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Ecuador

Wirtschaft

Stand: September 2013

Wirtschaftslage / Wirtschaftsstruktur

Kurzcharakteristik:

Mit einem kontinuierlich steigenden BIP pro Kopf von aktuell (2012) 5552 US-Dollar (USD) (2011: 5122; 2010: 4520) ist das OPEC-Land Ecuador mit seinen ca. 15, Mio. Einwohnern ein Land mit mittlerem Einkommensniveau des oberen Segments. Das BIP lag 2013 bei 88,2 Mrd. USD, eine Steigerung von 5% gegenüber 2011. Die nationale Währung ist seit dem Jahr 2000 der USD. Er hat zur Kosten- und Preisstabilität beigetragen. Dadurch fehlt aber der Regierung das Instrument einer eigenständigen Geldpolitik. Charakteristisch für Ecuador bleibt die starke wirtschaftliche Abhängigkeit vom Erdölexport (ca. 53% der Exporte). Die damit erzielten Einnahmen ermöglichten auch 2012 umfangreiche staatliche Investitionen. Diese waren Motor eines hohen Wirtschaftswachstums.

Ecuadors Wirtschaft hat grundsätzlich eine marktwirtschaftliche Struktur. Die aktuelle Verfassung von 2008 gewährt dem Staat eine führende Rolle in Wirtschaftsthemen, wovon die Regierung von Staatspräsident Correa durch mehrere Reformmaßnahmen Gebrauch gemacht hat. Insgesamt kennzeichnend für das Land ist einerseits eine positive wirtschaftliche und soziale Entwicklung, andererseits eine zunehmende Machtkonzentration in Händen der Exekutive. Die Ergebnisse der Präsidentschafts- und Parlamentswahlen im Februar 2013, die zur Wiederwahl Staatspräsident Correas und zur Zweidrittelmehrheit seiner „Alianza PAIS“ im Parlament geführt haben, lassen einen Fortgang dieser Entwicklung erwarten.

Das beachtliche Wirtschaftswachstum wirkt sich positiv auf Arbeitslosenstatistik (offiziell 5,0%) und Armutsreduzierung aus. Die Armutsrate sank in den letzten 5 Jahren um ca. 5-Prozentpunkte. Ca. 32% waren 2012 nach Angaben von CEPAL von Armut betroffen, hauptsächlich in den ländlichen Regionen.


Wirtschaftsstruktur

Dominierender Sektor ist der Erdölsektor. 2012 betrug die Erdölförderung 184 (2011: 182) Mio. Barrel, wovon rund 129.5 (70%) ausgeführt wurden. Prognosen für das Jahr 2013 ergeben, dass die Erdölförderung durch eine gesteigerte Produktion weiter leicht wachsen wird. Der Erdölexport (Rohöl plus Kraftstoff) hat im Jahr 2012 13,79 Mrd. USD (Anteil am BIP etwa 16,0%) erwirtschaftet (2011: 12,94 Mrd. USD).

Der zweitwichtigste Wirtschaftszweig ist die Bauindustrie. Dieser hat im Jahr 2012 knapp 8,775 Mrd. USD (2011: 7,74; 2010: 6,03 ) erwirtschaftet (Anteil von 10,18% am BIP).

Der Umsatz des Groß- und Einzelhandels einschließlich der Reparatur von Fahrzeugen betrug im Jahr 2012 8,69 Mrd. USD (2011: 8,607; 2010: 7,489 Mrd. USD). Der Anteil am BIP beläuft sich auf 10,08%.

Die Land- und Forstwirtschaft (u.a. Produktion von Bananen, Kaffee, Kakao, Schnittblumen, Garnelen) trug im Jahr 2012 mit einem Umsatz von 5,93 Mrd. USD (6,8% BIP, 2011: 5,66%) Mrd. USD zum BIP des Landes bei. ECU zählt zu den weltweit bedeutendsten Produzenten qualitativ hochwertigen Kakaos, jedoch nicht zu den wichtigsten Massenproduzenten.


Außenwirtschaft

Der ecuadorianische Außenhandel verzeichnete 2012 weiterhin ein hohes Wachstum. Der Wert der Importe stieg im Vergleich zu 2011 um ca. 4,48% auf ca. 24,04 Mrd. USD (F.O.B.) (2011: 23,009 Milliarden USD). Der Wert der Exporte stieg um ca. 7,08% auf rund 23,9 Mrd. USD (2011: 22,32 Mrd. USD). Aufgrund der höheren Import- als Exportraten, verzeichnet Ecuador wie bereits in den beiden vorangegangenen Jahren erneut ein Handelsbilanzdefizit (2012: -0,14 Mrd. USD) Ohne den Erdölsektor, betrug des Handelsbilanzdefizit 2012 ca. 8,5 Mrd. USD. Dieser Trend scheint nach den ersten Daten für 2013 anzuhalten. Vom Januar-Juli 2013 erreichten die Exporte einen Wert von 14,285 Mio. USD (+1,1% im Vergleich zur gleichen Periode 2012). Die Importe für diesen Zeitraum betrugen 14, 680 Mio. USD (+6,4% im Vergleich zur gleichen Periode 2012).

Dem hohen Handelsbilanzdefizit außerhalb des Erdölsektors versucht die Regierung u.a. durch Importrestriktionen zu begegnen. Die Mitte Juni 2012 erlassenen Maßnahmen für über 80 verschiedene Produkte sehen sowohl Mengen- als auch Wertgrenzen vor, an die sich die Importeure zu halten haben. Betroffene Produkte sind u. a. Autos, womit auch die Einfuhr von Kraftfahrzeugen aus Deutschland getroffen wird.

