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Der Widerstand im Auswärtigen Amt während des Dritten Reichs

Während der Zeit des Nationalsozialismus war das Auswärtige Amt kein besonderer Ort des Widerstands. Selbst wenn die schlimmsten Vordenker der Vernichtung möglicherweise an anderen Schreibtischen saßen, so war doch in der Wilhelmstraße das gesamte Spektrum von Übereinstimmung, Opportunismus und Dissens vertreten. Ihre Weltläufigkeit hat die Diplomaten nicht davon abgehalten, der Diktatur zu Diensten zu sein, seinen Verbrechen zuzuarbeiten, auch selbst initiativ zu werden. Nach dem Krieg war die Versuchung offenbar zu groß, es anders darzustellen, die Täter zu verschweigen, den Mitläufern zu vergeben, das Zuschauen und Mitwissen zu vergessen. Aber der Auswärtige Dienst war nicht ausschließlich ein Ort der Täter. Es gab in allen Laufbahnen Gegner des totalitären Staats, sie bildeten jedoch keine geschlossene Gruppe. Es waren Gewissensgründe, ideologische oder christliche Überzeugungen, die sie dazu brachten, sich gar nicht erst mit den Nationalsozialisten zu arrangieren oder sich später von ihnen abzuwenden.

Friedrich Wilhelm von Prittwitz wollte dem Regime nicht als Botschafter in Washington dienen und trat von seinem Posten zurück. Georg Ferdinand Duckwitz half, die Juden in Dänemark vor der Deportation und Ermordung zu bewahren. Fritz Kolbe, Herbert Gollnow und Rudolf von Scheliha gaben ihr Wissen von den Verbrechen und Plänen des "Dritten Reichs" an dessen Kriegsgegner weiter. Mancher bezahlte die Opposition mit seinem Leben. Gollnow und Scheliha wurden mit der Widerstandsgruppe "Rote Kapelle" verhaftet und dann hingerichtet. Hans Litter verurteilte ein Feldkriegsgericht wegen defätistischer Äußerungen zum Tode. Herbert Mumm von Schwarzenstein gehörte einer Widerstandsgruppe an, wurde verraten und im Zuchthaus erschossen.

Im Zusammenhang mit dem Attentatsversuch am 20. Juli 1944 wurden Eduard Brücklmeier, Hans Bernd von Haeften, Ulrich von Hassell, Otto Kiep, Friedrich-Werner Graf von der Schulenburg und Adam von Trott zu Solz festgenommen, vom so genannten Volksgerichtshof zum Tode verurteilt und in Berlin-Plötzensee hingerichtet. Gleichfalls im Zusammenhang mit dem Anschlag auf Hitler wurden Albrecht Graf von Bernstorff und Richard Kuenzer in Berlin-Moabit ermordet. An diese Opfer des Nationalsozialismus erinnert - zugleich stellvertretend für jene Oppositionellen, die wir nicht mit Namen kennen - im Auswärtigen Amt heute eine Gedenktafel.


Reisekostenabrechnung des sogenannten "Judenreferats", Reisezweck: "Liquidation von Juden"

Unabhängige Historikerkommission

Im Juli 2005 setzte der Bundesminister des Auswärtigen eine Unabhängige Historikerkommission (UHK) ein. Sie erforschte die Rolle des Auswärtigen Dienstes in der Zeit des Nationalsozialismus, den Umgang mit dieser Vergangenheit nach der Wiedergrün­dung des Auswärtigen Amtes 1951 und die Frage personeller Kontinuität bzw. Diskonti­nuität nach 1945. Mehr

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