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Griechenland

Beziehungen zu Deutschland

Stand: November 2014

Viele Griechen fühlen sich trotz schlimmer Erinnerungen an die Leiden des griechischen Volkes unter der deutschen Besatzung während des Zweiten Weltkriegs mit Deutschland und der deutschen Kultur eng verbunden: Hunderttausende Griechen sind nach Jahren, die sie in Deutschland als Arbeitnehmer oder Studenten verbracht haben, von dort mit guten Erinnerungen in die Heimat zurückgekehrt. In Deutschland leben über 300.000 Menschen griechischer Herkunft (Tendenz steigend), die sich gut in die deutsche Gesellschaft integriert haben. Auch erinnern sich viele Griechen, darunter auch eine Reihe prominenter Politiker und Wissenschaftler, dankbar daran, in der Zeit der Obristendiktatur (1967-1974) Zuflucht und Unterstützung in Deutschland gefunden zu haben. Hervorzuheben sind die engen Kontakte zwischen den Juristen beider Länder, die darauf zurückzuführen sind, dass Griechenland nach der Unabhängigkeit das deutsche Zivilrecht übernommen hat und viele griechische Juristen in Deutschland studiert haben. Aber auch viele Ingenieure und Ärzte haben eine deutsche Ausbildung erhalten. Viele griechische Akademiker, bis hin zu zahlreichen führenden Persönlichkeiten in Staat und Gesellschaft, sprechen gut Deutsch.

Politische Beziehungen

Die politischen Beziehungen zwischen Griechenland und Deutschland waren über viele Jahre von großer Übereinstimmung in internationalen Fragen (Rolle der Vereinten Nationen, Nahost, Irak, Afghanistan) und in den Grundsatzfragen der Europäischen Union geprägt. Letzter Staatsbesuch war der von Bundespräsident Joachim Gauck vom 5.-7. März 2014 in Athen. Der griechische Staatspräsident Karolos Papoulias besuchte Deutschland zuletzt am 12. September 2014. Premierminister Antonis Samaras reiste seit seinem Amtsantritt mehrfach nach Berlin, zuletzt am 19. September 2014. Am 11. April 2014 besuchte Bundeskanzlerin Angela Merkel zuletzt Athen. Regierungschefs und Minister treffen sich auch regelmäßig im EU-Rahmen. Bundesaußenminister Frank Walter Steinmeier besuchte Athen am 9./10. Januar 2014.

Im März 2010 vereinbarten beide Regierungen die Gründung einer „Deutsch-Griechischen Partnerschaft“ (DGP). In diesem Rahmen bestehen zahlreiche Kooperationsprojekte, z. B. ein deutsch-griechisches Forschungsprogramm, Zusammenarbeit im Bereich beruflicher Bildung oder Unterstützung bei der Finanzierung von kleinen und mittleren Unternehmen.  Deutschland unterstützt den Reformprozess in Griechenland auch im Rahmen der EU-Task Force für Griechenland. Deutsche Experten sind vor allem in den Bereichen Gesundheitswesen, Reform der Lokalverwaltung und Erneuerbare Energien tätig.

Die Kooperation der Kommunen und Regionen wird im Rahmen der „Deutsch-Griechischen Versammlung“ (DGV) ausgebaut. Als Koordinator für die DGV hat Bundeskanzlerin Angela Merkel den Parlamentarischen Staatssekretär Hans-Joachim Fuchtel ernannt. Auf griechischer Seite übernimmt dies Innenminister Argyris Dinopoulos. Seit 2012 haben eine Reihe von gemeinsamen Konferenzen stattgefunden, um Know-how-Partnerschaften zu vertiefen. Das vierte Treffen der DGV fand am 22./23. Oktober 2013 in Nürnberg statt.

Die Besetzung Griechenlands im Zweiten Weltkrieg und die dabei begangenen Verbrechen sind im Bewusstsein vieler Griechen noch sehr präsent. Viele Opfergemeinden haben in den letzten Jahren deutsche Repräsentanten zu den Gedenkfeiern und anderen Anlässen eingeladen.

Um die gemeinsame Aufarbeitung dieser Vergangenheit zu fördern und gezielt denjenigen Opfergemeinden zu helfen, die besonders unter Gräueltaten während der Besatzung im Zweiten Weltkrieg gelitten haben, wurde 2014 der Deutsch-Griechische Zukunftsfonds ins Leben gerufen. Darüber hinaus haben die Bundesregierung und die Regierung Griechenlands anlässlich des Besuchs des griechischen Staatspräsidenten Papoulias am 12. September 2014 die Schaffung eines Deutsch-Griechischen Jugendwerks nach Vorbild der Deutsch-Französischen und Deutsch-Polnischen Jugendwerke bekannt gegeben. Hierdurch soll der Austausch der Jugendlichen aus beiden Ländern und deren bessere Verständnis füreinander sowie die Versöhnung beider Völker gefördert werden.

In Deutschland haben sich rund 50 deutsch-griechische Gesellschaften im Dachverband "Vereinigung der Deutsch-Griechischen Gesellschaften" zusammengeschlossen.


