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Vietnam

Wirtschaft

Stand: Oktober 2014

Wirtschaftslage, Wirtschaftsstruktur

Das „vietnamesische Wirtschaftswunder“ begann 1986, als sich das unter den Folgen von Krieg und Zerstörung leidende und dem wirtschaftlichen Kollaps nahe Land wirtschaftlich zu öffnen begann (sog. Doi Moi-Politik) und den Weg zu einer 'sozialistischen Marktwirtschaft' beschritt. In den darauf folgenden zweieinhalb Jahrzehnten hat das Land einen fulminanten wirtschaftlichen Aufschwung mit Wachstumsraten von zumeist 7 bis 8 Prozent erlebt. Von der Wirtschafts- und Finanzkrise 2008/09 hatte sich Vietnam vergleichsweise schnell erholt. 

Vietnam hat 2009 die Grenze von 1000 USD Jahreseinkommen pro Kopf überschritten und ist seitdem ein „Middle Income Country“. 2013 betrug das Bruttoinlandsprodukt 176 Mrd. USD, demnach 1.960 USD pro Kopf. Allerdings ist das Volkseinkommen zwischen Stadt und Land sehr ungleich verteilt. Nach wie vor leben 60 Prozent der Bevölkerung auf dem Land, erwirtschaften dort aber nur 20 Prozent des Volkseinkommens.

Die Zielvorgabe der vietnamesischen Regierung für das Wirtschaftswachstum 2014 liegt bei 5,8% für den Jahresverlauf, die Wachstumsdaten der ersten Monate lassen jedoch geringeres Wachstum erwarten (Weltbankschätzung: 5,4 - 5,5 %). Gründe für den verhaltenen Anstieg des Wirtschaftswachstums liegen in der abwartenden Haltung von Investoren nach den Spannungen mit China im südchinesischen Meer und den antichinesischen Ausschreitungen gegen Firmen in Süd- und Zentralvietnam sowie den wenig koordinierten Maßnahmen zur Ankurbelung der Wirtschaft durch die Ministerien in Hanoi und den Provinzregierungen.

Der Preisanstieg bei den Verbraucherpreisen konnte 2014 weiter erfolgreich eingedämmt werden. Die Inflationsrate lag Ende Juni bei 4,98% und damit deutlich unter dem Zielkorridor der Zentralbank von 6  - 7 %. Angesichts der schwachen Nachfrage während der Sommermonate konnte in den Folgemonaten noch ein weiterer Rückgang des Verbraucherpreisindexes vermerkt werden. Dieser fiel im Juli auf 4,94 % und im August auf 4,31 %.

Für die ausländischen Direktinvestitionen weist die Statistik des vietnamesischen Planungsministeriums bis Ende Juli einen Betrag von 9,53 Mrd. USD für genehmigte und  registrierte ausländische Investitionen aus. Im Vergleich zum Vorjahreszeitraum liegt damit ein Rückgang um 20 % vor. Im Vergleich zum ersten Halbjahr hat sich dieser Abwärtstrend bei den Auslandsinvestitionen jedoch verlangsamt; Ende Juni hatten die registrierten Investitionen mit 6,85 Mrd. USD noch einen Rückgang von 35,5% ausgemacht.


Außenhandel

Der vietnamesische Außenhandel entwickelt sich weiterhin expansiv. Er weist im ersten Halbjahr einen Überschuss von 1,3. Mrd. USD auf, der sich bis Ende August auf 1,7 Mrd. USD erhöht hat. Der Exportüberschuss ist im Wesentlichen auf die Produktion ausländischer Firmen in Vietnam zurückzuführen. Der Wert der Exporte belief sich im ersten Halbjahr insgesamt auf 70,9 Mrd. USD; er erhöhte sich im Vorjahresvergleich um 14.9%. Hierzu trugen die ausländischen Investitionen mit 47,8 Mrd. USD 67,5% (+16,6%) bei, die einheimischen Betriebe nur mit 23,1 Mrd. USD (+11,5%). Das Exportvolumen der einheimischen Betriebe zeigt derzeit eine leicht abnehmende Tendenz.

Die wichtigsten Exportgüter sind weiterhin Mobiltelefone und Ersatzteile (11,7 Mrd. USD), Textilien und Bekleidung (9,3 Mrd. USD), Schuhe (4,8 Mrd. USD), Computer und Teile (4,5 Mrd. USD) und Rohöl (4,1 Mrd. USD).

