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Namibia

Wirtschaft

Stand: November 2014

Charakteristika

Namibia zählt mit einem Bruttoinlandsprodukt pro Kopf von etwa 5.760 US-Dollar gemäß Weltbank-Klassifizierung zur Gruppe der "Länder mit oberem mittlerem Einkommen". Nach dem Krisenjahr 2009 hat sich das Wachstum des Bruttoinlandsprodukts pro Kopf seit 2012 wieder bei circa 5 Prozent stabilisiert.

Das Volkseinkommen ist trotz einer schnell wachsenden Mittelschicht immer noch sehr ungleich verteilt (Gini-Koeffizient von rund 0,58). Etwa die Hälfte der Bevölkerung lebt unterhalb der Armutsschwelle; die Arbeitslosigkeit liegt nach neuesten statistischen Erhebungen bei rund 30 Prozent. Namibia ist ein Land mit sehr geringer Bevölkerungsdichte (2,4 Einwohner pro Quadratkilometer). Das Land verfügt über einen großen Reichtum an Bodenschätzen (Diamanten, Uran, Kupfer, Zink), Fisch- und Viehbeständen sowie mit seiner landschaftlichen Schönheit über große Anziehungskraft für den Tourismus. 

Standort Namibia

Namibia ist einer der SADC-Mitgliedstaaten, die seit 2006 am stärksten an Wettbewerbsfähigkeit verloren haben. Eine Verbesserung war auch 2014 nicht zu verzeichnen: Namibia war eines der wenigen Länder der Welt, das sich im Geschäftsklimaindex der Weltbank 2015 nicht verbessert hat. Im Global Competitiveness Index (GCI) 2014/15 des World Economic Forums konnte sich Namibia nur deshalb um zwei Plätze von Rang 90 auf 88 verbessern, weil drei Länder, die zuvor besser bewertet worden waren, in diesem Jahr nicht berücksichtigt wurden.

Schwachpunkte bleiben das Gesundheits- und Bildungswesen. Namibias Stärken liegen v.a. in der stabilitätsorientierten Geld- und Fiskalpolitik, gut entwickelten Finanzmärkten, einem hohen Maß an politischer Stabilität und Rechtssicherheit sowie einer gut entwickelten Infrastruktur, insbesondere im Bereich der Telekommunikation und bei Verkehrswegen und Seeanbindung.

Außenwirtschaft

Namibia ist ein außenwirtschaftlich stark verflochtenes Land. Die Exportquote liegt derzeit in der Größenordnung von rund 43 Prozent, die Importquote bei über 52 Prozent. Die Leistungsbilanz weist in der Regel einen Überschuss auf, da das Handelsbilanzdefizit durch den positiven Saldo der Übertragungsbilanz überkompensiert wird. Grund sind die substantiellen Transferzahlungen, die Namibia aus der Zollunion im südlichen Afrika (SACU) sowie aus der Entwicklungszusammenarbeit zufließen.

Die Bodenschätze Diamanten, Kupfer und Uran allein machen ungefähr 40 Prozent des Exportvolumens aus. Daneben werden hauptsächlich Agrarprodukte (Fisch, Fleisch und Trauben) exportiert. Diese Güterexporte gehen zu rund einem Viertel in Länder der SACU, zur Hälfte nach Europa. Namibia verfügt überdies mit seiner landschaftlichen Schönheit über große Anziehungskraft für den Tourismus.

Importiert werden hauptsächlich Kraftstoffe, Erdöl und Erdölerzeugnisse, Strom, Kraftfahrzeuge, Maschinen sowie Nahrungsmittel. Ursprungsland der meisten Importe (über 80 Prozent) ist Südafrika. Die enge Verflechtung mit der Volkswirtschaft der benachbarten früheren Mandats- und Besatzungsmacht kommt nicht nur im Handelsvolumen zum Ausdruck, sondern auch in der starken Präsenz südafrikanischer Dienstleister (Handel, Banken, Versicherungen).

