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Paraguay

Wirtschaft

Stand: Oktober 2016

Wirtschaftsstruktur

Paraguay ist ein agrarisch geprägtes Entwicklungsland mit einer Marktwirtschaft, die von einem großen öffentlichen Sektor (personalintensive Staatsverwaltung und große Staatsmonopolbetriebe) sowie einem beträchtlichen informellen Sektor (einschließlich Schmuggel und Markenpiraterie) bestimmt ist. Paraguay ist eines der ärmsten Länder Südamerikas (BIP pro Kopf rund 3.940 USD für das Jahr 2015) mit großen sozioökonomischen Ungleichgewichten. Bei seiner Amtsübernahme im August 2013 hatte Präsident Cartes den „Krieg gegen die Armut“ zu einem seiner Hauptziele erklärt.

Schwerpunkte bleiben Landwirtschaft (vor allem Soja und Rindfleisch) und Dienstleistungen. Die Industrie entwickelt sich bisher noch recht langsam von einem niedrigen Ausgangsniveau, weshalb positive Arbeitsmarkteffekte bislang vergleichsweise schwach sind. Dies erschwert die Verringerung der großen sozioökonomischen Gegensätze. Durch die Förderung ausländischer Direktinvestitionen versucht die Regierung Abhilfe zu schaffen. Es gibt ein wachsendes Interesse ausländischer Firmen, vor allem mit Sitz in Brasilien, Zulieferbetriebe zu errichten. Motive sind neben günstigeren Arbeits- und Energiekosten eine wirtschaftsfreundliche Gesetzgebung sowie der einfache Zugang zum Mercosur-Partner Brasilien. Hindernisse bleiben dagegen die hohe Korruption, ein mangelhaftes Rechtssystem, eine defizitäre Infrastruktur sowie der Mangel an Fachkräften. Die Investitionen ausländischer Unternehmen zeigten 2011 bis 2013 fallende Tendenz (2011 557 Mio. USD, 2013 382 Mio. USD) und sind angesichts des Potenzials des Landes eigentlich zu gering (Bestand 2013 4,89 Mrd. USD).


Aktuelle Wirtschaftslage 

Die paraguayische Wirtschaft konnte sich der globalen und regionalen Wirtschaftsabschwächung bislang bemerkenswert gut entziehen. Die von rückläufigen Außenhandelsumsätzen ausgehende Abschwächung im 2. Halbjahr 2015 setzte sich auch im 1. Quartal 2016 mit Wachstumsraten um 1% fort, erholte sich dann aber im 2. Quartal. Die seit April 2016 zu beobachtende deutliche Aufwärtstendenz  stützte sich zunächst vor allem auf eine günstige Entwicklung der Stromerzeugung (binationale Wasserkraftwerke), des Bausektors und die Landwirtschaft (verbesserte Sojapreise). In Erwartung einer Fortsetzung des positiven Trends wurden die Wachstumsprognosen inzwischen vielfach angehoben (z. B. hob die Zentralbank ihre Prognose vom Jahresanfang auf 3,5% an). Zu dieser Einschätzung trägt  auch die Erwartung einer Stabilisierung und leichten Verbesserung der Wirtschaftsaussichten in Brasilien und Argentinien bei.

Eine gewisse Erholung der Wechselkurse des brasilianischen Real und des argentinischen Peso gegenüber dem paraguayischen Guaraní hat seit etwa Mitte der 1. Jahreshälfte 2016 zu zu einer Beruhigung und Stabilisierung im Grenzhandel mit diesen beiden wichtigen Wirtschaftspartnern geführt.

Auch im Außenhandel, der seit 2015 rückläufig ist, zeichnet sich eine Stabilisierung ab, wozu eine Verbesserung einiger Agrarpreise (v.a. Soja) beiträgt. Ähnlich wirkt die leichte Erholung des Ölpreises, der den verglichen mit den Ausfuhren noch stärkeren Rückgang der Einfuhren wesentlich mitverursacht hatte. Infolgedessen hatte sich der paraguayische Handelsbilanzüberschuss von 2015 zu 2016 (jeweils Januar – Juli) von 600 Mio. USD auf über 1,6 Mrd. USD vergrößert.

Paraguays Staatsfinanzen sind grundsätzlich gesund. Unter dem Eindruck der rückläufigen Wachstumszahlen verabschiedete das Parlament im Dezember 2015 mit geringen Änderungen einen restriktiven Haushaltsentwurf der Regierung für 2016. Er sieht rund 11,5 Mrd. USD und damit um 0,9% geringere Ausgaben als im Vorjahr vor. Im Mai 2016 betrug die öffentliche Bruttoverschuldung 6,1 Mrd. USD, was etwa 23,4% des BIP entsprach (davon 4,65 Mrd. USD  bzw. 17,8%  Auslandsverschuldung). Paraguay ist gegenüber dem Ausland in einer Gläubigerposition. Die Devisenreserven beliefen sich Mitte August 2016 auf 6,953 Mrd. USD bzw. 26% des BIP, was den zweithöchsten Wert in Südamerika darstellt.

Zu den positiven makroökonomischen Rahmendaten gehört die seit mehreren Jahren rückläufige Inflationsrate, die 2015 mit 3,1% zu den niedrigsten der Region gehört und deutlich unter dem Vorjahresergebnis (4,2%) lag.


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