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Namibia

Wirtschaft

Stand: März 2014

Charakteristika

Namibia zählt mit einem Bruttoinlandsprodukt pro Kopf von etwa 5.670 US-Dollar gemäß Weltbank-Klassifizierung zur Gruppe der "Länder mit oberem mittlerem Einkommen". Nach dem Krisenjahr 2009 hat sich das Wachstum des Bruttoinlandsprodukts pro Kopf 2012 wieder bei circa 5 Prozent stabilisiert und wird 2013 voraussichtlich 4,8 Prozent erreichen. 

Das Volkseinkommen ist sehr ungleich verteilt (Gini-Koeffizient von rund 0,58). Etwa die Hälfte der Bevölkerung lebt unterhalb der Armutsschwelle; die Arbeitslosigkeit liegt nach neuesten statistischen Erhebungen bei rund 27 Prozent. Namibia ist ein Land mit sehr geringer Bevölkerungsdichte (2,4 Einwohner pro Quadratkilometer). Das Land verfügt über einen großen Reichtum an Bodenschätzen (Diamanten, Uran, Kupfer, Zink), Fisch- und Viehbeständen sowie mit seiner landschaftlichen Schönheit über große Anziehungskraft für den Tourismus. 

Fast ein Fünftel der Bruttowertschöpfung werden im Dienstleistungssektor (Banken, Tourismus, Telekommunikation) erwirtschaftet, je etwa ein Fünftel in den Primärindustrien Landwirtschaft, Fischerei und Bergbau sowie in der verarbeitenden Industrie.

Standort Namibia

Der Wirtschaftsstandort Namibia liegt im "Global Competitiveness Index 2013/14" des Weltwirtschaftsforums auf Rang 90 von 148 (2012/13 noch Platz 92). Auch gemäß dem Bericht "Doing Business" der Weltbank hat Namibia an relativer Anziehungskraft für Investoren verloren, weil andere Länder sich signifikant verbessern konnten. Die Studie "Marktchancen in Afrika 2011/2012" des Afrika-Vereins der deutschen Wirtschaft sieht Namibia hinsichtlich der Attraktivität für deutsche Investoren nach Südafrika, Nigeria und Ägypten allerdings gemeinsam mit Angola an vierter Stelle.

Stärken sind die solide Geld- und Fiskalpolitik, ein hohes Maß politischer Stabilität und Rechtssicherheit sowie eine gut entwickelte Infrastruktur (Telekommunikation, Verkehrswege, Seeanbindung). Als Schwächen erscheinen vor allem die fehlende berufliche Qualifikation breiter Bevölkerungsschichten und das noch zu wenig leistungsfähige Schulsystem, daneben die hohe HIV/AIDS-Prävalenzrate, hohe Transportkosten (großflächiger Binnenmarkt, kleine Zahl kaufkräftiger Marktteilnehmer) sowie administrative Engpässe bei der Erteilung von Arbeitsgenehmigungen für ausländische Fachkräfte. Eine Restunsicherheit besteht bei der Stromversorgung: Sie beruht mangels ausreichender nationaler Kapazitäten zur Hälfte auf Importen aus fünf anderen Ländern des südlichen Afrika.

Außenwirtschaft

Namibia ist ein außenwirtschaftlich stark verflochtenes Land. Die Exportquote liegt derzeit in der Größenordnung von rund 40 Prozent, die Importquote bei etwa 55 Prozent. Die Leistungsbilanz weist in der Regel einen Überschuss auf, da das Handelsbilanzdefizit durch den positiven Saldo der Übertragungsbilanz überkompensiert wird. Grund sind die substantiellen Transferzahlungen, die Namibia aus der Zollunion im südlichen Afrika (SACU) sowie aus der Entwicklungszusammenarbeit zufließen.

Die Bodenschätze Diamanten, Kupfer und Uran allein machen ungefähr 60 Prozent des Exportvolumens aus. Daneben werden hauptsächlich Agrarprodukte (Fisch, Fleisch und Trauben) exportiert. Diese Güterexporte gehen zu rund einem Viertel in Länder der SACU, zur Hälfte nach Europa. Eine wachsende Rolle spielt der Dienstleistungsexport: Bereits jeder fünfte Arbeitsplatz und ein Siebtel des Volkseinkommens werden heute direkt oder indirekt vom Tourismussektor hervorgebracht.

