Hauptinhalt

Nepal

Wirtschaft

Stand: März 2013

Binnenwirtschaft

Der zehnjährige Bürgerkrieg hat die wirtschaftliche Entwicklung Nepals deutlich beeinträchtigt. Mit dem 2006 eingeleiteten Friedensprozess haben sich die politischen Rahmenbedingungen für die Wirtschaft bislang nur wenig verbessert. Die Wachstumsraten waren insgesamt zu niedrig um die Armut im Land substanziell zu reduzieren. Das gesamtwirtschaftliche Wachstum bewegte sich in den letzten Jahren real zwischen zwei und vier Prozent. Es lag damit deutlich unter den Wachstumsraten der zwei großen Nachbarn Indien und China, deren wirtschaftliche Dynamik Nepal bislang nicht für sich nutzbar machen konnte. Vereinzelte günstigere Wachstumszahlen (wie im vergangenen Jahr mit fast 5%) lassen sich ausschließlich auf Wettereinflüsse und damit verbundene bessere Ernteerträge zurückführen.

Mit einem jährlichen Pro-Kopf-Einkommen von 626 US-Dollar ist Nepal das ärmste Land der Region und zählt weiterhin zu den 20 ärmsten Ländern der Welt (LDC). Ein Viertel der Bevölkerung lebt unterhalb der nationalen Armutsgrenze. Rund 45 Prozent der Erwachsenen sind Analphabeten.

Die nepalesische Wirtschaft ist faktisch weitgehend privatwirtschaftlich verfasst, aber auch durch starre sozialstaatliche Elemente sowie durch privilegierte Staatsunternehmen geprägt. Die wechselnden Regierungen der letzten Jahre verfolgten eine grundlegend entwicklungsorientierte und marktwirtschaftliche Politik, die auch von der derzeitigen Regierung unter maoistischer Führung nicht in Frage gestellt wird.

Die ausgeprägte Bürokratisierung sowie eine unzureichende Infrastruktur beeinträchtigen das Investitionsklima und damit die wirtschaftliche Entwicklung. Eine - abgesehen vom Terai-Tiefland im Süden - äußerst ungünstige Topografie und Siedlungsstruktur sowie die mangelnde Erschließung durch Verkehrswege erschweren die Entwicklungsanstrengungen zusätzlich, besonders für die Bergregionen.

Nepal ist noch immer ein weitgehend von der Subsistenzwirtschaft geprägter Agrarstaat. Der Anteil des verarbeitenden Sektors am Bruttosozialprodukt ist aufgrund der schwierigen Rahmenbedingungen für Industriebetriebe in den letzten Jahren kontinuierlich zurückgegangen und liegt nun bei etwa 16,5%. Die Landwirtschaft trägt hingegen noch immer etwa 35 Prozent zum Bruttoinlandsprodukt bei und beschäftigt mehr als die Hälfte der Erwerbstätigen. Das größte Entwicklungspotenzial des Landes ist die bisher weitgehend ungenutzte Wasserkraft. Auch der bereits florierende Tourismus birgt noch großes Wachstumspotential. Die Erwartungen des „Nepal Tourism Year 2011“ und des „Visit Lumbini Year 2012“ wurden jedoch bei Weitem nicht erfüllt.

Weitere Potentiale bieten hochwertige (Kunst-) Handwerksprodukte und die Industriestandorte nahe der indischen Grenze. 90 Prozent aller Unternehmen des Landes sind Kleinbetriebe, die einen wichtigen Beitrag zur Beschäftigung leisten, aber nur vier Prozent zum Bruttoinlandsprodukt beitragen. Die geschätzten 2,5 bis 3 Millionen im Ausland lebenden Nepalesen tragen mit ihren Finanztransfers in die Heimat mit fast 25% Prozent zum Bruttoinlandsprodukt bei. Diese Mittel führen jedoch kaum zu Investitionen, sondern fließen unmittelbar in den lokalen Konsum. Die Inflation ist zuletzt leicht gesunken und liegt aktuell bei etwa 9 Prozent.

Ausländische Direktinvestitionen machen nur einen sehr geringen Anteil am gesamten Staatshaushalt aus. Ein Drittel des Budgets wird von der Gebergemeinschaft per Entwicklungshilfe finanziert. Der Staatshaushalt schließt nicht selten mit hohen Fehlbeträgen.


Außenwirtschaft

Die außenwirtschaftliche Situation Nepals ist geprägt von einem steigenden Handelsbilanzdefizit (in 2012 ca 4,5 Mrd. USD), welches sich nach Prognosen des IWF in den nächsten Jahren noch deutlich ausweiten wird. . Es wird durch Überschüsse bei Dienstleistungen (insbesondere Tourismus) und Finanztransfers (Gastarbeiter- und Rentenüberweisungen) nicht mehr kompensiert. Die Leistungsbilanz weist daher ebenfalls steigende Defizite auf. Die Regierung ist bemüht, die Importe zu reduzieren und einen weiteren Anstieg zu verhindern. Die Auslandsverschuldung lag nach letzten Angaben (IWF 2011) bei etwa 20% des BIP und damit deutlich im Rahmen dessen, was als tragfähig erachtet wird.

Exportgüter sind in erster Linie Teppiche, gefolgt von Bekleidung, Metallwaren, ausgewählte Lebensmittel und Kunsthandwerk. Der Anteil der Exporte am BIP fiel jedoch in den vergangenen Jahren kontinuierlich von 13 auf 6 Prozent. Aus Deutschland importiert Nepal vor allem Maschinen, medizinische Geräte und Fahrzeuge.

Seit November 2010 hat Deutschland die Rolle des Koordinators der internationalen Gebergemeinschaft zur Unterstützung der Umsetzung der nepalesischen Handelsstrategie übernommen.


Umwelt- und Klimapolitik

Die Interimsverfassung gibt dem Umweltschutz Priorität und weist dem Staat die Aufgabe zu, weitere Schäden zu verhindern. Größte Umweltprobleme sind die Luftverschmutzung, vor allem durch Verkehr und private Müllverbrennung, sowie die Erosionsgefahr durch Abholzung und globale Erwärmung. Luft- und Wasserverschmutzung ist besonders im Kathmandu-Tal zu beklagen. Erdrutsche und Überschwemmungen nehmen zu.

Das Umweltbewusstsein, neuerdings auch für den Klimawandel und seine Folgen, ist in der Politik vergleichsweise groß, die Umsetzungsmöglichkeiten angesichts der Armut des Landes jedoch gering. Die Nutzung des riesigen Wasserkraftpotentials ist ein langfristiger Ansatzpunkt, um der durch Abholzung bedingten Erosion Einhalt zu gebieten. Über mehrere Projekte fördert Deutschland Anpassungsmaßnahmen an den Klimawandel.



Hinweis

Dieser Text stellt eine Basisinformation dar. Er wird regelmäßig aktualisiert. Eine Gewähr für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Angaben kann nicht übernommen werden.