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Eritrea

Wirtschafts- und Umweltpolitik

Stand: Oktober 2011

Eritrea gehört mit einem Bruttoinlandsprodukt von 398 US Dollar pro Kopf (Schätzung Weltbank 2010) zu den ärmsten Ländern der Welt. Es nimmt unter 182 Staaten den 165. Platz im Human Development Index 2009 des UNDP ein,  2010 konnte Eritrea mangels Daten nicht berücksichtigt werden. Der Grenzkrieg mit Äthiopien (1998-2000), eine mehrjährige Dürre (bis 2004) und die ausnahmslos auf zentrale Planung und Lenkung ausgerichtete Wirtschaftspolitik haben der eritreischen Volkswirtschaft schweren Schaden zugefügt.

Die Regierung veröffentlicht keinen Haushalt und keine Wirtschaftsdaten. Schätzungen der Weltbank zufolge betrug das BIP 2010 ungefähr 2,12 Mrd. US Dollar und die Inflationsrate 16,8 Prozent. 2010 wurden laut UNCTAD Einfuhren in Höhe von 690 Mio. US Dollar sowie Ausfuhren von 12 Mio. US Dollar getätigt, was zu einem Handelsbilanzdefizit von 678 Mio. US Dollar führte. Die Außenverschuldung betrug laut IWF 2009 891,9 Mio. US Dollar.

Ein beträchtlicher Teil der Bevölkerung steht noch immer unter Waffen oder muss im Anschluss an den Wehrdienst eine nationale Dienstpflicht (national service) ableisten, so dass sie für den Aufbau des Landes nur eingeschränkt zur Verfügung stehen. Ungefähr 80 Prozent der Bevölkerung sind überwiegend in landwirtschaftlichen Kleinstbetrieben tätig. Die Erträge sind klimabedingt schwankend. Auch in besten Jahren hat Eritrea nicht mehr als 60 Prozent der für die Ernährung der Bevölkerung benötigten Nahrungsmittel selbst produzieren können. Die Landwirtschaft soll 2010 laut Weltbank 14,4 Prozent, Dienstleistungen 63,4 Prozent und die Industrie 22,2 Prozent zum Bruttoinlandsprodukt beigetragen haben.

Mehrere ausländische Firmen haben in den letzten Jahren an der eritreischen Küste Öl- und Gasexplorationen durchgeführt. Bis heute wurden jedoch noch keine Meldungen über nennenswerte Funde gemacht.

Eritrea verfügt über große Bodenschätze (Kupfer, Gold, Zink, Silber), deren industrielle Ausbeutung durch ein eritreisch-kanadisches Konsortium 2011 begonnen hat und Eritrea erstmals erhebliche und regelmäßige Deviseneinnahmen verschafft.

Daneben besitzt das Land Vorkommen von Barit (1,4 Mio. Tonnen), Feldspat (200.000 Tonnen), Kaolin (2,5 Mio. Tonnen), Pottasche, Salz, Gips, Granit und Asbest. Außerdem verfügt Eritrea über große Vorkommen an Marmor von hoher Qualität, der hauptsächlich nach Italien und den mittleren Osten exportiert wird.

Auf einer Küstenlänge von über 1000 Kilometern gibt es reiche, zunehmend von ausländischen Fangflotten befischte Fischfanggründe. Hochwertige Arten wie Garnelen, Hummer und Krebse stellen ein beträchtliches Potenzial dar. 2006 betrug die Produktion bei einem maximalen Ertrag von 80.000 Tonnen pro Jahr jedoch nur 12.000 Tonnen. Fischerei und Forstbetrieb hatten 2008 einen Anteil von 4 Prozent am Bruttoinlandsprodukt.

