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Marokko

Wirtschaft

Stand: Februar 2017

König Mohammed VI. und die bisherige Regierung streben eine durchgreifende Modernisierung und Diversifizierung des Landes an, das seine Chancen neben dem Hauptpartner EU verstärkt in Afrika sucht. Gebergemeinschaft, OECD und IWF unterstützen diesen Modernisierungskurs.

Marokko verfügt mit Ausnahme von Phosphat über keine nennenswerten Bodenschätze. Energieträger wie Öl und Gas werden zu 95 Prozent importiert.

Für den Wirtschaftsstandort Marokko sprechen eine moderne Verkehrs- und Telekommunikationsinfrastruktur, niedrige Produktionskosten und die Nähe zum Hauptmarkt Europa. Investitionsanreize und Steuervorteile sorgen für Ansiedlungserfolge in der Kfz-Industrie (Montage, Zulieferung), Aeronautik und bei Callcentern. Sehr dynamisch entwickelt sich der Ausbau der erneuerbaren Energien. Defizite bestehen bei Rahmenbedingungen wie Erziehungswesen (eine Mehrheit der Frauen und der Landbevölkerung sind Analphabeten), berufliche Qualifizierung, Bürokratieabbau, Rechtssicherheit, Markttransparenz und Korruptionsbekämpfung. Sorgen macht auch der anhaltende Arbeitsplatzverlust in alten Industrien wie bei Textil und Leder infolge mangelnder Wettbewerbsfähigkeit. Handlungsbedarf besteht bei den Rentenkassen und mit Blick auf die moderat steigende Verschuldung. Aus sozialpolitischen Gründen werden Treibstoffe und Grundnahrungsmittel bislang staatlich bezuschusst. Die Regierung plant eine Reform des Systems. Mit der internationalen Gebergemeinschaft besteht Einvernehmen, dass Subventionsabbau und Reformen im Steuer- und Rentenbereich sozialverträglich erfolgen müssen.

Die Landeswährung Dirham ist bislang nicht frei konvertierbar und an einen Währungskorb aus Euro (60 Prozent) und US Dollar (40 Prozent) gekoppelt. Die Freigabe des Dirham-Wechselkurses soll schrittweise im nächsten Jahr erfolgen.

Die Landwirtschaft trägt rund 15 Prozent zum Bruttoinlandsprodukt bei und bindet fast die Hälfte der arbeitsfähigen Bevölkerung (ca. 45 Prozent). Neben einer traditionellen, kleinteiligen Landwirtschaft existiert eine moderne, in die nationalen und internationalen Märkte eingebundene Landwirtschaft. Mit einem Plan für ein grünes Marokko ("Plan Maroc Vert") verfolgt Marokko seit 2008 eine Strategie, die beiden Realitäten Rechnung tragen soll. Durch erhebliche öffentliche wie private Investitionen sollen bis 2020 die Landwirtschaft professionalisiert, der Beitrag des Sektors zum Bruttoinlandsprodukt verdoppelt und ein Beitrag zur ländlichen Entwicklung geleistet werden. Durch umfangreiche Subventionsmaßnahmen finden deutsche Landtechnik, Agrarchemie, Tiergenetik und Saatgut zunehmend Absatz. Deutschland unterstützt das Land bei der Aus- und Weiterbildung von Landwirten.

Tourismus ist neben Phosphatexport eine der wichtigsten Devisenquelle. Gut 10 Prozent der Marokko-Touristen sind Deutsche. Gute Infrastruktur, orientalisches Umfeld, abwechslungsreiche Landschaften und klimatische Vorzüge bieten Wachstumspotential.

