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Belgien

Wirtschaft

Stand: Juni 2016

Bruttoinlandsprodukt

2015 hat Belgien ein Wachstum des realen Bruttoinlandsprodukts von ca. 1,4% erzielt; für 2016 wird ein Wachstum von 1,2%, für 2017 von 1,6% erwartet. Somit befindet sich Belgien in einer Phase moderaten Wachstums.

Inflation

Die Inflation zieht in Belgien nach einer Rate von 0,6% für das Jahr 2015 deutlich an: Für 2016 wird eine Inflationsrate von 1,7% erwartet. Ein wesentlicher Grund hierfür sind die Erhöhung indirekter Steuern und steigende Strompreise.

Arbeitsmarkt und Arbeitskosten

Die Arbeitslosigkeit geht langsam zurück: Die Arbeitslosenquote  bezifferte sich im Jahr 2015 auf 8,5%, die Prognose liegt für 2016 bei 8,2% und für 2017 bei 7,7% .

Die Arbeitskosten liegen in Belgien nach wie vor erheblich über dem EU-Durchschnitt, was die Wettbewerbsfähigkeit des Landes beeinträchtigt.  Die im Oktober 2014 gebildete Mitte-Rechts-Regierung unter Premierminister Charles Michel geht dieses „Lohnkostenhandicap“ mit gezielten Maßnahmen an („Indexsprung“, d.h. einmalige Aussetzung der automatischen Lohn- und Gehaltsanpassung; „Tax shift“, d.h. Verringerung der direkten Steuern und Sozialabgaben, im Gegenzug Erhöhung indirekter Steuern). Die Gewerkschaften kritisieren diese Politik heftig; sie sei sozial unausgewogen.

Haushaltslage

Die Haushaltskonsolidierung kommt nur langsam voran und wird auf föderaler wie regionaler Ebene auch in den kommenden Jahren eine große Herausforderung bleiben. Nach einem Haushaltsdefizit von 2,6% im Jahr 2015 prognostiziert die EU für 2016 ein Defizit in Höhe von 2,8% und für 2017 in Höhe von 2,3%, wenn keine durchgreifenden Gegenmaßnahmen ergriffen werden. Die Regierung Michel geht von optimistischeren Prognosen aus und will nach wie vor 2018 den Haushaltsausgleich erreichen.

Außenhandel

Belgiens Volkswirtschaft ist stark in die Weltwirtschaft integriert. Die Außenhandelsquote (Summe aus Exporten und Importen in Relation zum BIP) betrug 2014 ca. 174 %, die Exportquote (Exporte in Relation zum BIP) ca. 89%. Deutschland zählt zu den wichtigsten Wirtschaftspartnern Belgiens, mit den Niederlanden und Frankreich. Umgekehrt nimmt Belgien für Deutschland als Handelspartner Rang 10 ein. 2015 betrugen die deutschen Ausfuhren nach Belgien 41,2 Mrd. Euro (2014: 42,0 Mrd.), die Einfuhren 36,8 Mrd. Euro (2014: 39,5 Mrd.).

Wirtschaftsstruktur

In der belgischen Wirtschaft dominiert der Dienstleitungssektor mit ca. 70%. Trotz der großen industriellen Tradition des Landes repräsentiert die verarbeitende Industrie nur noch ca. 15 Prozent des Bruttoinlandsprodukts. Die wichtigsten Wirtschaftszweige sind hier die Pharmazie- bzw. Chemie-, sowie die Nahrungsmittelbranche. Der Anteil des Bausektors beträgt ca. 5% des BIP, während der des Agrarsektors unter 1% liegt.

Energie- und Umweltpolitik

Belgien ist stark von ausländischen Energieunternehmen und von Energieimporten abhängig. Wesentliche energiepolitische Zuständigkeiten liegen bei den Regionen Flandern, Wallonien und Brüssel-Hauptstadt. Für Atomkraft und Offshore-Windparks, die in großem Umfang ausgebaut werden, ist dagegen die föderale Regierung zuständig. Wie für die Energiepolitik besteht auch für die Umweltpolitik eine zwischen den Regionen und dem Föderalstaat verteilte Zuständigkeit.

Belgien hatte bereits 2003 den Atomausstieg beschlossen: Die sieben Reaktorblöcke in Doel und Tihange sollen bis 2025 vom Netz gehen. Die neue Regierung Michel hält am Atomausstieg fest, will aber die beiden ältesten Atomreaktoren Doel 1 und Doel 2, die ursprünglich 2015 abgeschaltet werden sollten, bis 2025 am Netz lassen. Bereits die Vorgängerregierung Di Rupo hatte eine entsprechende Laufzeitverlängerung für den Reaktor Tihange 1 beschlossen. Dies geschieht auch vor dem Hintergrund, dass  seit 2003 keine ausreichenden Ersatzkapazitäten geschaffen und verschiedene Gaskraftwerke mangels Rentabilität stillgelegt wurden. In Deutschland, den Niederlanden und Luxemburg bestehen Sicherheitsbedenken hinsichtlich der „Mikrorissreaktoren“ Doel 3 und Tihange 2; Bundesministerin Hendricks hat Belgien im April 2016 gebeten, beide Reaktoren bis zur abschließenden Klärung von Sicherheitsfragen vom Netz zu nehmen.

Hinweis:

Dieser Text stellt eine Basisinformation dar. Er wird regelmäßig aktualisiert. Eine Gewähr für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Angaben kann nicht übernommen werden. 


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