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Namibia

Wirtschaft

Stand: September 2015

Charakteristika

Namibia zählt mit einem Bruttoinlandsprodukt pro Kopf von etwa 5.760 US-Dollar gemäß Weltbank-Klassifizierung zur Gruppe der "Länder mit oberem mittlerem Einkommen". Nach dem Krisenjahr 2009 hat sich das Wachstum des Bruttoinlandsprodukts pro Kopf seit 2012 wieder bei circa 5 Prozent stabilisiert. In 2014 lag das Wachstum um 6 Prozent.

Das Volkseinkommen ist trotz einer schnell wachsenden Mittelschicht immer noch sehr ungleich verteilt (Gini-Koeffizient von rund 0,58). Etwa die Hälfte der Bevölkerung lebt unterhalb der Armutsschwelle; die Arbeitslosigkeit liegt nach neuesten statistischen Erhebungen bei rund 30 Prozent. Namibia ist ein Land mit sehr geringer Bevölkerungsdichte (2,4 Einwohner pro Quadratkilometer). Das Land verfügt über einen großen Reichtum an Bodenschätzen (Diamanten, Uran, Kupfer, Zink), Fisch- und Viehbeständen sowie mit seiner landschaftlichen Schönheit über große Anziehungskraft für den Tourismus. 

Standort Namibia

Namibia ist einer der SADC-Mitgliedstaaten, die seit 2006 am stärksten an Wettbewerbsfähigkeit verloren haben. Eine Verbesserung war auch 2014 nicht zu verzeichnen: Namibia war eines der wenigen Länder der Welt, die sich im Geschäftsklimaindex der Weltbank 2015 nicht verbessert haben. Im Global Competitiveness Index (GCI) 2014/15 des World Economic Forums konnte sich Namibia nur deshalb um zwei Plätze von Rang 90 auf 88 verbessern, weil drei Länder, die zuvor besser bewertet worden waren, in diesem Jahr nicht berücksichtigt wurden.

Schwachpunkte bleiben das Gesundheits- und Bildungswesen. Namibias Stärken liegen v.a. in der stabilitätsorientierten Geld- und Fiskalpolitik, gut entwickelten Finanzmärkten, einem hohen Maß an politischer Stabilität und Rechtssicherheit sowie einer gut entwickelten Infrastruktur, insbesondere im Bereich der Telekommunikation und bei Verkehrswegen und Seeanbindung.

Außenwirtschaft

Namibia ist ein außenwirtschaftlich stark verflochtenes Land. Die Exportquote liegt derzeit in der Größenordnung von rund 43 Prozent, die Importquote bei über 52 Prozent. Die Leistungsbilanz weist in der Regel einen Überschuss auf, da das Handelsbilanzdefizit durch den positiven Saldo der Übertragungsbilanz überkompensiert wird. Grund sind die substantiellen Transferzahlungen, die Namibia aus der Zollunion im südlichen Afrika (SACU) sowie aus der Entwicklungszusammenarbeit zufließen.

Die Bodenschätze Diamanten, Kupfer und Uran allein machen ungefähr 40 Prozent des Exportvolumens aus. Daneben werden hauptsächlich Agrarprodukte (Fisch, Fleisch und Trauben) exportiert. Diese Güterexporte gehen zu rund einem Viertel in Länder der SACU, zur Hälfte nach Europa. Namibia verfügt überdies mit seiner landschaftlichen Schönheit über große Anziehungskraft für den Tourismus.

Importiert werden hauptsächlich Kraftstoffe, Erdöl und Erdölerzeugnisse, Strom, Kraftfahrzeuge, Maschinen sowie Nahrungsmittel. Ursprungsland der meisten Importe (circa 70 Prozent) ist Südafrika. Die enge Verflechtung mit der Volkswirtschaft der benachbarten früheren Mandats- und Besatzungsmacht kommt nicht nur im Handelsvolumen zum Ausdruck, sondern auch in der starken Präsenz südafrikanischer Dienstleister (Handel, Banken, Versicherungen).