Hoher außenwirtschaftlicher Öffnungsgrad (über 50 Freihandelsabkommen), marktwirtschaftliche Grundausrichtung und freier Wettbewerb werden in Marokko eingeengt durch mono- und oligopolartige Strukturen. Seit 2013 wird ein tiefgreifendes und umfassendes Handels- und Dienstleistungsfreiheitsabkommen mit der EU verhandelt. Das Freihandelsabkommen für landwirtschaftliche Produkte trat 2012 in Kraft, das Fischereiprotokoll Mitte 2014. Schwierig bleibt das Verhältnis Marokkos zum Nachbarn Algerien. Abgesehen vom Energiebereich (Gasimport) und kleinem Grenzverkehr liegt der Handelsaustausch brach. Aktuell beträgt der innermaghrebinische Anteil am jeweiligen Außenhandel weniger als 2 Prozent. Von einem Regionalmarkt mit rund 96 Millionen Einwohnern würden alle Länder profitieren. Der marokkanische Außenhandel ist defizitär (Handelsbilanz 2016: knapp 10 Milliarden US Dollar minus), weitgehend bedingt durch die Einfuhrrechnung für Öl und Gas. Die Exporte machen knapp 50 Prozent der Importe aus.

Marokko ist wirtschaftlich stabil. Der langjährige Aufschwung hatte sich 2016 durch dürrebedingte Ernterückgänge stark abgeschwächt. Die wirtschaftlichen Aussichten für 2017 liegen wieder im Trendwachstum von ca. 4 Prozent. Ursächlich hierfür sind neben ausreichend Regenfällen die kontinuierlich steigenden Überweisungen von Auslandsmarokkanern und ein moderater Ölpreis, der die staatliche Subventionskasse entlastet. 2016 betrug die Inflationsrate 2,1 Prozent.

Die Staatsverschuldung steigt moderat (2016: 81,8 Prozent, zum Vergleich 2014: 78,3 Prozent BIP). Belastend ist das weiterhin strukturelle Budgetdefizit (2017: -3,4 Prozent BIP erwartet). Der Subventionsbedarf für Lebensmittel und Brennstoffe konnte seit 2012 von jährlich 5,8 Milliarden US-Dollar auf 1,9 Milliarden US-Dollar 2015 (entspricht 2 Prozent des BIP) gesenkt werden. Das größte sozialpolitische Problem bleibt der Arbeitsmarkt. 2015 konnten nur 33.000 neue Arbeitsplätze geschaffen werden. Der Bevölkerungszuwachs in den aktiven Altersgruppen lag fast fünfmal höher. Die reale Arbeitslosenquote, insbesondere bei Jugendlichen, liegt deutlich über den offiziell angegebenen ca. 9 Prozent.

Umwelt- und Energiepolitik

Marokko ist als Land mit weit gediehenen Projekten im Bereich Erneuerbare Energien ein strategischer Partner für deutsche Energie- und Klimapolitik. Eine 2012 gegründete bilaterale Energiepartnerschaft, die zuletzt im November 2016 in Marrakesch getagt hat, behandelt die Vorrangthemen Energieszenarien, Energieeffizienz, Regulierungsfragen und Integration der Märkte Europa-Mittelmeerraum. Marokko besitzt sehr günstige natürliche Voraussetzungen bei der Erzeugung von Wind- und Solarenergie. Die Regierung will bis 2030 52 Prozent der dann installierten Kraftwerkskapazität aus erneuerbaren Energien gewinnen. Eine Photovoltaik-Strategie von 2014 soll den marokkanischen Strommarkt auch für ausländische Investoren interessanter machen durch Öffnung der Nieder-, Mittel- und Hochspannungsnetze für privat produzierten Strom und Einrichtung einer Regulierungsbehörde. Deutsche Firmen sind im Energiebereich als Projektentwickler, Ingenieurdienstleister und Zulieferer in Marokko gut im Geschäft. Dies gilt insbesondere für das Solarthermiekraftwerk Noor 1, das Ende 2015 fertiggestellt  wurde. Der Ausbau der Projekte Noor 2/3 hat begonnen.

Hinweis:

Dieser Text stellt eine Basisinformation dar. Er wird regelmäßig aktualisiert. Eine Gewähr für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Angaben kann nicht übernommen werden. 


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