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Nachhaltige Urbanisierung – wichtig für China und die Welt

Thematischer Schwerpunkt von „Deutschland und China – Gemeinsam in Bewegung“ ist die nachhaltige Urbanisierung. Aus gutem Grund, denn die Abwanderung von Menschen aus dem ländlichen Raum in die Städte hat in China ein gewaltiges Ausmaß angenommen.

Waren es 1994 nach Angaben der „Regionalkonferenz Migration und Entwicklung Asien“ noch 60 Millionen Wanderarbeiter in ganz China unterwegs, hat sich ihre Zahl heute auf 200 Millionen verfünffacht. Bis 2020 rechnet die Chinesische Akademie für Sozialwissenschaften mit einem Anstieg der Binnenwanderer auf 300 Millionen. Der wichtigste Grund für diese Entwicklung ist die Kluft zwischen Arm und Reich: In vielen landwirtschaftlich geprägten Regionen herrschen Armut und Arbeitslosigkeit, oft gibt es weder Strom noch fließendes Wasser. In Provinzen wie Gansu, Guizhou oder Anhui hat der Wirtschaftsaufschwung noch nicht alle Bevölkerungsschichten erreicht. In boomenden Hafenstädten wie Shanghai oder Kanton bekommen dagegen selbst ungelernte Arbeiter schnell einen Job und können oft das Mehrfache ihres Einkommens auf dem Land verdienen.

Jeder Zuwanderer will eine Wohnung, eine Heizung, ein Auto

Die Zuwanderung stellt die chinesischen Städte vor gewaltige Herausforderungen: Die Neuankömmlinge brauchen Wohnraum, Strom, Wasser, Heizung – und geheizt wird vor allem im kalten Norden Chinas oft noch mit Kohle. Der öffentliche Nahverkehr ist in vielen Millionenstädten völlig überlastet, lange Staus, Smog und verstopfte Straßen sind an der Tagesordnung. Mit steigendem Wohlstand kaufen immer mehr Menschen ein Auto oder einen Fernseher, schaffen sich elektrische Haushaltshelfer wie Staubsauger, Mixer oder Mikrowelle an. All das treibt den Verbrauch von Energie in die Höhe. Schon heute ist China der zweitgrößte Erdölkonsument nach den USA, Tendenz steigend. Darüber hinaus macht der Ausstoß von CO2 nicht vor Chinas Landesgrenzen halt. Eine ökologisch ausbalancierte Stadtentwicklung ist also nicht nur im Interesse Chinas, sondern auch im Interesse der Welt.

Daher zeigen die Initiatoren von „Deutschland und China – gemeinsam in Bewegung“ auf allen Stationen der Veranstaltungsreihe innovative Lösungen und Projekte aus den Bereichen Stadtplanung, Verkehr, Mobilität, Versorgung und Infrastruktur. In der Multimediaausstellung „Stadtivisionen“ sowie durch Tagungen und Wettbewerbe werden Vorschläge für den Bau energieeffizienter Gebäude erarbeitet, Maßnahmen wie die Einführung eines „Energiepasses“ oder die Emissionsreduzierung von Fahrzeugen vorgestellt. In Workshops und Foren diskutieren deutsche und chinesische Experten Konzepte zur Verkehrssteuerung, zur Nutzung von erneuerbaren Energien oder zur Mülltrennung. Ihr gemeinsames Ziel: Städte zu schaffen, in denen es sich zu leben lohnt.


Stand 30.04.2008