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Ghana

Beziehungen zu Deutschland

Stand: April 2013

Politische Beziehungen

Die politischen Beziehungen zwischen Deutschland und Ghana sind traditionell freundschaftlich und umfassend. Bereits vor Ghanas Unabhängigkeit im Jahr 1957 bestanden relativ enge deutsch-ghanaische Beziehungen, insbesondere zu der zur vormaligen deutschen Kolonie Togo gehörenden und später Ghana zugeschlagenen Volta-Region. Diese Region profitierte auch in besonderem Maße vom Wirken deutscher Missionare (etwa der Bremer Mission), die dem Volk der Ewe die Schriftsprache brachten. Im Jahr 2007 wurden zugleich mit dem 50-jährigen Jubiläum der Staatsgründung Ghanas 50 Jahre erfolgreiche deutsch-ghanaische Beziehungen gefeiert. Diese Festlichkeiten fanden 2007 und danach ihren Niederschlag in einem besonders regen hochrangigen Besucheraustausch.

Die deutsch-ghanaischen Beziehungen haben ihre besondere Qualität auch unter wechselnden ghanaischen Regierungen (seit Beginn der Demokratisierung auf Basis der ghanaischen Verfassung von 1992) erhalten. Deutschland ist in Ghana sehr gut vertreten: die deutsche bilaterale Entwicklungszusammenarbeit mit Fokus auf Nachhaltige Wirtschaftsförderung, Dezentralisierung, Landwirtschaft, Erneuerbare Energien und gutes Finanzmanagement (Durchführung insbesondere KfW und GIZ), die in Ghana tätigen politischen Stiftungen (vor Ort mit eigenen Büros vertreten sind die Friedrich-Ebert-Stiftung, die Konrad-Adenauer-Stiftung, die Hanns-Seidel-Stiftung und die Friedrich-Naumann-Stiftung), die Kulturmittler – wie das Goethe-Institut - aber auch Institutionen wie der DAAD, die den wissenschaftlichen Austausch fördern, die Zusammenarbeit der Bundeswehr mit den Ghana Armed Forces, Deutschlands Engagement für die Herausbildung und Stabilisierung regionaler Sicherheitsstrukturen bspw. über das Angebot des Kofi Annan International Peacekeeping Training Center  wie auch die Kirchen (darunter Misereor und der Evangelische Entwicklungsdienst, zum Beispiel in den Bereichen ländliche Entwicklung und Berufsbildung).

Seit einigen Jahren gewinnt der Bereich "Friedenssicherung und Krisenprävention" an Bedeutung. Deutschland hatte bei der Errichtung des Kofi Annan International Peacekeeping Training Centre (KAIPTC) im Jahr 2003/2004 einen maßgeblichen Anteil. Deutschland unterstützt das Zentrum bei der Ausbildung von Soldaten für friedenserhaltende Missionen der Vereinten Nationen (VN) und der Afrikanischen Union (AU). Darüber hinaus unterstützt Deutschland Ghana beim Aufbau eines Pionierregiments als Teil der vorgesehenen AU/ECOWAS-Eingreiftruppe. Deutsche Experten finden sich auch in etlichen Bereichen, die nicht zur "klassischen" Entwicklungszusammenarbeit zählen. Um nur drei Beispiele zu nennen: sie digitalisieren den Archivbestand der staatlichen Rundfunkanstalt, wirken bei der Transformation einer privaten Universität in die erste ökologische Universität Afrikas mit oder zeichnen für die Erstellung der neuen geologischen Karte Ghanas verantwortlich.

Deutschland ist nach Großbritannien das zweitwichtigste Reiseziel von Ghanaern in Europa. Dies liegt zum guten Teil an der mit mindestens 50.000 relativ großen Zahl in Deutschland lebender Ghanaer. Ghana schätzt Deutschland als hoch entwickeltes und international politisch einflussreiches Land wie auch als bedeutenden entwicklungspolitischen Partner. Gemessen an demokratischen Grundsätzen, guter Regierungsführung, Rechtsstaatlichkeit, Wahrung der Menschenrechte und innerer Stabilität ist Ghana nicht nur für Deutschland ein Modellland in Afrika.

Im Aufbau begriffen ist das "West African Science Services Centre for Climate Change and Adapted Land Use" (WASCAL). Diese Initiative wurde 2012 von Deutschland mit den Regierungen von zehn westafrikanischen Staaten gegründet (Benin, Burkina Faso, Cote d’Ivoire, Gambia, Ghana, Mali, Niger, Nigeria, Senegal, Togo), um in diesem zentralen Bereich die wissenschaftliche Kapazität und die Anpassung an den Klimawandel und nachhaltige Landnutzung in Westafrika zu stärken. Sitz der Organisation sollen Accra (Verwaltung) und Ouagadougou (Wissenschaftliches Kompetenzzentrum) sein.

