auf lange Sicht befürchtet der IWF, dass die Erträge aus dem RERF sinken und 2030 erschöpft sein könnten. Mit dem zusätzlich erforderlichen Kreditaufnahmen wird die Nachverschuldung daher ansteigen. Bezüglich der Leistungsbilanz wird ein Defizit in Höhe von 20 Prozent des BIPs vorausgesagt, aufgrund von Transfers von Auslands-Kiribatiern sowie Lizenzeinkünften und Zinsen aus dem RERF-Revenue Equalization Reserve Fund ist die Zahlungsbilanz jedoch nahezu ausgeglichen.

Die Asiatische Entwicklungsbank (ADB) plant den Ausbau der Tourismusindustrie im Kiritimati-Atoll, um neue Geldquellen zu erschließen.

Im Juli 2008 wurde ein neues Forschungs- und Entwicklungszentrum für Atoll-Landwirtschaft auf Kiribati eröffnet: Das "Centre of Excellence for Atoll Research and Development in the Pacific" soll als Sammelpunkt für Wissenschaftler im Pazifik fungieren, die Möglichkeiten der effektiveren Landwirtschaft auf den pazifischen Inseln erforschen sollen.


Verkehrswesen

Das Verkehrswesen ist in Kiribati wenig entwickelt. Es gibt nur auf der Hauptinsel Tarawa und auf Kiritimati (Weihnachtsinsel) einigermaßen ausgebaute Straßen. Der interinsulare Fracht- und Personenverkehr wird mit kleinen, teilweise veralteten Schiffen abgewickelt, welche die einzelnen Inseln im Zweiwochenrhythmus anlaufen. Die Pacific Forum Line betreibt einen Zubringerdienst, der Kiribati in sechswöchigem Abstand mit Fidschi verbindet. Auf allen bewohnten Inseln der Gilbert-Gruppe gibt es Landepisten für kleinere Flugzeuge. Sie werden durch eine lokale Fluggesellschaft in unregelmäßigen Abständen angeflogen. Der internationale Flughafen in Tarawa wurde von China für Flugzeuge des Typs Boeing 737 ausgebaut. Die Anreise nach Kiribati ist dennoch zeitraubend und kostspielig, was auch der Entwicklung des Tourismus enge Grenzen setzt. Derzeit besuchen zwischen 3.000 und 4.000 Touristen jährlich Kiribati. Die meisten Besucher kommen von Hawaii, um die Wildnis und die einzigartigen Angelmöglichkeiten auf der Kirimati Insel (Weihnachtsinsel) zu erleben.


Umweltbedingungen

Durch das starke Bevölkerungswachstum, die zunehmende Konzentration der Bevölkerung auf Süd-Tarawa (bis zu 1.600 Einwohner pro qkm) und die Abfallproblematik werden die Umweltbelastungen im "Ballungsraum" der Hauptstadt immer größer, während auf den anderen Inseln Umweltbelastungen noch kaum festzustellen sind. Das Land hat mit zunehmender Verunreinigung des Grundwassers, mit Überfischungsproblemen und Verunreinigung der Lagune von Tarawa sowie mit wachsenden Problemen durch Küstenerosion zu kämpfen. Da bis auf die Insel Banaba kein Punkt des Landes höher als 2 Meter über dem Meeresspiegel liegt, sieht sich Kiribati in ganz besonderem Ausmaß von den Folgen des Treibhauseffekts und Klimawandels bedroht.

Im Januar 2008 hat Kiribati entschieden, die Phoenixinseln zu einem der größen Naturschutzgebiete der Welt zu erklären. Das Gebiet zwischen Fidschi und Hawaii umfasst 185.000 km2 und beherbergt Unterwassergebirge, Korallenriffe und über 520 Fischarten. Greenpeace unterstützt die Aktion als einen wichtigen Schritt in der Erhaltung des Ökosystems und zum Schutz des Marinereservats. Neuseelands Ökogruppe Friends of the Earth begrüßte die Entscheidung ebenfalls.



Hinweis

Dieser Text stellt eine Basisinformation dar. Er wird regelmäßig aktualisiert. Eine Gewähr für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Angaben kann nicht übernommen werden.