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Paraguay

Wirtschaft

Stand: Februar 2016

Wirtschaftsstruktur

Paraguay ist ein agrarisch geprägtes Entwicklungsland mit einer Marktwirtschaft, die von einem großen öffentlichen Sektor (personalintensive Staatsverwaltung und große Staatsmonopolbetriebe) sowie einem beträchtlichen informellen Sektor (einschließlich Schmuggel und Markenpiraterie) bestimmt ist. Paraguay ist eines der ärmsten Länder Südamerikas (BIP pro Kopf rund 4.460 USD für das Jahr 2014) mit großen sozioökonomischen Ungleichgewichten. Bei seiner Amtsübernahme im August 2013 hatte Präsident Cartes den „Krieg gegen die Armut“ zu einem seiner Hauptziele erklärt.

Schwerpunkte bleiben Landwirtschaft (vor allem Soja und Rindfleisch) und Dienstleistungen. Die Industrie entwickelt sich bisher nur langsam von einem niedrigen Ausgangsniveau, weshalb positive Arbeitsmarkteffekte bislang vergleichsweise schwach sind. Dies erschwert die Verringerung der großen sozioökonomischen Gegensätze. Durch die Förderung ausländischer Direktinvestitionen versucht die Regierung Abhilfe zu schaffen. Es gibt ein wachsendes Interesse ausländischer Firmen, vor allem mit Sitz in Brasilien, Zulieferbetriebe zu errichten. Motive sind neben günstigeren Arbeits- und Energiekosten eine wirtschaftsfreundliche Gesetzgebung sowie der einfache Zugang zum Mercosur-Partner Brasilien. Hindernisse bleiben dagegen die hohe Korruption, ein mangelhaftes Rechtssystem, eine defizitäre Infrastruktur sowie der Mangel an Fachkräften. Die Investitionen ausländischer Unternehmen zeigten 2011 bis 2013 fallende Tendenz (2011 557 Mio. USD, 2013 382 Mio. USD) und sind angesichts des Potenzials des Landes eigentlich zu gering (Bestand 2013 4,89 Mrd. USD).


Aktuelle Wirtschaftslage

Die paraguayische Wirtschaft schien sich Anfang 2015 noch auf einem soliden Wachstumspfad zu befinden. Die meisten Schätzungen für das Jahr erwarteten Zuwachsraten um 4,5%. Die sich eintrübende Weltkonjunktur führte aber bereits um die Jahresmitte zur Reduzierung der Prognosen. Besonders stark wirkt sich auf Paraguay die Rezession in Brasilien, dem wichtigsten Handelspartner, aus, die sehr viel gravierender ausgefallen ist, als zunächst vielfach angenommen wurde. Letztlich betrug das Wachstum 2015 3,0% (vorläufige Angabe). Auch wenn dieses Ergebnis deutlich unter dem revidierten Ergebnis von 2014 (4,7%) liegt, so ist es immer noch eines der höchsten in der Region.

Die wachstumshemmenden Effekte kommen bisher hauptsächlich von der außenwirtschaftlichen Seite durch verringerte Nachfrage nach landwirtschaftlichen Rohstoffen der Industrie- und Schwellenländer, rückläufige Weltmarktpreise für diese Produkte sowie eine durch Interventionen der Zentralbank zwar geglättete, aber stetige Abwertung der Landeswährung Guaraní gegenüber dem US-Dollar. Einem rückläufigen Export (-16,5%; 10,95 Mrd. USD) steht allerdings auch eine in ähnlicher Größenordnung gesunkene Einfuhr (-14,6%; 10,32 Mrd. USD) gegenüber. Letzteres ist vor allem auf deutlich geringere Ausgaben für Brennstoffe (-28%; Menge +7,2%) wegen der stark gesunkenen Weltmarktpreise zurückzuführen. Aber auch die Einfuhrwerte für Autos (-16%) und Maschinen (-17,3%) waren stark rückläufig. Auch die Einfuhren unter dem zollbegünstigten Regime für den Tourismus sind (wie in den Vorjahren) rückläufig. In der Summe verzeichnet Paraguay weiter einen Ausfuhrüberschuss.

Inzwischen gibt es aber auch Anzeichen für eine Abschwächung der Binnenkonjunktur durch den außenhandelsbedingt verringerten Zustrom an Liquidität. Die Dynamik der Kreditvergabe der Banken ist rückläufig. Der Anteil fauler Kredite im Bankenportfolio steigt. Die Einzelhandelsumsätze werden auch wegen der durch gesetzliche Änderungen für Banken ausgelösten verringerten Konsumkreditvergabe über Kreditkarten zum Jahresende belastet. Der besonders in Asunción boomende Immobiliensektor könnte seinen Höhepunkt überschritten haben. Diese Entwicklungen sind bislang nicht dramatisch, sondern stellen zum Teil eher eine Normalisierung nach Überhitzungserscheinungen dar.

Paraguays Staatsfinanzen sind grundsätzlich gesund. Unter dem Eindruck der rückläufigen Wachstumszahlen verabschiedete das Parlament im Dezember mit geringen Änderungen einen restriktiven Haushaltsentwurf der Regierung für 2016. Er sieht rund 11,5 Mrd. USD und damit um 0,9% geringere Ausgaben als im Vorjahr vor. Im Oktober 2015 betrug die öffentliche Bruttoverschuldung 5,4 Mrd. USD, was etwa 18,1% des BIP entsprach (davon 72,4% Auslands- und 27,6% Binnenverschuldung). Die Nettovermögensposition des Landes war zum gleichen Zeitpunkt hingegen mit 3,1% des BIP positiv,  Paraguay ist gegenüber dem Ausland also in einer Gläubigerposition. Die Devisenreserven beliefen sich Ende Oktober 2015 auf 6,336 Mrd. USD und somit auf solide 21% des BIP.

Zu den positiven makroökonomischen Rahmendaten gehört die seit mehreren Jahren rückläufige Inflationsrate, die 2015 mit 3,1% zu den niedrigsten der Region gehört und deutlich unter dem Vorjahresergebnis (4,2%) lag.


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