Gesamtwirtschaftliche Situation

Durch systematisches Krisenmanagement, vor allem dank einer konsequenten Fiskalpolitik, gelang es Namibia die Auswirkungen der weltweiten Finanzkrise recht schnell zu überwinden. Nach einem überraschend hohen Wirtschaftswachstum von 6,6 Prozent im Jahr 2010 pendelte sich die jährliche Wachstumsrate bei etwa 5 Prozent ein, womit sich die namibische Wirtschaft entgegen den ungünstigen weltwirtschaftlichen Einflüssen weiterhin als robust erwies.

Dieses Wachstum wurde vor allem durch Investitionen in Infrastruktur- und Bergbauprojekte getragen. Aber auch eine Erholung in der Landwirtschaft nach der Dürre im Vorjahr und im Bergbau, insbesondere der Diamantenförderung, sowie der von der wachsenden Mittelschicht und dem Einkaufstourismus aus den Nachbarländern profitierende Einzelhandel spielten eine Rolle.

Fiskalpolitik und Staatsfinanzen

Die Regierung hatte in den Vorjahren der weltweiten Finanzkrise Budgetüberschüsse erzielt und die Staatsschuld weit unter den selbstgesetzten Grenzwert von jetzt 35 Prozent des Bruttoinlandsprodukts heruntergefahren. Dies gab ihr ab 2009 den Spielraum für einen kräftigen Fiskalimpuls, um den Einbruch der Export- und Binnennachfrage aufzufangen - möglichst früh genug, bevor der krisenbedingte Rückgang der SACU-Zuflüsse auf die Einnahmenseite durchschlagen würde. Die Haushaltsdefizite von 2,9 Prozent (2012) und geschätzten 6,4 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (2013) geben genau diese politische Entscheidung wider.

Haushaltsansatz 2014/15: Größter Einzeletat mit rund 13 Milliarden Namibia-Dollar ist Erziehung/Bildung mit einem Anteil von etwa 22 Prozent an den Gesamtausgaben; es folgen Verteidigung (11 Prozent), Gesundheit (10 Prozent) und Fianzen (10 Prozent).

Nachdem die Staatsausgaben im Haushaltsjahr 2013/14 um fast 19 Prozent stiegen, ist für das kommende Haushaltsjahr 2014/15 ein weiterer Zuwachs von rund 27 Prozent vorgesehen. Zu einem Großteil ist dies auf die Umsetzung eines Programms zur Beschäftigungsförderung zurückzuführen. Die Schuldenquote (Staatsschuld/BIP) wird sich 2014/15 auf fast 28 Prozent erhöhen.

Geld- und Währungspolitik

Die Zentralbank stabilisiert den Wechselkurs des namibischen Dollar 1:1 zum südafrikanischen Rand. Die außenwirtschaftliche Stabilität war durch die Weltwirtschaftskrise zu keiner Zeit gefährdet. Die Zentralbank verfügt über ausreichende Währungsreserven als Rückhalt für ihre o. g. Stabilisierungspolitik (1,53 Milliarden US-Dollar, Einfuhrdeckung zehn Wochen). Parallel zur "South African Reserve Bank" senkte die "Bank of Namibia" über die letzten Jahre den Leitzins langsam, aber kontinuierlich von 10,5 Prozent (Anfang 2009) auf 5,5 Prozent. Seit August 2014 hat sie ihn stufenweise wieder auf 6,25 Prozent erhöht, um einen weiteren Devisenabfluss durch den stark gestiegenen Umfang an Konsumentenkrediten zu verhindern. Die Inflationsrate ist im dritten Quartal 2014 wieder auf 5,4 Prozent gesunken.

Hinweis:

Dieser Text stellt eine Basisinformation dar. Er wird regelmäßig aktualisiert. Eine Gewähr für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Angaben kann nicht übernommen werden. 


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