Schuldenkrise

Die seit 2010 in Medien und Öffentlichkeit beider Länder geführte, teilweise heftige und kontroverse Diskussion um die Schuldenkrise und über den "richtigen" Weg zu deren Überwindung  dauert an. Seit Ende 2012 hat sich das Medienbild auf beiden Seiten etwas normalisiert. Griechische Medien kritisieren, Finanzhilfen für Griechenland seien immer wieder zu spät und unter überzogen harten Auflagen gewährt worden, was nicht zuletzt auf mangelnde deutsche Solidarität zurückzuführen sei. Viele Griechen sehen ihr Land durch deutsche Presseartikel in ein negatives Licht gerückt. Umgekehrt halten viele Deutsche die Reformbereitschaft in Griechenland für ungenügend. Es wird häufig verkannt, dass sich Griechenland nicht „nur“ in einer Schuldenkrise, sondern in einer tief greifenden Krise von Staat und Gesellschaft befindet. Zu Schuldenkrise und internationalen Hilfen im Einzelnen: siehe Wirtschaft.


Wirtschaftsbeziehungen

Deutsche Unternehmen sind in Griechenland vor allem in Einzelhandel und Pharmaindustrie engagiert. Deutschland ist mit einem Handelsvolumen von über 6,4 Mrd. Euro Griechenlands drittwichtigster Handelspartner. Deutsche Unternehmen zählen zu den wichtigsten ausländischen Investoren. Die Deutsche Telekom besitzt einen 40-prozentigen Anteil am halbstaatlichen griechischen Telekommunikationskonzern OTE. Neben den seit vielen Jahren in Griechenland tätigen Unternehmen wie Siemens, Bayer, Hochtief u.a. haben sich Einzelhandelsunternehmen wie Lidl und Media-Saturn in Griechenland etabliert. Wichtige Infrastrukturprojekte - wie die Athener U-Bahn und der Athener Flughafen - wurden mit Hilfe deutscher Unternehmen ausgeführt. Die 143 in Griechenland ansässigen deutschen Unternehmen stellen ca. 32.000 Arbeitsplätze und erwirtschaften ca. 7,6 Mrd. Euro (Stand April 2014 bezogen auf 2012, Quelle: Deutsche Bundesbank).


Kulturelle Beziehungen

Enge kulturelle Verbindungen zwischen Griechenland und Deutschland bestehen seit dem Freiheitskampf der Griechen gegen die Osmanenherrschaft, der von den Philhellenen in Deutschland unterstützt wurde. Unter der Herrschaft von König Otto aus dem Hause Wittelsbach (1833-62) kamen zahlreiche deutsche – besonders bayerische - Wissenschaftler und Verwaltungsfachleute ins Land. Durch die bahnbrechenden Forschungen deutscher Altertumswissenschaftler, die Tätigkeit deutscher Ingenieure für die Entwicklung des Landes und die teilweise Orientierung am deutschen Recht ergaben sich auf wissenschaftlichem Gebiet starke Bindungen, die auch beide Weltkriege überdauert haben. Rund 40.000 Griechen haben ihre Berufsausbildung ganz oder teilweise in Deutschland absolviert. Jeder zehnte Grieche hat im Laufe seines Lebens einmal längere Zeit in Deutschland gelebt. Heute leben noch knapp 300.000 Griechen in Deutschland.

Die Zweigstellen des Goethe-Instituts in Athen und Thessaloniki bereichern das kulturelle Angebot in den beiden Ballungszentren des Landes. Die ehemaligen Nebenstellen des Goethe-Instituts in Patras und Chania (Kreta) werden als so genannte "Goethe-Zentren" in privater Trägerschaft mit Schwerpunkt auf Sprachausbildung weitergeführt. Die Goethe-Institute in Griechenland nehmen weltweit die meisten Sprachprüfungen ab (knapp 23.000 im Jahr 2013).

Die Deutsche Schule in Athen mit deutscher und griechischer Abteilung (insgesamt mehr als 1.000 Schüler) blickt auf eine über 110-jährige Tradition zurück und genießt einen ausgezeichneten Ruf. Dasselbe gilt für die noch ältere Deutsche Schule in Thessaloniki.

Die 1874 gegründete Abteilung des Deutschen Archäologischen Instituts (DAI) in Athen betreut bedeutende Ausgrabungen in Olympia, auf dem Kerameikos-Friedhof in Athen, in Kalapodi, auf der Insel Samos, in Tiryns (Peloponnes) sowie auf Aegina. Sie verfügt über eine umfangreiche Bibliothek von etwa 70.000 Bänden sowie eine Photothek mit 140.000 Aufnahmen. Die germanistischen Abteilungen an den Universitäten Athen und Thessaloniki werden durch die Entsendung von Lektoren gefördert. Seit November 2004 unterhält der DAAD in Athen ein eigenes Informationszentrum. Um die 2.400 Griechinnen und Griechen haben bislang DAAD-Stipendien erhalten (vom Grundstudium bis zur Promotion), über 300 Humboldt-Forschungsstipendien sind vergeben worden. In Athen tragen griechische Privatschulen (Ellinogermaniki Agogi, Erasmios sowie die Grundschulen Manta und Athener Schule) zur Verbreitung der deutschen Sprache bei. Mehr als 6000 Griechen (ohne Erasmus-Programm) studieren in Deutschland (Stand: Wintersemester 2013/2014)

Hinweis:

Dieser Text stellt eine Basisinformation dar. Er wird regelmäßig aktualisiert. Eine Gewähr für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Angaben kann nicht übernommen werden. 


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