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Vietnam

Wirtschaft

Stand: Oktober 2016

Wirtschaftslage, Wirtschaftsstruktur

Das „vietnamesische Wirtschaftswunder“ begann 1986, als sich das unter den Folgen von Krieg und Zerstörung leidende und dem wirtschaftlichen Kollaps nahe Land wirtschaftlich zu öffnen begann (sog. Doi Moi-Politik) und den Weg zu einer 'sozialistischen Marktwirtschaft' beschritt. In den darauf folgenden zweieinhalb Jahrzehnten hat das Land einen fulminanten wirtschaftlichen Aufschwung mit Wachstumsraten von zumeist 7 bis 8 Prozent erlebt. Von der Wirtschafts- und Finanzkrise 2008/09 hatte sich Vietnam vergleichsweise schnell erholt. 

Vietnam hat 2009 die Grenze von 1000 USD Jahreseinkommen pro Kopf überschritten und ist seitdem ein „Middle Income Country“. 2015 betrug das Bruttoinlandsprodukt 196 Mrd. USD, demnach 2230 USD pro Kopf. Allerdings ist das Volkseinkommen zwischen Stadt und Land sehr ungleich verteilt. Nach wie vor leben 60 Prozent der Bevölkerung auf dem Land, erwirtschaften dort aber nur 20 Prozent des Volkseinkommens.

Die Wirtschaft wuchs in den ersten drei Quartalen 2016 um knapp 6 %. (und wird wohl das von der Regierung vorgegebene Wachstumsziel von 6.7 % verfehlen) Der Preisanstieg lag im Oktober 2016 gegenüber dem Vorjahr bei nur 1,3 % (Jahresinflationsrate 2015 bei 0,6 %, historischer Tiefstand).

Vietnam bleibt ein bevorzugtes Ziel für ausländische Direktinvestitionen: Insbesondere die Nachbarn aus der ASEAN-Region, aber auch Südkorea und Taiwan haben dafür gesorgt, dass allein im ersten Halbjahr 2016 knapp 13 Mrd. USD an Neuinvestitionen ins Land kamen (und damit 47 % mehr als im Vorjahreszeitraum). Deutschland steht mit ca. 300 Unternehmen und einem kumulierten Investitionsbetrag von 1,35 Mrd. USD auf Rang 21 der Investorenliste; die deutschen Direktinvestitionen gingen allerdings 2015 auf 74,3 Mio. USD.


Außenhandel

Der vietnamesische Außenhandel entwickelt sich weiterhin expansiv. Er weist 2015 erstmals wieder ein Defizit in Höhe von 3,2. Mrd. USD auf. Das Exportwachstum ist im Wesentlichen auf die Produktion ausländischer Firmen in Vietnam zurückzuführen. Der Wert der Exporte belief sich 2015 insgesamt auf 162,4 Mrd. USD. Er erhöhte sich im Vorjahresvergleich um 8,1%. Die wichtigsten Außenhandelspartner sind China, ASEAN, die USA, die EU, , Südkorea und Japan. Im Vergleich zum Vorjahr haben die USA (41,5 Mrd. USD) die EU (41,4 Mrd. USD) in der Rangfolge der Außenhandelspartner auf Platz 4 verdrängt.

Die wichtigsten Exportgüter sind weiterhin Mobiltelefone und Ersatzteile (30,6 Mrd. USD), Textilien und Bekleidung (22,6 Mrd. USD), Schuhe (12 Mrd. USD), Computer und Teile (15,8 Mrd. USD) sowie Maschinen und Ersatzteile  (8,2 Mrd. USD).

Die vietnamesischen Importe stiegen 2015 um 12% auf 165,6 Mrd. USD. Es wurde nach drei Jahren erstmals wieder ein Handelsbilanzdefizit in Höhe von 3,2 Mrd. USD eingefahren . Die wichtigsten Importgüter sind: Maschinen und Anlagen (27,6 Mrd. USD), Elektronikartikel und Teile (23,3 Mrd. USD), Mobiltelefone und Teile (10,6 Mrd. USD), Stoffe (10,2 Mrd. USD) sowie Eisen und Stahl (7,3 Mrd. USD).

