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Paraguay

Wirtschaftspolitik

Stand: April 2014

Wirtschaftsstruktur

Paraguay ist ein agrarisch geprägtes Entwicklungsland mit einer Marktwirtschaft, die von einem großen öffentlichen Sektor (personalintensive Staatsverwaltung und große Staatsmonopolbetriebe) sowie einem beträchtlichen informellen Sektor (einschl. Schmuggel, Markenpiraterie) bestimmt ist. Paraguay ist eines der ärmsten Länder Südamerikas (BIP pro Kopf rd. 4368 USD für das Jahr 2013) mit extremen ökonomischen Ungleichgewichten. Auf dem Gini-Index der Vermögensverteilung liegt Paraguay 2011 trotz leichter nominaler Verbesserung weltweit im Führungsfeld der Ungleichheit (11. Rang). Knapp die Hälfte der Paraguayer lebt unter der internationalen Armutsgrenze, ein Viertel sogar in „absoluter Armut“, welche in den ländlichen Gebieten durch Subsistenzwirtschaft teilweise aufgefangen wird. Diese Situation wird durch eine hohe Geburtenrate von 2,2% (insbesondere bei den ärmeren Bevölkerungsschichten) noch weiter verschärft.

Schwerpunkte bleiben Landwirtschaft und Dienstleistungen. Die Industrie entwickelt sich bisher nur auf niedrigem Niveau, weshalb positive Arbeitsmarkteffekte bislang ausgeblieben sind. Dies erschwert die Verringerung der großen sozioökonomischen Gegensätze. Voraussetzung hierfür ist auch eine Verbesserung des Investitionsklimas, das bisher durch hohe Korruption, einem mangelhaften Rechtssystem und einer defizitären Infrastruktur beeinträchtigt wird. Die Investitionen ausländischer Unternehmen folgen zwar seit Jahren einer steigenden Tendenz - allein 2011 haben die ausländischen Netto-Direktinvestitionen nach Angaben der Zentralbank um 45% gegenüber dem Vorjahr auf 566 Mio. US$ zugenommen. Dennoch ist die Gesamthöhe der Direktinvestitionen im Vergleich zum eigentlichen Potential des Landes gering.


Aktuelle Wirtschaftslage

Die gesamtwirtschaftliche Entwicklung verzeichnet einen anhaltenden Aufwärtstrend. Im Durchschnitt der vergangenen fünf Jahre expandierte das BIP real um 5,6%. Paraguays Exportpreise waren 2011 im Durchschnitt um 37% höher als zur Mitte der vergangenen Dekade. Paraguays Konjunktur ist aber wegen ihrer großen Abhängigkeit von Agrarprodukten (v.a. Soja und Rindfleisch) und der hauptsächlichen Abwicklung des Außenhandels über das Flusssystem via Argentinien großen Schwankungen unterworfen. Hohe Wachstumsraten wie nach der Rekordernte 2010 (+ 14,5,%), wie ein 2012 negatives Wachstum von -1,2% aufgrund einer längeren Dürre, sind auch in Zukunft in enger zeitlicher Abfolge möglich. 2013 ergab sich wiederum ein hohes Wachstum von 13,6 % , das sich allerdings nicht entsprechend in Investitionen niederschlug und aufgrund der niedrigen Besteuerung von landwirtschaftlichen Erträgen auch nicht zur Steigerung der staatlichen Investitionen beitrug.

Paraguays Exporte betrugen 2013 insgesamt 7,36 Mrd. USD. Die aufgrund einer schlechten Sojaernte 2012 niedrigen Exportzahlen wurden deutlich gesteigert ( 2012: 5,1 Mrd. USD). Der für Paraguay wichtige Export von Rindfleisch legte hierbei um 131 % im Vergleich zum Vorjahr zu.

Die Importe verzeichneten einen Anstieg um 7 % auf 12,35 Mrd. USD ( 2012: 11,55 Mrd. USD), das Außenhandelsdefizit belief sich 2013 auf rd. 4,99 Mrd. USD. Es wurden vor allem Elektronik, Erdöl, chemische Erzeugnisse, Fahrzeuge sowie Maschinen importiert. Das Handelsbilanzdefizit bleibt damit hoch. Das Defizit wird zum Teil durch Kapitalzuflüsse aus den beiden binationalen Wasserkraftwerken und durch Überweisungen von Auslands-Paraguayern (remesas) ausgeglichen.

Paraguays Staatsfinanzen sind grundsätzlich gesund. Der Haushalt schloss 2013 mit einem Defizit von 1,9 % ab. Die Steuereinnahmen stiegen im Vergleich zum Vorjahr um 6,6 % an. Mit 4,2 Mrd. USD erreichte die Gesamtverschuldung des Landes 14,1% des BIP. Die Auslandsverschuldung bleibt mit 2,67 Mrd. USD im internationalen Vergleich sehr moderat. Die Divisenreserven stiegen im Vergleich zum Vorjahr leicht um 0,83 Mio. USD auf 5,82 Mrd. USD.



Hinweis

Dieser Text stellt eine Basisinformation dar. Er wird regelmäßig aktualisiert. Eine Gewähr für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Angaben kann nicht übernommen werden.