Die vietnamesischen Importe stiegen im Vorjahresvergleich im ersten Halbjahr um 11% auf 69,6 Mrd. USD. Die Steigerung bei den Importen ist hauptsächlich auf die Einfuhr von Materialien und Halbfertigwaren für die Montage der Exportprodukte (Elektronikartikel, Mobiltelefone, Computer) zurückzuführen. Die im Land erfolgte Wertschöpfung ist dabei nur gering. Die wichtigsten Importgüter sind: Maschinen und Anlagen (10,5 Mrd. USD), Elektronikartikel und Teile (8,5 Mrd. USD), Stoffe (4,6 Mrd. USD), Raffinerieprodukte (4,1  Mrd. USD) sowie Mobiltelefone und Teile (2,9 Mrd. USD).

Die USA liegen derzeit als Ziel vietnamesischer Exporte knapp vor der EU. Der größte Importpartner bleibt, trotz politischer Spannungen, weiterhin China.

Das Außenhandelsvolumen mit Deutschland in Höhe von 3,59 Mrd. USD weist nach der vietnamesischen Statistik für das erste Halbjahr einen leichten Rückgang um 2,7% auf, wobei sich die vietnamesischen Exporte nach Deutschland im Vorjahresvergleich mit 2,41 Mrd. USD (+2,6%) leicht erhöhten, die vietnamesischen Importe aus Deutschland mit 1,18 Mrd. USD (-11,9%) jedoch zurückgegangen sind.


Mitgliedschaft in Wirtschaftsgruppierungen

Seit Januar 2007 ist Vietnam WTO (World Trade Organization)-Mitglied. Das Land hat sich zu Nichtdiskriminierung, Transparenz (auch bei Staatsunternehmen), Abbau von Handelshemmnissen, Abschaffung bestehender Quoten sowie zum Schutz geistigen Eigentums verpflichtet. Der WTO-Beitritt ist als politisches Signal und als wirtschaftspolitische Weichenstellung zu verstehen, die internationale Einbindung Vietnams wurde hierdurch entscheidend vorangebracht.

Darüber hinaus ist Vietnam Mitglied in allen wichtigen internationalen Wirtschaftsorganisationen, darunter Weltbank, Internationaler Währungsfonds, AFTA (Asia Free Trade Area), APEC (Asia Pacific Economic Conference) und der World Customs Organization (WCO).

Eine aktive Rolle spielt Vietnam innerhalb von ASEAN (Association of South East Asian Nations), in dessen Wirtschaftsraum insgesamt 560 Millionen Einwohner (mehr als EU-28) ein jährliches Bruttoinlandsprodukt von gut 800 Milliarden USD erwirtschaften. Die zehn ASEAN-Mitglieder Vietnam, Laos, Kambodscha, Thailand, Indonesien, Malaysia, Singapur, Philippinen, Brunei und Myanmar haben sich darauf verständigt, die regionale Integration entschlossen voranzutreiben. Bis zum Jahre 2015 soll eine „Asean Economic Community“ entstehen, die das Ziel verfolgt, einen - der Europäischen Union ähnlichen - gemeinsamen Wirtschaftsraum zu schaffen. Vietnam hatte 2010 erfolgreich die rotierende, einjährige ASEAN-Präsidentschaft ausgeübt. Seit Anfang 2013 amtiert der frühere vietnamesische Vizeaußenminister Le Luong Minh als ASEAN-Generalsekretär.

Das vietnamesische Ministerium für Industrie und Handel verhandelt derzeit parallel vier Freihandelsabkommen mit der Europäischen Union, der Europäischen Freihandelsassoziation, mit Südkorea sowie über die multilaterale Pazifik-Freihandelszone "Trans-Pacific Partnership“. Ein Freihandelsabkommen mit der Zollunion von Russland, Weißrussland und Kasachstan wurde im März 2014 abgeschlossen, die Verhandlungen mit der EU sind weit fortgeschritten.

Hinweis:

Dieser Text stellt eine Basisinformation dar. Er wird regelmäßig aktualisiert. Eine Gewähr für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Angaben kann nicht übernommen werden. 


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Vietnam ist Kooperationsland der deutschen Entwicklungs­zusammenarbeit. Die Entwicklungs­zusammenarbeit konzentriert sich auf die Bereiche nachhaltige Wirtschaftsentwicklung, Umwelt- und Ressourcenschutz sowie das Gesundheitswesen. Mehr dazu beim Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung.

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