Importiert werden hauptsächlich Kraftfahrzeuge, Maschinen, Erdöl und Erdölerzeugnisse sowie Nahrungsmittel. Ursprungsland der meisten Importe (über 80 Prozent) ist Südafrika. Die enge Verflechtung mit der Volkswirtschaft der benachbarten früheren Mandats- und Besatzungsmacht kommt nicht nur im Handelsvolumen zum Ausdruck, sondern auch in der starken Präsenz südafrikanischer Dienstleister (Handel, Banken, Versicherungen).

Gesamtwirtschaftliche Situation

Durch systematisches Krisenmanagement, vor allem dank einer konsequenten Fiskalpolitik, gelang es Namibia die Auswirkungen der weltweiten Finanzkrise recht schnell zu überwinden. Nach einem überraschend hohen Wirtschaftswachstum von 6,6 Prozent im Jahr 2010 verlangsamte sich das Wachstum 2011 zwar etwas, erreichte aber immer noch beachtliche 4,8 Prozent. 2012 legte das Wachstum auf 5 Prozent zu. 2013 betrug die Zunahme erneut 4,8 Prozent, womit sich die namibische Wirtschaft entgegen den ungünstigen weltwirtschaftlichen Einflüssen weiterhin als robust erwies.

Hauptursache für das Wirtschaftswachstum sind die gestiegenen Erlöse aus Rohstoffexporten (insbesondere Diamanten, Zink und Gold) und gestiegene Steuereinnahmen. Hingegen trat eine Stagnation bei Agrar- und Fischereiprodukten ein. Gestützt vor allem auf fortlaufende Projekte im Rahmen des "Targeted Intervention Programme for Employment and Economic Growth" (TIPEEG) der Regierung erwies sich der Bausektor als stabil. Hingegen schrumpfte der für die namibische Wirtschaft traditionell starke Groß- und Einzelhandel im ersten Halbjahr 2012 im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 4,2 Prozent.

Fiskalpolitik und Staatsfinanzen

Die Regierung hatte in den Vorjahren der weltweiten Finanzkrise Budgetüberschüsse erzielt und die Staatsschuld weit unter den selbstgesetzten Grenzwert von jetzt 35 Prozent des Bruttoinlandsprodukts heruntergefahren. Dies gab ihr ab 2009 den Spielraum für einen kräftigen Fiskalimpuls, um den Einbruch der Export- und Binnennachfrage aufzufangen - möglichst früh genug, bevor der krisenbedingte Rückgang der SACU-Zuflüsse auf die Einnahmenseite durchschlagen würde. Die Haushaltsdefizite von 2,9 Prozent (2012) und geschätzten 6,4 Prozent des BIP (2013) geben genau diese politische Entscheidung wider.

Haushaltsansatz 2014/15: Größter Einzeletat mit rund 13 Milliarden Namibia-Dollar ist Erziehung/Bildung mit einem Anteil von etwa 22 Prozent an den Gesamtausgaben; es folgen Verteidigung (11 Prozent), Gesundheit (10 Prozent) und Fianzen (10 Prozent).

Nachdem die Staatsausgaben im Haushaltsjahr 2013/14 um fast 19 Prozent stiegen, ist für das kommende Haushaltsjahr 2014/15 ein weiterer Zuwachs von rund 27 Prozent vorgesehen. Zu einem Großteil ist dies auf die Umsetzung des erwähnten "TIPEEG"-Programms zur Beschäftigungsförderung zurückzuführen. Die Schuldenquote (Staatsschuld/BIP) wird sich 2014/15 auf fast 28 Prozent erhöhen.

Geld- und Währungspolitik

Die Zentralbank stabilisiert den Wechselkurs des namibischen Dollar 1:1 zum südafrikanischen Rand. Die außenwirtschaftliche Stabilität war durch die Weltwirtschaftskrise zu keiner Zeit gefährdet. Die Zentralbank verfügt über ausreichende Währungsreserven als Rückhalt für ihre o. g. Stabilisierungspolitik (2013: 1,4 Milliarden US-Dollar, Einfuhrdeckung 12 Wochen). Parallel zur "South African Reserve Bank" senkte die "Bank of Namibia" über die letzten Jahre den Leitzins langsam, aber kontinuierlich von 10,5 Prozent (Anfang 2009) auf jetzt 5,5 Prozent. Die Inflationsrate ist im Jahresmittel 2013 wieder auf 5,6 Prozent gesunken.



Hinweis

Dieser Text stellt eine Basisinformation dar. Er wird regelmäßig aktualisiert. Eine Gewähr für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Angaben kann nicht übernommen werden.