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Vietnam

Wirtschaft

Stand: März 2015

Wirtschaftslage, Wirtschaftsstruktur

Das „vietnamesische Wirtschaftswunder“ begann 1986, als sich das unter den Folgen von Krieg und Zerstörung leidende und dem wirtschaftlichen Kollaps nahe Land wirtschaftlich zu öffnen begann (sog. Doi Moi-Politik) und den Weg zu einer 'sozialistischen Marktwirtschaft' beschritt. In den darauf folgenden zweieinhalb Jahrzehnten hat das Land einen fulminanten wirtschaftlichen Aufschwung mit Wachstumsraten von zumeist 7 bis 8 Prozent erlebt. Von der Wirtschafts- und Finanzkrise 2008/09 hatte sich Vietnam vergleichsweise schnell erholt. 

Vietnam hat 2009 die Grenze von 1000 USD Jahreseinkommen pro Kopf überschritten und ist seitdem ein „Middle Income Country“. 2014 betrug das Bruttoinlandsprodukt 188 Mrd. USD, demnach 2072 USD pro Kopf. Allerdings ist das Volkseinkommen zwischen Stadt und Land sehr ungleich verteilt. Nach wie vor leben 60 Prozent der Bevölkerung auf dem Land, erwirtschaften dort aber nur 20 Prozent des Volkseinkommens.

Die Zielvorgabe der vietnamesischen Regierung für das Wirtschaftswachstum 2014 von 5,8% konnte zum Jahresende mit 5,98% deutlich übertroffen werden. Der Preisanstieg bei den Verbraucherpreisen konnte 2014 weiter erfolgreich eingedämmt werden. Die Inflationsrate lag Ende Dezember bei 2,3% und im Jahresdurchschnitt unter 5% - damit deutlich unter dem Zielkorridor der Zentralbank von 6  - 7 %. Die Spannungen mit China im südchinesischen Meer und die antichinesischen Ausschreitungen gegen Firmen in Süd- und Zentralvietnam hatten keine nachhaltigen Auswirkungen auf das Wirtschaftswachstum.

Für die ausländischen Direktinvestitionen weist die Statistik des vietnamesischen Planungsministeriums 2014 einen Betrag von 20,3 Mrd. USD für genehmigte und  registrierte ausländische Investitionen aus. Im Vergleich zum Vorjahreszeitraum liegt damit ein Rückgang um 6,5 % vor.


Außenhandel

Der vietnamesische Außenhandel entwickelt sich weiterhin expansiv. Er weist2014 einen Überschuss von 2,14. Mrd. USD auf. Der Exportüberschuss ist im Wesentlichen auf die Produktion ausländischer Firmen in Vietnam zurückzuführen. Der Wert der Exporte belief sich insgesamt auf 150,2 Mrd. USD; er erhöhte sich im Vorjahresvergleich um 13,7%.

Die wichtigsten Exportgüter sind weiterhin Mobiltelefone und Ersatzteile (21,5 Mrd. USD), Textilien und Bekleidung (17,9 Mrd. USD), Schuhe (8,4 Mrd. USD), Computer und Teile (4,5 Mrd. USD) und Rohöl (7,2 Mrd. USD).

Die vietnamesischen Importe stiegen im Vorjahresvergleich um 12,1% auf 148,5 Mrd. USD. Die Steigerung bei den Importen ist hauptsächlich auf die Einfuhr von Materialien und Halbfertigwaren für die Montage der Exportprodukte (Elektronikartikel, Mobiltelefone, Computer) zurückzuführen. Die im Land erfolgte Wertschöpfung bei den Exportprodukten ist dabei nur gering.

Die wichtigsten Importgüter sind: Maschinen und Anlagen (10,5 Mrd. USD), Elektronikartikel und Teile (8,5 Mrd. USD), Stoffe (4,6 Mrd. USD), Raffinerieprodukte (4,1  Mrd. USD) sowie Mobiltelefone und Teile (2,9 Mrd. USD).