Gesamtwirtschaftliche Situation

Durch systematisches Krisenmanagement, vor allem dank einer konsequenten Fiskalpolitik, gelang es Namibia die Auswirkungen der weltweiten Finanzkrise recht schnell zu überwinden. Nach einem überraschend hohen Wirtschaftswachstum von 6,6 Prozent im Jahr 2010 pendelte sich die jährliche Wachstumsrate bei etwa 5 Prozent ein, womit sich die namibische Wirtschaft entgegen den ungünstigen weltwirtschaftlichen Einflüssen weiterhin als robust erwies.

Dieses Wachstum wurde vor allem durch Investitionen in Infrastruktur- und Bergbauprojekte getragen. Aber auch eine Erholung in der Landwirtschaft nach der Dürre im Vorjahr und im Bergbau, insbesondere der Diamantenförderung, sowie der von der wachsenden Mittelschicht und dem Einkaufstourismus aus den Nachbarländern profitierende Einzelhandel spielten eine Rolle.

Fiskalpolitik und Staatsfinanzen

Die Regierung reagierte auf die globale Krise mit einer Kehrtwende in der Fiskalpolitik. Sie hatte in den Vorjahren Budgetüberschüsse erzielt und die Staatsschuld weit unter den selbstgesetzten Grenzwert von jetzt 35 Prozent des Bruttoinlandsprodukts heruntergefahren. Dies gab ihr ab 2009 den Spielraum für einen kräftigen Fiskalimpuls, um den Einbruch der Export- und Binnennachfrage aufzufangen - möglichst früh genug, bevor der krisenbedingte Rückgang der SACU-Zuflüsse auf die Einnahmenseite durchschlagen würde.

Gegenüber dem Vorjahr sieht der Haushalt 2015/16 nur noch Ausgabensteigerungen um ca. 7 Prozent auf 67,08 Milliarden Namibia Dollar vor, bei einer Inflationsrate von zuletzt 3,6 Prozent. Dem stehen Einnahmen von rund 58,44 Milliarden Namibia Dollar gegenüber. Daraus ergibt sich ein Defizit von 8,64 Milliarden Namibia Dollar (5,3 Prozent des BIP, gegenüber 6,8 Prozent im Vorjahr). Für den Bereich Erziehung/Bildung wurden 15,35 Milliarden Namibia Dollar (+43 Prozent und ein Anteil von 23 Prozent an den Gesamtausgaben) veranschlagt. Weitere große Posten waren Verteidigung mit 7,2 Milliarden Namibia Dollar (+185 Prozent), Gesundheit mit 6,5 Milliarden Namibia Dollar (knapp 10 Prozent der Ausgaben) und die Polizei mit 4,7 Milliarden Namibia Dollar (7 Prozent der Ausgaben).

Geld- und Währungspolitik

Die Zentralbank stabilisiert den Wechselkurs des namibischen Dollar 1:1 zum südafrikanischen Rand. Parallel zur "South African Reserve Bank" senkte die "Bank of Namibia" über die letzten Jahre den Leitzins langsam, aber kontinuierlich von 10,5 Prozent (Anfang 2009) auf 5,5 Prozent. Seit August 2014 hat sie ihn stufenweise wieder auf 6,5 Prozent erhöht, um einen weiteren Devisenabfluss durch den stark gestiegenen Umfang an Konsumentenkrediten zu verhindern. Dennoch haben die mit den umfangreichen Investitionsvorhaben der letzten Jahre verbundenen Einfuhren von Investitionsgütern die Währungsreserven so stark abschmelzen lassen, dass sie nur noch einer Einfuhrdeckung von sechs Wochen entsprechen. Die Inflationsrate ist im ersten Halbjahr 2015 weiter auf 3,4 Prozent gesunken.

Hinweis:

Dieser Text stellt eine Basisinformation dar. Er wird regelmäßig aktualisiert. Eine Gewähr für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Angaben kann nicht übernommen werden. 


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