Wirtschaftliche Zusammenarbeit

Die wirtschaftlichen Beziehungen zwischen Deutschland und Ghana befinden sich in den letzten Jahren im Aufwärtstrend. Mit der steigenden Nachfrage nach deutscher Technologie für die sich diversifizierende ghanaische Wirtschaft haben sie gerade in letzter Zeit an Substanz gewonnen. Der Staatssekretär des Bundesministeriums für Wirtschaft und Technologie, Dr. Bernd Pfaffenbach, konnte im Rahmen seines Besuches in Ghana am 19. Januar 2011 das Delegiertenbüro der Deutschen Wirtschaft eröffnen. Außerdem macht die German-Ghanaian Economic Association (GGEA) seit Jahren gute und engagierte Arbeit für Unternehmen, die in Ghana aktiv sind oder Fuß fassen wollen.

Die Deutsche Investitions- und Entwicklungsgesellschaft (DEG), die seit Anfang 2008 mit einem eigenen Büro in Ghana vertreten ist, bietet insbesondere auch klein- und mittelständischen Unternehmen ihre Unterstützung an.

Wie die Zukunft der Wirtschaftsbeziehungen aussehen könnte, zeigte sich anlässlich einer internationalen Konferenz zu Chancen und Herausforderung von Erneuerbaren Energien, Wertstoff und Abwassermanagement. Die von der Delegation der deutschen Wirtschaft in Ghana organisierte "West African Clean Energy and Environment Exhibition and Trade Fair 2012" (WACEE) wurde durch einer gut besuchten Messe mit rund 70 Ausstellern ergänzt. WACEE war 2012 nicht nur die bedeutendste Umwelt- und Energiemesse, sondern die größte (und internationalste) Wirtschaftsmesse in ganz Ghana. Eine Folgeveranstaltung WACEE '13 ist geplant.

Entwicklungszusammenarbeit

Schwerpunkte der bilateralen Entwicklungszusammenarbeit mit Ghana sind:

  • Dezentralisierung (Beratung bei Politikgestaltung und Implementierung auf dezentraler Ebene, Finanzierung der lokalen Ebene)
  • Landwirtschaft (Beratung bei Politikgestaltung, Produktion und Vermarktung, ländlicher Finanzierung)
  • Nachhaltige Wirtschaftsförderung (Finanzsektorentwicklung,Berufsbildung, Privatsektorentwicklung)

Zudem gehört Deutschland zu einer Gruppe von zehn Gebern, die gemeinsam Budgethilfe leisten und diese im Rahmen einer Arbeitsgruppe, die insgesamt eine wichtige Funktion in der internationalen Geber-Architektur einnimmt, steuern. Dies ist begleitet von einem Programm zum guten öffentlichen Finanzmanagement. In den kommenden Jahren wird Deutschland außerdem in der Energieförderung (Erneuerbare Energien, Übertragungsleitungen) sehr aktiv werden.

Das Gesamtvolumen der bilateralen Entwicklungszusammenarbeit mit Ghana beläuft sich seit 1961 auf 1,19 Milliarden Euro. 2012 sagte Deutschland seinem ghanaischen Partner für die kommenden drei Jahre weitere rund 170 Millionen Euro zu. An der programmatischen Umsetzung sind neben dem Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit (BMZ) auch andere Ressorts (wie das Auswärtige Amt, das Bundesministerium für Bildung und Forschung, das Bundesministerium für Umwelt) sowie das Land Nordrhein-Westfalen und die Stadt Bonn beteiligt. Daneben gibt es auch direkte Förderung von Nichtregierungsorganisationen sowie Unterstützung für eine Reihe regionaler Vorhaben in den Bereichen Landwirtschaft, Klima, Energie und Gesundheit (beispielsweise für das bereits erwähnte WASCAL-Zentrum). Zusätzlich ist Deutschland umfänglich an den Programmen der Europäischen Kommission in Ghana beteiligt sowie als wichtiges Mitglied unterstützend in diversen internationalen Organisationen (unter anderem Weltbank, Internationaler Währungsfonds, Afrikanische Entwicklungsbank, Internationaler Fonds für landwirtschaftliche Entwicklung) für Ghana aktiv.

Der Bundesminister für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, Dirk Niebel, besuchte Ghana im Dezember 2010.

