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"Auch Werte sind ein wichtiges Exportgut"

Interview mit Außenminster Guido Westerwelle. Erschienen in der Heilbronner Stimme vom 25.01.2012

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Herr Minister, alle Welt spricht von der Euro-Krise: Geld regiert die Welt. Gerät der Außenminister da ins Hintertreffen?

Die Bewältigung der europäischen Schuldenkrise ist eine gemeinsame Aufgabe, an der wir in der Bundesregierung und in Europa partnerschaftlich zusammenarbeiten. Die Krise zeigt eines doch ganz deutlich: Wir brauchen mehr Europa, nicht weniger! Es ist eine zentrale Aufgabe der europäischen Außenminister, den europäischen Einigungsprozess voranzutreiben. Hierfür werde ich mich weiter einsetzen.

Welche Rolle hat das Außenressort im Zusammenspiel mit der Wirtschaft?

Die deutsche Außenpolitik ist stark, auch weil hinter ihr ein wirtschaftlich starkes Land steht. Auf meinen Reisen erlebe ich immer wieder, dass das hohe Ansehen unseres Landes von unserer innovativen und wettbewerbsfähigen Wirtschaft mit ihren vielen, gerade mittelständischen, Unternehmen positiv geprägt wird. Außenpolitik und Außenwirtschaftsförderung sind für mich daher kein Widerspruch, sondern zwei Seiten der selben Medaille.

Beim Weltmarktführer-Kongress geht es um das für viele Unternehmen zentrale Thema der Rohstoffsicherung. Welche Rolle spielten im Libyen-Konflikt das Öl und andere Rohstoffe?

Ich war vor kurzem in Algerien, Libyen und Tunesien. Die vielen Gespräche, die ich dort geführt habe, zeigen immer wieder: Qualität zählt. Die Türen für die deutsche Wirtschaft sind weit geöffnet. Deutsche Außenpolitik muss und soll nach meinem Verständnis auch Chancen für die deutsche Wirtschaft eröffnen. Gerade der Mittelstand, der nicht über internationale Netzwerke verfügen kann, braucht die Unterstützung durch die Außenpolitik und das Netz der deutschen Auslandsvertretungen.

Wie kann und muss die Wirtschaft Außenpolitik unterstützen?

Die wirtschaftliche Kraft unserer Unternehmen eröffnet uns außenpolitische Gestaltungsmöglichkeiten, die wir sonst nicht hätten. Und wir beobachten doch alle, dass die Globalisierung der Wirtschaft mit einer Globalisierung der Werte einher geht: Deutsche Unternehmen exportieren nicht nur Güter und Dienstleistungen. Sie exportieren auch soziale und ökologische Werte und Standards. Durch ihr langfristiges Engagement tragen sie dazu bei, wichtige Errungenschaften der sozialen Marktwirtschaft weltweit zu verbreiten. Wozu diese Globalisierung der Werte führen kann, sehen wir in der arabischen Welt, wo sich Hunderttausende mutig für Freiheit, Demokratie und Menschenrechte einsetzen.

Arbeitsplätze konnten Sie vergangenen Februar auf den Tahrir-Platz in Kairo schließlich nicht mitbringen...

Einer der Schlüssel für die Konsolidierung des demokratischen Aufbruchs in der arabische Welt ist zweifellos die Schaffung von wirtschaftlichen Perspektiven und Arbeitsplätzen, damit die Menschen mit dem politischen Aufbruch auch bessere Lebenschancen erhalten. Mit unserer Transformationspartnerschaft und dem Drängen auf eine größere Öffnung der europäischen Märkte für Nordafrika unterstützen wir die Länder der Region handfest, die sich auf den Weg zu Demokratie und Freiheit gemacht haben.

Beim Weltmarktführerkongress spielen Mittelständler die erste Geige. Welche Rolle kommt diesen Unternehmen zu?

In vielen Ländern werden wir um unsere starke industrielle Basis und unseren innovativen und exportorientierten Mittelstand beneidet. Gerade in Zeiten des rasanten weltweiten Wandels und des Aufstiegs neuer wirtschaftlicher Kraftzentren in Asien, Lateinamerika und Afrika ist es gut, dass Deutschland über einen starken und international wettbewerbsfähigen Mittelstand verfügt, der die wirtschaftlichen Chancen auf diesen neuen Märkten ergreift. Nur so kann Deutschland seine wirtschaftliche Spitzenstellung in der Welt weiter ausbauen. Und deshalb war die Entscheidung dieser Bundesregierung richtig, den Mittelstand in den Mittelpunkt zu stellen.

Fragen: Manfred Stockburger. Übernahme mit freundlicher Genehmigung der Heilbronner Stimme.

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