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Vietnam

Wirtschaft

Stand: September 2015

Wirtschaftslage, Wirtschaftsstruktur

Das „vietnamesische Wirtschaftswunder“ begann 1986, als sich das unter den Folgen von Krieg und Zerstörung leidende und dem wirtschaftlichen Kollaps nahe Land wirtschaftlich zu öffnen begann (sog. Doi Moi-Politik) und den Weg zu einer 'sozialistischen Marktwirtschaft' beschritt. In den darauf folgenden zweieinhalb Jahrzehnten hat das Land einen fulminanten wirtschaftlichen Aufschwung mit Wachstumsraten von zumeist 7 bis 8 Prozent erlebt. Von der Wirtschafts- und Finanzkrise 2008/09 hatte sich Vietnam vergleichsweise schnell erholt. 

Vietnam hat 2009 die Grenze von 1000 USD Jahreseinkommen pro Kopf überschritten und ist seitdem ein „Middle Income Country“. 2014 betrug das Bruttoinlandsprodukt 188 Mrd. USD, demnach 2072 USD pro Kopf. Allerdings ist das Volkseinkommen zwischen Stadt und Land sehr ungleich verteilt. Nach wie vor leben 60 Prozent der Bevölkerung auf dem Land, erwirtschaften dort aber nur 20 Prozent des Volkseinkommens.

Die Zielvorgabe der vietnamesischen Regierung für das Wirtschaftswachstum 2014 von 5,8% konnte zum Jahresende mit 5,98% deutlich übertroffen werden Die Prognose von 6,2% für 2015 wurde auf 6,5% erhöht. Der Preisanstieg bei den Verbraucherpreisen konnte 2015 weiter erfolgreich eingedämmt werden. Die Inflationsrate lag Ende Juni bei 2,24% . Die Spannungen mit China im Südchinesischen Meer , die sinkende Wirtschaftsleistung und die mehrfachen Abwertungen des Yuan hatten bislang noch keine  negativen Auswirkungen auf das Wirtschaftswachstum.

Für die ausländischen Direktinvestitionen weist die Statistik des vietnamesischen Planungsministeriums 2014 einen Betrag von 20,3 Mrd. USD, für das HJ1/2015 5,5 Mrd. USD für genehmigte und  registrierte ausländische Investitionen aus.


Außenhandel

Der vietnamesische Außenhandel entwickelt sich weiterhin expansiv. Er weist 2014 einen Überschuss von 2,14. Mrd. USD auf. Der Exportüberschuss ist im Wesentlichen auf die Produktion ausländischer Firmen in Vietnam zurückzuführen. Der Wert der Exporte belief sich 2014 insgesamt auf 150,2 Mrd. USD, im HJ1/2015 auf 77,7 Mrd. USD, er erhöhte sich im Vergleich zum im Vorjahresvergleich um 9,3%. Die wichtigsten Außenhandelspartner sind China, die EU, die USA, ASEAN, Südkorea und Japan. Im Vergleich zum Vorjahreszeitraum haben im HJ1/2015 die USA (19,5 Mrd. USD) die EU (18,3 Mrd. USD) in der Rangfolge der Außenhandelspartner auf Platz 3 verdrängt.

Die wichtigsten Exportgüter sind weiterhin Mobiltelefone und Ersatzteile (21,5 Mrd. USD), Textilien und Bekleidung (17,9 Mrd. USD), Schuhe (8,4 Mrd. USD), Computer und Teile (4,5 Mrd. USD) und Rohöl (7,2 Mrd. USD), (Zahlen 2014).

Die vietnamesischen Importe stiegen 2014 um 12,1% auf 148,5 Mrd. USD. Im HJ1/2015 erreichten sie 81,5 Mrd. USD (+ 17,7%). Es wurde nach drei Jahren erstmals wieder Handelsbilanzdefizit eingefahren, das im HJ1/2015 auf 3,8 Mrd. USD anwuchs. Die wichtigsten Importgüter sind: Maschinen und Anlagen (10,5 Mrd. USD), Elektronikartikel und Teile (8,5 Mrd. USD), Stoffe (4,6 Mrd. USD), Raffinerieprodukte (4,1  Mrd. USD) sowie Mobiltelefone und Teile (2,9 Mrd. USD), (Zahlen 2014).