Der entwicklungspolitische Dialog mit Ghana erfolgt in einem stark geberharmonisierten Kontext. Vor dem Hintergrund der Paris-Erklärung ("Paris-Deklaration über die Wirksamkeit der Entwicklungszusammenarbeit") und den nachfolgenden sogenannten "Harmonisierungskonferenzen" (zuletzt 2011 in Busan) bestehen etablierte Koordinationsstrukturen. Abgeleitet aus der nationalen Armutsbekämpfungsstrategie GPRS II ("Growth and Poverty Reduction Strategy II") haben sich 2012 14 vor Ort vertretenen Geber in dem sogenannten "Compact" ("Leveraging Partnership for Shared Growth and Development 2012-2022") auf eine gemeinsame Analyse der Entwicklungsherausforderungen des Landes, Schlüsselsektoren und Hautansatzpunkte sowie die Art und Weise, wie die Gebergemeinschaft Ghana bei der Erreichung seiner Ziele unterstützen will, verständigt. Koordination und Sektordialog erfolgen überwiegend in fachlichen Sektorgruppen.

Informationen des ghanaischen Finanz- und Planungsministeriums (Ministry of Finance and Economic Planning) können unter www.mofep.gov.gh abgerufen werden. Die Arbeit der Experten in Projekten und Programmen der Finanziellen Zusammenarbeit (Kreditanstalt für Wiederaufbau) und der Technischen Zusammenarbeit (Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit) wird begleitet durch rund zehn sogenannte "Integrierte Expertinnen und Experten" im Rahmen des CIM-Programms (Centrum für internationale Migration und Entwicklung) in Ghana.

Kulturelle Beziehungen

Die kulturellen Beziehungen zwischen Ghana und Deutschland sind sehr breit und vielseitig. Seit über 50 Jahren ist ein Goethe-Institut in Accra mit zahlreichen und breit gefächerten Programmen aktiv. Neben Sprachunterricht finden auch attraktive Angebote aus den Bereichen Bildende Kunst, Musik und Tanz bis hin zu Literatur und Film ihre Interessenten. Vor Ort aktiv sind auch der Deutsche Akademische Austauschdienst (DAAD - Austausch von Studenten und Dozenten, Förderung der deutschen Sprache), die Deutsche Welle, die Alexander-von-Humboldt-Stiftung und die kirchlichen Missionen, deren Aktivitäten schwerpunktmäßig in den Bereichen Bildung und Gesundheit liegen. Seit dem Schuljahr 2012/13 ist die ehemals schweizerische "German-Swiss International School" (GSIS) in Accra eine alleinige Deutsche Auslandsschule. Die Deutsche Botschaft widmet sich neben der Koordination dieser Kulturmittlerorganisationen dem Kulturerhalt und zahlreichen Stipendien- und Weiterbildungsangeboten. Im Rahmen der Partnerschulinitiative des Auswärtigen Amts werden die in Accra gelegene "Accra Academy" sowie – ab 2013 – die "Wesley Girls Academy" und die "Opoku Ware School" in Kumasi in ihren Bemühungen um die deutsche Spracharbeit unterstützt.

In Ghana fanden mehrfach gemeinsame deutsch-französische Veranstaltungen im Kulturbereich statt. Für das Jahr 2013, in dem der Elysée-Vertrag seinen 50. Geburtstag feiert, sind mehrere öffentlichkeitswirksame Veranstaltungen mit Schülerinnen und Schülern, eing großer Empfang und ein deutsch-französisches Festkonzert vorgesehen.

Fußball ist außerordentlich populär in Ghana. Viele ghanaische Fußballspieler spielen bei deutschen Vereinen. Ein Höhepunkt war die Teilnahme Ghanas an der Fußball-WM 2006 in Deutschland, die neben dem guten Abschneiden der "Black Stars" als bestem afrikanischem Team zu sehr viel Enthusiasmus und Sympathie in beiden Ländern füreinander geführt hat.

Deutschland hat das Frauenfußballteam Ghanas bei ihrer Vorbereitung auf die Frauenfußball-WM in Deutschland im Jahr 2011 unterstützt. Das U-20-Nationalteam "Black Maidens" war im September 2008 zu einer dreiwöchigen Trainingsreise in Deutschland. Ghana entsandte zudem mehrere Fußballtrainer an die Sportschule des DFB in Hennef und einen deutschen Boxtrainer nach Accra Die deutsche Botschaft übergab auch 2012 zahlreiche Sportspenden an ghanaische Sportvereine und Schulen.



Hinweis

Dieser Text stellt eine Basisinformation dar. Er wird regelmäßig aktualisiert. Eine Gewähr für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Angaben kann nicht übernommen werden. 


Entwicklungs­zusammenarbeit

Ghana ist Partnerland der deutschen Entwicklungszusammenarbeit. Nähere Informationen hierzu beim Bundesministerium für Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung:

Vorsicht vor Internetbetrügern!

Der Internet- oder Vorauszahlungbetrug ist ein kriminelles Geschäftsmodell, das in letzten Jahren vermehrt auch von Ghana aus betrieben wird. Die Täter versenden Emails und suchen Internetbekanntschaften, die unter allerlei wirtschaftlichen oder humanitären Vorwänden aber auch durch das Vorgaukeln von Gefühlen finanziell ausgenommen werden sollen ...