Die Bauwirtschaft wird nach einem Verbot der privaten Bauindustrie im Jahr 2006 ausschließlich von Partei- oder Staatsfirmen dominiert. Diese Firmen setzen auch Strafgefangene ein. Der eritreische Finanzsektor besteht aus der eritreischen Zentralbank (National Bank of Eritrea, NBE), der Commercial Bank of Eritrea (CBE), der Housing and Commerce Bank of ERI (HBCE), der Agricultural and Industrial Bank of Eritrea, der Eritrean Investment and Development Bank (EIDB) und der National Insurance Corporation of Eritrea (NICE). Alle Institutionen gehören der PFDJ (Regierungspartei), wobei 2004 im Zuge der angestrebten Privatisierung 60 Prozent der NICE Anteile an eritreische Investoren verkauft wurden. Momentan sind keine ausländischen Banken in Eritrea tätig, obwohl die CBE Kontakt mit etwa 40 internationalen Banken unterhält. Der Wechselkurs beträgt momentan 1 Euro = ca. 20,- Nakfa bzw. 1 US-Dollar = 15,- Nakfa (von der Regierung festgelegter Kurs). Der Schwarzmarktkurs liegt bei ca. 50 Nakfa für 1 Euro und ca. 35 Nakfa für 1 Dollar. Hauptimportgüter sind Maschinen, Fahrzeuge, Lebensmittel, Fertigerzeugnisse, Chemikalien und chemische Produkte.

Trotz Freihandelszonen in den Hafenstädten Massawa und Assab gibt es kaum ausländische Investitionen. Daran hat bisher auch eine am 12.4.2007 verkündete Verordnung zum Schutz ausländischer Großinvestitionen (ab 20 Mio. US-Dollar) nichts geändert.

Der Tourismus ist bisher nur wenig entwickelt (2006: 78.000 ausländische Besucher, davon 79 Prozent Auslandseritreer; Einnahmen: 60 Mio. US-Dollar). Neuere Zahlen liegen nicht vor.

Schwerpunkte des eritreischen Entwicklungsprogramms sind seit Jahren die Nahrungsmittelsicherheit, der Straßenbau, die Verbesserung der Energieversorgung und der Ausbau und die Verbesserung des Gesundheitssektors sowie des Bildungswesens.

Die Regierung plant langfristig außerdem, die nach dem Krieg mit Äthiopien von Massawa bis nach Asmara wieder aufgebaute Eisenbahnlinie, die bisher allerdings nur touristisch genutzt wird, bis zur sudanesischen Grenze auszubauen.

Die Umweltzerstörung ist besorgniserregend. Der Klimawechsel, insbesondere häufige und lang anhaltende Dürreperioden oder heftige Regenfälle in den Sommermonaten, sowie der Unabhängigkeitskampf gegen Äthiopien haben der Umwelt schwere Schäden zugefügt. Weitere umweltbelastende Faktoren sind das Bevölkerungswachstum, die im Land herrschende Armut, die traditionellen Methoden der Landbewirtschaftung und Fehler in der Umweltpolitik in der Vergangenheit. Folge sind Bodenerosion, Ausbreitung der Wüste, Entwaldung (57 Prozent des Energieverbrauchs werden durch Feuerholz gedeckt), Erschöpfung der Wasserreserven sowie Beeinträchtigung der Ökosysteme und der Biodiversität.

Die Regierung misst der Umweltpolitik daher große Bedeutung bei, wenn auch ihre Möglichkeiten zu Verbesserungen beschränkt sind. Die Umweltpolitik hat das Ziel, nachhaltiges wirtschaftliches Wachstum und Entwicklung des Landes mit Umweltschutz zu vereinbaren.

Das wohl größte Umweltproblem in Eritrea ist die Degradation des Bodens. Die Regierung hat Schritte unternommen, um diesen Trend umzukehren, so zum Beispiel durch die Mobilisierung der Bevölkerung bei der Boden- und Wasserkonservierung. Dem Aufbau dezentraler Wasserversorgungssysteme und der Wiederaufforstung des Landes werden große Aufmerksamkeit geschenkt („National Greening Campaign“). Obwohl von 1992 bis 2005 landesweit 80 Mio. Setzlinge gepflanzt wurden, sind erst ca. 2 Prozent der Landes wieder mit Primärwald bewaldet.

Im Januar 2007 hat die Regierung ein integriertes Küstenentwicklungsprogramm beschlossen, durch das das maritime Ökosystem und die natürlichen Ressourcen des Roten Meeres in Anbetracht der zunehmenden Fischerei bewahrt und weiterentwickelt werden sollen.

Die Regierung hat begonnen, die Auswirkungen des Klimawandels in Eritrea zu untersuchen

Eritrea ist Gründungsmitglied von der Internationalen Agentur für erneuerbare Energien, IRENA.



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Dieser Text stellt eine Basisinformation dar. Er wird regelmäßig aktualisiert. Eine Gewähr für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Angaben kann nicht übernommen werden.