Fast 80 % der Gesamtexporte gehen in Länder des amerikanischen Kontinents. Haupthandelspartner waren 2012 USA, EU und die Andenländer.

Die EU ist der größte Markt für ecuadorianische Nichterdölexporte. Der Handel mit der EU wächst kontinuierlich und erreichte 2012 einen Umfang von 4,7 Mrd. € (2011: 3,79) mit einem Handelsbilanzüberschuß für Ecuador von 165 Mio. € (2011: 879 Mio. €). 9 von 10 ecuadorianischen Exportprodukten profitieren vom Allgemeinen Präferenzsystem der EU (APS), das aber Ende 2014 auslaufen wird. Als Alternative will Ecuador über ein Freihandelsabkommen mit der EU verhandeln.

Der bilaterale Handel zwischen Deutschland und Ecuador hat nach kontinuierlichem Wachstum 2011 erstmals einen Wert von über 1 Mrd. USD erreicht (siehe dazu Seite bilaterale Beziehungen).

Das Volumen ausländischer Investitionen in Ecuador ist mit 586 Mio. USD im Jahr 2012 (2011: 641) im Regionalvergleich sehr gering. Sie repräsentieren weniger als 1% des BIP. Hauptinvestor war 2012 China. Aus den Nachbarländern Peru und Kolumbien kommen kaum Investitionen. Die Regierung Correa hat ferner die Voraussetzungen dafür geschaffen, mehrere der bestehenden bilateralen Investitionsschutzabkommen, darunter das mit Deutschland, wegen Unvereinbarkeit mit der neuen Verfassung von 2008 zu kündigen. Investitionsschutz und Rechtssicherheit waren prominente Themen während des Besuchs von Staatspräsident Correa in Deutschland.


Wirtschafslage

Nach letzten Angaben der Ecuadorianischen Zentralbank verzeichnete Ecuador 2012 ein Wirtschaftswachstum von 5,1%. Es lag damit zwar deutlich unter den 7,8% im Jahre 2011, aber wieder über dem regionalen lateinamerikanischen Durchschnitt.

Motor des Wirtschaftswachstums sind staatliche Zuwendungen und Ausgaben: hohe Investitionen in Infrastrukturprojekte und umfangreiche Personalausgaben. Sie kurbeln die Wirtschaft an und fördern den privaten Konsum. Die hohen Erdöleinnahmen werden in den Wirtschaftskreislauf gepumpt. Die hohen öffentlichen Ausgaben wirken sich positiv auf die Beschäftigungslage und die Armutsreduzierung aus. Die offizielle Arbeitslosenstatistik lag 2012 bei 5% (viele Arbeitnehmer sind allerdings unter- bzw. nicht ausbildungsadäquat beschäftigt). Die aktuelle jährliche Inflationsrate liegt bei 4,16% (2012).

Laut CEPAL konnte die Regierung die Armutsrate 2012 von 37,1 % auf 32,4 % reduzieren. Die Einkommensungleichheit ist hoch, jedoch mit fallender Tendenz.

Der staatliche Haushalt 2012 betrug 26,1 Mrd. USD und soll 2013 auf über 31 Mrd. USD steigen. Die Steuereinnahmen sollen von 11,26 Mrd. USD (2012) auch ca. 13 Mrd. USD in diesem Jahr steigen. Sie stellen den größten Einnahmeposten dar. An zweiter Stelle auf der Einnahmenseite stehen die Erlöse aus dem Erdölexport. Hauptausgabeposten sind Gehälter für den staatlichen Sektor mit ca. 8 Mrd. USD. Hinzu kommen umfangreiche Ausgaben für den Ausbau der Infrastruktur und der Wirtschaftssektoren außerhalb des Erdölsektors. Für die Umsetzung dieser Politik wird die Regierung viel Geld in die Hand nehmen.

Ohne Finanzierung aus dem Ausland wird das nicht gehen. Hauptkreditgeber ist China. Das Haushaltsdefizit beträgt nach offiziellen Angaben 22% des BIP.

Die Kreditwürdigkeit Ecuadors in den letzten Jahren gestiegen, dank des anhaltenden stabilen wirtschaftlichen Wachstums und der politischen Stabilität des Landes.

Dies zeigt sich unter anderem an der Bewilligung mehrerer Kredite multilateraler und regionaler Banken 2012, darunter auch erstmals ein Kredit der Europäischen Investitionsbank (EIB) an Ecuador Ende 2012 in Höhe von 250 Mio. USD für den Bau der Metro in Quito.

Im „Global Competitiveness Report 2012-13“ steht Ecuador mit 3,9 von 7 Punkten auf Platz 86 von 144 (Vorjahr 3,8 Punkte und Rang 101 von 142).


Mitgliedschaft in Wirtschaftsgruppierungen

Ecuador ist u.a. Mitglied des IWF, der Weltbank-Gruppe und der Welthandelsorganisation (WTO), sowie der Andengemeinschaft (CAN), und der „Bolivarianischen Allianz für die Völker unseres Amerikas“ (ALBA). Des weiteren ist es assoziiertes Mitglied im Gemeinschaftlichen Markt des Südens (Mercosur). Zudem ist Ecuador seit Dezember 2007 wieder Mitglied in der OPEC.

Hinweis:

Dieser Text stellt eine Basisinformation dar. Er wird regelmäßig aktualisiert. Eine Gewähr für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Angaben kann nicht übernommen werden. 


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