Die USA liegen auch im HJ1/2015 als Ziel vietnamesischer Exporte mit 15,7 Mrd. USD (+ 18,6%) vor der EU. Die Importe aus der EU weisen nach einen Rückgang  von 5,9% 2014 zum Halbjahresende mit 4,5 Mrd. USD eine leichte Steigerung um 5,8% auf. Der größte Importpartner bleibt mit 47,3 Mrd. USD, trotz politischer Spannungen, weiterhin China.

Das Außenhandelsvolumen 2014 mit Deutschland in Höhe von 7,8 Mrd. USD weist nach der vietnamesischen Statistik eine Steigerung von 6% auf, wobei sich die vietnamesischen Exporte nach Deutschland im Vorjahresvergleich mit 5,18 Mrd. USD (+5,3%) leicht erhöhten, die vietnamesischen Importe aus Deutschland lagen bei 2,62 Mrd. USD und gingen um 6,5% zurück.


Mitgliedschaft in Wirtschaftsgruppierungen

Seit Januar 2007 ist Vietnam WTO (World Trade Organization)-Mitglied. Das Land hat sich zu Nichtdiskriminierung, Transparenz (auch bei Staatsunternehmen), Abbau von Handelshemmnissen, Abschaffung bestehender Quoten sowie zum Schutz geistigen Eigentums verpflichtet. Der WTO-Beitritt ist als politisches Signal und als wirtschaftspolitische Weichenstellung zu verstehen, die internationale Einbindung Vietnams wurde hierdurch entscheidend vorangebracht.

Darüber hinaus ist Vietnam Mitglied in allen wichtigen internationalen Wirtschaftsorganisationen, darunter Weltbank, Internationaler Währungsfonds, AFTA (Asia Free Trade Area), APEC (Asia Pacific Economic Conference) und der World Customs Organization (WCO).

Eine aktive Rolle spielt Vietnam innerhalb von ASEAN (Association of South East Asian Nations), in dessen Wirtschaftsraum insgesamt 560 Millionen Einwohner (mehr als EU-28) ein jährliches Bruttoinlandsprodukt von gut 800 Milliarden USD erwirtschaften. Die zehn ASEAN-Mitglieder Vietnam, Laos, Kambodscha, Thailand, Indonesien, Malaysia, Singapur, Philippinen, Brunei und Myanmar haben sich darauf verständigt, die regionale Integration entschlossen voranzutreiben. Bis Ende 2015 soll eine „Asean Economic Community“ entstehen, die das Ziel verfolgt, einen gemeinsamen Wirtschaftsraum zu schaffen. Vietnam hatte 2010 erfolgreich die rotierende, einjährige ASEAN-Präsidentschaft ausgeübt. Seit Anfang 2013 amtiert der frühere vietnamesische Vizeaußenminister Le Luong Minh als ASEAN-Generalsekretär. Seit September 2015 hat die EU einen Botschafter bei ASEAN. Das vietnamesische Ministerium für Industrie und Handel verhandelt derzeit parallel mehrere Freihandelsabkommen: mit der Europäischen Union, der Europäischen Freihandelsassoziation, der Kaukasischen Zollunion (Abschluss März 2015), mit Südkorea (Abschluss Mai 2015) sowie über die multilaterale Pazifik-Freihandelszone "Trans-Pacific Partnership“. Der Abschluss des Freihandelsabkommen mit der EU wird Ende 2015 erwartet.

Hinweis:

Dieser Text stellt eine Basisinformation dar. Er wird regelmäßig aktualisiert. Eine Gewähr für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Angaben kann nicht übernommen werden. 


Ansprechpartner in Auslandsvertretungen

Entwicklungs­zusammenarbeit

Vietnam ist Kooperationsland der deutschen Entwicklungs­zusammenarbeit. Die Entwicklungs­zusammenarbeit konzentriert sich auf die Bereiche nachhaltige Wirtschaftsentwicklung, Umwelt- und Ressourcenschutz sowie das Gesundheitswesen. Mehr dazu beim Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung.

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