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Paraguay

Wirtschaft

Stand: Juli 2017

Wirtschaftsstruktur

Paraguay ist ein agrarisch geprägtes Entwicklungsland mit einer Marktwirtschaft, die von einem großen öffentlichen Sektor (personalintensive Staatsverwaltung und große Staatsmonopolbetriebe) sowie einem beträchtlichen informellen Sektor (einschließlich Schmuggel und Markenpiraterie) bestimmt ist. Paraguay ist eines der ärmsten Länder Südamerikas (BIP pro Kopf 3.986 USD für das Jahr 2016) mit großen sozioökonomischen Ungleichgewichten. Bei seiner Amtsübernahme im August 2013 hatte Präsident Cartes den „Krieg gegen die Armut“ zu einem seiner Hauptziele erklärt. Mitte Juni 2017 veröffentlichte die Regierung aktuelle Statistiken, die belegen, dass die Armutszahlen während der Amtsperiode von Präsident Cartes leicht gestiegen sind.

Schwerpunkte bleiben Landwirtschaft (vor allem Soja und Rindfleisch) und Dienstleistungen. Die Industrie entwickelt sich bisher noch recht langsam von einem niedrigen Ausgangsniveau, weshalb positive Arbeitsmarkteffekte bislang vergleichsweise schwach sind. Dies erschwert die Verringerung der großen sozioökonomischen Gegensätze. Durch die Förderung ausländischer Direktinvestitionen versucht die Regierung Abhilfe zu schaffen. Es gibt ein wachsendes Interesse ausländischer Firmen, vor allem mit Sitz in Brasilien, Zulieferbetriebe zu errichten. Motive sind neben günstigeren Arbeits- und Energiekosten eine wirtschaftsfreundliche Gesetzgebung sowie der einfache Zugang zum Mercosur-Partner Brasilien. Hindernisse bleiben dagegen die hohe Korruption, ein mangelhaftes Rechtssystem, eine defizitäre Infrastruktur sowie der Mangel an Fachkräften. Der Zufluss ausländischer Direktinvestitionen war 2015 geringer als im Jahr davor (260 bzw. 384 Mio. USD). Der Zufluss aus Deutschland war mit 19,4 Mio. USD positiv (parag. Angaben). Der Bestand ausländischer Investitionen nahm um rd. 1 Mrd. USD (-18,9%) auf 4,41 Mrd. USD ab. Wichtigste Herkunftsländer sind die USA (26,5%), Brasilien (18,7%), Spanien (8,7%) und die Niederlande (7,7%).


Aktuelle Wirtschaftslage 

Die paraguayische Wirtschaft konnte sich der globalen und regionalen Wirtschaftsabschwächung bislang bemerkenswert gut entziehen. Die von rückläufigen Außenhandelsumsätzen ausgehende Abschwächung im 2. Halbjahr 2015 setzte sich auch im 1. Quartal 2016 mit Wachstumsraten um 1% fort, erholte sich dann aber im 2. Quartal. Die seit April 2016 zu beobachtende deutliche Aufwärtstendenz  stützte sich zunächst vor allem auf eine günstige Entwicklung der Stromerzeugung (binationale Wasserkraftwerke), des Bausektors und die Landwirtschaft (verbesserte Sojapreise). In Erwartung einer Fortsetzung des positiven Trends wurden die Wachstumsprognosen im Verlauf des Jahres mehrfach angehoben. Das vorläufige Jahresergebnis für 2016 beläuft sich auf +4,0%, womit die verhalteneren Prognosen vom Jahresanfang um etwa einen Prozentpunkt deutlich übertroffen wurden. Zu dieser positiven Entwicklung trug unter anderem eine gewisse Stabilisierung der Wirtschaftslage in Brasilien und eine deutliche Belebung des Wirtschaftsaustauschs mit Argentinien bei, nachdem dort die Regierung gewechselt hatte.

Besonders im Grenzhandel hat sich durch einen Anstieg des brasilianischen Real und des argentinischen Peso die zuvor schwierige Lage auf der paraguayischen Seite deutlich verbessert. 

Der erhebliche Rückgang der Ausfuhren im Jahr 2015 konnte 2016 gestoppt werden (+2,3%), während die Importe weiter rückläufig waren (5,1%). Durch den Unterschied von Ein- und Ausfuhrentwicklung stieg der Handelsüberschuss 2016 um 133,9% auf 1,358 Mrd. USD. Die Importseite war vom anhaltenden Ölpreisrückgang und starken Nachfragerückgängen bei Kfz, landwirtschaftlichen und anderen Maschinen gekennzeichnet. Bei den Ausfuhren entwickelten sich die beiden wichtigsten Positionen Strom und Soja/ Sojaprodukte positiv, während Fleisch und Getreide Einbußen verzeichnen.

Paraguays Staatsfinanzen sind grundsätzlich gesund. Unter dem Eindruck der rückläufigen Wachstumszahlen verabschiedete das Parlament im Dezember 2015 mit geringen Änderungen einen restriktiven Haushaltsentwurf der Regierung für 2016. Er sieht rund 11,5 Mrd. USD und damit um 0,9% geringere Ausgaben als im Vorjahr vor. Im Dezember 2016 legte die Regierung gegen den von beiden Häusern des Parlaments verabschiedeten Haushalt 2017 ein Veto ein. Hauptgrund war die Verletzung der gesetzlich erlaubten Obergrenze für die Neuverschuldung (1,7% statt 1,5% des BIP). Ferner hatte das Parlament die Begebung von Staatsanleihen durch die Regierung sowie die fiskalischen Spielräume der Zentralbank zur Umsetzung ihrer Geldpolitik einschränken wollen. Bis auf weiteres operiert die Regierung nun auf der Grundlage des Haushalts von 2016.

Ende 2016 betrug die öffentliche Bruttoverschuldung 6,294 Mrd. USD, was 23,1% des BIP entsprach (2015 5,464 Mrd. USD bzw. 19,7% des BIP).Es gibt Stimmen im Land, die sich besorgt über das Tempo der Erhöhung der Staatsverschuldung äußern, was von der Regierung und internationalen Finanzinstitutionen zurückgewiesen wird.

Ende 2016 beliefen sich die Devisenreserven auf 7,144 Mrd. USD. Dies entsprach einem Zuwachs von 17% oder rd. 900 Mio. USD im Vergleich zum Vorjahr. Mit etwa 25% des BIP ist das Devisenpolster das zweithöchste in Südamerika.

Zu den positiven makroökonomischen Rahmendaten gehört die seit mehreren Jahren rückläufige Inflationsrate, die aber 2016 mit 3,9% deutlich über der Inflationsrate des Jahres 2015 lag (3,1%).


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