Die USA liegen 2015 als Ziel vietnamesischer Exporte mit 33,5 Mrd. USD (+ 17%) vor der EU. Die Importe aus der EU weisen eine Steigerung um 16,3% auf. Der größte Importpartner bleibt mit 49,3 Mrd. USD, trotz politischer Spannungen, weiterhin China. Das Außenhandelsvolumen 2015 mit Deutschland in Höhe von 8,9 Mrd. USD weist nach der vietnamesischen Statistik eine Steigerung von 14% auf, wobei sich die vietnamesischen Exporte nach Deutschland im Vorjahresvergleich mit 8,77 Mrd. USD um 33 %erhöhten, die vietnamesischen Importe aus Deutschland lagen bei 2,5 Mrd. USD (Steigerung um 15 %).


Mitgliedschaft in Wirtschaftsgruppierungen

Seit Januar 2007 ist Vietnam WTO (World Trade Organization)-Mitglied. Das Land hat sich zu Nichtdiskriminierung, Transparenz (auch bei Staatsunternehmen), Abbau von Handelshemmnissen, Abschaffung bestehender Quoten sowie zum Schutz geistigen Eigentums verpflichtet. Der WTO-Beitritt ist als politisches Signal und als wirtschaftspolitische Weichenstellung zu verstehen, die internationale Einbindung Vietnams wurde hierdurch entscheidend vorangebracht.

Darüber hinaus ist Vietnam Mitglied in allen wichtigen internationalen Wirtschaftsorganisationen, darunter Weltbank, Internationaler Währungsfonds, AFTA (Asia Free Trade Area), APEC (Asia Pacific Economic Conference) und der World Customs Organization (WCO).

Eine aktive Rolle spielt Vietnam innerhalb von ASEAN (Association of South East Asian Nations), in dessen Wirtschaftsraum insgesamt 560 Millionen Einwohner (mehr als EU-28) ein jährliches Bruttoinlandsprodukt von gut 800 Milliarden USD erwirtschaften. Die zehn ASEAN-Mitglieder Vietnam, Laos, Kambodscha, Thailand, Indonesien, Malaysia, Singapur, Philippinen, Brunei und Myanmar haben sich darauf verständigt, die regionale Integration entschlossen voranzutreiben. Seit Anfang 2016 ist die „Asean Economic Community“ in Kraft, die das Ziel verfolgt, einen gemeinsamen Wirtschaftsraum zu schaffen. Vietnam hatte 2010 erfolgreich die rotierende, einjährige ASEAN-Präsidentschaft ausgeübt. Bis 2017 duert die Amtszeit des  früheren vietnamesischen Vizeaußenminister Le Luong Minh als ASEAN-Generalsekretär. Seit September 2015 hat die EU einen Botschafter bei ASEAN. Im Verlauf des Jahres 2015 hat das vietnamesische Ministerium für Industrie und Handel vier Freihandelsabkommen erfolgreich abgeschlossen: mit der Eurasischen Wirtschaftsunion (März 2015), mit Südkorea (Mai 2015) mit der multilateralen Pazifik-Freihandelszone "Trans-Pacific Partnership“ (Oktober 2015) und mit der Europäischen Union (Dezember 2015).  Das Abkommen mit Südkorea ist bereits von beiden Ländern ratifiziert; das Abkommen mit der Eurasischen Wirtschaftsunion (EAEU) ist Oktober 2016 in Kraft.

Hinweis:

Dieser Text stellt eine Basisinformation dar. Er wird regelmäßig aktualisiert. Eine Gewähr für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Angaben kann nicht übernommen werden. 


Ansprechpartner in Auslandsvertretungen

Entwicklungs­zusammenarbeit

Vietnam ist Kooperationsland der deutschen Entwicklungs­zusammenarbeit. Die Entwicklungs­zusammenarbeit konzentriert sich auf die Bereiche nachhaltige Wirtschaftsentwicklung, Umwelt- und Ressourcenschutz sowie das Gesundheitswesen. Mehr dazu beim Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung.

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