Die USA liegen 2014 als Ziel vietnamesischer Exporte erstmals vor der EU. Die Exporte der EU nach Vietnam weisen einen Rückgang von 5,9% auf. Der größte Importpartner bleibt mit 47,3 Mrd. USD, trotz politischer Spannungen, weiterhin China.

Das Außenhandelsvolumen mit Deutschland in Höhe von 7,8 Mrd. USD weist nach der vietnamesischen Statistik eine Steigerung von 6% auf, wobei sich die vietnamesischen Exporte nach Deutschland im Vorjahresvergleich mit 5,18 Mrd. USD (+5,3%) leicht erhöhten, die vietnamesischen Importe aus Deutschland lagen bei 2,62 Mrd. USD und gingen um 6,5% zurück.


Mitgliedschaft in Wirtschaftsgruppierungen

Seit Januar 2007 ist Vietnam WTO (World Trade Organization)-Mitglied. Das Land hat sich zu Nichtdiskriminierung, Transparenz (auch bei Staatsunternehmen), Abbau von Handelshemmnissen, Abschaffung bestehender Quoten sowie zum Schutz geistigen Eigentums verpflichtet. Der WTO-Beitritt ist als politisches Signal und als wirtschaftspolitische Weichenstellung zu verstehen, die internationale Einbindung Vietnams wurde hierdurch entscheidend vorangebracht.

Darüber hinaus ist Vietnam Mitglied in allen wichtigen internationalen Wirtschaftsorganisationen, darunter Weltbank, Internationaler Währungsfonds, AFTA (Asia Free Trade Area), APEC (Asia Pacific Economic Conference) und der World Customs Organization (WCO).

Eine aktive Rolle spielt Vietnam innerhalb von ASEAN (Association of South East Asian Nations), in dessen Wirtschaftsraum insgesamt 560 Millionen Einwohner (mehr als EU-28) ein jährliches Bruttoinlandsprodukt von gut 800 Milliarden USD erwirtschaften. Die zehn ASEAN-Mitglieder Vietnam, Laos, Kambodscha, Thailand, Indonesien, Malaysia, Singapur, Philippinen, Brunei und Myanmar haben sich darauf verständigt, die regionale Integration entschlossen voranzutreiben. Bis Ende 2015 soll eine „Asean Economic Community“ entstehen, die das Ziel verfolgt, einen gemeinsamen Wirtschaftsraum zu schaffen. Vietnam hatte 2010 erfolgreich die rotierende, einjährige ASEAN-Präsidentschaft ausgeübt. Seit Anfang 2013 amtiert der frühere vietnamesische Vizeaußenminister Le Luong Minh als ASEAN-Generalsekretär.Das vietnamesische Ministerium für Industrie und Handel verhandelt derzeit parallel fünf Freihandelsabkommen: mit der Europäischen Union, der Europäischen Freihandelsassoziation, der Kaukasischen Zollunion, mit Südkorea sowie über die multilaterale Pazifik-Freihandelszone "Trans-Pacific Partnership“. Die Verhandlungen zu allen Freihandelsabkommen sind so weit fortgeschritten, dass von vietnamesischer Seite ein Verhandlungsabschluss im Verlauf dieses Jahres erwartet wird.

Hinweis:

Dieser Text stellt eine Basisinformation dar. Er wird regelmäßig aktualisiert. Eine Gewähr für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Angaben kann nicht übernommen werden. 


Ansprechpartner in Auslandsvertretungen

Entwicklungs­zusammenarbeit

Vietnam ist Kooperationsland der deutschen Entwicklungs­zusammenarbeit. Die Entwicklungs­zusammenarbeit konzentriert sich auf die Bereiche nachhaltige Wirtschaftsentwicklung, Umwelt- und Ressourcenschutz sowie das Gesundheitswesen. Mehr dazu beim Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung.

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