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Marokko

Wirtschaft

Stand: Dezember 2014

Grundlinien der Wirtschaftspolitik

König Mohamed VI. und die Regierung streben eine durchgreifende Modernisierung des Landes an. Marokko soll ein Schwellenland mit diversifizierter Industrie und wettbewerbsfähigem Dienstleistungssektor werden, das seine Chancen neben dem Hauptpartner EU im Maghreb und im französischsprachigen Afrika sucht.

Marokko ist wirtschaftlich stabil, der langjährige Aufschwung hält an. Regierung und Zentralbank gehen 2014 von einer Steigerung des Bruttoinlandsprodukts von rund 3 Prozent aus. Auf der Habenseite stehen eine moderne Verkehrs- und Telekommunikationsinfrastruktur, niedrige Produktionskosten und die Nähe zum Hauptmarkt Europa. Investitionsanreize und Steuervorteile sorgen für Ansiedlungserfolge in der Kfz-Industrie (Montage, Zulieferung), Aeronautik und bei Callcentern. Daneben soll eine international wettbewerbsfähige klein- und mittelständische Industrie aufgebaut werden(Kabelindustrie, Elektrotechnik, Textil).

Fiskalpolitik

Die an einen Währungskorb aus Euro (80%) und USD (20%) gekoppelte Landeswährung Dirham ist stabil. 2014 beträgt die Inflationsrate 2 Prozent. Das Budgetdefizit bleibt 2014 mit knapp 5 Prozent des Bruttoinlandsprodukts hoch. Hauptgrund sind die Ausgaben der staatlichen Kompensationskasse, die aus sozialpolitischen Gründen  Treibstoffe und Grundnahrungsmittel 2013 mit 3,6 Milliarden Euro bezuschusst hat. Die Regierung plant eine Reform des Systems. Mit der internationalen Gebergemeinschaft besteht Einvernehmen, dass Subventionsabbau und Reformen im Steuer- und Rentenbereich sozialverträglich erfolgen.

Strukturpolitik

Seit einigen Jahren bestehen Förderprogramme für die Bereiche Industrie, Handel/Logistik, Digitalisierung, Landwirtschaft/Fischerei und Tourismus. Ziele sind Diversifizierung der Wirtschaft, Ankurbelung des Wachstums und Schaffung von Arbeitsplätzen. Bemerkenswert ist die laufend ausgebaute Infrastruktur bei Kommunikation (4G-Mobilfunknetz 2015) und Verkehr (moderne Autobahnen und Flughäfen, Erweiterung des Schienennetzes - TGV-Trasse Tanger-Casablanca im Bau, Ausbau Tiefsee-Containerhafen Tanger Med um Phase II, Projekt Energiehafen Nador West Med (Öl, Gas).

Günstige natürliche Voraussetzungen besitzt Marokko bei der Erzeugung von Wind- und Solarenergie. Die Regierung will bis 2020 6.000 MW (= 42% der dann installierten Kraftwerkskapazität) aus erneuerbaren Energien gewinnen. Deutschland unterstützt diesen zukunftsträchtigen Weg über seine Entwicklungszusammenarbeit und die 2012 eingerichete Energiepartnerschaft. Im Gegensatz zu anderen Maghreb-Staaten verfügt Marokko mit Ausnahme von Phosphat über keine nennenswerten Bodenschätze. Energieträger wie Öl und Gas werden zu 95 Prozent für teure Devisen importiert.

Landwirtschaft

Die Landwirtschaft trägt rund 15 Prozent zum Bruttoinlandsprodukt bei, beschäftigt allerdings ca. 45 Prozent der Bevölkerung. Neben einer traditionellen, kleinteiligen Landwirtschaft existiert eine moderne, in die nationalen und internationalen Märkte eingebundene Landwirtschaft. Mit dem „Plan Maroc Vert“ verfolgt Marokko seit 2008 eine Strategie, die beiden Realitäten Rechnung tragen soll. Ziel ist, bis 2020 ca. 10 Milliarden US-Dollar zu mobilisieren (je zur Hälfte öffentliche und private Investitionen), um durch Professionalisierung der Landwirtschaft und Aufbau einer modernen Verarbeitungsindustrie Arbeitsplätze zu schaffen und andererseits einen Beitrag zur ländlichen Entwicklung zu leisten. Der Anteil am Bruttoinlandsprodukt soll sich bis dahin verdoppelt haben. Durch die umfangreichen Subventionsmaßnahmen im Rahmen des „Plan Maroc Vert“ finden deutsche Landtechnik, Agrarchemie, Tiergenetik und Saatgut zunehmend Absatz. Deutschland unterstützt das Land bei der Aus- und Weiterbildung von marokkanischen Landwirten.

Außenwirtschaftspolitik

Hoher außenwirtschaftlicher Öffnungsgrad (über 50 Freihandelsabkommen), marktwirtschaftliche Grundausrichtung und freier Wettbewerb werden in Marokko eingeengt durch mono- und oligopolartige Strukturen. Seit 2013 verhandeln die EU und Marokko über ein Abkommen zur Handels- und Dienstleistungsfreiheit, um das Assoziierungsabkommen aus dem Jahr 2000 zu ersetzen.

Schwierig bleibt das Verhältnis Marokkos zum Nachbarn Algerien. Abgesehen vom Energiebereich (Gasimport) und kleinem Grenzverkehr liegt der Handelsaustausch brach. Unter Ausklammerung des Themas Westsahara strebt Marokko ein auskömmlicheres Mitein­ander mit dem Nachbarland an. Verbunden ist hiermit das Ziel, die seit 20 Jahren geschlossene Grenze wieder zu öffnen und die Union des Arabischen Maghreb (Marokko, Algerien, Tunesien, Libyen, Mauretanien) politisch und wirtschaftlich zu beleben. Aktuell beträgt der innermaghrebinische Anteil am Außenhandel weniger als 2%. Von einem Regionalmarkt mit rund 93 Millionen Einwohnern würden alle Länder profitieren. Der marokkanische Außenhandel ist defizitär (Handelsbilanz 2013: - 20 Milliarden US Dollar = - 19% des Bruttoinlandsprodukts), weitgehend bedingt durch die Einfuhrrechnung für Öl und Gas. Die Exporte machen knapp 50 Prozent der Importe aus. Die Devisenreserven liegen stabil bei 20 Milliarden US Dollar, was einer Einfuhrdeckung von 4 Monaten entspricht.

Tourismus

Knapp 6 Prozent der Marokko-Touristen sind Deutsche (zwischen Januar und Oktober 2014 rund 500.000). Gute Infrastruktur, orientalisches Umfeld, abwechslungsreiche Landschaften und klimatische Vorzüge bieten Wachstumspotential. Das Tourismusministerium fördert verstärkt ökologisch-nachhaltigen Fremdenverkehrs)

Hinweis:

Dieser Text stellt eine Basisinformation dar. Er wird regelmäßig aktualisiert. Eine Gewähr für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Angaben kann nicht übernommen werden. 


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