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Belgien

Wirtschaft

Stand: November 2015

Bruttoinlandsprodukt

2014 hat Belgien ein Wachstum des realen Bruttoinlandsprodukts von einem Prozent erzielt; für 2015 wird ein Wachstum in etwa gleicher Größenordnung erwartet. Somit hat Belgien die Phase der akuten Wachstumsschwäche  (BIP 2012: +0,1%; 2013: +0,3%) überwunden.

Inflation

2013 lag die Inflationsrate bei 1,2 Prozent, 2014 bei 0,5 Prozent. Sie dürfte 2015 weiter auf etwa 0,3% Prozent zurückgehen, was u.a. am gesunkenen Erdölpreis liegt.

Arbeitsmarkt und Arbeitskosten

Die Arbeitslosigkeit bleibt ein Problem: Die Arbeitslosenquote ist von 7,6 Prozent im Jahr 2012 auf 8,4 Prozent im Jahr 2013 angestiegen und verharrt auf diesem relativ hohen Niveau (2014 8,5%; Prognose 2015 8,4%), bevor sie langsam zurückgehen dürfte (Prognose 2016: 8,1%).

Die Arbeitskosten liegen in Belgien erheblich über dem EU-Durchschnitt, was die Wettbewerbsfähigkeit des Landes beeinträchtigt.  Die im Oktober 2014 gebildete Mitte-Rechts-Regierung unter Premierminister Charles Michel geht dieses „Lohnkostenhandicap“ mit gezielten Maßnahmen an („Indexsprung“, d.h. einmalige Aussetzung der automatischen Lohn- und Gehaltsanpassung; „Tax shift“, d.h. Verringerung der direkten Steuern und Sozialabgaben, im Gegenzug Erhöhung indirekter Steuern).Die Gewerkschaften kritisieren diese Politik heftig; sie sei sozial unausgewogen.

Haushaltslage

2013 war es erstmals seit Jahren gelungen, eine Nettoneuverschuldung von unter 3 Prozent des BIP zu erzielen (2,9 % ), so dass Belgien das EU-Defizitverfahren verlassen konnte. 2014 war das Defizit aber wieder auf 3,2% gestiegen. Dies zeigt, dass die weitere Haushaltskonsolidierung auf föderaler wie regionaler Ebene auch in den kommenden Jahren eine große Herausforderung bleiben wird. Die Regierung Michel will den Haushaltsausgleich 2018 erreichen und setzt dafür auf klare Strukturreformen und eine strukturelle Haushaltskonsolidierung. Die Regierung geht für 2015 von einer Nettoneuverschuldung von 2,6 % und für 2016 von 2,1% aus.

Außenhandel

Belgiens Volkswirtschaft ist stark in die Weltwirtschaft integriert. Die Außenhandelsquote (Summe aus Exporten und Importen in Relation zum BIP) betrug 2014 ca. 173 %. Deutschland zählt zu den wichtigsten Wirtschaftspartnern Belgiens, mit den Niederlanden und Frankreich. Umgekehrt nimmt Belgien für Deutschland als Handelspartner Rang 10 ein. 2014 betrugen die deutschen Einfuhren aus Belgien 39,7 Mrd. Euro (2013: 39 Mrd.), die Ausfuhren 42,1 Mrd. Euro (2013: 42,2 Mrd.).

Wirtschaftsstruktur

In der belgischen Wirtschaft dominiert der Dienstleitungssektor mit ca. 70%. Trotz der großen industriellen Tradition des Landes repräsentiert die verarbeitende Industrie nur noch ca. 15 Prozent des Bruttoinlandsprodukts. Die wichtigsten Wirtschaftszweige sind hier die Pharmazie- bzw. Chemie-, sowie die Nahrungsmittelbranche. Der Anteil des Bausektors beträgt ca. 5 Prozent des BIP, während der des Agrarsektors unter 1 Prozent liegt.

Energie- und Umweltpolitik

Belgien ist stark von ausländischen Energieunternehmen und von Energieimporten abhängig. Die wesentlichen energiepolitischen Zuständigkeiten liegen bei den Regionen Flandern, Wallonien und Brüssel-Hauptstadt. Für Atomkraft und Offshore-Windparks, die in großem Umfang ausgebaut werden, ist dagegen die föderale Regierung zuständig. Wie für die Energiepolitik besteht auch für die Umweltpolitik eine zwischen den Regionen und dem Föderalstaat verteilte Zuständigkeit.

Die frühere belgische Föderalregierung unter Premierminister Di Rupo (2011-2014) hat die Weichen für den Atomausstieg gestellt: Die sieben Reaktorblöcke in Doel und Tihange sollen bis 2025 vom Netz gehen. Die neue Regierung Michel hält am Atomausstieg fest, will aber die beiden ältesten Atomreaktoren Doel 1 und Doel 2, die ursprünglich 2015 abgeschaltet werden sollten, bis 2025 am Netz lassen. Dies geschieht auch vor dem Hintergrund, dass in der Zwischenzeit die beiden Reaktoren Doel 3 und Tihange 2 wegen Sicherheitsbedenken abgeschaltet waren und verschiedene Gaskraftwerke mangels Rentabilität stillgelegt wurden und somit die Frage der Versorgungssicherheit an Brisanz gewinnt. Die belgischen Verantwortlichen arbeiten an Reservekapazitäten und Notfallplänen, um auch in den kommenden Wintern Nachfragespitzen abfangen zu können.

Hinweis:

Dieser Text stellt eine Basisinformation dar. Er wird regelmäßig aktualisiert. Eine Gewähr für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Angaben kann nicht übernommen werden. 


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